Nachhaltige Produktion von gesundem Obst in Mitteleuropa gefährdet

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
3009

Anlässlich der 21. Bundesarbeitstagung für Pflanzenschutzberaterin Grünberg

Anlässlich der 21. Bundesarbeitstagung für Pflanzenschutzberaterin Grünberg haben Wissenschaftler der Institute für angewandte Forschung im Obstbau vom KOB-Bavendorf (Bodenseeregion), der ESTEBURG
(Altes Land/Niederelbe) und dem Versuchszentrum Laimburg (Südtirol) davor gewarnt, dass der Obstanbau in Mitteleuropa durch wissenschaftlich unbegründete Forderungen (Wirkstoffanzahl,Ausschöpfung der Rückstandshöchstgehalte) von Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) gefährdet ist.

„Wenn man die Anzahl der Wirkstoffe begrenzt, steigt zwangsläufig durch die wiederholte Anwendung gleicher Mittel das Risiko der Entstehung von resistenten Schädlingen – ein bekanntes Phänomenin der Biologie“, erklärten die Wissenschaftler. Erste Resistenzen einzelner Schaderreger sind bereits nachgewiesen worden. „Wir müssen uns daher von dieser wissenschaftlich nicht haltbaren, kontraproduktiven Forderung lösen, wenn wir auch in Zukunft gesundes Obst zu verbraucherfreundlichen Preisen haben wollen. Die Begrenzung der Anzahl der Wirkstoffe verschärft das Problem des Pflanzenschutzes, anstatt es zu lösen“, postulierten die drei Obstbauinstitute grenzüberschreitend von Südtirol über die Bodenseeregion bis hin ins Alte Land bei Hamburg. Auch die Forderung nach einer Reduktion der Höchstgrenzen für Rückstände ist wissenschaftlich nicht haltbar. Laut den langjährigen Erhebungen der staatlichen Lebensmittelkontrolle und eigenen Untersuchungsergebnissen der Institute werden die gesetzlich festgelegten Rückstandsmengen grundsätzlich weit unterschritten.

Seit über 20 Jahren wird in Mitteleuropa Obst nach den Richtlinien des kontrollierten Integrierten Obstbaus angebaut. Die Richtlinien der Integrierten Produktion zielen auch auf eine Reduzierung der Rückstände auf dem Obst ab. Innovationen aus der Wissenschaft und intensive Beratung der Obstbauern haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten zu großen Fortschritten geführt. Die Pflanzenschutzmaßnahmen werden durch Beobachtungen und Prognosemodelle an die Erfordernisse angepasst. Zudem durchläuft jedes Pflanzenschutzmittel vor seiner Zulassung ein strenges Prüfverfahren, in dem seine Wirkung auf den Naturhaushalt, Mensch und Tier von unabhängigen Behörden eingehend untersucht wird. Für jeden Wirkstoff wird eine Rückstandshöchstmenge festgelegt, die auf und in pflanzlichen Lebensmitteln nicht überschritten werden darf und in allen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union gleichermaßen gilt. Im Zusammenhang mit der Erklärung der drei Forschungsinstitute hat die Fachgruppe Obstbau weitere Zielsetzungen, an denen wir konsequent weiterarbeiten:Die Definition und Festsetzung eines unteren Grenzwertes für die Laboranalytik, um den technischen Entwicklungen Rechnung zu tragen. Einheitliche Anforderungen des Lebensmitteleinzelhandels an die Produzenten und Vermarkter. Handlungsgrundlage muss die Erkenntnis sein, dass die gute fachliche Praxis bei vielen unserer Kulturen zwangsläufig zu Mehrfachrückständen führt. Erhalt der wissenschaftlich gesicherten und begründeten Rückstandshöchstgehalte. Abstimmung einer freiwilligen Vereinbarung, wie Laborschwankungen aufgefangen werden können. Wir unterstützen die auf den folgenden Seiten abgedruckte Erklärungdes KOB, der ESTEBURG und der Laimburg in vollem Umfang. Das Thema der augenscheinlich willkürlich festgelegten Restriktionen des LEH wird seitens der Fachgruppe Obstbau von Beginnan scharf kritisiert.

