Ruhiger Saisonauftakt bei Äpfeln

Helwig Schwartau
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Es wurden weniger Äpfel gekauft, außerdem blockierte alterntige Ware zusammen mit Beständen von der Südhalbkugel bis Anfang Oktober zahlreiche Regale im Einzelhandel. Die deutschen Erzeugerorganisationen blieben dennoch gelassen und die für den Herbst gewohnten Preisnachlässe hielten sich in Grenzen.

Vorräte kleiner als erwartet
Die Erzeugerbetriebe üben keinen Druck auf den Markt aus. Die Grundlage dafür stellen die übersichtlichen Lagervorräte zum 1. November dar. Trotz der bisher schwächeren Absatzkontinuität fallen diese nicht höher aus als in den beiden Vorjahren. Abgesehen vom Norden klagen die deutschen Anbauregionen über kleinere Fruchtgrößen – dies gilt besonders für die frühreifenden Sorten wie z. B. ‘Gala’. Nach vorläufigen Informationen lagern bei den deutschen Erzeugerorganisationen noch 385.000 t Äpfel. Damit gibt es zu den beiden Vorjahren zwar nur eine unerhebliche Abweichung, wohl aber regionsabhängige Verschiebungen:

• Der Norden kann auf ein zum Vorjahr vergleichbares Quantum zurückgreifen.
• Das Minus von knapp 20 % im Süden wird durch den Osten kompensiert.
• Für den Westen werden noch Nachmeldungen erwartet, die dann in Summe zumindest den Apfelbestand aus 2020 erreichen werden.

Norddeutschland auf Vorjahreskurs
Auf Norddeutschland mit dem Schwerpunkt Niederelbe entfallen 198.000 t –
eine zum Vorjahr vergleichbare Menge. Verschiebungen gibt es aber im Sortiment:

• Die Hauptsorte stellt jetzt ‘Red Jonaprince’ mit 58.000 t. Der Zuwachs von 8.000 t, der dazu führte, resultiert aus der Fläche, wird aber durch starke Rodungen von ‘Jonagored’ halbwegs kompensiert. Damit ergibt sich für die gesamte ‘Jonagold’-Gruppe nur ein Zuwachs von 5 % zum Vorjahr.
• Das bisher disziplinierte Angebotsverhalten bei ‘Elstar’ wird durch einen kleineren Bestand bestätigt. Mit einem Vorrat von 50.000 t fehlen gegenüber den beiden Vorjahren rund 4.000  t
(–7 %).
• Auch bei ‘Braeburn’ bleibt man gelassen und verfügt mit 25.000 t (–13 % zu 2019 und 2020) über ein marktgerechtes Angebot für die kommenden Monate.
• Bei ‘Boskoop’ verfügt die Region mit 11.000 t wieder über eine „normale“ Menge, die bei rückläufigem Konsum für diese Sorte aber eine Herausforderung darstellt.

Ostdeutschland wieder lieferfähig
Im Osten Deutschlands, mit Schwerpunkt Sachsen, lagern in diesem Jahr 70.600 t Äpfel. Damit steht nach den Ausfällen in den letzten Jahren (Hagel/Frühjahrsfröste) wieder eine halbwegs normale Menge zur Verfügung. Im Gegensatz zur „guten“ Ernte des Jahres 2018 hat sich das Sortiment allerdings deutlich verändert:

• Das Angebot bei ‘Gala’ hat sich innerhalb von drei Jahren von 9.500 t auf 16.000 t erhöht.
• Die ‘Jonagold’-Gruppe (aktuell 16.000 t) und ‘Idared‘ (2.800 t) wurden massiv gerodet und haben zusammen 14.000 t an Menge eingebüßt.

Defizit in Süddeutschland
Der Süden Deutschlands mit dem Schwerpunkt Bodensee meldet einen vorläufigen Bestand von 108.000 t Äpfeln und verfehlt damit die Ergebnisse aus den beiden Vorjahren um 19 % bzw. 22 %. Das Manko sind kleinere Fruchtgrößen.

• Dies gilt insbesondere für die frühreifenden Sorten wie ‘Gala’. Hier beträgt das Minus sogar 34 %.
• Auch bei ‘Braeburn’ fehlen 20–30 % zu den Vorjahren.
• Die ‘Jonagold’-Gruppe ist mit 10.000 t vertreten. Das sind rund 5.000 t weniger als in Normaljahren, bedeutet aber immerhin eine bessere Warenversorgung als im Frühjahr/Sommer 2021.

Was tut sich im übrigen Europa?
Stand Mitte November fehlen noch die Lagermeldungen aus Polen, Frankreich und Belgien. Der übrige Meldekreis verfügt über 2,52 Mio. t Äpfel, damit „nur“ 50.000 t mehr als im Vorjahr. Daraus ergibt sich eigentlich eine gute Ausgangsposition für die kommenden Monate. Es wäre allerdings wichtig, dass der Konsum im EU-Binnenmarkt an Fahrt aufnimmt und sich der Mehrbestand nicht vergrößert. Mit einem starken Inlandsmarkt im Rücken sind die deutschen Marktbeteiligten optimistisch gestimmt.

Im Gegensatz dazu stehen Exportnationen wie Italien, Frankreich und besonders Polen, die mehr als 50 % ihrer Tafeläpfel in andere Länder verkaufen, unter Druck. Denn im EU-Binnenmarkt spielt die Regionalität eine entscheidende Rolle und schränkt damit die EU-internen Warenströme ein.

Außerhalb von Europa belasten die durch die Corona-Pandemie massiven Transportverzögerungen bei gleichzeitig deutlich höheren Kosten. Die Hauptsorte im globalen Wettbewerb ist ‘Gala’ – und gerade hier lagern u. a. in Italien Rekordbestände. Man kann nur hoffen, dass diese dann nicht zum Frühjahr in den deutschen Markt drücken.

Polen völlig von der Rolle
Völlig desolat ist die Marktlage in Polen. Die vorgeschätzte Erntemenge von 4,2 Mio. t dürfte zu schwach angesetzt sein und sich eher auf 4,5 Mio. t belaufen. Für Tafeläpfel aus Polen gibt es aber nur begrenzt Exportmöglichkeiten. Dabei ist besonders problematisch, dass Belarus als Drehscheibe für Re-Exporte nach Russland mit einem Volumen von 120.000 t durch die angespannte politische Situation wohl zusätzlich wegfallen dürfte. Der Industrie stehen somit 3 Mio.  t Mostäpfel zur Verfügung, deren Erzeugerpreise im Herbst bis auf 4,50/5,00 7/100 kg abrutschten. Dies beeinflusste die Preisgestaltung in Europa und natürlich auch in Deutschland.

Über den Autor

Helwig Schwartau, AMI, Großmarkt Hamburg, Zimmer 137, 20097 Hamburg, Tel.: 040 6505595-0, E-Mail: Helwig.Schwartau@AMI-informiert.de

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