Pflanzenschutz zukunftsfest machen statt Rückbauprogramm für die Landwirtschaft

Verbände fordern: BMEL muss Vorschläge für „Zukunftsprogramm Pflanzenschutz“ zurückziehen

Fachgruppe OBSTBAU
156

Anlässlich der Befragung der Bundesregierung im Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft des Deutschen Bundestages am 12.06.2024 appellieren 30 Verbände der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft an das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), die Vorschläge für ein „Zukunftsprogramm“ Pflanzenschutz zurückzuziehen.

In dem Vorschlag des BMEL finden sich keine Antworten auf die Zukunftsfragen der Landwirtschaft, so die unterzeichnenden Verbände in dem gemeinsamen Aufruf „Schutz der Kulturpflanzen sichern und Produktionsverlagerungen vermeiden – Vorschläge für einen modernen Pflanzenschutz“. Die Verbände setzen sich für einen nachhaltigen und fachlich fundierten Schutz land- und forstwirtschaftlicher Kulturen vor Schädlingen, Krankheiten und Konkurrenz ein. In diesem Sinne setzt das Programm des BMEL die falschen Akzente, ignoriert Technik, Innovation sowie Fortschritt und fokussiert einseitig auf Ordnungsrecht und eine pauschale Reduzierung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln. Deshalb fordern die 30 Verbände das BMEL auf, die Vorschläge zurückzunehmen. Es bedarf einer grundlegenden Neuausrichtung der Pflanzenschutzpolitik der Bundesregierung, um Produktionsverlagerungen ins Ausland zu vermeiden. Alles andere wäre ein Rückschritt für Landwirtschaft, Ernährungssicherung und Umwelt.

Die unterzeichnenden Verbände sind:
Arbeitsgemeinschaft Deutscher Rübenbauerverbände ADR
Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände AGDW – Die Waldeigentümer
Bund der Deutschen Landjugend BDL
Bund deutscher Baumschulen BdB
Bundesausschuss Obst und Gemüse BOG
Bundesverband Deutscher Saatguterzeuger BDS
Bundesverband Deutscher Tabakpflanzer
Bundesverband Lohnunternehmen BLU
Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen Obst und Gemüse BVEO
Bundesverband der VO-Firmen BVO
Der Agrarhandel DAH
Deutscher Bauernverband DBV
Deutscher Fruchthandelsverband DFHV
Deutscher Raiffeisenverband DRV
Deutscher Kartoffelhandelsverband DKHV
Deutscher Verband Tiernahrung DVT
Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft DLG
Deutscher Verband des Großhandels mit Ölen, Fetten und Ölrohstoffen Grofor
Deutscher Weinbauverband DWV
Familienbetriebe Land und Forst FabLF
Gesellschaft für Hopfenforschung GfH
Industrieverband Agrar IVA
LandBauTechnik Bundesverband
Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen UFOP
Union der Deutschen Kartoffelwirtschaft UNIKA
Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft VGMS
Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland OVID
Verband Deutscher Hopfenpflanzer
Wirtschaftliche Vereinigung Zucker WVZ
Zentralverband Gartenbau ZVG

Der Verbändeaufruf kann aus der Pressemeldung auf der Webseite des ZVG unter www.derdeutschegartenbau.de heruntergeladen werden.

Reaktion von Bioland:
Gerald Wehde, Bioland, sieht die Situation ganz anders. Er kommentierte den Verbändeaufruf in einer Pressemitteilung folgendermaßen: „Dieser Wettbewerb nach unten, wie er bei den Umweltvorgaben für die Landwirtschaft aktuell läuft, beschleunigt doch nur die multiplen Umwelt-Krisen, mit denen wir heute schon zu kämpfen haben. Es sollten alle ein Interesse daran haben, dass wir weniger Pestizide und mehr Artenvielfalt auf unseren Äckern haben, um unsere Ökosysteme nicht weiter zu destabilisieren.“
Er forderte Bundeslandwirtschaftsmister Cem Özdemir auf, die verbleibende Legislaturperiode lieber dafür zu nutzen, verbindliche, erreichbare und messbare Maßnahmen zu ergreifen, mit der sich die „dringend notwendige Reduktion von chemisch-synthetischen Pestiziden“ umsetzen lasse. Anbauformen, die ohne chemisch-synthetische „Pestizide“ wirtschaften, müssten nach Ansicht das Bioland-Sprechers dringend stärker gefördert und ausgebaut werden.
Da stellt sich doch gleich die Frage: Würde er auch biologische Pflanzenschutzmittel als „biologische Pestizide“ (Pestizid = Anglizismus für Pflanzenschutzmittel) bezeichnen?

