Bedenkliches Geschäftsmodell: PAN-Studie arbeitet erneut mit fragwürdigen Vergiftungsschätzungen
Das pflanzenschutzkritische Netzwerk Pesticide Action Network (PAN) liefert wieder einmal wissenschaftlich fragwürdige Zahlen. Mit einer weiteren Studie zu angeblich mehr als 400 Millionen jährlichen Vergiftungsfällen weltweit im Zusammenhang mit dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln versucht die NGO erneut, die Debatte über Pflanzenschutz mit fragwürdigen Zahlen zu emotionalisieren. Dabei mussten bereits frühere PAN-Studien zu weltweiten Vergiftungsfällen nach wissenschaftlicher Kritik an Methodik und Datengrundlage zurückgezogen werden. Methodische Mängel und weitreichende Hochrechnungen zeichnen auch in der aktuellen Studie ein Zerrbild des Pflanzenschutzes.
Methodische Schwächen untergraben Aussagekraft der Studie
Aus Sicht des Industrieverbands Agrar e. V. (IVA) beruhen die veröffentlichten Schätzungen auf erheblichen methodischen Schwächen und unzulässigen Hochrechnungen. Die Studie liefert daher keine belastbare Grundlage für die Schlussfolgerungen, die PAN daraus ableitet.
Der IVA sieht die Veröffentlichung der Studie mit erheblichem Prüfbedarf. So wird auch in der aktuellen Untersuchung nicht klar definiert, was überhaupt als Vergiftung gelten soll. Statt medizinisch bestätigter Diagnosen fließen vielfach selbst berichtete Beschwerden in die Berechnungen ein. Exposition und tatsächliche Vergiftung werden damit nicht sauber voneinander getrennt. Bereits eine frühere PAN-Studie zu weltweiten Vergiftungsfällen musste nach wissenschaftlicher Kritik an Methodik und Datengrundlage zurückgezogen werden.
Reale Meldedaten zeichnen ein anderes Bild
Wie weit sich die PAN-Schätzungen von den Erkenntnissen etablierter Überwachungs- und Meldesysteme entfernen, zeigen Daten des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Danach betrafen lediglich 1,4 % aller in einer deutschen Pilotstudie ausgewerteten Vergiftungsmeldungen überhaupt Kontakte mit Pestiziden. Davon wiederum entfielen lediglich 17,5 % auf Pflanzenschutzmittel. Die meisten gemeldeten Fälle standen im Zusammenhang mit Augenkontakten mit Desinfektionsmitteln, die als Biozide ebenfalls zur Obergruppe der Pestizide gezählt werden.
Diese Daten zeichnen ein deutlich anderes Bild als die von PAN verbreiteten globalen Schätzungen von angeblich mehreren hundert Millionen Vergiftungsfällen pro Jahr und werfen erhebliche Fragen hinsichtlich deren Plausibilität auf.
„PAN konstruiert zum wiederholten Male aus unspezifischen Symptomen, fragwürdigen Hochrechnungen und methodischen Annahmen globale Vergiftungszahlen in dreistelliger Millionenhöhe. Solche Zahlenspiele mögen für Kampagnenzwecke taugen, ersetzen aber keine belastbare wissenschaftliche Analyse. Wer Exposition mit Vergiftung gleichsetzt und dadurch Fallzahlen künstlich aufbläht, schafft kein realistisches Bild der Landwirtschaft, sondern schürt vielmehr Verunsicherung und verbreitet Alarmismus. Auf einer solchen Grundlage lassen sich keine seriösen politischen Schlussfolgerungen ziehen“, stellt IVA-Hauptgeschäftsführer Frank Gemmer klar.
Am strengsten geprüft und reguliert
Dabei gehören Pflanzenschutzmittel in der Europäischen Union zu den am strengsten regulierten Produkten weltweit. Vor einer Genehmigung und einer Zulassung werden Wirkstoffe und Produkte in umfangreichen wissenschaftlichen Verfahren geprüft. Risiken für Anwender, Menschen und Umwelt werden streng bewertet und durch verbindliche Anwendungsauflagen minimiert. Die Zulassungsverfahren dauern dadurch viele Jahre und beruhen auf einer umfassenden wissenschaftlichen Risikobewertung.
Anwenderschutz hat hohe Priorität
Die Hersteller investieren zudem seit Jahrzehnten erhebliche Mittel in den Anwenderschutz. Dazu gehören Schulungsprogramme für Landwirte, Informationen zur sicheren Anwendung, moderne Verpackungs- und Dosiersysteme, technische Maßnahmen zur Verringerung möglicher Expositionen sowie internationale Stewardship-Programme gemeinsam mit lokalen Partnern. Die Branche übernimmt damit weit über die gesetzlichen Anforderungen hinaus Verantwortung für einen sicheren Einsatz ihrer Produkte, wie der IVA betonte.
Wenn die Diskussion über Pflanzenschutz auf fragwürdigen Hochrechnungen und unlauteren Kampagnenzahlen beruht, dann kann etwas nicht stimmen. Wer Risiken reduzieren will – was in unser aller Sinne ist - muss auf wissenschaftsbasierte Regulierung, hohe Sicherheitsstandards und eine sachgerechte Anwendung setzen. Und dafür stehen die europäischen Zulassungssysteme und die Anstrengungen der Hersteller beim Anwenderschutz, wie Frank Gemmer nachdrücklich klarstellte.
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