Mit unserem Brandbrief im Juli haben wir die Frage gestellt: Wollen wir in Deutschland überhaupt noch heimisches Obst?
Die Resonanz in Medien, Öffentlichkeit und Politik war groß. Zeitungen, Radio und Fernsehen haben über die schwierige Situation des deutschen Obstbaus berichtet. Wir haben zahlreiche Interviewanfragen bekommen und viele Gespräche mit Politikerinnen und Politikern geführt. Unsere Schreiben an die Mitglieder des Bundestages und der Landtage sowie unsere gesonderten Anschreiben an SPD-Bundestagsabgeordnete haben zusätzliche Gespräche ermöglicht.
Dabei hat sich die Zusammenarbeit innerhalb der Bundesfachgruppe besonders bewährt. Bundesfachgruppe und Landesverbände haben eng zusammengearbeitet, Kontakte hergestellt, Interviews begleitet und unsere gemeinsamen Positionen in Öffentlichkeit und Politik getragen. Dafür danken wir allen Beteiligten.
Aber Wahrnehmung allein reicht nicht. Bislang gibt es noch keine konkreten politischen Lösungen für unsere drei zentralen Forderungen: Eine besondere Regelung beim Mindestlohn für Saisonarbeitskräfte, praxistaugliche Regelungen für die Beschäftigung von Arbeitskräften aus Drittstaaten und endlich Rechtssicherheit bei der sozialversicherungsfreien Beschäftigung.
Im Rahmen unserer Sommertagung vom 17. bis 19. August haben wir intensiv darüber beraten, wie es jetzt weitergeht. Die Entscheidung ist eindeutig: Wir müssen den politischen Druck aufrechterhalten!
Der Vorstand hat deshalb beschlossen, ein gemeinsames Kommunikations- und Aktionskonzept für die Wochen rund um das Erntedankfest zu erarbeiten. Wir wollen an diesem Termin mit den Landesverbänden erneut auf die wirtschaftliche Situation der deutschen Obstbaubetriebe aufmerksam machen und an öffentlichkeitswirksamen Orten nachdrücklich darauf hinweisen, dass politische Entscheidungen JETZT notwendig sind.
Gleichzeitig bleibt unser nächstes zentrales politisches Ziel ein Spitzengespräch mit dem Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat und dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales – möglichst auf Ministerebene und, nach Möglichkeit, unter Einbeziehung der Gewerkschaft. Dort wollen wir unsere drei Kernforderungen auf den Tisch legen und konkrete politische Lösungen erreichen.
Der Brandbrief war kein Selbstzweck. Er sollte Öffentlichkeit schaffen und politischen Handlungsdruck erzeugen. Das ist gelungen. Nun muss daraus konkretes politisches Handeln werden.
Unser Ziel haben wir noch nicht erreicht. Wir bleiben am Ball!
Über den Autor
Claus Schliecker, Vorsitzender der Bundesfachgruppe Obstbau und Joerg Hilbers, Geschäftsführer der Bundesfachgruppe Obstbau.
In den unzähligen Gesprächen mit Politikern, Behördenvertretern, der Industrie und mit Pressevertretern wird in diesen Wochen immer auch nach den Aussichten für die Obstsaison 2015 gefragt.
Große Enttäuschung, aufkommende Verzweiflung und endloser Frust – dies sind Reaktionen vieler Kolleginnen und Kollegen auf die bürokratischen Anforderungen des Mindestlohngesetzes.
Nun ist es auch amtlich. Das Statistische Bundesamt schätzt die deutsche Apfelernte für 2014 auf 1,12 Mio. t Äpfel und toppt damit noch die Rekordwerte aus 2000 und 2001.
12 Mio. Tonnen Äpfel, einschließlich einer Spitzenernte in Deutschland, Altlasten aus der Ernte 2013, ein Überhang an Überseeäpfeln und letztendlich das russische Embargo erschweren massiv den Start der Apfelsaison 2014/15.
„Wie geht’s dem Obstbau denn heute so?“ Eine häufig gestellte Frage im Vorbeigehen, die in der Vergangenheit ebenso im Vorbeigehen beantwortet wurde mit „Es geht so – schwierig, aber wir lassen uns nicht unterkriegen!“
Mit Wirkung vom 7. August 2014 hat Russland die Einfuhr bestimmter Lebensmittel aus der Europäischen Union, darunter auch Obst und Gemüse, für ein Jahr gestoppt.