Witterungsbedingte Ernteeinbußen bei Süßkirschen

Lisa Buddrus
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Die Süßkirschensaison startete dieses Jahr drei Wochen früher als 2023 und im Vergleich zum Langjährigen Mittel.

Starke Frostereignisse während der Blüte Ende April haben die Erträge in Deutschland entscheidend geschmälert – mit regionalen Unterschieden. Wie sind die Aussichten für die diesjährige Süßkirschensaison, mit einem Blick auf die in Konkurrenz dazu stehenden Importmengen?

Importmengen abhängig vom Binnenangebot
Im Jahr 2023 sank der Selbstversorgungsgrad bei Süßkirschen in Deutschland leicht auf 46 % (in schwächeren Erntejahren wie 2017 oder 2021 lag er auch schonmal bei 24 bzw. 36 %). So lagen die Süßkirschenimporte 2023 mit gut 40.500 t knapp 4 % über dem Niveau von 2022, im Frostjahr 2017 erreichten sie ihren bisher höchsten Wert mit gut 51.000 t. Eine lineare Trendberechnung ergibt, dass die Importmengen zwischen 2014 und 2023 rein rechnerisch jedes Jahr um 1,2 % gestiegen sind.

Bei den Herkunftsländern steht die Türkei weiterhin an vorderster Stelle. Sie war 2023 für rund 49 % der gesamten Süßkirschenimporte verantwortlich. Griechenland baut sein Exportgeschäft seit einiger Zeit immer weiter aus und ist mittlerweile der zweitwichtigste Süßkirschenlieferant für Deutschland, gefolgt von Spanien. Je nachdem, wie stark sich die witterungsbedingten Ernteausfälle in diesem Jahr in Deutschland bemerkbar machen, werden sich die Importe entsprechend entwickeln.

Aussichten auf 2024
In Deutschland haben sich die Frostereignisse Ende April 2024 regional teils verheerend auf die Erträge ausgewirkt. Dazu kamen die Niederschläge zu Beginn der Ernte, die den Start in die Verkaufssaison erschwerten. Die Ernte begann, je nach Region, ab der 22./23. Kalenderwoche.

Der Saisonstart verlief eher langsam und mit geringen Mengen, da Niederschläge die Kirschen im Freilandanbau konditionell beeinträchtigten. Der Freilandanbau kämpfte mit geplatzten Kirschen, Fäulnis und entsprechenden Qualitätsminderungen. Die vom Regen und dem Platzen verschonte Ware war zunächst nicht sehr stabil. Kirschen aus dem Geschützten Anbau konnten dagegen besser abschneiden. Die Nachfrage verlief aufgrund der niedrigen Temperaturen jedoch in gemächlichen Bahnen.

Zu Redaktionsschluss lag die finale Ernteschätzung für Deutschland noch nicht vollständig vor. Es ist aber davon auszugehen, dass die Mengen des Vorjahres bei Weitem verfehlt werden. So erwarten die Produzenten im Osten Deutschlands einen Ernteverlust von bis zu 90 %, im Rest des Landes waren die Frostschäden regional sehr unterschiedlich. Die Frühsorten im Süden Deutschlands haben etwas weniger gelitten als die Spätsorten. Im Norden hingegen herrschten zur Blüte der Frühsorten günstige Witterungsbedingungen für die Bestäubung, während bei den Spätsorten der Fruchtansatz durch niedrige Temperaturen zur Blütezeit, verbunden mit einer entsprechend geringeren Insektenaktivität, etwas schlechter ausgefallen ist.

Wie sich der Lebensmitteleinzelhandel in diesem Jahr aufstellt und wieviel Raum er der regionalen Produktion einräumen wird, bleibt abzuwarten. Durch die zu erwartende deutlich geringere Erntemenge in Deutschland könnten die vorhandenen Mengen aus heimischer Produktion zumindest gut platzierbar sein. Bislang wurden an den Großmärkten deutsche Süßkirschen – bei passender Kondition der Ware – den Importen vorgezogen. Dabei liegen die Verbraucherpreise für Süßkirschen im Lebensmitteleinzelhandel (inklusive Importen) etwas unter dem Vorjahresniveau. Jedoch wird die Importware, insbesondere durch die Rekordernte in der Türkei, sehr wahrscheinlich zu einem starken Wettbewerb am deutschen Kirschenmarkt führen.

Türkei erwartet erneut Rekordernte
Nach aktuellen Schätzungen des nationalen Statistikamtes Turkstat wird im Jahr 2024 in der Türkei mit einer Produktionsmenge von 771.000 t Süßkirschen gerechnet. Damit liegt die prognostizierte Ernte mit einem Plus von 4,6 % nochmals deutlich über dem Vorjahresniveau, welches mit 736.800 t die bisherige Rekordernte in der Türkei darstellte.

Ausschlaggebend war die gute Witterung zur Blüte mit einem entsprechenden Fruchtansatz, der in diesem Jahr unter anderem auch zu großen Kalibern führen könnte. Die türkische Saison kollidierte auch dieses Jahr witterungsbedingt wieder mit der deutlich früher gestarteten deutschen Saison. Der Lebensmitteleinzelhandel greift erfahrungsgemäß zum Saisonstart meist auf solche Importware zurück, da diese in der Regel preisliche Vorteile bietet.

Werbung im LEH
Türkische Herkünfte dominierten im vergangenen Jahr mit 87 Angebotsaktionen die Werbeprospekte der Handelsketten, Griechenland und Italien verloren Werbeanteile. Spanien dagegen gewann im Jahr 2023 Werbeanteile hinzu.

Neben türkischen Süßkirschen stand Ware aus Deutschland im Fokus der Werbeprospekte. So wurde im vergangenen Jahr allein 71 mal für die inländische Ernte geworben – und damit etwa genauso häufig wie im Rekorderntejahr 2018, obwohl die Erntemenge 2023 deutlich (–27 %) unter der Ernte aus 2018 lag. Entsprechend wurden 2023 im Lebensmitteleinzelhandel 5 % mehr Süßkirschen aus deutschem Anbau eingekauft als noch 2022.

Traditionell haben deutsche Kirschen auf dem Wochenmarkt und im Facheinzelhandel eigentlich einen guten Stand. Jedoch wurden dort 2023 anteilig nur gut 9  % der Süßkirschen abgesetzt – was deutlich weniger ist als noch im Jahr 2022.

Anbaufläche rückläufig
Im Jahr 2023 wurden deutschlandweit auf 5.700 Hektar Süßkirschen angebaut. Auch wenn der Flächenrückgang im Vergleich zum Vorjahr minimal war, zeigt der Vergleich zum Fünfjahresschnitt der Jahre 2018 bis 2022 ein Minus von knapp 5 %. So weist die letzte Baumobsterhebung (2022) gegenüber der vorherigen Erhebung (2017) einen Flächenrückgang von über 300 ha aus – das ist ein Rückgang um 5,5 %.

Die Anzahl der Betriebe ist im gleichen Zeitraum um 14,5 % auf 3.500 zurückgegangen. Die durchschnittliche Betriebsgröße ist auf 1,64 ha gestiegen, 2017 waren es noch 1,48 ha.

Über den Autor

Lisa Buddrus, Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH, Dreizehnmorgenweg 10, 53175 Bonn, Tel.: 0228 33805-255, E-Mail: Lisa.Buddrus@AMI-informiert.de

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