Orientierung in bewegten Zeiten – Rückblick und Ausblick zum Saisonstart
Mit dem Ende dieses seit langem wieder einmal „richtigen“ Winters und dem Beginn der neuen Vegetationsperiode liegt eine intensive Zeit des Austauschs hinter uns.
Die Seminare in Grünberg, die Obstbautage der Landesverbände, die Norddeutschen Obstbautage und die Fruchtwelt, die Fruit Logistica und die Grüne Woche – sie alle waren auch in diesem Jahr wieder zentrale Treffpunkte unserer Branche. Und sie haben gezeigt, wie wichtig der persönliche Austausch ist – gerade in einer Zeit, in der sich die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen für den Obstbau spürbar verändern.
Ein Thema stand dabei besonders im Mittelpunkt: Die weiterhin stark steigenden Lohnkosten, die unsere arbeitsintensive Obstproduktion besonders treffen. Der Beschluss des CDU-Parteitags vom 21. Februar 2026 für eine Ausnahmeregelung beim Mindestlohn in der grünen Branche zeigt, dass die Politik unsere Situation sieht. Bis zur dringend notwendigen Umsetzung ist es aber noch ein weiter Weg. Wir stehen also weiterhin vor der Frage, wie sich Produktionsverfahren so weiterentwickeln lassen, dass sie langfristig wirtschaftlich bleiben. Entsprechend groß ist das Interesse an technischen Lösungen.
Im Erdbeeranbau wird weiterhin die Stellagenkultur im geschützten Anbau intensiv diskutiert. Neue Entwicklungen, besonders bei den Sorten und der Steuerungstechnik, verbessern nicht nur die Arbeitsproduktivität, sondern ermöglichen auch eine stabilere und besser steuerbare Produktion.
In der Apfelproduktion diskutieren wir seit Jahrzehnten über die Vor- und Nachteile der Fruchtwand. Wenn sich trotz aller Skepsis die Robotik doch entwickeln und bezahlen lässt und dabei jede Arbeitsstunde zählt, dann hat der besonders schmale Baum auf jeden Fall Vorteile. Klar ist: Technische Innovationen werden zunehmend zum entscheidenden Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit.
Auch der Pflanzenschutz bleibt ein zentrales Thema. Die Diskussionen um zukünftige Zulassungen und regulatorische Einschränkungen auf nationaler und europäischer Ebene sorgen für große Unsicherheit in den Betrieben. Zwar hat die vom Bundeslandwirtschaftsminister Rainer unter Leitung von Staatssekretär Schick eingesetzte Arbeitsgruppe den Stau in einigen Bereichen der Pflanzenschutzmittelzulassung erfolgreich abgearbeitet – jedoch mit einigen nicht praxistauglichen Auflagen. Uns fehlen für wichtige Indikationen auch weiterhin wirksame Mittel. Gleichzeitig arbeitet die Branche intensiv an alternativen Strategien, von robusten Sorten bis hin zu präziser und ressourcenschonender Anwendungstechnik. Entscheidend ist jedoch, dass die politischen Rahmenbedingungen die Realitäten der obstbaulichen Praxis berücksichtigen und den Betrieben Planungssicherheit geben.
Großes Interesse fand in diesem Winter auch die Diskussion um Agri-Photovoltaik. Eine aktuelle Studie des Thünen-Institutes bestätigt die Einschätzung der obstbaulichen Praxis: Die hohen Investitionskosten, die wirtschaftlichen Risiken und die derzeitigen Rahmenbedingungen machen einen breiten Einsatz aktuell nur sehr eingeschränkt attraktiv. Gleichzeitig hat die Diskussion neue Perspektiven aufgezeigt. Insbesondere moderne, KI-gestützte Speichertechnologien sind schon jetzt lukrativ für Obstbaubetriebe mit größeren PV-Anlagen, auch wenn die Module nicht über den Obstbäumen stehen. Sie können künftig eine wichtige Rolle spielen, um Energie effizienter zu nutzen und die betriebliche Eigenversorgung zu verbessern.
Die Veranstaltungen dieses Winters haben die große Innovationskraft unserer Branche gezeigt. Sie als Obstbauunternehmerinnen und Obstbauunternehmer stellen sich den Herausforderungen mit Sachverstand, Offenheit und unternehmerischem Mut. Diese Fähigkeit zur Anpassung war schon immer eine Stärke des deutschen Obstbaus.
Mit dem Beginn der neuen Saison richtet sich der Blick nun wieder nach vorn. Die Herausforderungen bleiben anspruchsvoll – aber die Werkzeuge, das Wissen und die technischen Möglichkeiten entwickeln sich weiter. Der deutsche Obstbau hat Zukunft. Und Sie gestalten diese Zukunft – mit jeder Entscheidung in Ihrem Betrieb.
Editorials
Orientierung in bewegten Zeiten – Rückblick und Ausblick zum Saisonstart
Mit dem Ende dieses seit langem wieder einmal „richtigen“ Winters und dem Beginn der neuen Vegetationsperiode liegt eine intensive Zeit des Austauschs hinter uns.
Kirschfruchtfliegen lesen keine Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung
Jahrhundertelang galten Kirschen aus dem Alten Land als garantiert madenfrei, während die Kollegen aus den anderen Kirschanbaugebieten Deutschlands mit der Kirschfruchtfliege kämpften.
Realismus in der Debatte
Der Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung aus dem Mai 2025 liest sich gut:
Obstbau hat Zukunft!
Liebe Obstbäuerinnen, liebe Obstbauern, liebe Leser,
mein Name ist Claus Schliecker, ich bin seit Mitte November neuer Vorsitzender der Bundesfachgruppe Obstbau
Liebe Berufskolleginnen und Berufskollegen
am 11. November findet die diesjährige Delegiertentagung der Bundesfachgruppe Obstbau statt.
Zuversicht ist Pflicht!
Mit einem sehr kritischen Kommentar einer erfahrenen und geschätzten Steuerberaterin aus dem Alten Land sind wir kürzlich darauf hingewiesen worden, dass uns das Zukunftsweisende häufiger fehlt und wir mehr Perspektiven aufzeigen sollten.
Hoffnung auf auskömmliche Preise und eine etwas verbesserte Stimmung
Zum zweiten Mal in Folge gibt es in Europa keine übermäßig große Apfelernte.
Vorerst keine Ausnahme beim Mindestlohn – was können wir tun?
Die von der gesamten grünen Branche geforderte Ausnahmeregelung beim Mindestlohn für die Sonderkulturen widerspricht laut Bundeslandwirtschaftsministerium dem Diskriminierungsverbot im Grundgesetz.
Bienenschutz-Paradox abgewendet: BVL ändert die Zulassung von Captan-Präparaten
Obstanlagen sind echte Hotspots für Wildbienen.
Vielversprechender Start der neuen Bundesregierung
Erst wenige Wochen ist die neue Bundesregierung im Amt.
Bisher wenig Frostschäden
Auch in diesem Frühjahr blühen bzw. fruchten unsere Obstkulturen früher als im Mittel der vergangenen Jahrzehnte.
Koalitionsverhandlungen: Gesetzliche Ausnahmeregelung zum Mindestlohn für den Obstbau notwendig
Am 8. März 2025 wurde das Sondierungspapier der voraussichtlich neuen Koalition von CDU/CSU und SPD veröffentlicht.