• Drei schwere Hagelunwetter im Alten Land verursachen Schäden von über 30 Millionen Euro – Liquiditätssicherung muss an erster Stelle stehen

Drei schwere Hagelunwetter im Alten Land verursachen Schäden von über 30 Millionen Euro – Liquiditätssicherung muss an erster Stelle stehen

Vereinigte Hagelversicherung
275

Das Alte Land wurde in diesem Jahr bereits dreimal von schweren Hagelunwettern getroffen. Nach den Schadentagen am 4. Juni, 9. Juni und zuletzt am 1. Juli ziehen die Vereinigte Hagel und die Fachverbände des Obstbaus eine ernüchternde Zwischenbilanz. Die Schäden im größten zusammenhängenden Obstanbaugebiet Deutschlands werden inzwischen auf mehr als 30 Millionen Euro geschätzt. Die Schätzung wurde gemeinsam von der VEREINIGTEN HAGEL und den Obstbau-Fachverbänden vorge-nommen und umfasst sowohl versicherte als auch nicht versicherte Betriebe. Die Hagelzüge erstreckten sich über weite Teile der Region von Hamburg bis ins Alte Land. Besonders problematisch ist dabei, dass zahlreiche Flächen mehrfach betroffen waren. Viele Obstbaubetriebe mussten innerhalb weniger Wochen wiederholt Schäden an ihren Anlagen hinnehmen. „Wir erleben in diesem Jahr eine außerge-wöhnliche Häufung schwerer Hagelereignisse in einer der bedeutendsten Obstbauregionen Europas. Das verschärft die wirtschaftlichen Folgen erheblich“, erklärt Peter H. Schemmel, Bezirksdirektor der VEREINIGTEN HAGEL.

Die Obstbauregion an der Niederelbe gehört seit jeher zu den Gebieten in Deutschland, die immer wieder von Hagelereignissen betroffen sind. Die geografische Lage zwischen Elbe, Marsch und Geest sowie die regelmäßige Bildung von Gewitterzellen sorgen dafür, dass Hagel ein bekanntes und dauerhaftes Risiko für die Obstbaubetriebe darstellt. Die Ereignisse des Jahres 2026 gehen jedoch deutlich über das übliche Maß hinaus. Innerhalb von nur vier Wochen kam es zu drei schweren Hagelschlägen, die teilweise dieselben Flächen mehrfach trafen. Viele Betriebe sprechen bereits jetzt von einem der schwersten Hageljahre der vergangenen Jahrzehnte. Im Alten Land werden auf gut 8.300 Hektar Äpfel angebaut. Nach aktuellen Schätzungen wurden etwa zwei Drittel dieser Fläche an mindestens einem der drei Schadentage durch Hagel geschädigt.

Zwei Drittel der Apfelflächen betroffen
Die Schäden reichen von Dellen und Verletzungen der Fruchthaut bis hin zu Beschädigungen am Holz. Bereits nach den ersten Hagelereignissen Anfang Juni war klar, dass große Teile der Ernte nicht mehr als hochwertige Tafelware vermarktet werden können. Durch die weiteren Unwetter hat sich diese Situation nochmals deutlich verschärft. Viele der beschädigten Äpfel werden lediglich als Most-, Mus- oder Schälobst verwertet werden können. Die Erlöse liegen in diesen Vermarktungssegmenten oftmals um bis zu 80 Prozent unter denen von hochwertigem Tafelobst. Bereits die ersten Schadentage Anfang Juni führten zu erheblichen wirtschaftlichen Verlusten für die Obstbaubetriebe. Am jüngsten Schadentag hatten die Äpfel bereits Zucker eingelagert, so dass aufgrund auftretender Fäulnis selbst die Ver-mostung fraglich ist und Totalschäden zu verzeichnen sind.

Schwierige Marktsituation verschärft die Folgen
Die diesjährigen Hagelschäden treffen die Obstbauern zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe hat sich in den vergangenen Jahren spürbar verschlechtert. Die Vermarktung von Äpfeln ist zunehmend schwieriger geworden, gleichzeitig stehen viele Erzeuger unter erheblichem Kostendruck.  Zudem steht die neue Ernte unmittelbar bevor, erste frühe Sorten werden bereits ab August geerntet. Um Platz für die neue Ware zu schaffen, müssen die Lagerbestände der Vorjahresernte abverkauft werden. In vielen Fällen gelingt dies nur noch über die Verwertung als Mostobst, wodurch deutlich geringere Erlöse erzielt werden als im Frischmarkt.

Auf der Kostenseite sehen sich die Betriebe gleichzeitig mit steigenden Ausgaben für Diesel, Pflanzenschutzmittel, Beregnung und weitere Betriebsmittel konfrontiert. Auch die kontinuierlichen Erhöhungen des Mindestlohns wirken sich in den arbeitsintensiven Obstbaubetrieben erheblich aus. Bereits im Juni hatten Vertreter des Obstbaus darauf hingewiesen, dass die Produktionskosten in den vergangenen Jah-en deutlich gestiegen sind und die Mindestlohnerhöhungen allein erhebliche Mehrbelastungen verursachen.

