Nitratbelastung im Grundwasser
Grenzwerte werden vielerorts immer noch deutlich überschritten
Am Ende eines jeden Vierjahreszeitraums ist Deutschland aufgefordert, der Europäischen Kommission einen Bericht zur Nitratbelastung des Grundwassers vorzulegen. Die erste Mitteilung erfolgte 1996, inzwischen wurde 2024 der 8. EU-Nitratbericht veröffentlicht. Die Nitratwerte stehen jetzt für den Zeitraum 2016-2024 gebündelt bereit. Sie verdeutlichen die regionalen Unterschiede und Entwicklungen auf einen Blick.
Sowohl die EU-Nitratrichtlinie (91/676/EWG) und die Grundwasserrichtlinie (2006/118/EG) als auch die entsprechenden deutschen Verordnungen zum Grund- und Trinkwasserschutz (TrinkwV/GrwV) regeln, dass der Nitratgrenzwert von 50 Milligramm pro Liter nicht überschritten werden darf, da höhere Konzentrationen ein ernstes Gesundheitsrisiko darstellen.
Daten für 2024 liegen vor
Das gesamte EUA-Messnetz zur repräsentativen Beschreibung der Grundwasserbeschaffenheit in Deutschland umfasst derzeit 1.219 Messstellen (Stand März 2024), wovon 679 den Einfluss der landwirtschaftlichen Nutzung auf die Beschaffenheit des oberflächennahen Grundwassers in Deutschland beschreiben. 2024 wurden davon 646 beprobt.
Danach verzeichnete im Jahr 2024 der Kreis Viersen in Nordrhein-Westfalen mit im Mittel 244,8 mg/l die höchste Nitratbelastung, gefolgt vom Landkreis Bad Dürkheim in Rheinland-Pfalz mit 160,0 mg/l und der kreisfreien Stadt Wolfsburg in Niedersachsen mit 143,34 mg/l. Insgesamt wurde an 24 % der Messstellen der Grenzwert von 50 mg Nitrat/l – teils sogar deutlich – überschritten. Dabei kann die Nitratbelastung innerhalb eines Gebietes stark variieren. Dies wird insbesondere bei Proben aus Mecklenburg-Vorpommern deutlich, die eine Spannweite von 0,22-489,9 mg/l Nitrat aufweisen.
Die Top-Nitratwerte 2024 im Grundwasser nach Bundesländern:
Mecklenburg-Vorpommern: 489,9 mg/l
Sachsen-Anhalt: 335,0 mg/l
Nordrhein-Westfalen: 244,8 mg/l
Niedersachen: 193,1 mg/l
Rheinland-Pfalz: 160,0 mg/l
Brandenburg: 158,5 mg/l
Baden-Württemberg: 149,0 mg/l
Thüringen: 144,0 mg/l
Sachsen: 140,0 mg/l
Hessen: 140,0 mg/l
Bayern: 110,0 mg/l
Schleswig-Holstein: 97,7 mg/l
Saarland: 37,0 mg/l
Hintergrund:
Deutschland ist bereits in den Jahren 2002 und 2018 vom Europäischen Gerichtshof wegen unzureichender Umsetzung der Nitratrichtlinie verurteilt worden. Im Jahr 2023 konnte die Festsetzung der Zahlung eines Pauschalbetrags von mindestens 17.248.000 Euro und das tägliche Zwangsgeld in Höhe von bis zu 1.108.800 Euro abgewendet werden.
Um den EU-Auflagen nachzukommen, hatte der frühere Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir eine Reform des Düngegesetzes angestoßen, die strengere Auflagen für landwirtschaftliche Betriebe vorsah. Das Vorhaben scheiterte jedoch im Juli 2024 im Bundesrat, weil einige der Bundesländer den zu hohen bürokratischen Aufwand monierten.
Der aktuelle Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer hatte daraufhin angekündigt, die Vorgaben für Landwirte zu lockern. Insbesondere sollten die Betriebe von einer Dokumentationspflicht der Stoffstrombilanz entbunden werden. Das Bundesverwaltungsgericht hatte in seinem Urteil vom 24. Oktober 2025 jedoch ausdrücklich festgestellt, dass die nach § 13a Abs. 2 der Düngeverordnung auferlegten Maßnahmen zur Zielerreichung sowohl erforderlich als auch angemessen sind. Allerdings wurden vom Gericht die verschärften Verordnungen in den sogenannten „roten Gebieten“, die eine Nitratbelastung über 50 mg/l aufweisen, für verfassungswidrig erklärt worden.
