• Drei schwere Hagelunwetter im Alten Land verursachen Schäden von über 30 Millionen Euro – Liquiditätssicherung muss an erster Stelle stehen

Drei schwere Hagelunwetter im Alten Land verursachen Schäden von über 30 Millionen Euro – Liquiditätssicherung muss an erster Stelle stehen

Vereinigte Hagelversicherung
2294

Das Alte Land wurde in diesem Jahr bereits dreimal von schweren Hagelunwettern getroffen. Nach den Schadentagen am 4. Juni, 9. Juni und zuletzt am 1. Juli ziehen die Vereinigte Hagel und die Fachverbände des Obstbaus eine ernüchternde Zwischenbilanz. Die Schäden im größten zusammenhängenden Obstanbaugebiet Deutschlands werden inzwischen auf mehr als 30 Millionen Euro geschätzt. Die Schätzung wurde gemeinsam von der VEREINIGTEN HAGEL und den Obstbau-Fachverbänden vorge-nommen und umfasst sowohl versicherte als auch nicht versicherte Betriebe. Die Hagelzüge erstreckten sich über weite Teile der Region von Hamburg bis ins Alte Land. Besonders problematisch ist dabei, dass zahlreiche Flächen mehrfach betroffen waren. Viele Obstbaubetriebe mussten innerhalb weniger Wochen wiederholt Schäden an ihren Anlagen hinnehmen. „Wir erleben in diesem Jahr eine außerge-wöhnliche Häufung schwerer Hagelereignisse in einer der bedeutendsten Obstbauregionen Europas. Das verschärft die wirtschaftlichen Folgen erheblich“, erklärt Peter H. Schemmel, Bezirksdirektor der VEREINIGTEN HAGEL.

Die Obstbauregion an der Niederelbe gehört seit jeher zu den Gebieten in Deutschland, die immer wieder von Hagelereignissen betroffen sind. Die geografische Lage zwischen Elbe, Marsch und Geest sowie die regelmäßige Bildung von Gewitterzellen sorgen dafür, dass Hagel ein bekanntes und dauerhaftes Risiko für die Obstbaubetriebe darstellt. Die Ereignisse des Jahres 2026 gehen jedoch deutlich über das übliche Maß hinaus. Innerhalb von nur vier Wochen kam es zu drei schweren Hagelschlägen, die teilweise dieselben Flächen mehrfach trafen. Viele Betriebe sprechen bereits jetzt von einem der schwersten Hageljahre der vergangenen Jahrzehnte. Im Alten Land werden auf gut 8.300 Hektar Äpfel angebaut. Nach aktuellen Schätzungen wurden etwa zwei Drittel dieser Fläche an mindestens einem der drei Schadentage durch Hagel geschädigt.

Zwei Drittel der Apfelflächen betroffen
Die Schäden reichen von Dellen und Verletzungen der Fruchthaut bis hin zu Beschädigungen am Holz. Bereits nach den ersten Hagelereignissen Anfang Juni war klar, dass große Teile der Ernte nicht mehr als hochwertige Tafelware vermarktet werden können. Durch die weiteren Unwetter hat sich diese Situation nochmals deutlich verschärft. Viele der beschädigten Äpfel werden lediglich als Most-, Mus- oder Schälobst verwertet werden können. Die Erlöse liegen in diesen Vermarktungssegmenten oftmals um bis zu 80 Prozent unter denen von hochwertigem Tafelobst. Bereits die ersten Schadentage Anfang Juni führten zu erheblichen wirtschaftlichen Verlusten für die Obstbaubetriebe. Am jüngsten Schadentag hatten die Äpfel bereits Zucker eingelagert, so dass aufgrund auftretender Fäulnis selbst die Ver-mostung fraglich ist und Totalschäden zu verzeichnen sind.

