Bundespreis Ökologischer Landbau geht an den Bodensee
Der Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer hat am 22. Januar 2026 auf der Grünen Woche in Berlin die drei Gewinnerbetriebe des Bundeswettbewerbs Ökologischer Landbau 2026 ausgezeichnet. Mit dem Preisgeld von insgesamt 37.500 Euro ehrt das BMLEH Betriebe, die erfolgreich ökologisch wirtschaften und sich mit ungewöhnlichen Konzepten, Eigeninitiative und Kreativität hervortun. In diesem Jahr ging eine der drei Preise an den Bio-Obsthof Glocker aus Horgenzell. Damit wird erstmals seit 16 Jahren wieder einmal ein Tafel-Obstbaubetrieb ausgezeichnet. Wir gratulieren Nikolaus, Manuela und Jonas Glocker herzlich zu dieser Ehrung!
Leuchtturmbetrieb mit bundesweiter Strahlkraft
Die Auszeichnung erhielt der Betrieb für den Aufbau einer besonders nachhaltigen Obsterzeugung, insbesondere bei Äpfeln, und steht dafür stellvertretend für die Innovationskraft und Zukunftsfähigkeit des Bio-Obstbaus. „Der Obsthof Glocker ist ein Leuchtturmbetrieb für den ökologischen Obstbau – nicht nur bei uns am Bodensee, sondern bundesweit“, betont Markus Schraff, Leiter Bio-Vertrieb bei der Obst vom Bodensee Vertriebsgesellschaft (OvB). „Wir sind stolz, dass ein so engagierter und innovativer Betrieb aus unserem Erzeugerkreis diese hohe Auszeichnung erhält.“
Bio aus Überzeugung
Seit mehr als 25 Jahren arbeitet die Familie Glocker ökologisch. Nikolaus Glocker erklärt: „Bio ist für uns kein Kompromiss, sondern Überzeugung. Dass unsere Arbeit auf diese Weise gewürdigt wird, freut uns sehr – und bestärkt uns darin, weiterzudenken und weiterzumachen.“
Der prämierte Betrieb setzt auf robuste, schorfwiderstandsfähige Sorten wie ‘Topaz‘, ‘Natyra‘, ‘Santana‘ oder Xenia®, sowie auf gesunde Böden, eigene Mulchherstellung aus blühendem Klee-Luzernegras, biodiversitätsfördernde Blühstreifen für Insekten und ein ressourcenschonendes Wassermanagement mit Solarstrom und Regenwasserspeicher. Über 278 nachgewiesene Insektenarten auf den Flächen zeigen die Wirkung der ökologischen Maßnahmen eindrücklich. Wissenschaftlich begleitet wird der Betrieb unter anderem durch Projekte mit der Universität Hohenheim und dem Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee (KOB).
Innovationstreiber des Bio-Obstbaus am Bodensee
Über die erfolgreiche Betriebsführung hinaus engagiert sich Nikolaus Glocker seit vielen Jahren in der Entwicklung neuer Konzepte für den Bio-Obstbau. Um die Akzeptanz des Handels gegenüber schorfresistenten Sorten zu erhöhen, hat er mit der Fördergemeinschaft Ökologischer Obstbau e.V. (FÖKO) das Dachmarkenkonzept „BioStars“ erarbeitet, das schorfresistente Sorten für Verbraucher sichtbar und für den Handel besser vermarktbar macht.
Als Vorsitzender des Öko-Versuchsbeirats im KOB bringt er regelmäßig Innovationen in die Praxis. Dazu gehört beispielsweise auch die Testung einer Putzmaschine für Äpfel mit Regenflecken. Die Maschine kann die Schale befallener Äpfel so weit reinigen, dass große Teile einer Charge wieder vermarktungsfähig sind. „Wir wollen, dass Innovation allen nutzt – nicht nur unserem Betrieb. Bio braucht Austausch, Offenheit und Gemeinschaft“, betont Nikolaus Glocker.
erkannt. So wurde auch der Pack- und Lagerstandort Ravensburg gezielt für die Anforderungen der Bio-Vermarktung weiterentwickelt.
Zusammenspiel von Produktion, Vermarktung und Handel
Die OvB vermarktet als größter Bio-Obst-Vermarkter Süddeutschlands das Obst von über 40 Erzeugerfamilien. Der Anteil schorfresistenter Sorten ist hier außergewöhnlich hoch. Der steigende Bedarf an Bio-Produkten wurde frühzeitig gemeinsam mit Handelspartnern „Der Erfolg im Bio-Obstbau ist immer ein gemeinsames Werk“, sagt Bundespreisträger Glocker. „Entscheidend ist das enge Zusammenspiel von Produktion, Vermarktung und Handel. Nur wenn dieser Dreiklang funktioniert, können wir Bio langfristig erfolgreich weiterentwickeln. Diese Auszeichnung steht deshalb nicht für eine Einzelleistung, sondern für die Stärke eines Systems, das auf Vertrauen, Partnerschaft und gemeinsamen Zielen basiert.“ Kein einziger Bio-Betrieb im Netzwerk der OvB habe die Umstellung auf konventionellen Anbau bislang rückgängig gemacht.