Mehr als die Hälfte der Betriebe ohne Hagelversicherung
Vor diesem Hintergrund sparen viele Familienbetriebe dort, wo kurzfristig Liquidität geschont werden kann. Davon betroffen ist häufig auch die Absicherung gegen Wetterrisiken. Eine Hagelversicherung ist im Obstbau aufgrund des hohen Risikos deutlich kostenintensiver als bei vielen anderen Kulturen, Prämien von etwa 1.000 bis 1.500 Euro pro Hektar sind die Regel. Nach Einschätzung der VEREINIGTEN HAGEL hat mehr als die Hälfte der Obstbaubetriebe im Alten Land keine Hagelversicherung abgeschlossen. Dies ist oftmals keine bewusste Entscheidung gegen Versicherungsschutz, sondern die Folge der angespannten wirtschaftlichen Situation vieler Betriebe.
Die Auswirkungen zeigen sich in diesem Jahr besonders deutlich. Nicht versicherte Betriebe müssen die Ertrags- und Qualitätsverluste vollständig selbst tragen. Dadurch geraten zahlreiche Unternehmen zusätzlich unter erheblichen Liquiditätsdruck. Versicherte Betriebe können die finanziellen Folgen hingegen zumindest teilweise über Entschädigungszahlungen abfedern. Die Entschädigungen ersetzen nicht den vollständigen wirtschaftlichen Schaden, sichern aber die notwendige Liquidität, um die laufenden Kosten zu decken und die Betriebe handlungsfähig zu halten.

Fachverbände sehen Handlungsbedarf
Die Fachverbände des Obstbaus teilen diese Einschätzung ausdrücklich. Gemeinsam mit der VEREINIGTEN HAGEL weisen sie darauf hin, dass die zunehmenden Wetterextreme die Bedeutung eines professionellen Risikomanagements weiter erhöhen.

Aus Sicht der Fachverbände und der VEREINIGTEN HAGEL trägt insbesondere die Förderung der Hagel- und Mehrgefahrenversicherung dazu bei, die Widerstandsfähigkeit der Obstbaubetriebe zu erhöhen. Zwar existiere in Niedersachsen seit einiger Zeit ein Förderprogramm, dies schließe die Gefahr Hagel aber explizit aus. Statistisch gesehen mache aber gerade der Hagel das größte wiederkehrende Risiko aus. Ziel müsse es daher sein, mehr Betrieben den Zugang zu einer bezahlbaren Risikoabsicherung – inklusive Hagelrisiko – zu ermöglichen und damit die Liquidität landwirtschaftlicher Familienbetriebe auch in Schadenjahren zu sichern. Bereits im Zusammenhang mit den Hagelschäden Anfang Juni hatten Vertreter des Obstbaus und der VEREINIGTEN HAGEL auf diesen Sachverhalt hingewiesen.

Die diesjährigen Hagelschäden machen deutlich: Wetterextreme sind längst nicht mehr nur ein produktionstechnisches Risiko, sondern zunehmend auch eine Frage der wirtschaftlichen Stabilität der Betriebe. Eine verlässliche Risikoabsicherung kann dazu beitragen, dass aus Ernteverlusten keine Existenzgefährdungen werden. Für die Obstbaubetriebe im Alten Land ist dies angesichts von Schäden in einer Größenordnung von inzwischen über 30 Millionen Euro wichtiger denn je.

Über den Autor

Quelle: Vereinigte Hagelversicherung VVaG, Wilhelmstraße 25, 35392 Gießen, Telefon: +49 641 7968-0, E-Mail: info@vereinigte-hagel.de

News & Infos

News & Infos

Stellungnahme der Bundesfachgruppe Obstbau zur Tatort-Folge „Letzte Ernte“

Die aktuelle Tatort-Folge „Letzte Ernte“ hat in unserer Branche für große Irritation gesorgt. Die Darstellung des Obstbaus vermittelt ein verzerrtes Bild unserer Arbeit und trägt zur Verunsicherung der Verbraucherinnen und Verbraucher bei.

Fachgruppe OBSTBAU
4329
News & Infos

Klimaplattform Obst-, Gemüse- und Kartoffelanbau

Ergebnisse einer Studie zum Vergleich bestehender Standards zur CO2-Bilanzierung auf Erzeugerbetrieben zeigen, dass insbesondere der "Berechnungsstandard für einzelbetriebliche Klimabilanzen" (BEK) die vom QS-Fachbeirat Obst, Gemüse, Kartoffeln definierten Rahmenbedingungen für eine Branchenlösung erfüllt.

