EU-Marokko-Abkommen in der Kritik

Fachgruppe OBSTBAU
4097

Das Assoziierungsabkommen der EU mit Marokko trifft auf massiven Widerstand der Europäischen Branchenvertreter. Zahlreiche Verbände schlagen Alarm. Grund ist die von der Europäischen Kommission vorgeschlagene Überarbeitung des Assoziierungsabkommens zwischen der EU und Marokko sowie eine neuer delegierter Rechtsakt zur Herkunftskennzeichnung.

Verstoß gegen EU-Recht und europäische Wert
COPA und COGECA sowie AREFLH und EUCOFEL als Organisationen, die auf EU-Ebene die Obst- und Gemüseproduzenten vertreten, bezeichnen Verbände den Vorschlag in einem gemeinsamen Schreiben an das EU-Parlament als direkten Verstoß gegen EU-Recht und europäische Werte. Denn dieses Vorhaben benachteiligt nicht nur die europäischen Erzeuger, es verletzt wesentliche EU-Rechtsgrundlagen und führt Verbraucher in die Irre.
Der Vorschlag sieht vor, die Anwendung von Präferenzzöllen auf Produkte aus der Westsahara ausweiten und Herkunftsangaben mit regionalen Bezeichnungen anstelle von „Westsahara“ zulassen – und dies trotz eines eindeutigen Urteils des Europäischen Gerichtshofs, das eine klare Kennzeichnung vorschreibt. Die Branchenvertreter warnen, dass es sich dabei um einen rechtlichen Umgehungsversuch handelt, der Verbraucher irreleitet, die EU-Rechtsprechung missachtet und einen Präzedenzfall für die Verschleierung von Ursprüngen schafft.

Die Erzeugerorganisationen heben folgende Risiken dieser Überarbeitung hervor:

  • Das Abkommen setzt europäische Produzenten einem unfairen Wettbewerb mit Produkten aus der Westsahara aus, die unter niedrigeren sozialen und ökologischen Standards erzeugt werden.
  • Die Obst- und Gemüseerzeuger in der EU stehen bereits unter erheblichem Marktdruck durch steigende Importe. Es besteht somit das Risiko, dass die europäische Produktion weiter verdrängt wird und die wirtschaftliche Belastung der Betriebe in der gesamten EU wächst.
  • Mangelnde Transparenz und verschleiernde Herkunftskennzeichnungen könnten das Vertrauen in die EU-Kennzeichnungsstandards untergraben. Dies würde zu einem Verlust des Verbrauchervertrauens führen.
  • Im Abkommen werden zentrale Kontrollaufgaben an die marokkanischen Behörden delegiert. Diese wären dann für die Ausstellung von Konformitätsbescheinigungen zuständig. Das schwächt die Aufsicht der EU und wirft ernsthafte Fragen zur Einhaltung europäischer Standards auf.

Die Organisationen werfen der Kommission vor, dass sie trotz jahrelanger Forderungen aus der Branche nach Gegenseitigkeit und wirksamer Schutzmechanismen das Abkommen nicht reformiert hätten. Die langjährigen Anliegen wurden nicht aufgegriffen, mit der Folge, dass EU-Produzenten weiterhin einem verzerrten Wettbewerb und Instabilität auf dem Markt ausgesetzt sind.
Die europäischen Erzeuger fordern die Mitglieder des Europäischen Parlaments nun auf, den Einspruch gegen den delegierten Rechtsakt zur Herkunftskennzeichnung für Obst und Gemüse aus der Westsahara zu unterstützen, wen dieser im Plenum abgestimmt wird. Sie betonen die Notwendigkeit einer vollständigen und ausgewogenen Neuverhandlung des Abkommens, um den Schutz der EU-Landwirte sicherzustellen, wirksame Schutzmaßnahmen einzuführen und die Einhaltung des EU-Rechts und des Völkerrechts zu gewährleisten.

