Frankreich: Schulterschluss von Produktion und Vermarktung

Inga Detleffsen
6155

Wenn große Mengen und gute Qualität nicht reichen: Wettbewerbsdruck und unzureichende Nachfrage machen der französischen Steinobstbranche in diesem Sommer zu schaffen. Bereits mehrfach hatte die Vereinigung der französischen Erzeugerorganisationen von Pfirsichen und Aprikosen (AOP Pêches et Abricots de France) die unhaltbare Lage angeprangert. Seit Saisonstart wurden großen Mengen an Aprikosen, Pfirsichen und Nektarinen meist aus Spanien importiert. Gleichzeitig wurden die im Inland produzierten Aprikosen zu Preisen verkauft, die weit unter den Produktionskosten der Erzeuger lagen.

Mitte Juli schließlich forderte die AOP Pêches et Abricots de France ein Treffen mit dem Großhandel: “Wir können nicht länger in dieser Situation verharren”, so die dringliche Botschaft der Vereinigung. Für die Branche sind die Schwierigkeiten immens, dadurch werde die Beibehaltung des französischen Obstanbaus in seiner jetzigen Form stark infrage gestellt.

Gründe für die aktuelle Situation
Im Rahmen des daraufhin angesetzten Treffens scheint es zu einem Schulterschluss gekommen zu sein: In einer gemeinsamen Erklärung der AOP mit dem O+G-Großhandelsverband UNCGFL und der Vereinigung der französischen Obst-Produzenten FNPF wurde die Lage entlang der französischen Wertschöpfungskette für Aprikosen als “sehr besorgniserregend” bezeichnet. Als Grund sehe man ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren:

  • Nach einem schwierigen Start war die Produktionsmenge, die auf den Markt drängte, besonders groß.
  • Der Wettbewerb aus anderen europäischen Ländern führte gleichzeitig zu einem Rückgang französischer Exporte, was zusätzlich den nationalen Markt belaste.
  • Obwohl die Qualität der Früchte sich stark verbessert habe, sei die Nachfrage auf dem französischen Markt allein nicht dynamisch genug, um diese Mengen aufzunehmen - auch angesichts einer angespannten Kaufkraft der Konsumenten.

Die getroffenen Vereinbarungen
Vertreter der Produzenten und des Großhandels haben nun einen gemeinsamen “Diskussionskanal” eingerichtet. Auf diese Weise soll die weitere Entwicklung der Lage so unverzüglich und direkt wie möglich beobachtet und beurteilt werden.

Erste Maßnahmen wurden bereits umgesetzt: so werde der Großhandel kurzfristig aus Solidarität zu seinen Lieferanten französische Früchte bevorzugen. Gleichzeitig soll der Dialog zwischen Käufern und Verkäufern gefördert werden, um den Bedürfnissen beider Seiten Rechnung zu tragen. Besondere Aufmerksamkeit werde dabei auf Qualitätsmerkmale gerichtet, etwa die Zertifikate der “Vergers écoresponsables” (umweltfreundliche Obstgärten), von HVE (Haute Valeur Environnementale, kennzeichnet hohe Umweltqualität im Anbau) und weiteren Qualitätssiegeln.

Mittelfristig wolle man sich auf die Produkte fokussieren, die sowohl der Nachfrage der Konsumenten, aber auch der des Einzelhandels und der der Gemeinschaftsverpflegung entsprächen, heißt es in der gemeinsamen Mitteilung der drei Verbände abschließend.

Quelle: Inga Detleffsen, Fruchtportal

News & Infos

News & Infos

CIV stärkt Erdbeerforschung für südeuropäische Märkte

Das italienischen Züchtungskonsortium CIV (Consorzio Italiano Vivaisti) hat es sich auf die Fahne geschrieben, den Erzeugern innovative Lösungen zu bieten, die Wirtschaftlichkeit und höchste Qualitätsstandards verbinden.

Fachgruppe OBSTBAU
453
News & Infos

10 Millionen Euro für KI und Digitalisierung: BMLEH stärkt gezielt Innovationen in der Landwirtschaft

Im Rahmen der Grünen Woche übergibt der Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, Alois Rainer, heute Förderbescheide für neue Experimentierfelder zur Digitalisierung und Künstlichen Intelligenz (KI) in der Landwirtschaft sowie für das Projekt "Smart Farming" des Deutschen Instituts für Normung (DIN).