„Wir gratulieren Familie Glocker von Herzen und danken zugleich allen Bio-Betrieben in unserem Netzwerk. Sie alle leisten tagtäglich Pionierarbeit für eine zukunftsfähige, verantwortungsvolle Landwirtschaft“, verdeutlichte Markus Schraff abschließend.
News & Infos
Transformationsbericht des BMEL
Das Bundeskabinett hat jüngst den Transformationsbericht „Nachhaltige Agrar- und Ernährungssysteme“ verabschiedet. Darin werden Wege aufgezeigt, wie Landwirtschaft, Ernährungswirtschaft und Forstwirtschaft in Zeiten der Klimakrise für ausreichende und gesunde Ernährung sorgen und gleichzeitig zum Schutz der Gesundheit von Mensch, Tier und Ökosystemen sowie des Klimas beitragen.
Mehr Hautkrebsfälle durch UV-Strahlung – Sonnenschutz ist unerlässlich
Angesichts deutschlandweit steigender Hautkrebserkrankungen ist es unerlässlich, dass sowohl Betriebe als auch Beschäftigte in der Grünen Branche angemessene Maßnahmen zum Sonnenschutz ergreifen.
Änderung des Düngegesetzes vom Bundestag beschlossen
Der Deutsche Bundestag hat die vom BMEL vorgelegten Änderungen des Düngegesetzes beschlossen. die von Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir erarbeiteten Novelle soll landwirtschaftlichen Betriebe künftig mehr Planungssicherheit bieten und gleichzeitig den Umweltschutz verbessern.
Neue Kampagne von ALDI SÜD: Der Discounter macht Nachhaltigkeit zur „normalsten Sache der Welt“
ALDI SÜD verkündete just, dass der Konzern sein Angebot an nachhaltigeren Lebensmitteln (d.h. Bio-Produkte, regionales Obst und Gemüse oder Fleisch aus den höheren Haltungsformen) stetig ausbauen will. Wie der Discounter auf diese Weise Nachhaltigkeit zur „normalsten Sache der Welt“ machen will, zeigt Aldi Süd jetzt in seiner neuen Marketingkampagne, die am 21. Mai startet.
CO2-Fußabdruck von Bodenseeäpfeln
Im Sommer 2023 wurden im Rahmen der Initiative „FAIRDI – natürlich vom Bodensee“ CO2-Fußabdrücke für Äpfel von 22 Obstbaubetrieben sowie für typische Bodenseeäpfel ermittelt, um Optimierungspotentiale für einen ressourcenschonenden Apfelanbau zu identifizieren.
Erweiterung der Mautpflicht ab Juli 2024
Am 24.11.2023 wurde das „Dritte Gesetz zur Änderung mautrechtlicher Vorschriften“ (3. MautÄndG) im Bundesgesetzblatt Teil I Nr. 315 verkündet. Die Regelungen des Gesetzes treten 2024 in verschiedenen Stufen in Kraft.
Polnische Landwirte protestieren gegen europäische Umweltvorschriften
Letzte Woche gingen Tausende von Landwirten in der polnischen Hauptstadt Warschau auf die Straße, um gegen die Umweltpolitik der Europäischen Union (EU) zu protestieren, berichtet Vilt.be.
EU-weit mehr als 300 Fälle von zu hohen PSM-Rückständen in Obst und Gemüse
In der Saison 2023/2024 wurden bei stichprobenartigen Rückstandsuntersuchungen bis April 2024 in 361 Fällen zu hohe Pflanzenschutzmittelrückstände in Obst und Gemüse festgestellt, wie der spanische Infodienst Hortoinfo.es in einem Bericht mitteilte.
“Zukunftsprogramm Landwirtschaft” in der Kritik
Unwissenschaftlich, unausgegoren und untauglich - mit diesen klaren Worten kommentiert der Industrieverband Agrar e.V. (IVA) die “Diskussionsgrundlage für die Erarbeitung eines Zukunftsprogramms Pflanzenschutz”.
Schimmel an Erdbeeren aus dem Mittelmeerraum - ein Problem?
Das NDR-Verbrauchermagazin "Markt" hat Stichproben von frühen Erdbeeren aus dem Mittelmeerraum bei Edeka, Lidl, Rewe und einem örtlichen Gemüsehändler gekauft. Die Erdbeeren kamen aus Spanien, Griechenland und Italien.
Pachtpreise weiter gestiegen
Im Jahr 2023 hat das jährliche Pachtentgelt je Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche bundesweit durchschnittlich 357 Euro betragen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) nach den Ergebnissen der Agrarstrukturerhebung 2023 mitteilt, entsprach dies einem Anstieg von 9 % gegenüber 2020 (329 Euro).
Genomsequenz der Schattenmorelle entschlüsselt
Ein Forschungsteam unter Federführung des JKI-Instituts für Züchtungsforschung an Obst untersucht mit neuartigen Technologien das komplexe Erbgut der bedeutenden Sauerkirschsorte und zieht Rückschlüsse auf Entstehung der Obstart.