Japankäfer: gefährlicher Pflanzenschädling im deutschen Grenzgebiet

Behörden bitten darum, verdächtige Käferfunde dem Pflanzenschutzdienst zu melden

JKI
8131

Der meldepflichtigen Japankäfer (Popillia japonica) wurde in Basel - und damit in unmittelbarer Nähe zur deutschen Grenze gesichtet. Die Europäische Union stuft den Japankäfer als so genannten „prioritären Quarantäneschädling“ ein, dessen Auftreten durch jedermann meldepflichtig ist.
Bislang waren auf Schweizer Gebiet im Dreiländereck lediglich einzelne Käfer aufgetaucht. Nun wurde das Schadinsekt laut dem kantonalen Pflanzenschutzdienst an zwei weiteren Stellen gefunden, wobei es sich bei einem der Fundorte erstmals auch um eine größere Kolonie handelt. Rund einen Kilometer um die Fundorte wurde jetzt eine so genannte Befallszone gekennzeichnet. Im Umkreis von weiteren fünf Kilometern gibt es eine Pufferzone. Damit fallen auch Teile der deutschen Gemeinden Grenzach-Wyhlen und Weil am Rhein im Landkreis Lörrach in das Beobachtungsgebiet.

Extrem großer Wirtskreis
„Der ursprünglich aus Japan stammende Käfer kann eine Vielzahl von Pflanzen schädigen und findet auch in anderen europäischen Ländern gute Vermehrungsbedingungen, u. a., weil natürliche Gegenspieler fehlen“, erklärt Dr. Bernhard Schäfer, der am Julius Kühn-Institut (JKI) in Braunschweig das für Pflanzengesundheitsfragen zuständige Fachinstitut leitet. Der Käfer frisst an den Blättern und Früchten von mehr als 300 Pflanzenarten,sowohl in Gärten als auch in Landwirtschaft und Forst. Zu seinen Wirtspflanzen zählen z.B. Wein, Obstbäume und Rosen. Von den Blättern bleiben oft nur die Blattadern übrig. Die Larven (Engerlinge) ernähren sich u. a. von Gräserwurzeln und können auf Grünland und Rasenflächen erhebliche Schäden verursachen.

Bedrohungslage steigt
„Durch die neuen Käferfunde in der Grenzstadt hat sich die Bedrohungslage für Baden-Württemberg und für Deutschland verschärft“, erklärte Dr. Schäfer. Der Käfer könne nun leicht und unbeabsichtigt aus den Befallsgebieten überall nach Deutschland eingeschleppt werden, etwa als „Blinder Passagier“ an Fahrzeugen oder mit Pflanzen und Pflanzenteilen, wie z.B. einem Blumenstrauß.

Funde dringend melden!
Um eine Ansiedlung in Deutschland zu verhindern, wird die Bevölkerung aufgefordert, verdächtige Käferfunde an den zuständigen Pflanzenschutzdienst im jeweiligen Bundesland zu melden, damit Maßnahmen eingeleitet werden können. Diese Mithilfe sei von großer Bedeutung, um Schäden in Deutschland vorzubeugen, betont der JKI-Experte für Pflanzengesundheit. Die Kontaktdaten der deutschen Pflanzenschutzdienste finden Sie online unter folgendem Link:
https://pflanzengesundheit.julius-kuehn.de/ansprechpartner.html

Erkennungsmerkmale des Japankäfers:
Das Schadinsekt ist etwa so groß wie eine Kaffeebohne. Es hat einen grün schimmernden Kopf und Halsschild und braune Flügeldecken. Damit ähnelt der Japankäfer sehr dem heimischen, aber harmlosen Gartenlaubkäfer. Im Gegensatz zu ihm trägt der Quarantäneschädling allerdings fünf weiße Haarbüschel an jeder Hinterleibsseite sowie zwei weiße Haarbüschel am Ende des Hinterleibs. Fotos finden Sie auf der Webseite des JKI unter: https://www.julius-kuehn.de/pressemitteilungen/pressemeldung/n/pi2024-13-japankaefer-gefaehrlicher-pflanzenschaedling-an-deutscher-grenze-gesichtet

Maßnahmen in der Befalls- und der Pufferzone
In der Befalls- und in der Pufferzone werden nun zusätzliche spezielle Duftstofffallen aufgestellt, um die ausgewachsenen Käfer einzufangen. Ziel ist es, eine mögliche Ausbreitung zu überwachen. Außerdem werden große Rasenflächen in den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Land beobachtet, die von den Käferlarven besiedelt sein könnten.
Um die Verbreitung der Eier oder Larven zu verhindern, darf kein Grünmaterial, kein Kompost und auch keine Erde aus der Pufferzone in andere Gebiete gebracht werden. Das sieht eine Allgemeinverfügung des Schweizerischen Pflanzenschutzdienstes vor, der nun eng mit den deutschen Behörden zusammenarbeitet. Konkret ist das Landwirtschaftliche Technologiezentrum Augustenberg (LTZ) in Karlsruhe zuständig, denn dort ist auch der Pflanzenschutzdienst von Baden-Württemberg angesiedelt.

Foto: (© S. Katovich (USFS)/Bugwood.org)
Typisches Schadbild des Japankäfers ist der Skelletierfraß an Blättern der Wirtspflanzen.

