Das Mercosur-Abkommen: Umstrittener denn je

Fachgruppe OBSTBAU
166

Mercosur-Staaten sind die Mitglieder des südamerikanischen Handelsblocks, aktuell Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay und Bolivien. Sie haben 1991 eine Zollunion gegründet mit dem Ziel eines freien Waren-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehrs. Durch das geplante Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union würde nun eine der weltweit größten Freihandelszonen mit über 715 Mio. Einwohnern (EU: 447 Mio. / Mercosur: 270 Mio.) entstehen.

Spanien: „katastrophal und sehr schädlich Für die Landwirte in Murcia“
Der landwirtschaftliche Berufsverband ASAJA Murcia in Spanien bewertet das Abkommen zwischen der EU und dem Mercosur als zweifellos „katastrophal und sehr schädlich für die Landwirte in Murcia und ganz Spanien“, wie kürzlich Francisco Seva Rivadulla, ein internationaler Agrar- und Ernährungsjournalist, berichtete. Er zitierte Juan de Dios Hernández, Präsident von ASAJA Murcia, der anprangerte, dass nicht unter gleichen Bedingungen konkurriert wird. Denn wichtige Aspekte wie Lebensmittelsicherheit, Rückverfolgbarkeit, Qualität, Umweltschutz usw. würden nicht eingehalten. Damit sei das Abkommen „ein großer Nachteil und ein großes Übel für die Landwirte in Murcia und Spanien”. Es bedeute einen enormen Rückschlag für die Dynamik im Agrar- und Ernährungssektor und schwäche die Wettbewerbsfähigkeit und Rentabilität der spanischen Exporte auf dem europäischen Markt. Daher könne ASAJA Murcia die Unterzeichnung des Abkommens nicht zulassen. Man werde mit allen Mitteln dagegen kämpfen, damit es nicht unterzeichnet und umgesetzt wird.
Die Entscheidungsfindung seitens der Europäischen Union sei laut Juan de Dios Hernández „ohne vorherige sorgfältige Untersuchung der Schäden für die Produktionssektoren der Mitgliedsländer eine schädliche Aberration“ erfolgt. So wurden nicht alle Organisationen konsultiert, die von den Auswirkungen dieser Vereinbarungen betroffen sind. Der Verbandsvertreter machte deutlich, dass die spanischen Produzenten gegenüber diesen Ländern weder steuerlich noch sozial wettbewerbsfähig seien, da Produktionskosten, Sozialabgaben, Löhne und Steuern viel höher sind als in den Mercosur-Ländern.
Die von COPA-COGECA einberufene und von Produzenten aus allen Ländern der EU unterstützte Mobilisierung in Brüssel habe nun gezeigt, dass die europäische Landwirtschaft sich Gehör verschaffen kann, wenn sie geschlossen auftritt, ergänzte Alfonso Gálvez, Generalsekretär von ASAJA Murcia. Die Verschiebung des EU-Mercosur-Abkommens sei eine direkte Folge dieses kollektiven Drucks gewesen. Man könne die Unterzeichnung dieses Abkommens nicht zulassen, da es die europäischen Produzenten in die Armut treiben werde. Brüssel müsse endlich erkennen, wie schädlich dieses Abkommen sei und dass es einen Rückschritt nicht nur für die spanische, sondern für die gesamte europäische Landwirtschaft bedeute.
Quelle: Freshplaza

Mercosur-Abkommen verabschiedet
Das Abkommen zwischen der EU und dem Mercosur wurde nach monatelangem Ringen vom Europäischen Rat gebilligt, wie Copa Cogeca mittlerweile verlauten ließ.
Trotz der jüngsten Anpassungen der zusätzlichen Schutzmaßnahmen verurteilen die europäischen Landwirtschafts- und Agrargenossenschaftsverbände weiterhin einstimmig dieses Abkommen, das in seinem Kern nach wie vor grundlegend unausgewogen und mangelhaft sei. Nun liege es in den Händen des Europäischen Parlamentes, mit gutem Gewissen über dieses Abkommen abzustimmen. Die Entscheidung des Rates in letzter Minute, die Erklärung zurückzuziehen, die eine vorläufige Umsetzung des Abkommens ausschließt, bevor das Europäische Parlament zu Wort kommen kann, bezeichnete Copa-Cogeca als äußerst besorgniserregend. Denn zuvor war versprochen worden, dass dies nicht geschehen würde. Damit untergrabe man das Vertrauen in die europäische Regierungsführung, die demokratischen Prozesse und die parlamentarische Kontrolle in einer Zeit, in der die Glaubwürdigkeit der Institutionen ohnehin schon auf dem Prüfstand stehe. Sie offenbare auch Nervosität und zeige, dass eine Mehrheit gegen das Abkommen noch möglich/wahrscheinlich sei.
Quelle: Copa/Cogeca