Wir sind den Instituten für ihr Engagement deshalb sehr dankbar. Die Erklärung der marktunabhängigen Forschungseinrichtungen verleiht unseren Argumenten zusätzliches auf und in pflanzlichen Lebensmitteln nicht überschritten werden darf und in allen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union gleichermaßen gilt.Im Zusammenhang mit der Erklärung der drei Forschungsinstitute hat die Fachgruppe Obstbau weitere Zielsetzungen, an denen wir konsequent weiterarbeiten:


• Die Definition und Festsetzung eines unteren Grenzwertes für die Laboranalytik, um den technischen Entwicklungen Rechnung zu tragen.
• Einheitliche Anforderungen des Lebensmitteleinzelhandels an die Produzenten und Vermarkter.
• Handlungsgrundlage muss die Erkenntnis sein, dass die gute fachliche Praxis bei vielen unserer Kulturen zwangsläufig zu Mehrfachrückständen führt.

Jens Stechmann                            Jörg Disselborg
- Bundesvorsitzender -                 - Geschäftsführer - 

Editorials

Editorials

Hallo, liebe Obstbäuerinnen und Obstbauern!

Als neuer Geschäftsführer der Bundesfachgruppe Obst grüße ich Sie erstmals herzlich.

Joerg Hilbers
4490
Editorials

Für ein starkes Europa

Die Wahl zum EU-Parlament ist auch für den Obstbau von besonderer Bedeutung, nicht nur aufgrund des Brexits und einer noch nicht geklärten Finanzplanung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) nach 2020.

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
3114
Editorials

Zukünftige Verfügbarkeit von Insektiziden im deutschen Obstbau

In dieser Ausgabe von OBSTBAU finden Sie einen Sonderdruck, der sich mit der Verfügbarkeit von Insektiziden für den Obstbau in Deutschland auseinandersetzt.

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
3132
Editorials

Artenvielfalt per Volksbegehren

Der Erfolg des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ in Bayern zeigt, dass sich Landwirte und Gärtner und der Rest der Bevölkerung noch fremder geworden sind.

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
3188
Editorials

Alle Kosten im Griff?

Einmal im Monat nehmen auch deutsche Obstbaubetriebe an der Erfassung des Geschäftsklimaindex Gartenbau teil (siehe OBSTBAU Seite 74, Heft 2/2018).

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
3248
Editorials

Gedanken zum Jahreswechsel

Ein Jahreswechsel ist auch immer Anlass, das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen und einen Blick nach vorne zu werfen.

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
3014
Editorials

Vielfalt schaffen, nutzen und erhalten

„Vielfalt statt Einfalt“, so heißt die neue Reihe, die Sie ab diesem Heft regelmäßig in unserer Fachzeitschrift OBSTBAU lesen können.

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
2984
Editorials

Wer bei Bildung spart, kann sich die Zukunft sparen

„Am Ball bleiben“ bei laufenden Entwicklungen im Bereich der Anbautechnik, der EDV, bei rechtlichen Regelungen und in der Arbeitsorganisation – so muss die Devise lauten.

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
2923
Editorials

5 vor 12 für deutsche Zwetschen und Pflaumen

Die Fachgruppe Obstbau fordert die Behörden und die Industrie auf, dringend Maßnahmen für eine tragfähige Zukunft des Zwetschen- und Pflaumenanbaus in Deutschland zu ergreifen – und zwar gemeinsam mit dem Berufsstand.

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
3026
Editorials

Die Alten sind ausverkauft und die Neuen schon am Start

Es wird eine gute Apfelernte in Europa und eine ordentliche Ernte für deutsche Erzeuger.

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
2921
Editorials

Gegen die Wand gefahren…

…wird scheinbar derzeit das obstbauliche Versuchswesen in Rheinland-Pfalz.

Georg Boekels
3175
Editorials

Minister Heil, kommen Sie zur Sache!

Ohne anderen zu schaden, könnte Bundesarbeitsminister Heil viel Gutes für uns tun.

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
3603
Anzeige