Wieder einmal Greenpeace… und Bündnis 90/Die Grünen können es auch nicht besser

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
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Fünf Jahre sind seit der letzten Attacke von Greenpeace auf den Obstbau vergangen.

Im Juli 2010 lautete die Schlagzeile „Johannisbeeren sind kleine Pestizid-Cocktails“. Die Kampagne war jedoch ein Reinfall, zeigte sie doch deutliche Widersprüche zwischen den reißerischen Behauptungen in der Presse und den zugrunde liegenden Untersuchungsergebnissen. So langsam haben wir uns schon Sorgen gemacht und nur darauf gewartet, dass von Hamburg aus mal wieder eine Kuh durchs Dorf getrieben wird. Vielleicht wurde es auch Zeit, erneut die Geldbeutel verunsicherter Verbraucher anzuzapfen. Ende Juni diesen Jahres war es dann endlich soweit. Greenpeace veröffentlichte einen Report mit dem Titel „Der bittere Beigeschmack der europäischen Apfelproduktion“ und war damit kurz im medialen Blickfeld. Diesmal ging es nicht um Rückst.nde auf Obst, sondern um Rückst.nde in Wasser und Boden. Aussagekraft und Relevanz dieser Studie müssen aufgrund zahlreicher Gründe stark angezweifelt werden. Und unsere deutschen Behörden haben dies auch getan. Kurz und knapp: Man kommt zum Schluss, dass die von Greenpeace gemessenen Werte nicht im entferntesten für eine Verbrauchergefährdung ausreichen könnten. Im zweiten Teil des Reports will Greenpeace dem Leser dann aufzeigen, wie eine ökologische Schädlingskontrolle im Apfelanbau aussehen könnte. Hätten sie im Vorfeld doch nur mit uns gesprochen! Dann wäre dem Verein schnell aufgefallen, dass der Großteil der vorgeschlagenen Maßnahmen bereits seit vielen Jahren im Rahmen des Integrierten Pflanzenschutzes auf unseren Betrieben Realität ist.

Wiederum erschreckend ist, dass Online-Portale, Zeitungen und Fernsehnachrichten die Greenpeace-„Enthüllung“ ohne den Hauch von Distanz zum Absender kopierten. Aber es gab Ausnahmen. Ein Redakteur des Stader Tageblattes kommt zu dem Schluss, dass Greenpeace als Angstmacher nur an der eigenen Spendenkasse Interesse hätte und Spiegel-Online kommentierte die Studie mit „Viel Drama um fast nichts.“ Greenpeace wird seiner Rolle als Neinsager einmal mehr gerecht. An Fragestellungen lösungsorientiert mitzuwirken, daran hat der Verein überhaupt kein Interesse. Es ist auch einfacher, sich als Angstmacher und Ermahner der Nation vor jeder Verantwortung zu drücken. Doch wer etwas bewegen will, der muss an Lösungen arbeiten. Von Greenpeace sind wir ja nichts anderes gewohnt, doch nun verhält sich auch eine Partei mit Regierungsverantwortung ähnlich verantwortungslos. Im Kampf der Grünen gegen die Zulassungserneuerung von Glyphosat müssen jetzt sogar stillende Mütter herhalten – eine Masche, die schon in den USA funktioniert hat. Diese Politik der Angstmacherei und Bevormundung darf nicht Stil einer demokratischen Partei sein. Wir wehren uns keinesfalls gegen neue Erkenntnisse, aber wissenschaftlich valide müssen sie schon sein. Es hängt zu viel für uns davon ab.

Es muss damit Schluss sein, dass die Öko-Karte als letztes Ass im Ärmel immer sticht. Dem gesunden Menschenverstand muss langsam klar werden, dass auch Nichtregierungsorganisationen zunächst ihre eigenen Interessen verfolgen. Warum hat dieser Lobbyismus einen Heiligenschein? Für das Geschäftsmodell, das vor allem Greenpeace die Existenz sichert, muss es immer kurz vor zwölf und die Menschheit muss dem Untergang geweiht sein. Die Zeit ist aber nicht stehen geblieben, wir leben noch – und zwar sorgenfreier, gesünder und länger als je zuvor. Die öffentliche Verklärung einiger Nichtregierungsorganisationen zu den Bewahrern der menschlichen Zukunft verhindert einen vernünftigen Umgang mit den tatsächlich und von Zeit zu Zeit auftretenden Verunreinigungen von Lebensmitteln. Dauernde Skandalisierung erzeugt ein Klima der Angst und macht im Laufe der Zeit blind für eine wirkliche Bedrohung. Nur eine offene Debatte kann den Blick für tatsächliche Verbesserungsmöglichkeiten schärfen. Sich einzugestehen, in wie vielen Bereichen es uns wirklich gut geht, das gehört zwangsläufig auch dazu.

Aus guten Gründen haben wir zum Greenpeace-Report keine Stellungnahme verfasst, sondern haben sofort den persönlichen Kontakt aufgenommen. Wenn Greenpeace was bewegen will, dann müssen sie vom Neinsager zum Wiesager werden – bestenfalls in konstruktiver Zusammenarbeit mit uns. Und die Grünen? Die nächsten Wahlen kommen sicher und das gilt dann auch für alle anderen.

Jens Stechmann                            Jörg Disselborg
- Bundesvorsitzender -                 - Geschäftsführer - 

 

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