Agrarchemie: Geringes Wachstum, große Unsicherheit

IVA-Präsident Wagner erneuert Forderung nach Abschaffung des UBA-Vetos bei Pflanzenschutz-Zulassung

Fachgruppe OBSTBAU
1325

Auch wenn im Wirtschaftsjahr 2025 der Pflanzenschutzmarkt nach dem Abwärtstrend der vergangenen Jahre wieder leicht gewachsen ist und sich die Düngemittelabsätze, von einem historischen Tief kommend, in der Düngesaison 2024/25 stabilisierten, blickte der Industrieverband Agrar e. V. (IVA) bei seiner jährlichen Pressekonferenz mit Sorgen in die Zukunft. Als Gründe dafür wurden vor allem im Pflanzenschutz die fortdauernden regulatorischen Unsicherheiten und auf den Düngemärkten die Energiepreisentwicklung infolge der aktuellen geopolitischen Lage genannt.

Wichtige EU-Initiativen wie der Food and Feed Safety Simplification Omnibus oder die Neuausrichtung der deutschen Pflanzenschutzmittel-Zulassung müssen nach Auffassung des IVA konsequent fortgesetzt werden. Zugleich forderte der Wirtschaftsverband, durch Maßnahmen wie den CO2-Ausgleichmechanismus (CBAM) oder Meistbegünstigten-Zölle (MFN) faire Wettbewerbsbedingungen für deutsche und europäische Düngemittel-Produzenten weiter zu sichern.

Leichtes Wachstum auf dem Pflanzenschutzmarkt
Der Nettoinlandsumsatz auf dem deutschen Pflanzenschutzmarkt (Direktgeschäft zwischen der im IVA organisierten Industrie und dem Pflanzenschutzgroßhandel) wuchs nach zwei Jahren deutlich rückläufiger Geschäfte um 4,3 % auf 1,273 Mrd.n Euro im Jahr 2025 (2024: 1,220 Mrd. Euro). Treiber für das Marktwachstum war ein gestiegener Herbizid-Umsatz mit 606 Millionen Euro (plus 18,6 %), der mit vorgezogenen Käufen des Handels infolge unklarer Zulassungsfragen einzelner Wirkstoffe zusammenhing.
Der Fungizid-Umsatz dagegen ist im Jahr 2025 auf 451 Millionen Euro zurückgegangen (minus 4,9 %). Ausschlaggebend hierfür waren die überwiegend trockenen Witterungsbedingungen. Der Insektizid-Umsatz lag 2025 mit 129 Mio. Euro sogar um 7,2 % unter dem Wert des Vorjahres. Gerade bei den Insektiziden macht sich der Wegfall bewährter Wirkstoffe – ohne dass Alternativen auf den Markt kommen – in der Anbaupraxis negativ bemerkbar.

Regulierung hemmt Innovation
Das größte Hemmnis für innovative Lösungen im Pflanzenschutz sieht IVA-Präsident Michael Wagner weiterhin in der strangulierenden Regulierung in Deutschland und der EU. „Die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln geht auf eine fast 20 Jahre alte EU-Verordnung zurück, die weltweit die strengsten Kriterien für Pflanzenschutzmittel einführte, aber Planbarkeit bei der Markteinführung neuer Pflanzenschutzmittel versprach. Im Ergebnis sehen wir heute statt Innovation nur Stillstand – gerade einmal ein neuer chemisch-synthetischer Wirkstoff ist seit 2019 in der EU genehmigt worden.“
Zwar sieht Wagner in Deutschland leichte Fortschritte, weil es den Behörden gelungen ist, den Zulassungsstau von Pflanzenschutzmitteln bei den einfacheren Verfahren abzubauen, an denen Deutschland als beteiligter Mitgliedstaat mitwirkt. Gelöst ist das Grundproblem aus seiner Sicht allerdings nicht: „In Zukunft müssen auch Zulassungsanträge, die Deutschland federführend bearbeitet, effizient und fristgerecht umgesetzt werden. Eine hierzulande erteilte Zulassung galt einmal als der Goldstandard – und da müssen wir hin: Deutschland muss wieder ein attraktiver Zulassungsstandort in Europa werden!“
Aus Michael Wagners Sicht wird dies ohne klare Zuständigkeiten nicht zu erreichen sein: „Es darf nur eine Behörde geben, nämlich das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), das über die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln in enger Zusammenarbeit mit den gleichberechtigten Bewertungsbehörden entscheidet. Dass dem Umweltbundesamt bis heute ein Veto-Recht zukommt, ist ein Webfehler im Pflanzenschutzgesetz, der dringend korrigiert gehört.“

