Japankäfer: gefährlicher Pflanzenschädling im deutschen Grenzgebiet

Behörden bitten darum, verdächtige Käferfunde dem Pflanzenschutzdienst zu melden

JKI
5184

Der meldepflichtigen Japankäfer (Popillia japonica) wurde in Basel - und damit in unmittelbarer Nähe zur deutschen Grenze gesichtet. Die Europäische Union stuft den Japankäfer als so genannten „prioritären Quarantäneschädling“ ein, dessen Auftreten durch jedermann meldepflichtig ist.
Bislang waren auf Schweizer Gebiet im Dreiländereck lediglich einzelne Käfer aufgetaucht. Nun wurde das Schadinsekt laut dem kantonalen Pflanzenschutzdienst an zwei weiteren Stellen gefunden, wobei es sich bei einem der Fundorte erstmals auch um eine größere Kolonie handelt. Rund einen Kilometer um die Fundorte wurde jetzt eine so genannte Befallszone gekennzeichnet. Im Umkreis von weiteren fünf Kilometern gibt es eine Pufferzone. Damit fallen auch Teile der deutschen Gemeinden Grenzach-Wyhlen und Weil am Rhein im Landkreis Lörrach in das Beobachtungsgebiet.

Extrem großer Wirtskreis
„Der ursprünglich aus Japan stammende Käfer kann eine Vielzahl von Pflanzen schädigen und findet auch in anderen europäischen Ländern gute Vermehrungsbedingungen, u. a., weil natürliche Gegenspieler fehlen“, erklärt Dr. Bernhard Schäfer, der am Julius Kühn-Institut (JKI) in Braunschweig das für Pflanzengesundheitsfragen zuständige Fachinstitut leitet. Der Käfer frisst an den Blättern und Früchten von mehr als 300 Pflanzenarten,sowohl in Gärten als auch in Landwirtschaft und Forst. Zu seinen Wirtspflanzen zählen z.B. Wein, Obstbäume und Rosen. Von den Blättern bleiben oft nur die Blattadern übrig. Die Larven (Engerlinge) ernähren sich u. a. von Gräserwurzeln und können auf Grünland und Rasenflächen erhebliche Schäden verursachen.

Bedrohungslage steigt
„Durch die neuen Käferfunde in der Grenzstadt hat sich die Bedrohungslage für Baden-Württemberg und für Deutschland verschärft“, erklärte Dr. Schäfer. Der Käfer könne nun leicht und unbeabsichtigt aus den Befallsgebieten überall nach Deutschland eingeschleppt werden, etwa als „Blinder Passagier“ an Fahrzeugen oder mit Pflanzen und Pflanzenteilen, wie z.B. einem Blumenstrauß.

Funde dringend melden!
Um eine Ansiedlung in Deutschland zu verhindern, wird die Bevölkerung aufgefordert, verdächtige Käferfunde an den zuständigen Pflanzenschutzdienst im jeweiligen Bundesland zu melden, damit Maßnahmen eingeleitet werden können. Diese Mithilfe sei von großer Bedeutung, um Schäden in Deutschland vorzubeugen, betont der JKI-Experte für Pflanzengesundheit. Die Kontaktdaten der deutschen Pflanzenschutzdienste finden Sie online unter folgendem Link:
https://pflanzengesundheit.julius-kuehn.de/ansprechpartner.html

Erkennungsmerkmale des Japankäfers:
Das Schadinsekt ist etwa so groß wie eine Kaffeebohne. Es hat einen grün schimmernden Kopf und Halsschild und braune Flügeldecken. Damit ähnelt der Japankäfer sehr dem heimischen, aber harmlosen Gartenlaubkäfer. Im Gegensatz zu ihm trägt der Quarantäneschädling allerdings fünf weiße Haarbüschel an jeder Hinterleibsseite sowie zwei weiße Haarbüschel am Ende des Hinterleibs. Fotos finden Sie auf der Webseite des JKI unter: https://www.julius-kuehn.de/pressemitteilungen/pressemeldung/n/pi2024-13-japankaefer-gefaehrlicher-pflanzenschaedling-an-deutscher-grenze-gesichtet

Maßnahmen in der Befalls- und der Pufferzone
In der Befalls- und in der Pufferzone werden nun zusätzliche spezielle Duftstofffallen aufgestellt, um die ausgewachsenen Käfer einzufangen. Ziel ist es, eine mögliche Ausbreitung zu überwachen. Außerdem werden große Rasenflächen in den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Land beobachtet, die von den Käferlarven besiedelt sein könnten.
Um die Verbreitung der Eier oder Larven zu verhindern, darf kein Grünmaterial, kein Kompost und auch keine Erde aus der Pufferzone in andere Gebiete gebracht werden. Das sieht eine Allgemeinverfügung des Schweizerischen Pflanzenschutzdienstes vor, der nun eng mit den deutschen Behörden zusammenarbeitet. Konkret ist das Landwirtschaftliche Technologiezentrum Augustenberg (LTZ) in Karlsruhe zuständig, denn dort ist auch der Pflanzenschutzdienst von Baden-Württemberg angesiedelt.

