Nitrat im Grundwasser: Deutschland liegt weit über EU-Schnitt

Evaluierung der EU-Nitratrichtlinie unterstreicht Handlungsbedarf

Fachgruppe OBSTBAU
247

Nach dreijähriger Prüfung hat die EU-Kommission vergangene Woche ihre lang erwartete Evaluierung der Nitratrichtlinie veröffentlicht- und damit die erste umfassende Evaluierung der EU-Nitratrichtlinie seit deren Inkrafttreten im Jahr 1991 vorgelegt. Die Europäische Bauernvertretung Copa-Cogeca kritisiert, dass die Europäische Kommission darin weitgehend den Status quo zementiert.

Während die Richtlinie anfänglich zu einer deutlichen Verbesserung der Wasserqualität beigetragen hat, stagnieren die Fortschritte in vielen Mitgliedstaaten seit einigen Jahren. Die Bewertung kommt trotzdem zu dem Schluss, dass diese Gesetzgebung weiterhin wirksam ist, um ihre Umweltziele zu erreichen. Die verbleibenden Mängel führt die Kommission in erster Linie auf eine unzureichende Umsetzung in den einzelnen Mitgliedstaaten zurück.

Deutschland hinkt hinterher
Ein solches Sorgenkind bleibt Deutschland. Denn während der Grenzwert von 50 mg Nitrat pro Liter EU-weit an 10 % der Grundwassermessstellen überschritten wird, so sind es hierzulande 25 % – das zweitschlechteste Ergebnis nach Malta.
Dabei gehört Deutschland laut dem Länderbericht nicht nur zu den Schlusslichtern, was die Überschreitung der Nitratgrenzwerte anbelangt, es gebe auch insgesamt eine unterdurchschnittliche Zahl an Messstellen für das Nitratmonitoring. Positiv bewertet wird dagegen der deutsche Umgang mit Gärresten aus Biogasanlagen, der EU-weit am strengsten gehandhabt werde.
Laut Kommissionsbericht hat die EU-Nitratrichtlinie in vielen Teilen der EU zu einem besseren Nährstoffmanagement und einer Verringerung der Stickstoffüberschüsse beigetragen. Das lohne sich auch wirtschaftlich, wie die Kommission heraustellte: Während sich die jährlichen Umsetzungskosten für landwirtschaftliche Betriebe und Behörden EU-weit auf rund 3 Mrd. Euro beliefen, verursachten Nährstoffüberschüsse durch ihre Folgen für die biologische Vielfalt und Trinkwasserressourcen jährlich Kosten in Höhe von 68-182 Mrd. Euro. Der gesellschaftliche Nutzen der Richtlinie wird dementsprechend auf 10- 22 Mrd. Euro pro Jahr geschätzt. Es ist vorgesehen, bis Ende 2027 die Überwachungszyklen der Nitratrichtlinie und der Wasserrahmenrichtlinie aneinander anzugleichen.

Tiefgreifende Veränderungen ignoriert
Copa-Cogeca kritisiert jedoch, dass der Bericht die tiefgreifenden Veränderungen ignorierte, die in der europäischen Landwirtschaft seit der Verabschiedung der Richtlinie im Jahr 1991 stattgefunden haben. Denn die EU ist größer geworden, die klimatischen Bedingungen haben sich verändert, und das wissenschaftliche Wissen sowie die landwirtschaftlichen Praktiken haben sich massiv weiterentwickelt. Moderne Technologien bieten heute völlig neue Möglichkeiten, Umweltziele durch gezieltere und effizientere Ansätze zu erreichen.
die EU-Kommission sieht in der Bewertung durchaus Potenzial für Vereinfachungen und den Abbau des Verwaltungsaufwands, insbesondere für kleinere Betriebe. Digitale Werkzeuge könnten die Düngeplanung und Dokumentation erleichtern.
Copa-Cogeca betrachtet die aktuelle Evaluierung dementsprechend nur als einen allerersten Schritt und erwartet, dass es durch den laufenden Umsetzungsdialog und die kommenden Bewertungsprozesse der Nitratrichtlinie wirklich zu Vereinfachungen kommen wird, die den Produzenten einen modernen, wissenschaftlich fundierten und praxistauglichen Rechtsrahmen bieten. Ziel müsse es laut Copa-Cogeca sein, die Umweltziele zu erreichen, ohne die Wettbewerbsfähigkeit und Widerstandsfähigkeit der europäischen Landwirtschaft aufs Spiel zu setzen.

Digitale Aufzeichnungspflicht gefordert
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert zum Schutz des Trinkwassers eine bundesweite digitale Datenbank, mit der die Nährstoffeffizienz landwirtschaftlicher Betriebe transparent erfasst werden kann. Als Beispiel verweist sie auf Dänemark, wo Höfe ihre Nährstoffdaten seit Jahren digital meldeten und automatisch Rückmeldungen zu möglichen Überschüssen erhielten. In Deutschland sei es hingegen immer noch erlaubt, gewässergefährdende Güllemengen handschriftlich auf Zettel zu notieren, die von Behörden nicht kontrolliert werden.
Auch die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) fordert statt pauschaler Auflagen in sogenannten „roten Gebieten“ eine einzelbetriebliche Nährstoffbilanz. Zusätzlich plädiert sie für finanzielle Anreize für Betriebe, die besonders gewässerschonend wirtschaften. Denn wenn wirksame Maßnahmen in Deutschland weiter ausbleiben sollten, sei ein weiteres Vertragsverletzungsverfahren zu befürchten.

