Mehrwertsteuer als Hebel für nachhaltige Ernährung?

Fachgruppe OBSTBAU
3433

Die Ernährungssysteme in Deutschland und Europa sind weder gesund noch nachhaltig. Es werden zu viele tierische und zu wenige pflanzliche Produkte konsumiert. In einer umfassenden Folgenabschätzung haben Forscher nun ermittelt, dass eine entsprechende Anpassung der Mehrwertsteuern der Gesundheit, der Umwelt und der Ökonomie zugutekommen würde.

Keine Mehrwertsteuer auf Obst und Gemüse, dafür erhöhte Mehrwertsteuern auf Fleisch und Milch: Das würde sich positiv auf ernährungsbedingte Krankheiten, Umwelt, Konsum und Steuereinnahmen auswirken. Denn Lebensmittelpreise beeinflussen unser Kaufverhalten. Zu diesem Ergebnis kamen nun Wissenschaftler unter der Federführung von Dr. Marco Springmann, Universität Oxford, und Dr. Florian Freund, Thünen-Institut für Marktanalyse.

Angepasste Mehrwertsteuern wären nach Ansicht der Wissenschaftler der richtige Schritt in Richtung eines nachhaltigeren Ernährungssystems. Denn durch geringere Steuern auf pflanzliche Produkte würden sich vor allem die Ernährung und die Gesundheit der Bevölkerung verbessern. Die Umwelt und die Steuereinnahmen würden hingegen besonders von höher besteuerten tierischen Produkten profitieren. „Lässt sich eine stärker zielgerichtete Steuer wie die CO2-Steuer nicht durchsetzen, könnte die Reform der Mehrwertsteuer eine einfache Möglichkeit sein, dennoch Ernährungssysteme nachhaltiger zu gestalten “, erklärte Dr. Marco Springmann bei der Vorstellung.

Die projizierten Folgen einer solchen Mehrwertsteueranpassung für Europa im Überblick:

  • Die Umweltauswirkungen würden um 6 % sinken. Deutschland beispielsweise würde etwa 10 Mio. Tonnen weniger Kohlendioxid ausstoßen – was in ungefähr den jährlichen Emissionen Lettlands entspricht.
  • Es gäbe es 330 ernährungsbedingte Todesfälle weniger pro Million Menschen. In Deutschland wären dies 20.000 Todesfälle weniger.
  • Die Steuereinnahmen würden um 46 Mrd. US-Dollar steigen. Das wären für Deutschland etwa 7 Mrd. US-Dollar.
  • Die Kosten für die Gesellschaft durch Krankheiten und Klimaschäden würden um 37 Mrd. US-Dollar sinken. Deutschland würde das einer Reduzierung von etwa 6 Mrd. US-Dollar entsprechen.

„Um Zielkonflikte zwischen Ökonomie, Umwelt und Gesundheit zu minimieren, sollte nach Möglichkeit die Mehrwertsteuer auf beide Produktgruppen angepasst werden“, erläuterte Dr. Florian Freund das Konzept.

Innerhalb Europas gibt es aktuell große Unterschiede bei der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel. Im europäischen Durchschnitt liegt der Mehrwertsteuersatz für Fleisch und Milch bei 8 % und für Obst und Gemüse bei 9 %. Aber während in Großbritannien kaum Steuern auf Lebensmittel erhoben werden, sind es in Dänemark 25 %. Mehr als die Hälfte der betrachteten Länder haben ähnlich hohe Steuern auf tierische wie auf pflanzliche Produkte. Mehr als ein Drittel der Länder erheben sogar deutlich höhere Steuersätze für pflanzliche Produkte.
Auch in Deutschland ist die Mehrwertsteuer auf pflanzliche Nahrung mit knapp 9 % höher als für tierische Nahrungsmittel, die mit 7 % besteuert werden. Eine Reform der Mehrwertsteuer wurde in Deutschland auf politischer Ebene bereits diskutiert, fand aber bisher keine Zustimmung.

Die Originalveröffentlichung:
Marco Springmann, Eugenia Dinivitzer, Florian Freund, Jørgen Dejgård Jensen und Clara G Bouyssou: A reform of value-added taxes on foods can have health, environmental and economic benefits in Europe.
Veröffentlicht in der Zeitschrift Nature Food, DOI: 10.1038/s43016-024-01097-5.
De Artikel kann unter folgendem Link eingesehen werden: https://www.nature.com/articles/s43016-024-01097-5

Über den Autor

Quelle: Thünen-Institut

News & Infos

News & Infos

Bis 28. Februar 2025 um Forschungsförderung bewerben

Auch 2025 sucht die QS-Gesellschaft wieder innovative Forschungsansätze und Ideen für die Wertschöpfungskette Obst, Gemüse, Kartoffeln. Über eine Ende Dezember veröffentlichte Ausschreibung ruft der QS-Wissenschaftsfonds Obst, Gemüse, Kartoffeln Universitäten, Fachhochschulen und andere Forschungseinrichtungen auf, sich bis zum 28. Februar 2025 um die Finanzierung von Projekten zu bewerben.

