Wir hätten an dieser Stelle gerne geschrieben, dass sich die Lage für den Obstbau spürbar entspannt hat.
Dass sich die Märkte erholen, die politischen Rahmenbedingungen klarer werden und unsere Betriebe wieder mit mehr Zuversicht in die Zukunft blicken können.
Das können wir (noch?) nicht.
Die vergangenen Wochen haben vielmehr gezeigt, wie schwierig die Situation weiterhin für den Obstbau ist. Schwere Hagelschläge, sinkende Erzeugerpreise, Vermosten von gelagerten Tafeläpfeln, immer weiter steigende Produktionskosten und ungelöste politische Fragen setzen viele Betriebsleiter und ihre Familien unter erheblichen Druck. Wer heute Verantwortung für einen Obstbaubetrieb trägt, braucht nicht nur wirtschaftliche Stärke, sondern auch viel Durchhaltevermögen.
Wir beide geben zu: Manchmal macht sich auch bei uns Frustration breit. Nicht, weil wir den Einsatz scheuen – sondern weil trotz vieler Gespräche und großer Anstrengungen Veränderungen häufig nur langsam oder gar nicht sichtbar werden.
Aber Resignation wäre die falsche Antwort!
Vielleicht bekommen Sie vieles von unserer Arbeit nicht unmittelbar mit: In den vergangenen Wochen haben wir intensive und viele Gespräche mit politischen Entscheidungsträgern geführt, den Austausch mit Versicherern zum Thema Risikomanagement gesucht, Marktentwicklungen auch im europäischen Umfeld analysiert und bei den europäischen Verbänden Verbündete gesucht und gefunden. Über zwei öffentliche „Brandbriefe“ haben wir für Verbraucher und Lebensmitteleinzelhandel bzw. Bundestagsabgeordnete die aktuelle Situation des Obstbaus und den dringenden Handlungsbedarf öffentlich gemacht. Innerhalb unserer Branche informieren wir verstärkt über Podcasts.
Gleichzeitig bereiten wir das politische Fachgespräch auf unserer Sommertagung vor. Dort werden Vertreter aus Europäischer Politik, Pflanzenschutz, Wirtschaft und Verbänden gemeinsam über die Zukunft unserer Branche diskutieren. Die aktuellen europäischen Entwicklungen – etwa rund um den Food & Feed Omnibus – begleiten wir aufmerksam und bringen die Anliegen des Obstbaus dort ein, wo Entscheidungen vorbereitet werden.
All diese Gespräche lösen die Krise nicht über Nacht. Sie ersetzen keine auskömmlichen Preise und sie nehmen den Betrieben nicht die großen und für nicht wenige auch die existenziellen Sorgen. Aber sie sorgen dafür, dass die Stimme des Obstbaus gehört wird – und dass unsere Branche in den politischen und fachlichen Diskussionen nicht verstummt.
Obstbau ist und war nie ein Beruf für Menschen, die den einfachen Weg suchen. Unsere Kulturen wachsen über Jahre, oft über Generationen. Wer eine Obstanlage pflanzt oder einen Folientunnel baut, denkt nicht in Monaten, sondern in Jahrzehnten. Diese Haltung hat unsere Branche immer ausgezeichnet. Sie hat Frostjahre überstanden, Marktkrisen erlebt und politische Veränderungen ausgehalten. Nicht, weil sie leicht waren, sondern weil die Menschen im Obstbau nie aufgehört haben, nach vorne zu schauen. Und daran glauben, generationsübergreifend etwas Gutes zu tun, nämlich nachhaltig gesunde Nahrung zu produzieren.
Wir können die Krise heute nicht lösen. Aber wir können dem Obstbau eine Stimme geben und Wege aufzeigen.
Hören Sie jetzt den aktuellen Podcast „Hat der Deutsche Obstbau eine Zukunft?“
Über den Autor
Claus Schliecker, Vorsitzender der Bundesfachgruppe Obstbau und Joerg Hilbers, Geschäftsführer der Bundesfachgruppe Obstbau.
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