Fachgruppe OBSTBAU
3646
News & Infos

Sonderkulturen unter Druck

Pflanzenschutz, Bürokratie und Produktionskosten – nur einige Punkte, die den Sonderkulturbereich dieser Tage intensiv beschäftigen. Unter dem Motto „Querbeet – ein erfrischender Abend mit hiesigem Obst, Gemüse, Pilzen und Kartoffeln“ fand am 14. Oktober 2025 nun der erste Parlamentarische Abend der Sonderkulturen in Berlin statt.

Fachgruppe OBSTBAU
3388
News & Infos

Belgien: Aldi stellt den Verkauf von Bio-Kürbissen ein

Guy Depraetere, ein Bio-Bauer aus Deftinge in Belgien, rechnet damit, dass er einen großen Teil seiner Kürbisernte nicht verkaufen kann. Nachdem er die Samen gekauft hatte, kündigte Aldi seine jährliche Bestellung für Bio-Kürbisse...

Fachgruppe OBSTBAU
3829
News & Infos

Traditionelles „Apfelkabinett“ im Bundeskanzleramt

Jedes Jahr im Herbst regiert der deutsche Apfel das Bundeskanzleramt. Das Apfelkabinett ist mittlerweile eine Tradition, die zur Jahreszeit gehört, wie bunte Blätter und die Zeitumstellung. Am 15. Oktober war es wieder so weit: Bundeskanzler Friedrich Merz empfing die Apfel- und Blütenköniginnen aus den bedeutendsten deutschen Obstregionen zum alljährlichen „Apfelkabinett“.

Fachgruppe OBSTBAU
3311
News & Infos

Umfrage zum Haselnussanbau

Aktuell gibt es kaum verlässliche Zahlen zum Anbauumfang von Haselnüssen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Um fundierte Daten zu Anbauflächen und verwendeten Anbausystemen in den drei Ländern zu erheben, wurde eine wissenschaftliche Umfrage entwickelt.

Fachgruppe OBSTBAU
3781
News & Infos

Reisermuttergärten: Dringender Appell an Bundesminister Rainer

Hajo Hinrichs, Präsident des Bundes deutscher Baumschulen (BdB) e.V. und Jens Stechmann, Vorsitzender der Bundesfachgruppe Obstbau, haben sich in einem Schreiben an Alois Rainer, Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat gewandt. Sie bringen darin die Sorge des Berufsstandes zur prekären Pflanzenschutzmittelzulassungssituation im Bereich der Obstreisermuttergärten zum Ausdruck.

Fachgruppe OBSTBAU
3876
News & Infos

Niederlande verdoppelte die Erdbeerproduktion in 15 Jahren

Der zunehmende Anbau in Folientunneln oder Gewächshäusern hat in unserem Nachbarland zu einer Verdreifachung der Erträge bei gleichzeitiger Reduzierung der Anbaufläche geführt. Daten des niederländischen Statistikamtes (CBS), die vom Portal Dutch News veröffentlicht wurden, zeigen, dass die Niederlande das Jahr 2024 mit einem neuen Rekord in der Erdbeerproduktion mit 86 Millionen kg abgeschlossen haben.

Fachgruppe OBSTBAU
3765
News & Infos

Baden-Württemberg: Förderprogramm zur Mehrgefahrenversicherung erweitert

Das Förderprogramm der Mehrgefahrenversicherung wird in Baden-Württemberg ab dem Antragsjahr 2026 um zwei wichtige Bereiche erweitert: Das Risiko Hagel und der Hopfenbau werden künftig Teil der Versicherung sein.

Fachgruppe OBSTBAU
3752
News & Infos

Stefanie Sabet neue Generalsekretärin des DBV

Stefanie Sabet hat am 1. September 2025 als Generalsekretärin die Geschäftsleitung des Deutschen Bauernverbandes übernommen. Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, freut sich auf die Zusammenarbeit mit ihr:

Fachgruppe OBSTBAU
4009
News & Infos

Geprüfte Anwendungstechnik in neuer Online-Datenbank finden

Pflanzenschutzgeräte, Geräteteile oder Baugruppen durchlaufen auf Antrag der Herstellerfirmen ein umfassendes Prüfverfahren. Die Prüfungen basieren auf den Vorgaben des Pflanzenschutzgesetzes, der Pflanzenschutzgeräteverordnung, gültigen Normen sowie den Richtlinien des JKI.

Fachgruppe OBSTBAU
3680
News & Infos

Agrardieselrückvergütung kommt zurück

Das Bundeskabinett hat nun den Gesetzentwurf des Bundesministeriums der Finanzen (BMF). Beschlossen. Ab dem 1. Januar 2026 wird die Agrardieselrückvergütung vollständig wieder eingeführt. Land- und forstwirtschaftliche Betriebe erhalten dann wieder 21,48 Cent pro Liter Diesel zurück.

Fachgruppe OBSTBAU
4444
Anzeige