Erdbeersaison 2024 startet termingerecht

Wie sind die Aussichten?

Eva Würtenberger
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Hohe Produktionskosten, die Folgen durch den nassen und milden Winter – die Ausgangslage ist für die Erdbeerbetriebe in Deutschland in diesem Jahr erneut eine Herausforderung. Zumindest von Seiten Südeuropas sind keine Überraschungen zu erwarten.

Die Gewächshausbetriebe haben die Erdbeersaison in diesem Jahr bereits eingeläutet. Die Betriebe liegen quer über die Bundesrepublik verteilt. Und in den zurückliegenden Jahren sind hier und da auch neue, hochmoderne Produktionsanlagen entstanden. Sicherlich ist das Flächenwachstum durch die sehr hohen Investitionskosten nicht so stark ausgeprägt wie bei Stellagekulturen in Tunneln oder in Tunneln mit Bodenkulturen. Die Vorteile, die die geschützte Produktion bietet, den Unwägbarkeiten der Witterung zu trotzen sowie auch den Vorgaben in Sachen Pflanzenschutz gerecht zu werden, sprechen für weitere Expansion. Allerdings nicht mehr in dem Maße, wie man sie in den zurückliegenden Jahren gesehen hat. Im Jahr 2023 stammten rund 30 % der deutschen Erdbeerernte aus der geschützten Produktion – wobei der Rückgang der Freilandfläche hier mit reinspielt.

Nässe und ihre Folgen
Stark witterungsabhängig ist weiterhin der Großteil der deutschen Produktion. Die Natur lechzte nach den Trockenjahren nach Wasser, jedoch nicht in der diesjährigen Intensität. Auf einen nassen Herbst folgte ein nasser und milder Winter – die Grundwasserspiegel sind mittlerweile deutschlandweit aufgefüllt.

Optimal war die Nässe für die Erdbeerkulturen nicht. Dammkulturen hatten keine Probleme, aber bei Flächen mit Senken gab es durch die Staunässe Ausfälle zu beklagen, auch wenn sie nicht als marktrelevant eingestuft werden. Es wurden Vermutungen laut, dass das Wurzelwerk in diesem Jahr nicht so stark ausgeprägt ist. Dies könnte sich eventuell in den folgenden Wochen, wenn es zu Hitzeperioden kommen sollte, als Nachteil erweisen.

Problematisch war das Wasser für die mit Stroh abgedeckten Bestände. Durch die hohe Feuchtigkeit waren die Betriebe gezwungen, frühzeitig, nämlich Anfang April, das Stroh zu entfernen, um ein Verrotten der Pflanzen abzuwenden. Der gewünschte Verzögerungseffekt fiel somit im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser.

Termingerechter Start
In den zurückliegenden Monaten war es aufgrund der Niederschläge oft bewölkt. Aber im Zuge des ausgebliebenen Winters heizten sich die Böden schneller auf, sodass die Tunnel in prädestinierten Lagen Süddeutschlands trotzdem termingerecht Mitte April in die Ernte starteten.

Allerdings profitierten auch die Freilandflächen von den wärmeren Böden – sowohl die verfrühten Freilandkulturen mit Flachfolie bzw. Vlies als auch die reinen Bodenkulturen. Die zeitliche Staffelung zwischen den Anbausystemen ist nach Stand Mitte April in diesem Jahr nicht so stark ausgeprägt. Jedoch kann der Temperatursturz in der 16. Woche im Freiland die Frühzeitigkeit etwas ausbremsen und auch die Mitte April angekündigten Bodenfröste können noch zu Überraschungen führen. Überschneidungen zwischen den Tunneln und den Freilandkulturen wird es allem Anschein nach in der laufenden Saison jedenfalls stärker geben als im Jahr 2023.

Was macht Südeuropa?
In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie es jenseits der deutschen Grenzen bei der Konkurrenz im Ausland aussieht. Spanien wie auch Griechenland haben in der zweiten Märzhälfte ihren Angebotshöhepunkt überschritten; sie hatten zu diesem Zeitpunkt 50 % der Erntemenge eingebracht. Im Vorfeld hatte Spanien aufgrund der bestehenden Wasserproblematik die Flächen reduziert (–3 %) und gleichzeitig in puncto Sorten den Fokus stärker auf Frühsorten gelegt. So wollten sie die Gefahr, Verluste durch Hitzeperioden zu riskieren, umgehen. Dies sind gute Nachrichten für die deutsche Produktion, die 2022, als sich die Saison in Spanien verspätete, den Konkurrenzdruck zu spüren bekommen hatte.

Anhand der Abernte-Rate Spaniens lässt sich die stärkere Fokussierung auf Frühsorten bereits ablesen: Bis Mitte der 16. Woche wurden 70 % der Ernte eingebracht, während es im Durchschnitt der Jahre 2019 bis 2023 im gleichen Zeitraum nur 60 % waren. Vielleicht strebt Spanien auch seinem Mitkonkurrenten Griechenland nach?

Griechenland ist innerhalb Südeuropas der früheste Anbieter von Erdbeeren, das Land startet bereits Mitte November in die Ernte- und Exportsaison. Ab diesem Zeitpunkt finden griechische Erdbeeren ihren Weg in den deutschen Einzelhandel. Die griechische Ernte erstreckt sich bis in den Juni hinein, wobei der Angebots- und Exportpeak in den März fällt und in den letzten Erntewochen die Beeren auf den Inlandsmarkt abfließen. Nach den Erfolgen der Vorjahre hat sich der positive Flächentrend in der Saison 2023/24 fortgesetzt. Mittlerweile beläuft sich die griechische Fläche in der Anbauhochburg im Nordwesten des Peleponnes auf knapp 2.400 ha. Das Flächenplus deckt sich auch mit der aktuellen Exportentwicklung: Von Jahresbeginn bis zum 5. April 2024 exportierten die Griechen rund 42.000 t frische Erdbeeren, während es im Jahr zuvor im selben Zeitraum noch 38.000 t waren. Griechenland steuert also erneut auf eine Rekordmarke zu. Für Deutschland ist Griechenland mittlerweile zweitwichtigster Erdbeerlieferant. Die Wasserproblematik, die Spanien hat, gibt es in Griechenland nicht, denn bis auf den Hochsommer fallen dort ausreichend Niederschläge.

Wie sind die Aussichten?
Richten wir den Blick wieder auf Deutschland. Die deutsche Erdbeersaison 2023 war ein Ausnahmejahr. Das Wetter war konsumfördernd und die aufgerufenen höheren Preise wurden von Verbraucherseite akzeptiert. Unterm Strich konnten die meisten Betriebe die Saison 2023 somit positiv abschließen.

2024, ein Jahr später, ist die Ausgangslage wieder eine andere. Fakt ist, dass es (Stand: Mitte April) nach einer kompakteren Erntefolge aussieht. Man muss abwarten, ob sich dies im Saisonverlauf bestätigt oder die Witterung noch Überraschungen parat hat.

Positiv zu bewerten ist, dass in Südeuropa die Ernte schon weit fortgeschritten ist. Starke Überschneidungen mit dem Ausland, wie man sie 2022 gesehen hat, sind eher unwahrscheinlich.

Über den Autor

Eva Würtenberger, AMI, Dreizehnmorgenweg 10, 53175 Bonn, Tel.: 0228 33805-253, E-Mail: eva.wuertenberger@ AMI-informiert.de

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