Proteste in Frankreich
Auch wenige Tage vor der Unterzeichnung des Mercosur-Abkommens in Paraguay setzten die französischen Landwirte ihren Protest gegen die Freihandelszone mit Blockaden und einer Demonstration in Paris fort. Ebenso wie ihre europäischen Kollegen lehnen auch die französischen Landwirte den Handelspakt der EU mit südamerikanischen Staaten ab, weil sie unverhältnismäßige Konkurrenz durch günstige Importe fürchten.
Hunderte Traktoren fuhren am Dienstag in die Hauptstadt, wie die Nachrichtenagentur APA berichtet. Angesichts der anhaltenden Proteste stellt die französische Regierung den Landwirten nun weitere Unterstützung in Aussicht, nachdem sie kürzlich bereits Hilfen in Höhe von 300 Mio. Euro angekündigt hatte. So verkündete Agrarministerin Annie Genevard, dass die Regierung an weiteren konkreten Maßnahmen zugunsten der Landwirte arbeite.
Quelle: AIZ Info

Proteste gegen Mercosur auch in Belgien
Das Mercosur-Abkommen zwischen der EU und südamerikanischen Ländern trat am Freitag, dem 9. Januar 2026, in Kraft. Doch auch nach der Unterzeichnung der Vereinbarung gingen die Proteste in Belgien weiter. In der vergangenen Woche fanden mehrere Proteste im ganzen Land statt.
Die genauen Ursachen der Proteste sind unklar. Die flämische ABS und die wallonische Fugea bestreiten eine Beteiligung. In den zahlreichen WhatsApp-Gruppen, die nach den Demonstrationen Anfang 2024 entstanden sind, kursieren viele Aufrufe, die zu spontanen Protesten führen.
Quelle: Vilt.be.

Stimmen aus Deutschland
Auch wenn der DBV das Abkommen aus den gleichen Gründen ablehnt: Die deutsche Wirtschaft reagierte nach der Einigung der EU-Staaten auf das Mercosur-Abkommen erleichtert. BDI-Hauptgeschäftsführerin Tanja Gönner sprach von einem "wichtigen Erfolg" und einem "starken Signal für den Freihandel". Die EU zeige damit geopolitische Handlungsfähigkeit. Auch der Verband der Chemischen Industrie begrüßte die Entscheidung. Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup nannte es "einen guten Tag für Europa" und ein Zeichen, dass Europa gestalten wolle. Die Wirtschaft verwies auf konkrete Vorteile. Unternehmen könnten jährlich rund vier Milliarden Euro an Zöllen sparen. Zudem verbessere sich der Zugang zu wichtigen Rohstoffen wie Lithium und Kupfer, etwa für Elektromobilität und erneuerbare Energien.
Quelle: Tagesschau

Über den Autor

Quelle: diverse Quellen, s. Text

News & Infos

News & Infos

Wie ein Superfood-Hype ein Land verändert

Der Hype um die Blaubeere ist in Deutschland angekommen. Die Beeren sind überall: in Muffins, Kuchen, Shakes, Müsli, Pancakes! Die Nachfrage nach dem Superfood ist so hoch wie noch nie.

Atlas
7310
News & Infos

Fruchtwelt Bodensee

Vom 13. bis 15. Januar 2023 öffnet die außerplanmäßige Fruchtwelt Bodensee mit rund 280 Ausstellern ihre Tore. Parallel können Sie sich auf den 41. Bodensee-Obstbautagen bei zahlreichen Vorträgen und Podiumsdiskussionen zu aktuellen Fragestellungen des Erwerbsobstbaus informieren.