Klarstellung des BMEL zum Zukunftsprogramm Pflanzenschutz
Das BMEL reagierte mit einer Klarstellung auf den Verbändeaufruf. Es wies darauf hin, dass das Ministerium derzeit in einem breit angelegten partizipativen Prozess mit allen relevanten Verbänden aus Landwirtschaft und Umweltseite ein "Zukunftsprogramm Pflanzenschutz" erarbeite. Es wehre sich dagegen, dass die vom BMEL erstellte Diskussionsgrundlage für ein Zukunftsprogramm Pflanzenschutz "einseitig auf Ordnungsrecht und eine pauschale Reduzierung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln" fokussiere. Das BMEL macht in der Meldung deutlich, dass diese Behauptung falsch sei und jeder Grundlage entbehr. Denn das an die Verbände verschickte Ideenpapier (Link s.u.) sehe keine gesetzlichen Maßnahmen vor, sondern setze auf Anreize und Unterstützung, Beratung und Information sowie auf Forschung und Förderung von Technik und Innovation. Dabei orientiere sich das BMEL an erfolgreichen Prozessen in einigen Bundesländern – Vorbild seien etwa das Biodiversitätsstärkungsgesetz aus Baden-Württemberg oder der sogenannte Niedersächsische Weg. Aus diesem Grunde treffen laut BMEL auch jedwede Vergleiche zur auf EU-Ebene gescheiterten SUR nicht zu.

Konsens der ZKL hauptsächliche Grundlage
Vielmehr trete das BMEL für einen konstruktiven Austausch ein, in dem das Ziel sicherer Ernten und gesunder Pflanzen genauso verfolgt werde wie der Schutz der natürlichen Ressourcen, die ja die Arbeitsgrundlage für die Landwirtschaft seien. Als Grundlagen für den vom BMEL angestoßenen Prozess nannte das Ministerium wissenschaftliche Erkenntnisse, Erfahrung aus der landwirtschaftlichen Praxis und, vor allem, den Konsens der ZKL, in der Landwirtschaft, Wissenschaft, Umweltschutz und Verbraucherschutz breit vertreten waren. Die ZKL hatte empfohlen, die Auswirkungen von Pflanzenschutzmaßnahmen auf Umwelt, Artenvielfalt und die Gesundheit so gering wie möglich zu halten und stabile Agrarökosysteme im Sinne des Integrierten Pflanzenschutzes zu schaffen.

Das vom BMEL an die Verbände verschickte Ideenpapier kann hier eingesehen werden:
https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/_Landwirtschaft/Pflanzenbau/Pflanzenschutz/diskussionsgrundlage-zukunftsprogramm-pflanzenschutz.pdf?__blob=publicationFile&v=4

Über den Autor

Quelle: ZVG, Bioland und BMEL

News & Infos

News & Infos

200 Jahre gelebte Gegenseitigkeit

Unter dem Motto „200 Jahre gelebte Gegenseitigkeit“ stand der Festakt zum Jubiläum der Vereinigten Hagelversicherung, der Mitte Mai in Gießen begangen wurde.

Daniel Rittershaus
428
News & Infos

Witterungsbedingte Ernteeinbußen bei Süßkirschen

Die Süßkirschensaison startete dieses Jahr drei Wochen früher als 2023 und im Vergleich zum Langjährigen Mittel.

Lisa Buddrus
424
News & Infos

Umfrage zur Öffentlichkeitsarbeit für den deutschen Obstbau

Auf der Delegiertentagung im November 2023 haben die Vertreter der Landesverbände in der Bundesfachgruppe Obstbau und der AG Öffentlichkeitsarbeit ein neues, zukunftsweisendes Konzept für die Öffentlichkeitskampagne für deutsches Obst beschlossen.