Düngemittelmarkt erholt sich von historischem Tief
Auf dem Düngemittelmarkt wuchs der Stickstoffabsatz in der Düngesaison 2024/25 um 3,8 % auf 1,137 Mio.t Stickstoff (Vorsaison: 1,095 Mio.t). Der positive Trend aus dem vorherigen Düngerjahr setzte sich für Kali fort, gleichzeitig stagnierte der Phosphat-Absatz nach dem starken Zuwachs im Vorjahr weitgehend.
Während bei Phosphat-Düngern ein Minus von 1,7 % (139 740 t P) zu verzeichnen war, konnten Kali-Düngemittel einen Absatzgewinn von 7,3 %(340 350 t K) verzeichnen. Die Kalkdünger bewegen sich nach den Rückgängen aus den beiden Vorjahren kräftig nach oben (3,178 Mio. t CaO – das ist ein Plus von 28,2 %). Ursächlich sind die guten Witterungsbedingungen während der Hauptausbringzeit nach der Getreideernte.

Klare Regeln für fairen Wettbewerb
„Was wir in den vergangenen beiden Jahren auf dem deutschen Düngemittelmarkt gesehen haben, will man nicht ernsthaft Wachstum nennen – es ist eher die überfällige Korrektur, nachdem das Absatzvolumen in der Düngesaison 2022/23 ein historisches Tief erreicht hatte. Heute ist der Markt wieder in Unruhe, ausgelöst durch die geopolitischen Herausforderungen insbesondere infolge des Kriegs im Iran“, erläuterte IVA-Vizepräsident Marco Fleischmann, Vorsitzender des Fachgebiets Pflanzenernährung. Er forderte von der Politik konsequentes Handeln im Sinne fairer Wettbewerbsbedingungen für die deutschen und europäischen Düngemittel-Hersteller: „Wer es mit Klimaschutz in der Landwirtschaft ernst meint, findet in der Düngung den größten Hebel. Die einheimischen Hersteller haben erheblich in ihre Produktionsanlagen investiert; sie haben heute nur den halben CO2-Fußabruck wie russische Anlagen.“
Daher ist es nach Marco Fleischmanns Ansicht unerlässlich, an Maßnahmen wie CBAM und MFN-Zöllen festzuhalten. Unterstützt werden müsste in der Krise aber auch die Landwirtschaft: „Die Lage für die Bauern ist prekär: Ihre Kosten für Betriebsmittel und Energie steigen, während die Erzeugerpreise unter Druck stehen. Es wäre wünschenswert, wenn sie aus den neuen Einnahmen wie den CBAM-Gebühren während der Krise ihren fairen Anteil erhielten.“

Über den Autor

Quelle: Industrieverband Agrar e. V.

News & Infos

News & Infos

Polnische Landwirte protestieren gegen europäische Umweltvorschriften

Letzte Woche gingen Tausende von Landwirten in der polnischen Hauptstadt Warschau auf die Straße, um gegen die Umweltpolitik der Europäischen Union (EU) zu protestieren, berichtet Vilt.be.

