• Drei schwere Hagelunwetter im Alten Land verursachen Schäden von über 30 Millionen Euro – Liquiditätssicherung muss an erster Stelle stehen

Drei schwere Hagelunwetter im Alten Land verursachen Schäden von über 30 Millionen Euro – Liquiditätssicherung muss an erster Stelle stehen

Vereinigte Hagelversicherung
309

Das Alte Land wurde in diesem Jahr bereits dreimal von schweren Hagelunwettern getroffen. Nach den Schadentagen am 4. Juni, 9. Juni und zuletzt am 1. Juli ziehen die Vereinigte Hagel und die Fachverbände des Obstbaus eine ernüchternde Zwischenbilanz. Die Schäden im größten zusammenhängenden Obstanbaugebiet Deutschlands werden inzwischen auf mehr als 30 Millionen Euro geschätzt. Die Schätzung wurde gemeinsam von der VEREINIGTEN HAGEL und den Obstbau-Fachverbänden vorge-nommen und umfasst sowohl versicherte als auch nicht versicherte Betriebe. Die Hagelzüge erstreckten sich über weite Teile der Region von Hamburg bis ins Alte Land. Besonders problematisch ist dabei, dass zahlreiche Flächen mehrfach betroffen waren. Viele Obstbaubetriebe mussten innerhalb weniger Wochen wiederholt Schäden an ihren Anlagen hinnehmen. „Wir erleben in diesem Jahr eine außerge-wöhnliche Häufung schwerer Hagelereignisse in einer der bedeutendsten Obstbauregionen Europas. Das verschärft die wirtschaftlichen Folgen erheblich“, erklärt Peter H. Schemmel, Bezirksdirektor der VEREINIGTEN HAGEL.

Die Obstbauregion an der Niederelbe gehört seit jeher zu den Gebieten in Deutschland, die immer wieder von Hagelereignissen betroffen sind. Die geografische Lage zwischen Elbe, Marsch und Geest sowie die regelmäßige Bildung von Gewitterzellen sorgen dafür, dass Hagel ein bekanntes und dauerhaftes Risiko für die Obstbaubetriebe darstellt. Die Ereignisse des Jahres 2026 gehen jedoch deutlich über das übliche Maß hinaus. Innerhalb von nur vier Wochen kam es zu drei schweren Hagelschlägen, die teilweise dieselben Flächen mehrfach trafen. Viele Betriebe sprechen bereits jetzt von einem der schwersten Hageljahre der vergangenen Jahrzehnte. Im Alten Land werden auf gut 8.300 Hektar Äpfel angebaut. Nach aktuellen Schätzungen wurden etwa zwei Drittel dieser Fläche an mindestens einem der drei Schadentage durch Hagel geschädigt.

Zwei Drittel der Apfelflächen betroffen
Die Schäden reichen von Dellen und Verletzungen der Fruchthaut bis hin zu Beschädigungen am Holz. Bereits nach den ersten Hagelereignissen Anfang Juni war klar, dass große Teile der Ernte nicht mehr als hochwertige Tafelware vermarktet werden können. Durch die weiteren Unwetter hat sich diese Situation nochmals deutlich verschärft. Viele der beschädigten Äpfel werden lediglich als Most-, Mus- oder Schälobst verwertet werden können. Die Erlöse liegen in diesen Vermarktungssegmenten oftmals um bis zu 80 Prozent unter denen von hochwertigem Tafelobst. Bereits die ersten Schadentage Anfang Juni führten zu erheblichen wirtschaftlichen Verlusten für die Obstbaubetriebe. Am jüngsten Schadentag hatten die Äpfel bereits Zucker eingelagert, so dass aufgrund auftretender Fäulnis selbst die Ver-mostung fraglich ist und Totalschäden zu verzeichnen sind.

Schwierige Marktsituation verschärft die Folgen
Die diesjährigen Hagelschäden treffen die Obstbauern zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe hat sich in den vergangenen Jahren spürbar verschlechtert. Die Vermarktung von Äpfeln ist zunehmend schwieriger geworden, gleichzeitig stehen viele Erzeuger unter erheblichem Kostendruck.  Zudem steht die neue Ernte unmittelbar bevor, erste frühe Sorten werden bereits ab August geerntet. Um Platz für die neue Ware zu schaffen, müssen die Lagerbestände der Vorjahresernte abverkauft werden. In vielen Fällen gelingt dies nur noch über die Verwertung als Mostobst, wodurch deutlich geringere Erlöse erzielt werden als im Frischmarkt.