Joerg Hilbers
435
News & Infos

Neue QS-Arbeitshilfe „Abdriftvermeidung“

Auswertungen aus dem QS-Rückstandsmonitoring belegen: QS-zertifizierte Erzeuger von Obst, Gemüse und Kartoffeln arbeiten bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln sehr sorgfältig. Dennoch kommt es trotz durchgängig guter fachlicher Praxis vor, dass Produkte aufgrund vorliegender Analyseergebnisse von QS beanstandet werden müssen.

Dr. Annette Förschler
542
News & Infos

Machen Sie mit: Die Hummel-Challenge vom 20. Juni bis 3. Juli 2024

Die Hummel-Challenge findet einmal im Frühjahr und einmal im Sommer statt. Während im Frühjahr vor allem Hummel-Königinnen erfasst werden, geht es nun im Sommer, vom 20. Juni bis 3. Juli, darum, möglichst viele verschiedene Hummeln auf unterschiedlichen Pflanzen zu fotografieren.

Fachgruppe OBSTBAU
512
News & Infos

Glyphosat: Anwendungseinschränkungen bleiben bestehen

Der Bundesrat hat am 14. Juni 2024 einer erneuten Änderung der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung (PflSchAnwVO) zugestimmt. Sie wird ab dem 1. Juli 2024 gelten. Damit gibt es für Anbauer zwar nun Rechtssicherheit – aber die Bundesfachgruppe Obstbau fordert weiterhin mit allem Nachdruck eine Aufhebung des fachlich nicht zu begründenden Anwendungsverbotes für Glyphosat in Wasserschutzgebieten.

Fachgruppe OBSTBAU
487
News & Infos

Pflanzenschutz zukunftsfest machen statt Rückbauprogramm für die Landwirtschaft

Anlässlich der Befragung der Bundesregierung im Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft des Deutschen Bundestages am 12.06.2024 appellieren 30 Verbände der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft an das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), die Vorschläge für ein „Zukunftsprogramm“ Pflanzenschutz zurückzuziehen.

Fachgruppe OBSTBAU
156
News & Infos

Transformationsbericht des BMEL

Das Bundeskabinett hat jüngst den Transformationsbericht „Nachhaltige Agrar- und Ernährungssysteme“ verabschiedet. Darin werden Wege aufgezeigt, wie Landwirtschaft, Ernährungswirtschaft und Forstwirtschaft in Zeiten der Klimakrise für ausreichende und gesunde Ernährung sorgen und gleichzeitig zum Schutz der Gesundheit von Mensch, Tier und Ökosystemen sowie des Klimas beitragen.

BMEL
105
News & Infos

Mehr Hautkrebsfälle durch UV-Strahlung – Sonnenschutz ist unerlässlich

Angesichts deutschlandweit steigender Hautkrebserkrankungen ist es unerlässlich, dass sowohl Betriebe als auch Beschäftigte in der Grünen Branche angemessene Maßnahmen zum Sonnenschutz ergreifen.

SVLFG
178
News & Infos

Änderung des Düngegesetzes vom Bundestag beschlossen

Der Deutsche Bundestag hat die vom BMEL vorgelegten Änderungen des Düngegesetzes beschlossen. die von Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir erarbeiteten Novelle soll landwirtschaftlichen Betriebe künftig mehr Planungssicherheit bieten und gleichzeitig den Umweltschutz verbessern.

BMEL
136
News & Infos

Neue Kampagne von ALDI SÜD: Der Discounter macht Nachhaltigkeit zur „normalsten Sache der Welt“

ALDI SÜD verkündete just, dass der Konzern sein Angebot an nachhaltigeren Lebensmitteln (d.h. Bio-Produkte, regionales Obst und Gemüse oder Fleisch aus den höheren Haltungsformen) stetig ausbauen will. Wie der Discounter auf diese Weise Nachhaltigkeit zur „normalsten Sache der Welt“ machen will, zeigt Aldi Süd jetzt in seiner neuen Marketingkampagne, die am 21. Mai startet.

Fachgruppe OBSTBAU
728
News & Infos

CO2-Fußabdruck von Bodenseeäpfeln

Im Sommer 2023 wurden im Rahmen der Initiative „FAIRDI – natürlich vom Bodensee“ CO2-Fußabdrücke für Äpfel von 22 Obstbaubetrieben sowie für typische Bodenseeäpfel ermittelt, um Optimierungspotentiale für einen ressourcenschonenden Apfelanbau zu identifizieren.

Fachgruppe OBSTBAU
650
Anzeige