Preis-Schmerzgrenze: Beim Apfel streng, bei Schokolade egal?

Manfred Kohlfürst, Polona Scheuba
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Beim bewussten Durchgang durch den Supermarkt fällt einem manchmal auf, wie unterschiedlich Preise wahrgenommen und argumentiert werden.

In Gesprächen mit dem Handel hören wir im Obst- und Gemüsesektor immer wieder ein ähnliches Argument: Ab einem bestimmten Preis sei ein Produkt für Konsumentinnen und Konsumenten nicht mehr interessant. Man könne noch mit Aktionen oder Rabatten arbeiten, grundsätzlich gebe es aber eine relativ klare Schmerzgrenze.

Schaut man sich jedoch andere Regale im selben Supermarkt an, wirkt diese Grenze plötzlich deutlich weniger strikt. Ein Beispiel ist Schokolade. Eine kleine Tafel einer bekannten Alpenmilchschokolade mit 90 Gramm kostet derzeit rund 1,99 Euro. Das entspricht einem Kilopreis von über 22 Euro. Gleichzeitig bekommt man österreichische Äpfel der Sorte ‘Gala’ um etwa 2,49 Euro pro Kilogramm, gelegte Ware. Eigenmarkenäpfel sind sogar um rund 1,75 Euro pro Kilogramm erhältlich, etwa in der 2-kg-Packung.

Noch interessanter wird der Vergleich, wenn man einen Blick zurückwirft. Vor etwa zehn Jahren lag der Preis für ein Kilogramm Äpfel bei rund 1,80 Euro. Seither hat sich in Europa und in Österreich bei den Produktionskosten sehr viel getan. Vor allem die Löhne sind deutlich gestiegen, dazu kommen höhere Energiepreise und viele andere Kostensteigerungen in der Produktion und auch entlang der Produktionskette. In vielen anderen Teilen der Welt hat es diese Entwicklung in diesem Ausmaß nicht gegeben.

Bei Schokolade hat sich der Preis im selben Zeitraum deutlich stärker verändert: Vor zehn Jahren kostete eine Tafel der bekannten Marke noch rund 0,89 Euro – damals allerdings noch für 100 Gramm. Der Preis hat sich also mehr als verdoppelt. Ein wesentlicher Grund dafür sind sicherlich die stark gestiegenen Kakaopreise, die vor allem auf schlechte Ernten zurückzuführen sind. Schlechte Ernten kennen wir in der Landwirtschaft allerdings ebenfalls – Preisverdopplungen im Regal hat man im Obstbereich trotzdem kaum gesehen.

Das wirft zwangsläufig eine Frage auf: Was kann die Schokoladenbranche, was wir im Obstbereich nicht schaffen? Ist Schokolade für Konsumenten so unverzichtbar, dass sie auch bei deutlich höheren Preisen weiter gekauft wird? Oder ist die Produktion so stark konzentriert, dass der Handel an bestimmten Herstellern kaum vorbeikommt und erhöhte Preise daher einfach akzeptiert werden? Die Antwort liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen. Gleichzeitig zeigt der Vergleich aber sehr deutlich, wie wichtig die Verkaufsbündelung ist. Dort, wo Ressourcen gebündelt werden und auch der Verkauf stärker gemeinsam organisiert ist, kann man deutlich bessere Preise durchsetzen.

Auch bei uns wird es langfristig ohne stärkere Zusammenarbeit und Angebotsbündelung anscheinend nicht gehen. Genau deshalb bereiten uns die aktuellen Pläne der EU-Kommission zur Zukunft der Erzeugerorganisationen große Sorgen. Erzeugerorganisationen im Obst- und Gemüsesektor sind ein Erfolgsmodell der Europäischen Union. Eine mögliche Renationalisierung der Finanzierung und die damit verbundene Unsicherheit würden dem Sektor langfristig schaden.

Wir bringen uns auf EU-Ebene aktiv in verschiedene Gremien ein, um Verbesserungen an den Vorschlägen der Kommission zu erreichen. Unser Ziel ist, dass die Bedeutung der Zusammenarbeit weiterhin anerkannt und auch künftig in entsprechendem Ausmaß unterstützt wird. Wir sind heute zwar deutlich besser aufgestellt als noch vor einigen Jahren, gleichzeitig fehlt uns aber noch einiges, um in Preisverhandlungen ähnlich geschlossen auftreten zu können wie andere Branchen – etwa jene der Schokoladenhersteller.

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Manfred Kohlfürst und Polona Scheuba

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