Auf der Kostenseite sehen sich die Betriebe gleichzeitig mit steigenden Ausgaben für Diesel, Pflanzenschutzmittel, Beregnung und weitere Betriebsmittel konfrontiert. Auch die kontinuierlichen Erhöhungen des Mindestlohns wirken sich in den arbeitsintensiven Obstbaubetrieben erheblich aus. Bereits im Juni hatten Vertreter des Obstbaus darauf hingewiesen, dass die Produktionskosten in den vergangenen Jah-en deutlich gestiegen sind und die Mindestlohnerhöhungen allein erhebliche Mehrbelastungen verursachen.

Mehr als die Hälfte der Betriebe ohne Hagelversicherung
Vor diesem Hintergrund sparen viele Familienbetriebe dort, wo kurzfristig Liquidität geschont werden kann. Davon betroffen ist häufig auch die Absicherung gegen Wetterrisiken. Eine Hagelversicherung ist im Obstbau aufgrund des hohen Risikos deutlich kostenintensiver als bei vielen anderen Kulturen, Prämien von etwa 1.000 bis 1.500 Euro pro Hektar sind die Regel. Nach Einschätzung der VEREINIGTEN HAGEL hat mehr als die Hälfte der Obstbaubetriebe im Alten Land keine Hagelversicherung abgeschlossen. Dies ist oftmals keine bewusste Entscheidung gegen Versicherungsschutz, sondern die Folge der angespannten wirtschaftlichen Situation vieler Betriebe.
Die Auswirkungen zeigen sich in diesem Jahr besonders deutlich. Nicht versicherte Betriebe müssen die Ertrags- und Qualitätsverluste vollständig selbst tragen. Dadurch geraten zahlreiche Unternehmen zusätzlich unter erheblichen Liquiditätsdruck. Versicherte Betriebe können die finanziellen Folgen hingegen zumindest teilweise über Entschädigungszahlungen abfedern. Die Entschädigungen ersetzen nicht den vollständigen wirtschaftlichen Schaden, sichern aber die notwendige Liquidität, um die laufenden Kosten zu decken und die Betriebe handlungsfähig zu halten.

Fachverbände sehen Handlungsbedarf
Die Fachverbände des Obstbaus teilen diese Einschätzung ausdrücklich. Gemeinsam mit der VEREINIGTEN HAGEL weisen sie darauf hin, dass die zunehmenden Wetterextreme die Bedeutung eines professionellen Risikomanagements weiter erhöhen.

Aus Sicht der Fachverbände und der VEREINIGTEN HAGEL trägt insbesondere die Förderung der Hagel- und Mehrgefahrenversicherung dazu bei, die Widerstandsfähigkeit der Obstbaubetriebe zu erhöhen. Zwar existiere in Niedersachsen seit einiger Zeit ein Förderprogramm, dies schließe die Gefahr Hagel aber explizit aus. Statistisch gesehen mache aber gerade der Hagel das größte wiederkehrende Risiko aus. Ziel müsse es daher sein, mehr Betrieben den Zugang zu einer bezahlbaren Risikoabsicherung – inklusive Hagelrisiko – zu ermöglichen und damit die Liquidität landwirtschaftlicher Familienbetriebe auch in Schadenjahren zu sichern. Bereits im Zusammenhang mit den Hagelschäden Anfang Juni hatten Vertreter des Obstbaus und der VEREINIGTEN HAGEL auf diesen Sachverhalt hingewiesen.

Die diesjährigen Hagelschäden machen deutlich: Wetterextreme sind längst nicht mehr nur ein produktionstechnisches Risiko, sondern zunehmend auch eine Frage der wirtschaftlichen Stabilität der Betriebe. Eine verlässliche Risikoabsicherung kann dazu beitragen, dass aus Ernteverlusten keine Existenzgefährdungen werden. Für die Obstbaubetriebe im Alten Land ist dies angesichts von Schäden in einer Größenordnung von inzwischen über 30 Millionen Euro wichtiger denn je.

Über den Autor

Quelle: Vereinigte Hagelversicherung VVaG, Wilhelmstraße 25, 35392 Gießen, Telefon: +49 641 7968-0, E-Mail: info@vereinigte-hagel.de

News & Infos

News & Infos

Fünf Mitgliedstaaten erhalten insgesamt 98,6 Mio. Euro aus der diesjährigen EU-Agrarreserve

Der Rat hat dem entsprechenden Vorschlag der EU-Kommission kürzlich zugestimmt. Konkret sollen die Gelder Folgen von Klima- und Wetterextremen in der Landwirtschaft abfedern.

Fachgruppe OBSTBAU
4399
News & Infos

Mittelempfehlungen und Hinweise zum Pflanzenschutz in Kernobst

Fachgruppe OBSTBAU
0
News & Infos

Projektideen für einen klimaangepassten Umgang mit der Ressource Wasser gesucht

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) fördert Projektideen für das landwirtschaftliche Wassermanagement entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Bewerbungen nimmt die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) bis zum 29. April 2025, 12:00 Uhr, an.