Über den Autor

Quelle: JKI

News & Infos

News & Infos

Studie in Österreich: Bäuerliche Direktvermarktung als Alternative zum Handel

„Aktuell sind 29 % der Betriebe in der Direktvermarktung aktiv“, verkündete kürzlich Josef Moosbrugger, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich. „Dies bedeutet eine Steigerung gegenüber den letzten Erhebungen bedeutet."

Fachgruppe OBSTBAU
1068
News & Infos

Rückstandsmonitoring Pflaumen 2026: QS-Proben zum Erntestart ohne RHG-Überschreitungen

Zum Start der Erntesaison für heimische Pflaumen zeigt das aktuelle QS-Rückstandsmonitoring ein positives Bild: Keine der 70 untersuchten Proben wies eine Überschreitung der gesetzlichen Rückstandshöchstgehalte (RHG) auf.

Fachgruppe OBSTBAU
1048
News & Infos

Kostenfreie QS-Infoposter zur Hand- und Arbeitshygiene bei der Ernte

Sauberkeit und Hygiene während der Ernte sind zentrale Bestandteile der QS-Anforderungen in der Obst- und Gemüseerzeugung. Passend zum Start der Erntesaison hat QS neu gestaltete Infoposter zur Hand- und Arbeitshygiene veröffentlicht.

Fachgruppe OBSTBAU
751
News & Infos

Nitrat im Grundwasser: Deutschland liegt weit über EU-Schnitt

Nach dreijähriger Prüfung hat die EU-Kommission vergangene Woche ihre lang erwartete Evaluierung der Nitratrichtlinie veröffentlicht- und damit die erste umfassende Evaluierung der EU-Nitratrichtlinie seit deren Inkrafttreten im Jahr 1991 vorgelegt.

Fachgruppe OBSTBAU
1188
News & Infos

Aus drei mach eins: Aus BfR, MRI und BZfE wird ab 2029 das neue Bundesinstitut für Risikobewertung und Ernährung

Der Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, Alois Rainer, treibt die Staats- und Verwaltungsmodernisierung in seinem Ressort weiter voran. Nach der Verschlankung von Strukturen im Bundeslandwirtschaftsministerium ist nun eine Zusammenlegung...

Fachgruppe OBSTBAU
1077
News & Infos

Hochschule Osnabrück und Fachgruppe Obstbau entwickeln neue Richtlinie für nachhaltigen Obstbau

Wenn im Herbst die Äpfel geerntet werden, steckt darin weit mehr als die Arbeit am Baum. Wie viel Wasser wurde benötigt? Wie wurde der Boden geschützt? Welche Rolle spielen Nützlinge und Biodiversität? Und wie lässt sich der Anbau an die zu-nehmende Hitze und Trockenheit anpassen?

Fachgruppe OBSTBAU
1115
News & Infos

Brandbrief der deutschen Obstbauern

Immer mehr Betriebe fragen sich, ob sich die Ernte überhaupt noch lohnt. Die Situation ist damit so dramatisch, dass wir uns als Vertreter des deutschen Obstbaus erstmals seit vielen Jahren gezwungen sehen, uns mit einem öffentlichen Brandbrief an Politik, Handel und Verbraucher gleichermaßen zu wenden.

Fachgruppe OBSTBAU
9048
News & Infos

Hat der deutsche Obstbau eine Zukunft?

Martin Hahn MdL, agrarpolitischer Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen im Landtag von Baden-Württemberg bezieht Position zu Mindestlohn, Saisonarbeitskräften und weiteren drängenden Themen des Obstbaus.

Fachgruppe OBSTBAU, Joerg Hilbers
2193
News & Infos

Importe aus der Türkei und vom Balkan setzen Kirschpreise unter Druck

Die deutsche Kirschernte läuft auf Hochtouren. Dabei befinden sich die Preise im indirekten Absatz auf einem extrem niedrigen und für Erzeuger ruinösem Niveau.

Fachgruppe OBSTBAU
2351
News & Infos

Gartenbauwissenschaften: Neue Studienrichtung an der Universität Hohenheim

Wie können wir gartenbauliche Kulturen nachhaltig anbauen und dabei Wasser und Nährstoffe effizient nutzen? Wie kann man mit innovativen Anbaumethoden dem Klimawandel begegnen und gleichzeitig die Produktivität steigern?

Fachgruppe OBSTBAU
1738
News & Infos

EU-Agrarreserve für Düngemittel: 60 Millionen Euro für Deutschland

Die EU-Kommission hat kürzlich entschieden, wie die 540 Mio. Euro aus der Agrarreserve zur Abfederung der aktuellen Preiskrise bei Düngemitteln auf die Mitgliedstaaten verteilt werden sollen.

Fachgruppe OBSTBAU
1594
News & Infos

Update Verpackungsrecht: Was Sie jetzt zur neuen EU-Verordnung wissen müssen

Die neue europäische Verpackungsverordnung 2025/40 (PPWR – Packaging and Packaging Waste Regulation) bringt weitreichende Änderungen für die gesamte Agrarbranche mit sich. Ab dem 12. August 2026 gelten neue Spielregeln, die besonders die Verantwortlichkeiten und die Dokumentation von Verpackungen betreffen.

Fachgruppe OBSTBAU
1745
Anzeige