In der Agrarministerkonferenz im März 2026 bestand zwar Konsens, dass die Vorgaben der Nitratrichtlinie und der Wasserrahmenrichtlinie unabhängig von dieser gerichtlichen Entscheidung eingehalten und umgesetzt werden müssen. Aber ein Konzept bzw. ein Aktionsplan, um dies umzusetzen, ist bislang aufgrund der vielschichtigen Belange der einzelnen Bundesländer nicht zustande gekommen. Ob die anvisierte Neufassung des § 13a der Düngeverordnung bis 2027 umgesetzt wird, bleibt daher fraglich.
Die aktuelle Datenlage im Detail:
Proplanta hat die Ergebnisse der Erhebungen 2024 vom Umweltbundesamt (UBA) zur Nitratbelastung im Grundwasser ausgewertet und auf einer interaktiven Nitrat-Karte visualisiert. Sie kann unter folgendem Link eingesehen werden:
https://www.proplanta.de/karten/nitratbelastung-grundwasser-uebersichtskarte17032021.html
News & Infos
Geplantes EU-Kunststoffverpackungsverbot für Obst und Gemüse: Sagen Sie Ihre Meinung!
Die EU plant ein Verbot von Einweg-Kunststoffverpackungen für frisches Obst und Gemüse unter 1,5 kg. Noch bis zum 30. Januar findet eine EU-Umfrage zu diesem geplanten Verbot statt.
Fruchtwelt Bodensee 2026
Friedrichshafen – Was gibt’s Neues in den BereichenErwerbsobstbau, Agrartechnik und dem Brennerwesen? Die Fruchtwelt Bodensee bietet vom 20. bis 22. Februar 2026 in der Messe Friedrichshafen eine in-ternationale Plattform. Rund 350 ausstellende Unternehmen zeigen ihre aktuellen Produkte und Dienstleistungen, Sonderflä-chen konzentrieren sich auf Hofläden, Forschung und Entwicklung, den Bildungsbereich sowie Start-up-Unternehmen.
Das Mercosur-Abkommen: Umstrittener denn je
Mercosur-Staaten sind die Mitglieder des südamerikanischen Handelsblocks, aktuell Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay und Bolivien. Sie haben 1991 eine Zollunion gegründet mit dem Ziel eines freien Waren-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehrs.
“Ökologische sowie soziale Verantwortung in allen Prozessen verankern“
Die REWE Group schließt sich der internationalen Nachhaltigkeitsinitiative SIFAV (Sustainability Initiative Fruit and Vegetables) an.
Weniger Pflanzenschutzmittelrückstände in Lebensmitteln aus Deutschland
Lebensmittel in Deutschland enthalten nur selten Rückstände von Pflanzenschutzmitteln oberhalb der geltenden Rückstandshöchstgehalte. Dies zeigt die vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) veröffentlichte „Nationale Berichterstattung Pflanzenschutzmittelrückstände in Lebensmitteln 2024“.
10. BMUKN-Agrarkongress: Umweltschutz muss sich für Landwirte lohnen!
Bundesumweltminister Carsten Schneider eröffnete am 13. Januar 2026 gemeinsam mit Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer den diesjährigen BMUKN-Agrarkongress im Vorfeld der Grünen Woche. Im Mittelpunkt stand die künftige Ausgestaltung der europäischen Agrarpolitik, deren Bedeutung für die ländlichen Räume und die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen.
Frankreich: Importstopp für Produkte, die Rückstände von in der EU nicht zugelassenen PSM enthalten
Die französische Regierung plant, den Import von Lebensmitteln auszusetzen, die Rückstände von in der Europäischen Union verbotenen phytosanitären Substanzen enthalten, darunter Die Wirkstoffe Mancozeb, Glufosinat, Thiophanat-Methyl und Carbendazim.
„Fairness for Farmers“
Fairtrade Deutschland will mit dem Jahresthema 2026 „Fairness for Farmers – From fields to future“ gezielt darauf aufmerksam machen, dass Fairness dort beginnt, wo Millionen von Menschen täglich arbeiten: auf den Feldern.
"Indianerbanane“: exotisch, aber nicht unbedenklich
Die Früchte der als ‘Indianerbanane“ oder Pawpaw bekannten Asimina triloba erinnern geschmacklich an Mango und Banane und haben eine sehr cremige Konsistenz. Ihre Vitamine und Mineralstoffe sind zahlreich.
Winterzeit ist Fortbildungszeit
Nutzen Sie das Weiterbildungsangebot der Winterveranstaltungen