200 Jahre gelebte Gegenseitigkeit

Festakt zum Jubiläum der Vereinigten Hagelversicherung

Daniel Rittershaus
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Unter dem Motto „200 Jahre gelebte Gegenseitigkeit“ stand der Festakt zum Jubiläum der Vereinigten Hagelversicherung, der Mitte Mai in Gießen begangen wurde. Rund 300 Gäste aus den Reihen der Mitglieder, des Ehrenamtes, der Versicherung sowie der Landwirtschaft konnte der neue Aufsichtsratsvorsitzende Jens Stechmann in der Aula der Justus Liebig- Universität begrüßen.

Dr. Rainer Langner, Vorstandsvorsitzender der VEREINIGTEN HAGEL, ließ in seinem Vortrag die Geschichte seit der Gründung der Leipziger Hagelversicherung – dem älteren der beiden Vorgängerunternehmen der VEREINIGTEN HAGEL – Revue passieren: Die Leipziger Hagelversicherung wurde im Jahr 1824 durch Dr. Wilhelm Crusius in Rüdigsdorf nahe Leipzig gegründet. Dabei war die Idee einer Hagelversicherung nicht gänzlich neu: Mehrere Anstalten dieser Art waren bereits in den Jahren zuvor gegründet worden. Allerdings mussten diese ihre Geschäftstätigkeiten aufgrund der auftretenden schweren Hagelschläge bald wieder aufgeben. Die Leipziger Hagel hingegen überstand diese Zeiten, ebenso Kriege und Hyperinflation. Neue Herausforderungen führten im Jahr 1993 schließlich zur erfolgreichen Fusion der Leipziger mit der Norddeutschen Hagelversicherung zur VEREINIGTEN HAGEL.

Prinzip der Gegenseitigkeit
Als Erfolgsgarant sieht Dr. Langner das bereits von Crusius angewandte Prinzip der Gegenseitigkeit. Das brachte im Vergleich zur auf Gewinnausschüttung orientierten Konkurrenz einen Vorteil. „Die Rechtsform Versicherungsverein mag auf den ersten Blick altbacken erscheinen, sie ist aber die Grundlage für einen nachhaltigen Versicherungsschutz der Landwirte“, betonte der Vorstandsvorsitzende. Gelebt werde die Gegenseitigkeit bis heute durch enge Verzahnung mit dem Berufsstand und gestützt auf eine breite Basis des Ehrenamtes. Mittlerweile unterstützt die VEREINIGTE HAGEL rund 110.000 Landwirte in zehn europäischen Ländern in ihrem Risikomanagement. Denn Hagel, Starkregen, Sturm und zunehmend Spätfröste sowie Dürre bedeuten schon heute, und verstärkt noch in Zukunft, massive Herausforderungen für die Landwirte. „Aber dafür sind wir ja da“, schloss Dr. Langner seine Ausführungen ab.

In ihren Grußworten betonten Prof. Dr. Katharina Lorenz, Präsidentin der Justus-Liebig-Universität Gießen, und Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, wie wichtig der Beitrag der VEREINIGTEN HAGEL zur Absicherung der landwirtschaftlichen Betriebe sei. Joachim Rukwied brachte es auf den Punkt: „Sie ist eine 200-jährige Erfolgsgeschichte der Landwirtschaft.“

„Ein bisschen Weltuntergang ist immer“
Mit diesen (nicht ganz ernst gemeinten) Worten begann Prof. Dr. Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), seinen launischen und unterhaltsamen Festvortrag. Dabei ging er auf die Diskrepanz von empirisch festgestellten Risiken und der subjektiven Risikowahrnehmung jedes Individuums ein. „Hierzulande bauen wir etliche Airbags in unsere SUVs ein, aber im Urlaub in Bangkok mieten wir uns einen Roller und nehmen ohne jegliche Knautschzone am dortigen Verkehr teil“, führte er den Zuhörern vor Augen. Denn im Urlaub sei die Risikowahrnehmung schon mal eine andere als zu Hause. Außerdem seien ja drei Viertel der Autofahrer der Ansicht, dass sie sicherer und besser fahren als der Durchschnitt…

Doch auch die Art der Kommunikation sei entscheidend. So habe seine 91-jährige Schwiegermutter bislang für ihre Leben gern Erdbeerjoghurt gegessen – bis zu dem Tag, als im Fernsehen gesagt wurde, zu viel Erdbeerjoghurt sei ungesund. Da seien auch ihm als Berater der Bundesregierung die Argumente ausgegangen. Er riet ihr nur noch, alle Meldungen kritisch zu hinterfragen und sich stets eine eigene Meinung zu bilden…

Zeit des Abschieds
Der Festakt zum 200jährigen Jubiläum stand aber auch im Zeichen des Abschieds. Denn Ende Mai sollte Dr. Rainer Langner, der seit 28 Jahren Vorsitzender des Vorstands war, in den wohlver
dienten Ruhestand gehen. Jens Stechmann, neuer Aufsichtsratsvorsitzender der VEREINIGTEN HAGEL, würdigte gemeinsam mit seinem Amtsvorgänger Klaus Mugele das Wirken Langners, der mehr als die Hälfte seines Lebens nicht bei der VEREINIGTEN HAGEL, sondern für die VEREINIGTE HAGEL gearbeitet habe. Der Erfolg des Unternehmens sei zu einem großen Teil seiner Führung, seiner Weitsicht und seinem Engagement zu verdanken – dabei war er neben der eigentlichen Vorstandstätigkeit auch in diversen berufsständischen Ehrenämtern aktiv. In seiner Rolle als Vorsitzender habe er immer ein offenes Ohr für die versicherten Landwirte gehabt und sei ihnen stets auf Augenhöhe begegnet. Die eingangs genannten Prinzipien der Gegenseitigkeit habe er verkörpert wie kaum ein anderer. Jens Stechmann dankte auch Dr. Langners Ehefrau Astrid, dass sie ihm stets den Rücken freigehalten hat.

„Mir ist um die Zukunft nicht bange“, erklärte Dr. Langner in seinen Dankesworten und übergab symbolisch ein Steuerrad an das dreiköpfige Vorstandsteam, das den Versicherungsverein in Zukunft führen wird: Dr. Philipp Schönbach als deren Sprecher sowie Dr. Jan Keller und Thomas Gehrke.

Über den Autor

Daniel Rittershaus, Vereinigte Hagelversicherung VVaG, Wilhelmstr. 25, 35392 Gießen, Tel.: 0641 7968-300, E-Mail: d.rittershaus@vereinigte-hagel.de

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