Foto: (© S. Katovich (USFS)/Bugwood.org)
Typisches Schadbild des Japankäfers ist der Skelletierfraß an Blättern der Wirtspflanzen.

Über den Autor

Quelle: JKI

News & Infos

News & Infos

„Fairness for Farmers“

Fairtrade Deutschland will mit dem Jahresthema 2026 „Fairness for Farmers – From fields to future“ gezielt darauf aufmerksam machen, dass Fairness dort beginnt, wo Millionen von Menschen täglich arbeiten: auf den Feldern.

Fachgruppe OBSTBAU
811
News & Infos

"Indianerbanane“: exotisch, aber nicht unbedenklich

Die Früchte der als ‘Indianerbanane“ oder Pawpaw bekannten Asimina triloba erinnern geschmacklich an Mango und Banane und haben eine sehr cremige Konsistenz. Ihre Vitamine und Mineralstoffe sind zahlreich.

Fachgruppe OBSTBAU
671
News & Infos

Winterzeit ist Fortbildungszeit

Nutzen Sie das Weiterbildungsangebot der Winterveranstaltungen

Fachgruppe OBSTBAU
0
News & Infos

Nussbilanz: Fast sechs Kilogramm pro Kopf

Im Wirtschaftsjahr 2024/25 wurden in der Bundesrepublik Deutschland pro Person rund 5,8 kg frische und verarbeitete Schalenfrüchte wie Erdnüsse, Mandeln oder Haselnüsse konsumiert, wie die Zahlen des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL) zeigen.

Fachgruppe OBSTBAU
1575
News & Infos

EU-Marokko-Abkommen in der Kritik

Das Assoziierungsabkommen der EU mit Marokko trifft auf massiven Widerstand der Europäischen Branchenvertreter. Zahlreiche Verbände schlagen Alarm. Grund ist die von der Europäischen Kommission vorgeschlagene Überarbeitung des Assoziierungsabkommens zwischen der EU und Marokko...

Fachgruppe OBSTBAU
1541
News & Infos

Australische Mandelbranche steht vor bedeutendem Wachstum

Laut einem kürzlich veröffentlichten Bericht der Rabobank wurde in Australien mit der großflächigen Neuanpflanzung von Mandelplantagen begonnen, um die steigende lokale und globale Nachfrage nach der beliebten Nuss zu befriedigen.

Fachgruppe OBSTBAU
1278
News & Infos

Mehr griechische Erdbeeren im Dezember dank vermehrter Frühpflanzungen und günstigem Wetter

Die Ernte der ersten griechischen Erdbeeren in der Region Ilia verläuft derzeit außerordentlich gut. Die Exporte werden zudem weder durch die Traktorblockaden, die sich über ganz Griechenland ausgebreitet haben, noch durch die Zollstellen an den nördlichen Grenzen des Landes behindert, da andere Exportwege genutzt werden.

Fachgruppe OBSTBAU
1258
News & Infos

Verschiebung der SAIO-Aufzeichnungspflichten?

Nach einem Bericht von Agrar-Europe (AgE) zeigen sich die Landwirtschaftsminister der EU-Mitgliedstaaten offen für einen weiteren Aufschub der neuen Aufzeichnungspflichten bei Pflanzenschutzanwendungen.

Fachgruppe OBSTBAU
1413
News & Infos

Seminare in Grünberg:

Jetzt anmelden!

Obstbau Redaktion
0
News & Infos

Thüringen: Delegationsreise nach Vietnam beendet

Der Thüringische Agrarstaatssekretär Marcus Malsch sieht Vietnam als künftigen „Premiumpartner“ Thüringens bei Fachkräftegewinnung und Technologietransfer in der Landwirtschaft.

Fachgruppe OBSTBAU
1591
News & Infos

Per Online-Konfigurator passgenaue Biodiversitätsmaßnahmen für den eigenen Betrieb ermitteln

Mit der Freiwilligen QS-Inspektion Nachhaltigkeit (FIN) hat QS eine branchenweite Lösung für die gesamte Wertschöpfungskette von Obst, Gemüse und Kartoffeln geschaffen.

Fachgruppe OBSTBAU
1541
Anzeige