„Europäische Erzeuger können nicht in einem System konkurrieren, das Ursprünge verschleiert, Standards schwächt und die Urteile des Gerichtshofs ignoriert“, heißt es in dem Schreiben der Organisationen.
Quelle: COPA/COGECA

Musterbeispiel für unfairen Wettbewerb
nach Ansicht von FEPEX, die die spanischen Erzeuger vertritt, stellt das Assoziierungsabkommen der EU mit Marokko ein Musterbeispiel für unfairen Wettbewerb in den Bereichen Arbeitsbedingungen, Gesundheit und Umwelt dar – zu Lasten europäischer Obst- und Gemüseproduzenten.
„Der unfaire Wettbewerb betrifft den gesamten Obst- und Gemüsebereich. Seit Inkrafttreten des Abkommens im Jahr 2012 sind die Importe von Obst und Gemüse in die EU von 831.338 auf 1,4 Mio. Tonnen gestiegen – ein Plus von 71 %. Denn der Mindestlohn beträgt in Spanien 9,74 Euro pro Stunde, während er in Marokko bei 0,98 Euro liegt“, informiert FEPEX und betont, dass sich der unlautere Wettbewerb nicht nur gegen spanische Erzeuger, sondern auch gegen jene aus anderen Mitgliedstaaten richtet, da die Lohnkosten dort ebenfalls deutlich höher sind als in Marokko liegen.
FEPEX erinnert zudem daran, dass im phytosanitären und Umweltbereich seit Jahren unlauterer Wettbewerb stattfindet, da Marokko Produkte einsetzt, die durch multilaterale Umweltschutzabkommen verboten sind. So ist etwa Methylbromid – ein hochwirksames Insektizid und Fungizid, das in der EU seit 2005 wegen seiner Auswirkungen auf die Ozonschicht verboten, in Marokko jedoch weiterhin zugelassen ist.
„Die Situation wird sich durch die Änderung des Assoziierungsabkommens, das die Europäische Kommission und Marokko im Oktober 2025 vereinbart haben, weiter verschärfen. Es gilt bereits vorläufig und soll den Produkten aus der Westsahara die im Abkommen enthaltenen Zollvorteile gewähren, als wären sie marokkanisches Territorium. Das wird den Wettbewerbsdruck noch erhöhen“, verdeutlicht der spanische Branchenvertreter. Damit würden EU-Vorschriften umgangen, die eine Angabe des Herkunftslands auf Produkten verlangen, die in der EU vermarktet werden. FEPEX hält es daher für entscheidend, dass das Europäische Parlament die im Oktober zwischen der Europäischen Kommission und Marokko erzielte Vereinbarung nicht ratifiziert.

Über den Autor

Quelle: FEPEX

News & Infos

News & Infos

Zwischen Hitze, Hagel und Frost – Wetterextreme machen Risikomanagement zur Zukunftsfrage des Obstbaus

Der Obstbau gehört naturgemäß zu den Kulturen, die in besonderem Maße von der Witterung abhängig sind. Umso härter trifft uns der Klimawandel. Wetterextreme treten häufiger auf, erreichen neue Intensitäten und treffen unsere Kulturen in immer empfindlicheren Entwicklungsstadien. Gleichzeitig verändern sich die Betriebe.

Fachgruppe OBSTBAU, Joerg Hilbers
2195
News & Infos

Drei schwere Hagelunwetter im Alten Land verursachen Schäden von über 30 Millionen Euro – Liquiditätssicherung muss an erster Stelle stehen

Das Alte Land wurde in diesem Jahr bereits dreimal von schweren Hagelunwettern getroffen. Nach den Schadentagen am 4. Juni, 9. Juni und zuletzt am 1. Juli ziehen die Vereinigte Hagel und die Fachverbände des Obstbaus eine ernüchternde Zwischenbilanz. Die Schäden im größten zusammenhängenden Obstanbaugebiet Deutschlands werden inzwischen auf mehr als 30 Millionen Euro geschätzt.

