Foodtrends aktuell

Wie Esskultur sich wandelt und Generationen verbinden kann

Fachgruppe OBSTBAU
147

Die aktuelle Esskultur bewegt sich zwischen Tradition und neuen Verhaltensweisen. Eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Initiative „Too Good To Go“ über drei Generationen zeigt: Frisch kochen bleibt weit verbreitet, zugleich unterscheiden sich die Generationen in ihrer Neugier, in ihrem Umgang mit Mindesthaltbarkeitsdaten und in der Nutzung digitaler Angebote. Die jüngste Befragung zeigt auch, dass die Aspekte Sparen und die Suche nach einem wertschätzenden Umgang mit Lebensmitteln alle Altersgruppen verbindet und bietet damit großes gemeinsames Lernpotenzial, wobei die 30–41-Jährigen hier eine wichtige Brückenfunktion einnehmen.

Unterschiedliche Prioritäten und Wissensstände
Sehr deutlich wird in der Umfrage, dass die verschiedenen Generationen ganz unterschiedliche Prioritäten und Wissensstände haben, aus denen sich sehr viel Potenzial für gegenseitiges Lernen ergibt.
Die junge Generation zeigt sich kreativer und offener hinsichtlich verschiedener Lebensstile und Ernährungsweisen. Sie nutzt das reiche Warenangebot wie auch die vielfältigen Inspirationsquellen spielerisch: 57 % der 18–29-Jährigen geben an, häufig bis sehr häufig neue Rezepte und Ernährungstrends auszuprobieren. Auch in der Nutzung von Online- und alternativen Angeboten - sowohl beim Einkauf als auch beim Weitergeben von Lebensmitteln - ist die jüngere Generation der Älteren einen Schritt voraus, denn die Nutzung von Online- und Alternativangeboten nimmt mit höherem Alter immer mehr ab.
Die Älteren (54–65-Jährige) tendieren eher zu Routinen und bewahren Bewährtes: Neues wird von 8 % nie und von 56 % gelegentlich probiert. Nahezu alle, d.h. 93 %, kaufen hauptsächlich im Supermarkt. „In dieser Altersgruppe finden wir erfahrene Esser, die sich eher traditionell ernähren und weniger dazu neigen, Neues auszuprobieren,“ erläutert Hanni Rützler, eine der führenden Foodtrend-Forscherinnen.
Hanni Rützler erklärt: „Die Jüngeren haben häufig gar nicht mehr traditionell kochen gelernt. Auch wirtschaftliche Krisen und die Corona-Pandemie haben einen großen Einfluss auf ihr Koch- und Einkaufsverhalten genommen, weil sie nicht so viel auswärts essen gehen konnten.“ Zudem setze sich die Gen Z sehr bewusst mit sich selbst und den verschiedenen Lebenswelten auseinander. Stichpunkte wie Achtsamkeit und Selfcare sind hier Aspekte, die sich auch im Einkaufsverhalten, der Ess- und Kochkultur widerspiegeln.

Bereitschaft zum Austausch
Besonders die befragte Gruppe der 54 bis 65-Jährigen steht einem Austausch der Generationen offen gegenüber. Die 30 bis 41-Jährige und 42 bis 53-Jährigen zeigen sich in diesem Bereich neutral. Die jüngere Generation (18 bis 29-Jährige) hingegen ist häufig der Auffassung, dass der Austausch mit älteren Menschen für sie keinen großen Mehrwert bringt.
Differenzierter betrachtet, bieten die Unterschiede im Konsum-, Ess- und Kochverhalten jedoch großes Potenzial für gegenseitiges Verständnis und Möglichkeiten voneinander zu lernen. „Besonders spannend finde ich, dass sich die Gruppe der 30 bis 41-Jährigen in dieser Umfrage als eine Art Brückenbauer offenbart,“ kommentierte Hanni Rützler die Umfrageergebnisse. „Diese Altersgruppe hat noch von der älteren Generation gelernt, ist aber deutlich aufgeschlossener und neugieriger. Konsumenten dieser Altersgruppe kaufen kritischer und nutzen bewusst vielfältigere Einkaufsquellen.“
Die Umfrage zeigt zudem, dass Verbraucher in Deutschland stark preisbewusst sind: Mehr als 70 % der Befragten achten eher oder stark auf den Preis beim Einkaufen.
Bei Lebensmitteln kennen sie allerdings meist nur zwei Zustände: Den vollen Preis, solange sie verkaufbar sind und Abfall, wenn sie das MhD überschritten haben.

Die Kernaussagen der Umfrage:

  • Frisches Kochen ist generationsübergreifend wichtig: 84 % der Befragten kochen mindestens mehrmals pro Woche frisch.
  • Jüngere Menschen sind experimentierfreudiger: 58 % der 18 bis 29-Jährigen probieren häufiger neue Ernährungstrends, bei den 54 bis 65-Jährigen sind es nur 36 %.
  • Haltbarkeit von Lebensmitteln: 29 Prozent der 18 bis29-Jährigen neigen eher dazu, Lebensmittel nach Überschreiten des MHD zu entsorgen. Ältere (54 bis 65 Jahre) prüfen Aussehen, Geruch und Geschmack häufiger und nutzen Reste eher weiter.
  • Digitaler Wandel: Die Nutzung von Online- und alternativen Einkaufsangeboten nimmt mit dem Alter ab; die 30 bis 41-Jährigen agieren oft als Brücke zwischen Tradition und neuen Verhaltensweisen.
  • Sparen als gemeinsamer Nenner: Über 70 % achten beim Einkauf auf den Preis. 42,2 % haben ein festes Monatsbudget für Lebensmittel — ein Thema, das alle Generationen betrifft und verbindet.
  • Weitergeben statt Wegwerfen: Die Mehrheit teilt überschüssige Lebensmittel im Familienkreis (56,5 %); Plattformen und Nachbarschaft werden ebenfalls genutzt.