Fruchtwelt Bodensee
7340
News & Infos

Stechmann einstimmig im Amt des BOG-Vorsitzenden bestätigt

Vom 25. bis 26. Oktober 2022 tagte der Bundesausschuss Obst und Gemüse (BOG) in Berlin. Im Verlauf der Herbst-Sitzung haben die Delegierten den amtierenden Vorsitzenden Jens Stechmann einstimmig wiedergewählt. Er tritt nun seine vierte Amtszeit an.

Lilian Heim
6571
News & Infos

Apfelverteilaktion 2022

Zeit der deutschen Äpfel

Fachgruppe OBSTBAU
0
News & Infos

Gute Chancen für Birnen aus Deutschland

Birnen gehören fest in das Obstsortiment und sind Jahr für Jahr Bestandteil der Top-Ten der meistgekauften Obstarten in Deutschland. Der Anteil der Birnen im Einzelhandel, die zwischen Bodensee und Nordsee gewachsen sind, ist allerdings gering.

Ursula Schockemöhle
0
News & Infos

SUR: Gemeinsame Stellungnahme

Gemeinsame Stellungnahme aus Südtirol, Deutschland und Österreich im Rahmen der Konsultationen zum Vorschlag für die Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates über die nachhaltige Verwendung von Pflanzenschutzmitteln und zur Änderung der Verordnung (EU) 2021/2115

Joerg Hilbers
0
News & Infos

„ZEIT DER DEUTSCHEN ÄPFEL“: Sehr gute Pressereaktionen, LEH enttäuschte

Der Vorschlag für die Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates über die nachhaltige Verwendung von Pflanzenschutzmitteln und zur Änderung der Verordnung (EU) 2021/2115 sieht nicht nur eine Reduktion des Pflanzenschutzes um 50 % vor...

Joerg Hilbers,
8018
News & Infos

SUR - Gemeinsames Schreiben Italiens, Österreichs und Deutschlands an die zuständige EU-Kommissarin

Der Vorschlag für die Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates über die nachhaltige Verwendung von Pflanzenschutzmitteln und zur Änderung der Verordnung (EU) 2021/2115 sieht nicht nur eine Reduktion des Pflanzenschutzes um 50 % vor...

Bundesfachgruppe Obstbau Deutschland, Bundes-Obstbauverband Österreich, Südtiroler Apfelkonsortium
7126
News & Infos

Fruchtwelt Bodensee in Friedrichshafen: Außerplanmäßiger Termin im Januar 2023

Eine informative Plattform für Europas Obstanbaubranche und das Brennereiwesen bietet die Fruchtwelt Bodensee vom 13. bis 15. Januar 2023. Damit wird der übliche Zweijahresturnus der Veranstaltung unterbrochen.

Fruchtwelt Bodensee
6737
News & Infos

Zentrum für Betriebswirtschaft im Gartenbau e.V. ruft dazu auf, am Betriebsvergleich teilzunehmen

Vor dem Hintergrund der Energiekrise und der enormen Kostensteigerungen ruft das Zentrum für Betriebswirtschaft im Gartenbau (ZBG) dazu auf, an seinem Halbjahresvergleich 2022 teilzunehmen - denn die Teilnahme am Halbjahresvergleich war noch nie so wichtig wie heute.

Zentrum für Betriebswirtschaft im Gartenbau e.V.
6729
News & Infos

Existenzbedrohende Explosion der Energiekosten

Grüne Branche schlägt Alarm: „Versorgung mit heimischem Obst und Gemüse unsicher“

Deutscher Raiffeisenverband e.V.
6046
News & Infos

Eine gute Apfelernte mit großen und geschmacklich hervorragenden Äpfeln

Die Obstbauern am Bodensee haben gemeinsam mit Staatssekretärin Sabine Kurtz die diesjährige Apfelsaison eröffnet.

Obst vom Bodensee Marketing GmbH
6643
Anzeige