Vereinigte Hagelversicherung
2904
News & Infos

Zum Wohle der Mitglieder – was steckt hinter der AGRORISK-Gruppe?

Was vor über 30 Jahren als Antwort auf ansteigende Anforderungen in der Versicherungslandschaft begann, ist heute ein bewährtes Erfolgsmodell.  Seit 1995 bündeln die Gartenbau-Versicherung VVaG und die Vereinigte Hagelversicherung VVaG in dieser strategischen Partnerschaft ihre Kompetenzen – und setzen dabei konsequent auf das Prinzip: gemeinsam stark, individuell spezialisiert.

Vereinigte Hagelversicherung, Gartenbau-Versicherung
1907
News & Infos

Umfrage: Teilnahmebereitschaft an kooperativen Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen

Das Thünen-Institut für Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen in Braunschweig führt noch bis zum 15. Juli 2026 eine wissenschaftliche Umfrage unter Landwirten durch.

Fachgruppe OBSTBAU
2342
News & Infos

Süßkirschanbau in der Türkei: Später Saisonstart, „normale“ Ernte

Die Türkei produziert jährlich etwa 700.000 Tonnen Kirschen und ist damit der weltweit größte Kirschenproduzent. Die Exportmengen liegen in der Regel zwischen 60.000 und 70.000 Tonnen.

Fachgruppe OBSTBAU
3035
News & Infos

Beerenexporte aus Spanien: Deutschland Haupt-Exportziel

Spaniens Exporte von Beeren beliefen sich 2025 auf insgesamt 426.527 Tonnen und erreichten einen Wert von 2,114 Milliarden EUR. Damit festigen die spanischen Erzeuger ihre Bedeutung auf dem Exportmarkt.

Fachgruppe OBSTBAU
2179
News & Infos

Neue genomische Techniken in nachhaltiger Landwirtschaft

Das Parlament verabschiedete am 17. Juni neue Vorschriften, die den Zugang zu neuen, klima- und schädlingsresistenten Pflanzen erleichtern.

Fachgruppe OBSTBAU
1873
News & Infos

Bundesrat fordert Korrekturen bei der Pflanzenschutzmittel-Zulassung

Der Bundesrat hat am 8. Mai 2026 eine Entschließung des Freistaats Sachsen zur Verbesserung der Zulassungssituation von Pflanzenschutzmitteln angenommen.

Fachgruppe OBSTBAU
2491
News & Infos

„Starke regionale Ernährung“ ist ernährungspolitisches Ziel

Eine gute und ausgewogene Gemeinschaftsverpflegung in Schulen und Kitas, Kantinen und Mensen als ernährungspolitisches Ziel seines Ministeriums - und welche Rolle lokale und regionale Versorgungsstrukturen dabei spielen können, das erklärte Alois Rainer, Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) anlässlich des Deutschen Ernährungstages 2026.

Fachgruppe OBSTBAU
2541
News & Infos

Die EU-Apfelimporte gewinnen in Brasilien an Boden

Die Vereinigung der polnischen Obst- und Gemüsehändler haben just in einer Meldung berichtet, dass die steigende Nachfrage nach Äpfeln in Brasilien gute Absatzchancen für europäische Lieferanten bietet.

Fachgruppe OBSTBAU
2818
News & Infos

Bundeskabinett beschließt Änderung des Düngegesetzes

Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) will ein stärker am Verursacherprinzip orientiertes System für die Düngung unserer Äcker und Felder auf den Weg bringen.

Fachgruppe OBSTBAU
3138
News & Infos

Co-op nimmt importierte Erdbeeren aus dem Sortiment und bietet nur noch heimische an

Die britische Supermarktkette Co-op hat angekündigt, ab dieser Woche ausschließlich englische Erdbeeren anzubieten und ist damit die erste Kette, die nur noch heimische Erdbeeren im Sortiment hat.

Fachgruppe OBSTBAU
3097
Anzeige