Über den Autor

AIZ.info und BioPress – Fachmagazin für Naturprodukte

News & Infos

News & Infos

Polen: Ernteversicherung nach Hagel- und Sturmschäden auf dem Prüfstand

Nach den massiven Hagel- und Sturmschäden in diesem Jahr hat Polens Agrarminister Czesław Siekierski Änderungen bei den Versicherungsregelungen angekündigt. Wie diese aussehen werden, ließ er allerdings vorerst offen.

Fachgruppe OBSTBAU
4437
News & Infos

Pflanzenschutzmittel sicher anwenden

Zum Schutz von Anwendenden, Verbrauchern und der Umwelt beim Umgang mit Pflanzenschutzmitteln hat der Gesetzgeber strenge Vorgaben erlassen. Gleichzeitig setzen sich die Hersteller von Pflanzenschutzmitteln für eine sichere Verwendung ihrer Produkte ein.

Fachgruppe OBSTBAU
4844
News & Infos

Copa-Cogeca: Beim Pflanzenschutz droht völliger Stillstand, wenn EU-Kommission nicht schnell handelt

”In den vergangenen zehn Jahren haben wir immer häufiger von europäischen Kollegen gehört, dass in bestimmten Kulturen, sei es im Gemüsebau, im Obstbau oder in der gartenbaulichen Pflanzenproduktion, die Produktion einfach eingestellt wurde, weil es an Lösungen zur Bekämpfung von Schädlingen oder Krankheiten fehlt”...

Fachgruppe OBSTBAU
4626
News & Infos

Was plant die neue Bundesregierung?

Die top agrar-Veranstaltung „Landwirtschaft im Dialog – Was plant die neue Bundesregierung“ am 2. Juni in Berlin traf auf großes Interesse.

Dr. Annette Urbanietz
4841
News & Infos

Das Engagement der Obsterzeuger am Bodensee zeigt Wirkung:

Ohne Bienen keine Äpfel. Insbesondere Wildbienen sind für frühe Sorten elementar, da sie auch bei kühlen Temperaturen fliegen. Seit 15 Jahren setzen sich die genossenschaftlich vermarktenden Obstbauern der Bodenseeregion im Rahmen eines Apfelprojekts aktiv für den Erhalt und die Förderung der Artenvielfalt ein.

Fachgruppe OBSTBAU
4399
News & Infos

SVLFG unterstützt Betriebe mit Saisonarbeitskräften

Saisonarbeitskräfte sind bei der Obsternte unentbehrlich. Seit mehr als fünf Jahren beschäftigt sich die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) intensiv mit dem Thema Saisonarbeit, um Betriebe und deren Saisonarbeitskräfte bei Fragen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes zu unterstützen.

Fachgruppe OBSTBAU
4458
News & Infos

Produkt-Piraterie bei Äpfeln:

Laut Experten von EastFruit gehören frisches Obst und Gemüse zu den am wenigsten markengeschützten und markenfähigen Lebensmittelkategorien. Vor diesem Hintergrund fallen die wenigen Ausnahmen von dieser Regel besonders deutlich auf.

Fachgruppe OBSTBAU
4443
News & Infos

Spätfröste in Polen: Es wird keine Rekorderträge geben!

Die Frostnächte im April und Mai haben in Polen an allen Arten von Obstgehölzen erhebliche Schäden verursacht. Am stärksten betroffen sind Süß- und Sauerkirschen. Die Schäden an Apfelbäumen variieren je nach Standort der Obstanlage und Sorte.

Fachgruppe OBSTBAU
8707
News & Infos

Copa-Cogeca: „Die europäische Landwirtschaft und Lebensmittelsicherheit kann zusammenbrechen – wie ein Kartenhaus.“

Der EU-Haushalt im nächsten Mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) soll neu strukturiert werden. Für Landwirte könnte das Haushaltskürzungen bedeuten, denn die Mittel sollen dann auch in die Aufrüstung fließen.

Fachgruppe OBSTBAU
5386
News & Infos

Rückblick auf das Schadenjahr 2024

Anlässlich der 32. ordentlichen Mitgliedervertreterversammlung der VEREINIGTEN HAGEL berichtete Vorstandssprecher Dr. Philipp Schönbach über das vergangene Geschäfts- und Schadenjahr. „Früher als gewöhnlich waren 2024 die ersten schweren Hagelschäden zu verzeichnen.

Fachgruppe OBSTBAU
4519
News & Infos

FIN: QS-Praxistipps Nachhaltigkeit – Biodiversität aktualisiert

Alois Rainer heißt der neue Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat. Der gelernte Metzger stammt aus Straubing in Niederbayern, ist verheiratet und Vater von zwei Söhnen. Er war von 1996 bis 2013 Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Haibach und ist seit 2013 Mitglied des Deutschen Bundestages.

Fachgruppe OBSTBAU
4253
News & Infos

Herbizid Roundup Future: Zulassung derzeit teilweise wieder wirksam

Über eine am 11. März 2025 veröffentlichte Fachmeldung hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) mitgeteilt, dass die Zulassung für das Pflanzenschutzmittel Roundup Future (Zulassungsnummer: 00A042-00) aktuell nicht wirksam ist.

Fachgruppe OBSTBAU
5848
Anzeige