Fachgruppe OBSTBAU
6824
News & Infos

SVLFG: Zweite Förderaktion für ausgewählte Präventionsprodukte

Ab dem 1. März 2025 beginnt die zweite Förderaktion der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) zu ausgewählten Präventionsprodukten. Bezuschusst wird dann der Kauf von Sonnen- und Hitzeschutzprodukten sowie Kühlkleidung.

Fachgruppe OBSTBAU
6951
News & Infos

Strauchbeerenernte 2024 um knapp 11 % gesunken

Im Jahr 2024 wurden in Deutschland auf einer Anbaufläche von 9 200 ha rund 37.000 t Strauchbeeren geerntet. Auch wenn die Anbaufläche damit gegenüber dem Vorjahr nur um 1 % abgenommen hat, ging die Erntemenge trotzdem um 10,6 % zurück.

Fachgruppe OBSTBAU
6576
News & Infos

Online-Seminar zu QS-Revisionen des QS-GAP-Leitfadens

Am 1. April 2025 tritt der revidierte Leitfaden QS-GAP Erzeugung Obst, Gemüse, Kartoffeln in Kraft. In einem kostenlosen Live-Online-Seminar der QS-Akademie erfahren Obst-, Gemüse- und Kartoffelerzeuger sowie Bündler im QS-System was sich im QS-GAP Leitfaden gegenüber der aktuellen Version geändert hat.

Fachgruppe OBSTBAU
4662
News & Infos

Fruit Logistica: China ist gefragt wie nie

Chinas Ausstellerpräsenz auf der Messe FRUIT LOGISTICA ist in diesem Jahr um ein Drittel gestiegen. Das Land ist weltweit nach den USA der zweigrößte Importeur von Frischfrucht und Nüssen und immer auf der Suche nach Handelspartnern.

Fachgruppe OBSTBAU
4666
News & Infos

QS-Modul FIN

Als stufenübergreifendes Prüfsystem für frische Lebensmittel sowie als zentrale Branchenplattform bietet QS mit dem Nachhaltigkeitsstandard Freiwillige QS-Inspektion Nachhaltigkeit (FIN) einen einheitlichen und benutzerfreundlichen Lösungsansatz für die gesamte Wertschöpfungskette von Obst, Gemüse und Kartoffeln.

Fachgruppe OBSTBAU
6509
News & Infos

Studie zu den Chancen und Risiken des Obst- und Gemüsebaus in Deutschland: Neue aktualisierte Fassung

Viele von Ihnen kennen die Studie des Thünen-Instituts für Betriebswirtschaft zu den Chancen und Risiken des Obst- und Gemüsebaus in Deutschland aus dem vergangenen Jahr bereits aus Berichten, Vorträgen und Diskussionsrunden.

Fachgruppe OBSTBAU
6546
News & Infos

Bis 28. Februar 2025 um Forschungsförderung bewerben

Auch 2025 sucht die QS-Gesellschaft wieder innovative Forschungsansätze und Ideen für die Wertschöpfungskette Obst, Gemüse, Kartoffeln. Über eine Ende Dezember veröffentlichte Ausschreibung ruft der QS-Wissenschaftsfonds Obst, Gemüse, Kartoffeln Universitäten, Fachhochschulen und andere Forschungseinrichtungen auf, sich bis zum 28. Februar 2025 um die Finanzierung von Projekten zu bewerben.

Fachgruppe OBSTBAU
5879
News & Infos

Mehrwertsteuer als Hebel für nachhaltige Ernährung?

Die Ernährungssysteme in Deutschland und Europa sind weder gesund noch nachhaltig. Es werden zu viele tierische und zu wenige pflanzliche Produkte konsumiert. In einer umfassenden Folgenabschätzung haben Forscher nun ermittelt, dass eine entsprechende Anpassung der Mehrwertsteuern der Gesundheit, der Umwelt und der Ökonomie zugutekommen würde.

Fachgruppe OBSTBAU
5205
News & Infos

Deutschland wichtige Drehscheiben für den europäischen Markt

In der ersten Februarwoche ist Deutschland wieder Treffpunkt der europäischen und weltweiten Obst- und Gemüsebranche. Die FRUIT LOGISTICA öffnet ihre Tore für Aussteller und Besucher. Deutschland ist nicht nur als Veranstaltungsort attraktiv, sondern für viele Anbieter auch ein wichtiger Zielmarkt.

Fachgruppe OBSTBAU
4811
Anzeige