Wir halten immer noch nach

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
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Achten Sie einmal auf Ihre Reaktionen, wenn Sie dieses Wort lesen: NACHHALTIGKEIT.

Was haben Sie empfunden? Einen erhöhten Puls, Abneigung, Abwehr oder Aggressivität? Vielleicht aber auch Gelassenheit, Freude, gutes Gewissen oder Stolz? Die Reaktionen auf diesen Begriff sind so vielfältig wie wir Menschen es sind und das ist auch richtig so. Seit einem Jahr beschäftigen wir uns nun intensiv mit dem Thema Nachhaltigkeit und dem Schwerpunkt Biodiversität. Es gab kaum ein Editorial in den vergangenen Monaten ohne einen „nachhaltigen Bezug“. Nachhaltige Entwicklung heißt für uns, Umweltschutzgedanken gleichberechtigt mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu berücksichtigen. Zukunftsfähig wirtschaften bedeutet dann: Wir müssen unseren Kindern und Enkelkindern ein intaktes ökologisches, soziales und ökonomisches Gefüge hinterlassen. Das eine ist ohne das andere nicht zu haben.

Trotz enormer Abnutzungsgefahr ist der Begriff Nachhaltigkeit in der Mitte der Gesellschaft angekommen und dort auch fest verankert. Dabei ist es immer erstaunlich, dass nachhaltiges und verantwortungsvolles Handeln in den Köpfen von Politikern, Journalisten und Verbrauchern nicht in erster Linie mit Landwirtschaft und Gartenbau verknüpft wird. Hier finden diejenigen am ehesten Gehör, die am lautesten schreien. Auch die Unternehmen des Lebensmittelhandels suchen – besonders in krisengebeutelten Zeiten (EHEC, Pferdefleisch, Bio-Eier etc.) – nach Flankenschutz für die eigenen Unternehmensstrategien. Und Nachhaltigkeit ist eine hochmoderne Schutzmaßnahme, die natürlich nur funktionieren kann, wenn sie auf einer stabilen Grundlage basiert. Und diese Basis sind die Erzeuger und ihre Betriebe. Nun stellt sich für uns also die Frage, ob wir uns die Strategien des Handels aufdrücken lassen oder die Sache in die eigenen Hände nehmen. Die Fachgruppe Obstbau hat sich für den Weg der Aktivität entschieden. In seinem Artikel auf den Seiten 332 ff. beschreibt Dr. Gerd Palm den möglichen Weg vom Integrierten zum Nachhaltigen Obstbau. Wir erinnern uns: Auch bei der Einführung der kontrolliert Integrierten Produktion waren Protest und Kritik anfängliche Wegbegleiter. Die IP ist von Beginn an ein dynamisches System und wird stets an die aktuellen Ergebnisse und Erfahrungen aus Forschung, Entwicklung und Praxis angepasst. In dieser Dynamik wird die Fachgruppe Obstbau in den kommenden Monaten gemeinsam mit Dr. Gerd Palm die aktuellen Richtlinien des kontrolliert Integrierten Anbaus um alle wesentlichen und sinnvollen Aspekte der Nachhaltigkeit ergänzen. Auf dem Spielfeld der Nachhaltigkeit tummeln sich jedoch zeitgleich weitere Akteure: der Nationale Aktionsplan (NAP), die Leitlinien für einen integrierten Pflanzenschutz, unsere QS GmbH, sämtliche Verbraucher- und Umweltschutzverbände, der Lebensmitteleinzelhandel und noch viele Berufene und Unberufene mehr. Über die Spielberechtigung und Spielfähigkeiten der einzelnen Akteure können wir lange streiten. Das macht aber wenig Sinn, denn vom Platz stellen können wir niemanden. Aber zum Spielmacher müssen wir uns machen!

Bundespräsident Joachim Gauck hat in seiner Rede zur Europapolitik postuliert, dass Europa keine Bedenkenträger, sondern Bannerträger braucht. Und damit hat er grundsätzlich recht. Doch sind Träger von Bedenken in einem konstruktiven und lösungsorientierten Diskussions- und Entwicklungsprozess unverzichtbar. Bedenkenträger sollten ihre Bedenken aber nur so lange äußern, bis diese durch Wissen und Akzeptanz ersetzt werden konnten. Es ist unser Anspruch, dass der gesamte Berufsstand des deutschen Obstbaus hinter einem neuen nachhaltigen Konzept der kontrolliert Integrierten Produktion steht. Deshalb wird der Entwurf neuer IP-Richtlinien durch den Vorstand der Fachgruppe Obstbau in die
Regionen getragen, um dort unter Berücksichtigung der lokalen Belange weiter diskutiert und entwickelt zu werden. Danach wartet eine weitere große Herausforderung auf uns: die Kommunikation. Denn wir müssen unsere Positionen und Leistungen für jeden verständlich in die Öffentlichkeit tragen.

Den Verbrauchern, dem Lebensmitteleinzelhandel und der Politik werden wir deutlich machen, dass nachhaltiges Handeln kein Flankenschutz, sondern das wesentliche Motiv der deutschen Obstbauern ist. Wir sind in Sachen Nachhaltigkeit schon sehr viel weiter als viele denken.

Jens Stechmann                            Jörg Disselborg
- Bundesvorsitzender -                 - Geschäftsführer - 

Editorials

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„Am Ball bleiben“ bei laufenden Entwicklungen im Bereich der Anbautechnik, der EDV, bei rechtlichen Regelungen und in der Arbeitsorganisation – so muss die Devise lauten.

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
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Die Fachgruppe Obstbau fordert die Behörden und die Industrie auf, dringend Maßnahmen für eine tragfähige Zukunft des Zwetschen- und Pflaumenanbaus in Deutschland zu ergreifen – und zwar gemeinsam mit dem Berufsstand.

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
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Es wird eine gute Apfelernte in Europa und eine ordentliche Ernte für deutsche Erzeuger.

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
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…wird scheinbar derzeit das obstbauliche Versuchswesen in Rheinland-Pfalz.

Georg Boekels
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Ohne anderen zu schaden, könnte Bundesarbeitsminister Heil viel Gutes für uns tun.

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
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Jens Stechmann, Jörg Disselborg
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Erinnern Sie sich noch an Ihre erste Fahrt mit dem Traktor? Vielleicht mit dem Opa oder dem Vater? Haben Sie noch das Bild vor Augen, wie der Familienbetrieb zu Ihren Kindergartenzeiten aussah?

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
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Mit dem monatlichen Redaktionsschluss sollte auch der Leitartikel für die kommende Ausgabe geschrieben sein.

Jörg Disselborg
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Im Wettlauf um die Belegung der Regale im konzentrierten Lebensmitteleinzelhandel sind mehr als 50 Clubäpfel bzw. Markenäpfel am Start.

Helwig Schwartau
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Unsere Arbeit steht weiter im Fokus der gesellschaftlichen und politischen Debatte.

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
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Eine Delegiertentagung mit einer solchen Fülle weitreichender und richtungsweisender Entscheidungen hatte die Fachgruppe Obstbau schon lange nicht mehr.

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
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…wie es weitergeht in Deutschland.“ So hat die geschäftsführende Bundeskanzlerin Merkel das Scheitern der Sondierungsgespräche für eine Regierungskoalition aus CDU/CSU, den Grünen und der FDP kommentiert.

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
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