Über Hanni Rützler
Die Gründerin und Leiterin des futurefoodstudios ist eine der führenden Foodtrend-ForscherInnen Europas. Seit 30 Jahren inspiriert sie damit Akteure aus der gesamten Food & Beverages-Branche. In ihren Studien zur Zukunft der Ernährung, in ihrem Foodreport sowie in ihrem neuen Food Context Pilot spürt die ausgebildete Ernährungswissenschafterin und Gesundheitspsychologin dem Wandel der Esskultur und der Transformation unseres Ernährungssystems nach und versteht es, nachhaltige Foodtrends von kurzfristigen Moden und Medien-Hypes zu unterscheiden.

Über den Autor

Quelle: Too Good To Go

News & Infos

News & Infos

CO2-Fußabdruck von Bodenseeäpfeln

Im Sommer 2023 wurden im Rahmen der Initiative „FAIRDI – natürlich vom Bodensee“ CO2-Fußabdrücke für Äpfel von 22 Obstbaubetrieben sowie für typische Bodenseeäpfel ermittelt, um Optimierungspotentiale für einen ressourcenschonenden Apfelanbau zu identifizieren.

Fachgruppe OBSTBAU
6770
News & Infos

Erweiterung der Mautpflicht ab Juli 2024

Am 24.11.2023 wurde das „Dritte Gesetz zur Änderung mautrechtlicher Vorschriften“ (3. MautÄndG) im Bundesgesetzblatt Teil I Nr. 315 verkündet. Die Regelungen des Gesetzes treten 2024 in verschiedenen Stufen in Kraft.

Fachgruppe OBSTBAU
6320
News & Infos

Polnische Landwirte protestieren gegen europäische Umweltvorschriften

Letzte Woche gingen Tausende von Landwirten in der polnischen Hauptstadt Warschau auf die Straße, um gegen die Umweltpolitik der Europäischen Union (EU) zu protestieren, berichtet Vilt.be.

Vilt.be
5948
News & Infos

EU-weit mehr als 300 Fälle von zu hohen PSM-Rückständen in Obst und Gemüse

In der Saison 2023/2024 wurden bei stichprobenartigen Rückstandsuntersuchungen bis April 2024 in 361 Fällen zu hohe Pflanzenschutzmittelrückstände in Obst und Gemüse festgestellt, wie der spanische Infodienst Hortoinfo.es in einem Bericht mitteilte.

Hortoinfo.es
6586
News & Infos

“Zukunftsprogramm Landwirtschaft” in der Kritik

Unwissenschaftlich, unausgegoren und untauglich - mit diesen klaren Worten kommentiert der Industrieverband Agrar e.V. (IVA) die “Diskussionsgrundlage für die Erarbeitung eines Zukunftsprogramms Pflanzenschutz”.

Fachgruppe OBSTBAU
6076
News & Infos

Schimmel an Erdbeeren aus dem Mittelmeerraum - ein Problem?

Das NDR-Verbrauchermagazin "Markt" hat Stichproben von frühen Erdbeeren aus dem Mittelmeerraum bei Edeka, Lidl, Rewe und einem örtlichen Gemüsehändler gekauft. Die Erdbeeren kamen aus Spanien, Griechenland und Italien.

NDR
6142
News & Infos

Pachtpreise weiter gestiegen

Im Jahr 2023 hat das jährliche Pachtentgelt je Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche bundesweit durchschnittlich 357 Euro betragen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) nach den Ergebnissen der Agrarstrukturerhebung 2023 mitteilt, entsprach dies einem Anstieg von 9 % gegenüber 2020 (329 Euro).

Destatis
8246
News & Infos

Genomsequenz der Schattenmorelle entschlüsselt

Ein Forschungsteam unter Federführung des JKI-Instituts für Züchtungsforschung an Obst untersucht mit neuartigen Technologien das komplexe Erbgut der bedeutenden Sauerkirschsorte und zieht Rückschlüsse auf Entstehung der Obstart.

JKI
6104
News & Infos

Neu als Berufskrankheit anerkannt: Parkinson-Syndrom durch chemische Pflanzenschutzmittel

Der Ärztliche Sachverständigenbeirat Berufskrankheiten (ÄSVB) – ein weisungsunabhängiges Gremium, das beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) angegliedert ist – hat empfohlen, das Parkinson-Syndrom durch chemische Pflanzenschutzmittel als neue Berufskrankheit in die Berufskrankheiten-Verordnung aufzunehmen.

SVLFG
7783
News & Infos

Pflanzenschutz-App geht in Deutschland an den Start

Rund 30 Landwirte und landwirtschaftliche Berater in Deutschland testen in einem Pilotprojekt die neue Pflanzenschutz-App „AgriGuide“.

IVA
6948
News & Infos

Maßnahmenpaket Zukunft Gartenbau an Staatssekretärin Bender übergeben

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hatte im Oktober 2022 den „Zukunftskongress Gartenbau“ ausgerichtet. Dessen Ergebnisdokumentation zeigt vielfältige Handlungsoptionen und Notwendigkeiten für die Zukunft der Branche auf.

ZVG
6087
News & Infos

BMEL startet Beteiligungsprozess für ein „Zukunftsprogramm Pflanzenschutz“

Mit dem ausgewiesenen Ziel, mit nachhaltigem Pflanzenschutz die Ernten der Zukunft zu sichern, hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) einen breiten Beteiligungsprozess für das "Zukunftsprogramm Pflanzenschutz"...

ZVG, BMEL
6219
Anzeige