10. BMUKN-Agrarkongress: Umweltschutz muss sich für Landwirte lohnen!
Bundesumweltminister Carsten Schneider eröffnete am 13. Januar 2026 gemeinsam mit Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer den diesjährigen BMUKN-Agrarkongress im Vorfeld der Grünen Woche. Im Mittelpunkt stand die künftige Ausgestaltung der europäischen Agrarpolitik, deren Bedeutung für die ländlichen Räume und die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen.
Seit 2017 bieten die Agrarkongresse des Bundesumweltministeriums eine Plattform für politisch aktuelle Themen im Spannungsfeld von Umwelt-, Natur-, Klimaschutz und Landwirtschaft im Vorfeld der Grünen Woche. Die Agrarkongresse widmen sich aktuellen Herausforderungen und fördern den Dialog zwischen Landwirtschaft, Umweltverbänden, Politik, Wissenschaft, Wirtschaft sowie Gesellschaft. Der 10. Agrarkongress stand unter der Überschrift „Wirtschaftliche Betriebe, lebenswerte Umwelt – Anforderungen an eine Agrarpolitik im Wandel“ und bot ein hochrangig besetztes Forum, um über die Anforderungen an eine Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU für eine zukunftsfähige Landwirtschaft zu diskutieren. Neben Bundesumweltminister Carsten Schneider nehmen Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer und Prof. Dr. Regina Birner, ehemals Ko-Vorsitzende der Zukunftskommission Landwirtschaft und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz am ersten Teil des Agrarkongresses teil.
Landwirtschaftliche Betriebe sehen sich großen Herausforderungen gegenüber und sind gleichzeitig wichtige Partner, um Maßnahmen zum Natur- und Umweltschutz für eine lebenswerte Umwelt umzusetzen. Neben fairen Wettbewerbsbedingungen in Europa werben Bundesumweltminister Schneider und Landwirtschaftsminister Rainer deshalb gemeinsam für stärkere Anreize für das Engagement der Landwirtschaft im Natur- und Klimaschutz.
Aktuelle EU-Pläne wären ein Rückschritt
„Ich werbe für eine Kultur des Miteinanders, gerade in schwierigen Zeiten“, erklärte Minister Schneider. Denn Umweltschutz und Landwirtschaft seien aufeinander angewiesen. Erfolgreicher Umweltschutz gelinge nur gemeinsam mit der Landwirtschaft, denn die Hälfte der Fläche Deutschlands wird landwirtschaftlich genutzt. Umgekehrt brauchen auch die Landwirte aber auch intakte Natur, gesunde Böden und ein stabiles, erträgliches Klima, um ihre Ernten langfristig zu sichern. Der Minister stellte fest, dass die aktuelle EU-Agrarförderung hier bereits gute Fortschritte angestoßen habe. Jedoch würde der jetzt vorliegende Reformvorschlag der EU-Kommission einen Rückschritt bedeuten. Der Bundesumweltminister wolle sich in den Verhandlungen daher für Nachbesserungen einsetzen. Leistungen, die Landwirte für die Umwelt erbringen, müssten angemessen honoriert werden. EU-weite Mindest-Umweltstandards müssten weiterhin gelten, ebenso wie es einen Mindestanteil am Agrarbudget für Umweltmaßnahmen geben müsse. Dabei gelte es, regionale Schieflagen zu verhindern. Würden die aktuellen Vorschläge der EU-Kommission zu Degression und Kappung umgesetzt, würden die größeren Betriebe – gerade im Norden und Osten Deutschlands - deutlich Mittel verlieren. Hier müsse mehr Rücksicht auf die unterschiedlichen historisch gewachsenen Betriebsstrukturen genommen werden. Der Bundesumweltminister will dafür werben, dass das Geld in den Regionen bleibt.
Sein Kollege Alois Rainer ergänzte, dass die Gemeinsame Agrarpolitik ein Grundpfeiler der europäischen Einigung, und damit Stabilitätsanker und Standortfaktor sei. Deshalb hält es der Bundeslandwirtschaftsminister für wichtig, dass die GAP als eigenständiger Politikbereich erhalten bleibt, mit der ländlichen Entwicklung als integralem Bestandteil. „Wir setzen uns für eine GAP ein, die sich an der Realität auf den Höfen orientiert. Verlässlichkeit und Planungssicherheit heißen unsere Ziele, statt Bürokratie und Kontrolle. Nur so haben unsere Betriebe eine Zukunftsperspektive.“ Der Minister will sich für eine wirtschaftlich tragfähige und wettbewerbsfähige Landwirtschaft einsetzen, als Grundlage für die Ernährungssicherheit in Europa. Denn die Perspektiven der gemeinsamen Agrarpolitik seien nur vielversprechend, wenn es gelingt, wirtschaftliche, ökologische und gesellschaftliche Interessen miteinander zu verbinden.
Hintergrund:
Die aktuell geltende Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union ist mit rund zwei Milliarden Euro pro Jahr die größte Finanzierungsquelle für Natur-, Umwelt- und Klimaschutz in den Agrarlandschaften Deutschlands. Gerade in den letzten Jahren hat sie deutliche Verbesserungen für die Umwelt bewirkt.
Diese Errungenschaften sind nun gefährdet. Denn in ihrem ersten Entwurf für den Mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) für die Zeit ab 2027 und die EU-Agrarförderung von 2028 bis 2034 hat die Europäische Kommission, anders als bislang gültig, weder ein Mindestanteil für Umweltmaßnahmen in der Agrarpolitik noch europaweit verbindliche Umweltstandards vorgeschlagen. Die Mitte Juli 2025 vorgelegten Vorschläge der EU-Kommission sehen u. a. die Zusammenlegung vieler bisheriger Fonds in einem großen gemeinsamen Fördertopf für verschiedene Politikbereiche vor, in den auch die GAP eingeht. Damit ist gleichzeitig die Aufhebung ihrer bisherigen Zwei-Säulen-Struktur verbunden. In sogenannten „Plänen für national-regionale Partnerschaften“ (NRPP) sollen die Mitgliedstaaten auch die nationale Ausgestaltung der GAP festlegen. Für die GAP ist ein zweckgebundenes Mindestbudget vorgesehen, aus dem allerdings nicht mehr alle Maßnahmen der aktuellen GAP finanziert werden können.
Weitere Kongressthemen
In weiteren Panels diskutierten u.a. Elisabeth Werner, EU-Generaldirektorin für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, Eric Mamer, Generaldirektor der EU-Generaldirektion Umwelt DG ENV, Maria Noichl, Mitglied des Europäischen Parlaments, Prof. Dr. Peter Strohschneider, Vorsitzender des Strategischen Dialogs zur Zukunft der europäischen Landwirtschaft, Prof. Dr. Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamtes (UBA), sowie Miriam Staudte, Agrarministerin aus Niedersachsen die Frage, welche Perspektiven der neue GAP-Vorschlag für den Natur-, Klima- und Umweltschutz bietet und welchen Beitrag die neue GAP hier leisten kann. Außerdem wurden innovative Ansätze aus der Praxis vorgestellt, die zeigen, dass bereits gute Eigeninitiativen für mehr Umweltschutz existieren.
Das Schlusswort sprach schließlich BMUKN-Staatssekretär Jochen Flasbarth.
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