Schwierige Marktsituation verschärft die Folgen
Die diesjährigen Hagelschäden treffen die Obstbauern zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe hat sich in den vergangenen Jahren spürbar verschlechtert. Die Vermarktung von Äpfeln ist zunehmend schwieriger geworden, gleichzeitig stehen viele Erzeuger unter erheblichem Kostendruck.  Zudem steht die neue Ernte unmittelbar bevor, erste frühe Sorten werden bereits ab August geerntet. Um Platz für die neue Ware zu schaffen, müssen die Lagerbestände der Vorjahresernte abverkauft werden. In vielen Fällen gelingt dies nur noch über die Verwertung als Mostobst, wodurch deutlich geringere Erlöse erzielt werden als im Frischmarkt.

Auf der Kostenseite sehen sich die Betriebe gleichzeitig mit steigenden Ausgaben für Diesel, Pflanzenschutzmittel, Beregnung und weitere Betriebsmittel konfrontiert. Auch die kontinuierlichen Erhöhungen des Mindestlohns wirken sich in den arbeitsintensiven Obstbaubetrieben erheblich aus. Bereits im Juni hatten Vertreter des Obstbaus darauf hingewiesen, dass die Produktionskosten in den vergangenen Jah-en deutlich gestiegen sind und die Mindestlohnerhöhungen allein erhebliche Mehrbelastungen verursachen.

Mehr als die Hälfte der Betriebe ohne Hagelversicherung
Vor diesem Hintergrund sparen viele Familienbetriebe dort, wo kurzfristig Liquidität geschont werden kann. Davon betroffen ist häufig auch die Absicherung gegen Wetterrisiken. Eine Hagelversicherung ist im Obstbau aufgrund des hohen Risikos deutlich kostenintensiver als bei vielen anderen Kulturen, Prämien von etwa 1.000 bis 1.500 Euro pro Hektar sind die Regel. Nach Einschätzung der VEREINIGTEN HAGEL hat mehr als die Hälfte der Obstbaubetriebe im Alten Land keine Hagelversicherung abgeschlossen. Dies ist oftmals keine bewusste Entscheidung gegen Versicherungsschutz, sondern die Folge der angespannten wirtschaftlichen Situation vieler Betriebe.
Die Auswirkungen zeigen sich in diesem Jahr besonders deutlich. Nicht versicherte Betriebe müssen die Ertrags- und Qualitätsverluste vollständig selbst tragen. Dadurch geraten zahlreiche Unternehmen zusätzlich unter erheblichen Liquiditätsdruck. Versicherte Betriebe können die finanziellen Folgen hingegen zumindest teilweise über Entschädigungszahlungen abfedern. Die Entschädigungen ersetzen nicht den vollständigen wirtschaftlichen Schaden, sichern aber die notwendige Liquidität, um die laufenden Kosten zu decken und die Betriebe handlungsfähig zu halten.

Fachverbände sehen Handlungsbedarf
Die Fachverbände des Obstbaus teilen diese Einschätzung ausdrücklich. Gemeinsam mit der VEREINIGTEN HAGEL weisen sie darauf hin, dass die zunehmenden Wetterextreme die Bedeutung eines professionellen Risikomanagements weiter erhöhen.

Aus Sicht der Fachverbände und der VEREINIGTEN HAGEL trägt insbesondere die Förderung der Hagel- und Mehrgefahrenversicherung dazu bei, die Widerstandsfähigkeit der Obstbaubetriebe zu erhöhen. Zwar existiere in Niedersachsen seit einiger Zeit ein Förderprogramm, dies schließe die Gefahr Hagel aber explizit aus. Statistisch gesehen mache aber gerade der Hagel das größte wiederkehrende Risiko aus. Ziel müsse es daher sein, mehr Betrieben den Zugang zu einer bezahlbaren Risikoabsicherung – inklusive Hagelrisiko – zu ermöglichen und damit die Liquidität landwirtschaftlicher Familienbetriebe auch in Schadenjahren zu sichern. Bereits im Zusammenhang mit den Hagelschäden Anfang Juni hatten Vertreter des Obstbaus und der VEREINIGTEN HAGEL auf diesen Sachverhalt hingewiesen.