Fachgruppe OBSTBAU
3989
News & Infos

Mehrwertsteuer als Hebel für nachhaltige Ernährung?

Die Ernährungssysteme in Deutschland und Europa sind weder gesund noch nachhaltig. Es werden zu viele tierische und zu wenige pflanzliche Produkte konsumiert. In einer umfassenden Folgenabschätzung haben Forscher nun ermittelt, dass eine entsprechende Anpassung der Mehrwertsteuern der Gesundheit, der Umwelt und der Ökonomie zugutekommen würde.

Fachgruppe OBSTBAU
3433
News & Infos

Deutschland wichtige Drehscheiben für den europäischen Markt

In der ersten Februarwoche ist Deutschland wieder Treffpunkt der europäischen und weltweiten Obst- und Gemüsebranche. Die FRUIT LOGISTICA öffnet ihre Tore für Aussteller und Besucher. Deutschland ist nicht nur als Veranstaltungsort attraktiv, sondern für viele Anbieter auch ein wichtiger Zielmarkt.

Fachgruppe OBSTBAU
3114
News & Infos

Frankreich: Intermarché und Netto verpflichten sich, keine Äpfel mehr aus der südlichen Hemisphäre zu beziehen

Am 9. Januar kündigten Intermarché und Netto, die zur Gruppe Les Mousquetaires gehören, eine bedeutende Änderung ihrer Beschaffungsstrategie an: Sie werden keine Äpfel mehr aus Ländern der südlichen Hemisphäre wie Chile und Südafrika beziehen.

Fachgruppe OBSTBAU
3809
News & Infos

Club-Äpfel als zentrales Element der Sortimentsstrategie im Vinschgau

VIP, der Verband der Vinschgauer Obst- und Gemüseproduzenten, hat den Anbau von Club-Äpfeln in der Region kontinuierlich vorangetrieben. Bereits mehrfach wurde deren zunehmende Bedeutung in der strategischen Positionierung dieser südtiroler Erzeugerorganisation hervorgehoben.

Fachgruppe OBSTBAU
3472
News & Infos

Neue Ausbildungszahlen für 2024

Der ZVG sieht die Neuabschlüsse der Ausbildungszahlen im Gartenbau positiv. Laut Auswertung des Bundesinstitutes für Berufsbildung (BIBB) ging die Zahl der neu geschlossenen Ausbildungsverträge mit Stichtag 30. September 2024 zwar um 4 % zurück - damit aber insgesamt weniger als im Vergleich zwischen 2022 und 2023.

Fachgruppe OBSTBAU
3517
News & Infos

Nutzen Sie das Weiterbildungsangebot der Winterveranstaltungen!

Fachgruppe OBSTBAU
0
News & Infos

Zukunftskommission Landwirtschaft veröffentlicht strategische Leitlinien und Empfehlungen „Zukunft Landwirtschaft“

Die Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL) hat kürzlich ihre strategischen Leitlinien für die künftige Agrarpolitik vorgelegt. Unter der Überschrift „Zukunft Landwirtschaft. Eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe in schwierigen Zeiten“ betont das Gremium die dringende Notwendigkeit, innovative Lösungen für eine nachhaltige Agrar- und Ernährungspolitik zu entwickeln.

Fachgruppe OBSTBAU
5088
News & Infos

Umweltauswirkungen pro Produkt, nicht pro Hektar bewerten

Wenn wir Europa in ein Paradies für ökologischen Landbau verwandeln, geschieht dies auf Kosten der Natur auf anderen Kontinenten.“ Dies konstatieren Olivier Honnay, Wannes Keulemans, Gerard Govers und Tessa Avermaete, Mitglieder einer akademischen Arbeitsgruppe, die das Thema Ökologischer Anbau seit mehr als zehn Jahren untersucht.

Fachgruppe OBSTBAU
3733
News & Infos

Polen ist Ägyptens größter Handelspartner für Äpfel

Der polnische Parlamentsabgeordnete und Präsident des polnischen Obstbauverbandes, Mirosław Maliszewski, gab kürzlich im Rahmen einer Konferenz zur Kampagne "Zeit für europäische Äpfel" einen Überblick über die wachsende Nachfrage Ägyptens nach europäischen Äpfeln.

Fachgruppe OBSTBAU
3851
News & Infos

Huelva stellt neuen Rekord bei Beerenexporten auf

Die spanische Provinz Huelva erreichte in den ersten sieben Monaten des Jahres 2024 einen Rekordwert bei den Beerenexporten - mit einem Gesamtumsatz von 1,101 Milliarden EUR, was einer Steigerung von 10,1 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Damit festigt die Region ihre Dominanz bei den Beerenexporten und treibt Andalusiens Erfolg auf den Weltmärkten voran.

Fachgruppe OBSTBAU
3674
Anzeige