Vilt.be
6512
News & Infos

EU-weit mehr als 300 Fälle von zu hohen PSM-Rückständen in Obst und Gemüse

In der Saison 2023/2024 wurden bei stichprobenartigen Rückstandsuntersuchungen bis April 2024 in 361 Fällen zu hohe Pflanzenschutzmittelrückstände in Obst und Gemüse festgestellt, wie der spanische Infodienst Hortoinfo.es in einem Bericht mitteilte.

Hortoinfo.es
7178
News & Infos

“Zukunftsprogramm Landwirtschaft” in der Kritik

Unwissenschaftlich, unausgegoren und untauglich - mit diesen klaren Worten kommentiert der Industrieverband Agrar e.V. (IVA) die “Diskussionsgrundlage für die Erarbeitung eines Zukunftsprogramms Pflanzenschutz”.

Fachgruppe OBSTBAU
6660
News & Infos

Schimmel an Erdbeeren aus dem Mittelmeerraum - ein Problem?

Das NDR-Verbrauchermagazin "Markt" hat Stichproben von frühen Erdbeeren aus dem Mittelmeerraum bei Edeka, Lidl, Rewe und einem örtlichen Gemüsehändler gekauft. Die Erdbeeren kamen aus Spanien, Griechenland und Italien.

NDR
6682
News & Infos

Pachtpreise weiter gestiegen

Im Jahr 2023 hat das jährliche Pachtentgelt je Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche bundesweit durchschnittlich 357 Euro betragen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) nach den Ergebnissen der Agrarstrukturerhebung 2023 mitteilt, entsprach dies einem Anstieg von 9 % gegenüber 2020 (329 Euro).

Destatis
8977
News & Infos

Genomsequenz der Schattenmorelle entschlüsselt

Ein Forschungsteam unter Federführung des JKI-Instituts für Züchtungsforschung an Obst untersucht mit neuartigen Technologien das komplexe Erbgut der bedeutenden Sauerkirschsorte und zieht Rückschlüsse auf Entstehung der Obstart.

JKI
6736
News & Infos

Neu als Berufskrankheit anerkannt: Parkinson-Syndrom durch chemische Pflanzenschutzmittel

Der Ärztliche Sachverständigenbeirat Berufskrankheiten (ÄSVB) – ein weisungsunabhängiges Gremium, das beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) angegliedert ist – hat empfohlen, das Parkinson-Syndrom durch chemische Pflanzenschutzmittel als neue Berufskrankheit in die Berufskrankheiten-Verordnung aufzunehmen.

SVLFG
8395
News & Infos

Pflanzenschutz-App geht in Deutschland an den Start

Rund 30 Landwirte und landwirtschaftliche Berater in Deutschland testen in einem Pilotprojekt die neue Pflanzenschutz-App „AgriGuide“.

IVA
7526
News & Infos

Maßnahmenpaket Zukunft Gartenbau an Staatssekretärin Bender übergeben

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hatte im Oktober 2022 den „Zukunftskongress Gartenbau“ ausgerichtet. Dessen Ergebnisdokumentation zeigt vielfältige Handlungsoptionen und Notwendigkeiten für die Zukunft der Branche auf.

ZVG
6684
News & Infos

BMEL startet Beteiligungsprozess für ein „Zukunftsprogramm Pflanzenschutz“

Mit dem ausgewiesenen Ziel, mit nachhaltigem Pflanzenschutz die Ernten der Zukunft zu sichern, hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) einen breiten Beteiligungsprozess für das "Zukunftsprogramm Pflanzenschutz"...

ZVG, BMEL
6739
News & Infos

Erdbeeranbau

Eine Erdbeer-Kontaktgruppe, bestehend aus Vertretern von Erzeuger- und Exportverbänden aus Frankreich, Italien, Portugal und Spanien traf sich Anfang April, die Aussichten für diese Saison zu diskutieren.

FEPEX
6794
News & Infos

Lösung für bedrohte Sorten?

In Australien ist eine erste gentechnisch veränderte Banane der Sorte ‘Cavendish‘ zugelassen worden. Kann dadurch die wichtigste Handelssorte der Welt gerettet werden?

dpa
6361
Anzeige