Die diesjährigen Hagelschäden machen deutlich: Wetterextreme sind längst nicht mehr nur ein produktionstechnisches Risiko, sondern zunehmend auch eine Frage der wirtschaftlichen Stabilität der Betriebe. Eine verlässliche Risikoabsicherung kann dazu beitragen, dass aus Ernteverlusten keine Existenzgefährdungen werden. Für die Obstbaubetriebe im Alten Land ist dies angesichts von Schäden in einer Größenordnung von inzwischen über 30 Millionen Euro wichtiger denn je.

Über den Autor

Quelle: Vereinigte Hagelversicherung VVaG, Wilhelmstraße 25, 35392 Gießen, Telefon: +49 641 7968-0, E-Mail: info@vereinigte-hagel.de

News & Infos

News & Infos

Neue EU-Verordnung in Planung: Aufruf zur EU-Konsultation

EU-Verordnung zur nachhaltigen Verwendung von Pflanzenschutzmittel (SUR) würde Einsatzverbot für chem. Pflanzenschutz auf ca. 40 % der Obstbaufläche Deutschlands bedeuten!

Fachgruppe OBSTBAU
10507
News & Infos

Leuchtturmprojekt „Agri- Photovoltaikanlage-Obstbau“

Vom Klimawandel sind vor allem Kulturen mit langer Nutzungsdauer betroffen.

Dr. Leonhard Steinbauer, Dr. Thomas Rühmer
0
News & Infos

Agrarpolitische Talkrunde und Senatsempfang in Hamburg

Auf eine akute Krise im deutschen Obstbau hat Jens Stechmann, Vorsitzender der Bundesfachgruppe Obstbau hingewiesen.

Fachgruppe OBSTBAU
11205
News & Infos

150.000 t mehr EU-Äpfel

Auch im Jahr 2022 beeinflussen Wetterkapriolen die europäische Kernobsternte. Frühjahrsfr.ste und Trockenheit dezimieren das Angebot auf der iberischen Halbinsel sowie in Südosteuropa.

Helwig Schwartau
0
News & Infos

Nur Aktion bringt Satisfaktion!

Bundesweite Apfelverteilaktion am 24. September 2022: Werden Sie zu Botschaftern des deutschen Obstbaus!

Ferdinand Völzgen
0
News & Infos

Jubiläumstreffen des AK Steinobst in Weinsberg

Dass der Arbeitskreis Steinobst der älteste Arbeitskreis der Bundesfachgruppe Obstbau ist, zeigt sich eindrucksvoll an der Zahl vor dem Jubiläum:

Dr. Annette Urbanietz
0
News & Infos

Johannisbeeren und Stachelbeeren

Die Vermarktungssaison lief besser als erwartet

Fachgruppe OBSTBAU
0
News & Infos

Öffentlichkeitsarbeit als Betriebsleiter oder Berater

Die Ernte ist die Arbeitsspitze im Apfelproduktionsjahr und als Berater ist man immer gefordert.

Fachgruppe OBSTBAU
10076
News & Infos

Superfrucht Kiwibeere

Die stachelbeergroße Kiwibeere schmeckt süß-fruchtig und muss nicht geschält werden.

Dr. Helga Buchter-Weisbrodt
21813
News & Infos

„Bei dieser Kultur gibt es nur Vollgas oder gar nicht“

Kiwibeeren sind Exoten und brauchen es deshalb schön warm?

Theresa Petsch
13626
News & Infos

Kiwibeeren: Anbauerfahrungen an der LWG Veitshöchheim

Seit über 20 Jahren laufen an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim Anbau- und Sortenversuche mit Kiwibeeren oder „Mini-Kiwi“ (Actinidia arguta).

Alexander Zimmermann
14975
News & Infos

Green Deal: Vorschläge der EU-Kommission für eine neue Pflanzenschutzverordnung (SUD)

Die EU-Kommission hat am 22. Juni 2022 einen Vorschlag für eine neue Pflanzenschutzverordnung vorgelegt (SUD), s. auch Pressemitteilung der Europäischen Kommission im Anhang.

Fachgruppe OBSTBAU
9765
Anzeige