Ein Prozent reicht nicht! Warum der Obstbau dringend Entlastung braucht

Manfred Kohlfürst, Polona Scheuba
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Dass die hohen Lohnkosten den österreichischen Obstbau massiv unter Druck setzen und unsere Wettbewerbsfähigkeit schwächen, ist seit Jahren bekannt.

Ebenso lange fordert die Branche praxistaugliche und begünstigte Modelle für kurzfristige Beschäftigung. Die seitens des Finanzministers angekündigte Senkung der Lohnnebenkosten um ein Prozent wurde zwar positiv aufgenommen, bleibt jedoch deutlich hinter dem zurück, was für arbeitsintensive Sonderkulturen tatsächlich notwendig wäre. Die Betriebe kämpfen bereits heute mit massivem Kostendruck und geraten im europäischen Wettbewerb zunehmend ins Hintertreffen. Aus diesem Grund wurde erneut ein Schreiben an den österreichischen Finanzminister gerichtet, um auf die Dramatik der Situation aufmerksam zu machen und rasche, gezielte Entlastungen für den Obst- und Gemüsebau einzufordern.

Die Situation in der Praxis spitzt sich zunehmend zu. Was lange als schleichendes Problem wahrgenommen wurde, ist mittlerweile deutlich sichtbar: Produktion wandert ab, Anbauflächen gehen zurück und viele Betriebe stoßen bei arbeitsintensiven Kulturen wirtschaftlich an ihre Grenzen. Gerade im Obst- und Gemüsebau zählen die Arbeitskosten zu den entscheidenden Faktoren. Mit Drittstaaten, in denen teilweise Lohnkosten von unter einem Euro pro Stunde bezahlt werden, unbegrenzte Arbeitszeiten möglich sind und soziale Standards kaum vergleichbar sind, haben wir längst aufgehört, uns zu vergleichen. Besonders schmerzhaft ist mittlerweile vielmehr der Vergleich innerhalb Europas.

Österreich zählt bei kurzfristig Beschäftigten zu den teuersten Standorten der EU. Mit Ländern im Osten und Süden Europas bestehen aufgrund völlig unterschiedlicher Lohnstrukturen ohnehin massive Wettbewerbsnachteile. Aber selbst große Länder wie Deutschland, Frankreich oder Italien haben längst spezielle Modelle geschaffen, um arbeitsintensive Sonderkulturen gezielt zu entlasten und die Produktion im eigenen Land zu halten. Auch wenn es uns bewusst ist, dass das deutsche Modell in der Praxis seine Nachteile hat und es an den Regelungen auch aus dem Sektor immer wieder Kritik gibt, bleibt die Tatsache bestehen, dass Deutschland seinen Sonderkulturen damit Rahmenbedingungen bietet, von denen österreichische Betriebe nur träumen können. Während sich die Kosten in Österreich mittlerweile auf rund 20 Euro pro effektive Arbeitsstunde belaufen, kann man sie in Deutschland durch das Modell für kurzfristig Angestellte auf rund 15 Euro senken. Doch nicht nur die Kosten bereiten Sorgen. Ein weiteres großes Thema wird dieses Jahr die Verfügbarkeit von Arbeitskräften sein. Bereits im Vorjahr waren die Kontingente für Saisonarbeitskräfte aus Drittstaaten äußerst knapp bemessen. Während die Kontingente im Tourismusbereich aufgestockt wurden, blieb die Landwirtschaft außen vor. Gleichzeitig steigt der Bedarf in der Branche weiter an. Immer mehr Betriebe greifen auf Arbeitskräfte aus Drittstaaten zurück, dazu kommt die Aussicht auf eine gute Obsternte. Die Sorge in vielen Betrieben ist daher groß, dass heuer nicht nur die steigenden Kosten zum Problem werden, sondern sich auch der ohnehin angespannte Arbeitskräftemangel weiter verschärfen wird.

Vor diesem Hintergrund braucht es nun rasch konkrete und praxistaugliche Schritte, um die Wettbewerbsfähigkeit des heimischen Obst- und Gemüsebaus in Österreich nicht weiter zu gefährden. Symbolische Entlastungen reichen dabei nicht aus – erforderlich sind gezielte Modelle für kurzfristige Beschäftigung, die die realen Rahmenbedingungen arbeitsintensiver Sonderkulturen berücksichtigen.

Eine ausreichende und verlässliche Versorgung mit Saisonarbeitskräften ist die Grundvoraussetzung dafür, dass Ernten eingebracht und Betriebe wirtschaftlich geführt werden können. Ohne entsprechende Anpassungen bei Kontingenten und Rahmenbedingungen droht sich der bestehende Druck weiter zu verschärfen – mit direkten Folgen für Versorgungssicherheit, regionale Wertschöpfung und die Zukunft des heimischen Anbaus.

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Manfred Kohlfürst und Polona Scheuba

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