Foodtrends aktuell
Wie Esskultur sich wandelt und Generationen verbinden kann
Die aktuelle Esskultur bewegt sich zwischen Tradition und neuen Verhaltensweisen. Eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Initiative „Too Good To Go“ über drei Generationen zeigt: Frisch kochen bleibt weit verbreitet, zugleich unterscheiden sich die Generationen in ihrer Neugier, in ihrem Umgang mit Mindesthaltbarkeitsdaten und in der Nutzung digitaler Angebote. Die jüngste Befragung zeigt auch, dass die Aspekte Sparen und die Suche nach einem wertschätzenden Umgang mit Lebensmitteln alle Altersgruppen verbindet und bietet damit großes gemeinsames Lernpotenzial, wobei die 30–41-Jährigen hier eine wichtige Brückenfunktion einnehmen.
Unterschiedliche Prioritäten und Wissensstände
Sehr deutlich wird in der Umfrage, dass die verschiedenen Generationen ganz unterschiedliche Prioritäten und Wissensstände haben, aus denen sich sehr viel Potenzial für gegenseitiges Lernen ergibt.
Die junge Generation zeigt sich kreativer und offener hinsichtlich verschiedener Lebensstile und Ernährungsweisen. Sie nutzt das reiche Warenangebot wie auch die vielfältigen Inspirationsquellen spielerisch: 57 % der 18–29-Jährigen geben an, häufig bis sehr häufig neue Rezepte und Ernährungstrends auszuprobieren. Auch in der Nutzung von Online- und alternativen Angeboten - sowohl beim Einkauf als auch beim Weitergeben von Lebensmitteln - ist die jüngere Generation der Älteren einen Schritt voraus, denn die Nutzung von Online- und Alternativangeboten nimmt mit höherem Alter immer mehr ab.
Die Älteren (54–65-Jährige) tendieren eher zu Routinen und bewahren Bewährtes: Neues wird von 8 % nie und von 56 % gelegentlich probiert. Nahezu alle, d.h. 93 %, kaufen hauptsächlich im Supermarkt. „In dieser Altersgruppe finden wir erfahrene Esser, die sich eher traditionell ernähren und weniger dazu neigen, Neues auszuprobieren,“ erläutert Hanni Rützler, eine der führenden Foodtrend-Forscherinnen.
Hanni Rützler erklärt: „Die Jüngeren haben häufig gar nicht mehr traditionell kochen gelernt. Auch wirtschaftliche Krisen und die Corona-Pandemie haben einen großen Einfluss auf ihr Koch- und Einkaufsverhalten genommen, weil sie nicht so viel auswärts essen gehen konnten.“ Zudem setze sich die Gen Z sehr bewusst mit sich selbst und den verschiedenen Lebenswelten auseinander. Stichpunkte wie Achtsamkeit und Selfcare sind hier Aspekte, die sich auch im Einkaufsverhalten, der Ess- und Kochkultur widerspiegeln.
Bereitschaft zum Austausch
Besonders die befragte Gruppe der 54 bis 65-Jährigen steht einem Austausch der Generationen offen gegenüber. Die 30 bis 41-Jährige und 42 bis 53-Jährigen zeigen sich in diesem Bereich neutral. Die jüngere Generation (18 bis 29-Jährige) hingegen ist häufig der Auffassung, dass der Austausch mit älteren Menschen für sie keinen großen Mehrwert bringt.
Differenzierter betrachtet, bieten die Unterschiede im Konsum-, Ess- und Kochverhalten jedoch großes Potenzial für gegenseitiges Verständnis und Möglichkeiten voneinander zu lernen. „Besonders spannend finde ich, dass sich die Gruppe der 30 bis 41-Jährigen in dieser Umfrage als eine Art Brückenbauer offenbart,“ kommentierte Hanni Rützler die Umfrageergebnisse. „Diese Altersgruppe hat noch von der älteren Generation gelernt, ist aber deutlich aufgeschlossener und neugieriger. Konsumenten dieser Altersgruppe kaufen kritischer und nutzen bewusst vielfältigere Einkaufsquellen.“
Die Umfrage zeigt zudem, dass Verbraucher in Deutschland stark preisbewusst sind: Mehr als 70 % der Befragten achten eher oder stark auf den Preis beim Einkaufen.
Bei Lebensmitteln kennen sie allerdings meist nur zwei Zustände: Den vollen Preis, solange sie verkaufbar sind und Abfall, wenn sie das MhD überschritten haben.
Die Kernaussagen der Umfrage:
- Frisches Kochen ist generationsübergreifend wichtig: 84 % der Befragten kochen mindestens mehrmals pro Woche frisch.
- Jüngere Menschen sind experimentierfreudiger: 58 % der 18 bis 29-Jährigen probieren häufiger neue Ernährungstrends, bei den 54 bis 65-Jährigen sind es nur 36 %.
- Haltbarkeit von Lebensmitteln: 29 Prozent der 18 bis29-Jährigen neigen eher dazu, Lebensmittel nach Überschreiten des MHD zu entsorgen. Ältere (54 bis 65 Jahre) prüfen Aussehen, Geruch und Geschmack häufiger und nutzen Reste eher weiter.
- Digitaler Wandel: Die Nutzung von Online- und alternativen Einkaufsangeboten nimmt mit dem Alter ab; die 30 bis 41-Jährigen agieren oft als Brücke zwischen Tradition und neuen Verhaltensweisen.
- Sparen als gemeinsamer Nenner: Über 70 % achten beim Einkauf auf den Preis. 42,2 % haben ein festes Monatsbudget für Lebensmittel — ein Thema, das alle Generationen betrifft und verbindet.
- Weitergeben statt Wegwerfen: Die Mehrheit teilt überschüssige Lebensmittel im Familienkreis (56,5 %); Plattformen und Nachbarschaft werden ebenfalls genutzt.
Über Hanni Rützler
Die Gründerin und Leiterin des futurefoodstudios ist eine der führenden Foodtrend-ForscherInnen Europas. Seit 30 Jahren inspiriert sie damit Akteure aus der gesamten Food & Beverages-Branche. In ihren Studien zur Zukunft der Ernährung, in ihrem Foodreport sowie in ihrem neuen Food Context Pilot spürt die ausgebildete Ernährungswissenschafterin und Gesundheitspsychologin dem Wandel der Esskultur und der Transformation unseres Ernährungssystems nach und versteht es, nachhaltige Foodtrends von kurzfristigen Moden und Medien-Hypes zu unterscheiden.
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