Fachgruppe OBSTBAU
395
News & Infos

Deutschland isst weniger Obst als je zuvor

Der Superfood-Hype verändert den Obstkonsum in Deutschland fundamental. Dies geht aus aktuellen Zahlen des BMEL hervor. So lag der Pro-Kopf-Verbrauch von Obst 2024/2025 bei nur noch 69 kg.

Fachgruppe OBSTBAU
476
News & Infos

Bundespreis Ökologischer Landbau geht an den Bodensee

Die OvB vermarktet als größter Bio-Obst-Vermarkter Süddeutschlands das Obst von über 40 Erzeugerfamilien. Der Anteil schorfresistenter Sorten ist hier außergewöhnlich hoch. Der steigende Bedarf an Bio-Produkten wurde frühzeitig gemeinsam mit Handelspartnern „Der Erfolg im Bio-Obstbau ist immer ein gemeinsames Werk“, sagt Bundespreisträger Glocker.

Fachgruppe OBSTBAU
300
News & Infos

Geplantes EU-Kunststoffverpackungsverbot für Obst und Gemüse: Sagen Sie Ihre Meinung!

Die EU plant ein Verbot von Einweg-Kunststoffverpackungen für frisches Obst und Gemüse unter 1,5 kg. Noch bis zum 30. Januar findet eine EU-Umfrage zu diesem geplanten Verbot statt.

Fachgruppe OBSTBAU
348
News & Infos

Fruchtwelt Bodensee 2026

Friedrichshafen – Was gibt’s Neues in den BereichenErwerbsobstbau, Agrartechnik und dem Brennerwesen? Die Fruchtwelt Bodensee bietet vom 20. bis 22. Februar 2026 in der Messe Friedrichshafen eine in-ternationale Plattform. Rund 350 ausstellende Unternehmen zeigen ihre aktuellen Produkte und Dienstleistungen, Sonderflä-chen konzentrieren sich auf Hofläden, Forschung und Entwicklung, den Bildungsbereich sowie Start-up-Unternehmen.

Fachgruppe OBSTBAU
431
News & Infos

Das Mercosur-Abkommen: Umstrittener denn je

Mercosur-Staaten sind die Mitglieder des südamerikanischen Handelsblocks, aktuell Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay und Bolivien. Sie haben 1991 eine Zollunion gegründet mit dem Ziel eines freien Waren-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehrs.

Fachgruppe OBSTBAU
778
News & Infos

“Ökologische sowie soziale Verantwortung in allen Prozessen verankern“

Die REWE Group schließt sich der internationalen Nachhaltigkeitsinitiative SIFAV (Sustainability Initiative Fruit and Vegetables) an.

Fachgruppe OBSTBAU
1070
News & Infos

Weniger Pflanzenschutzmittelrückstände in Lebensmitteln aus Deutschland

Lebensmittel in Deutschland enthalten nur selten Rückstände von Pflanzenschutzmitteln oberhalb der geltenden Rückstandshöchstgehalte. Dies zeigt die vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) veröffentlichte „Nationale Berichterstattung Pflanzenschutzmittelrückstände in Lebensmitteln 2024“.

Fachgruppe OBSTBAU
1181
News & Infos

10. BMUKN-Agrarkongress: Umweltschutz muss sich für Landwirte lohnen!

Bundesumweltminister Carsten Schneider eröffnete am 13. Januar 2026 gemeinsam mit Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer den diesjährigen BMUKN-Agrarkongress im Vorfeld der Grünen Woche. Im Mittelpunkt stand die künftige Ausgestaltung der europäischen Agrarpolitik, deren Bedeutung für die ländlichen Räume und die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen.

Fachgruppe OBSTBAU
543
News & Infos

Frankreich: Importstopp für Produkte, die Rückstände von in der EU nicht zugelassenen PSM enthalten

Die französische Regierung plant, den Import von Lebensmitteln auszusetzen, die Rückstände von in der Europäischen Union verbotenen phytosanitären Substanzen enthalten, darunter Die Wirkstoffe Mancozeb, Glufosinat, Thiophanat-Methyl und Carbendazim.

Fachgruppe OBSTBAU
621
Anzeige