Es ist eine Frage der Geschlossenheit

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
2979

Alterntige Ware ist noch auf Lager und die allerersten Frühsorten sind gerade geerntet.

Allerorts wird schon längst über die Preispolitik der kommenden Saison diskutiert und spekuliert. Das Niveau dieser Diskussionen lässt dabei so manches Mal Sachverstand und Feingefühl vermissen. Vor allem vor dem Hintergrund der Frostschäden, unter denen viele Kolleginnen und Kollegen
leiden, sind Kommentare wie „Mit 60 Cent muss ein Erzeuger doch klarkommen“ oder „Wir können mit 10 Cent weniger als die Konkurrenz in den Markt einsteigen“ sowohl taktlos als auch kurzsichtig.

 

Nach drei mageren Jahren für die Apfelerzeuger präsentiert sich die Marktlage in Deutschland so heterogen, widersprüchlich und unübersichtlich wie schon lange nicht mehr. Gnadenloser Preisdruck seitens des Handels bei gleichzeitiger Unterversorgung des Marktes sind ein Phänomen der besonderen Art. Klar ist nur eines: Deutsche Äpfel bleiben gefragt. Die Frostnächte im April werden die gesamtdeutsche Ernte um einen wesentlichen Teil reduzieren. In der logischen Konsequenz könnte sich dies zu einer Unterversorgung auswachsen. Für die betroffenen Erzeuger wird es schwierig und der Markt und die Preise werden auf das knappe Angebot reagieren. Davon profitieren muss in erster Linie der Erzeuger – es zählt jeder Cent.

 

Die Diskussionen um die Marktmacht des Lebensmitteleinzelhandels sind weiter ein Dauerthema. Aber die Situation ist komplex und nicht immer sind die Discounter für Dumpingpreise verantwortlich. Die deutsche, zersplitterte Anbieterstruktur verstärkt den Druck auf den Absatz, denn der geringe Marktanteil des einzelnen Anbieters ist eine Schwäche. Es entsteht ein überzogener und oft völlig überflüssiger Wettbewerbsmarkt.

 

Internationale Gegebenheiten und Wetterkapriolen können wir nicht beeinflussen. Unser eigenes Produktions- und Marktverhalten und die Reaktionen auf Veränderungen am Markt können wir aber besser organisieren. Als Erzeuger haben wir es in der Hand, den Preiswettbewerb hin zu einem Qualitätswettbewerb zu führen. Instabile und schlechte Qualitäten, die schnell und billig verkauft werden müssen, sind dabei keine Hilfe. Das Verhalten der Vermarkter sollte nicht mehr von der Angst vor einer Auslistung geprägt sein. Standhaftigkeit ist das Gebot der Stunde.

 

Aussagen wie oben beschrieben, sind auch ein Ergebnis der falschen Sichtweise auf die Gesamtsituation. Auch wir von der Erzeugerseite müssen anfangen, die Betrachtungsweise vom Einzelbetrieb hin zu einer kooperativen Vermarktungsstrategie und einem einheitlichen Marktauftritt zu ändern.

 

Wir können nach vorsichtiger Einschätzung von einem weitestgehend robusten Markt 2017/2018 ausgehen. Wir erwarten von den Erzeugerorganisationen, Händlern und Bündlern ein diszipliniertes Marktverhalten – die jüngst entstandenen Chancen für einen stabilen Marktverlauf müssen genutzt werden. Und zwar deutlich zum Vorteil des Erzeugers! Aber der Fingerzeig auf andere reicht nicht. Auch auf Ebene der Erzeuger ist Selbstdisziplin gefragt. Wir haben es in der Hand, nicht untereinander ausgespielt zu werden. Insbesondere die Berufskollegen, die Positionen in den Entscheidungsgremien der Vermarktung besetzen, sind zu einem verantwortungsvollen Handeln aufgerufen.

 

Ob nun 60, 70 oder 80 Cent am Ende für den Erzeuger gut und ausreichend sind, ist nicht die Kernfrage. Ob durch einen geschlossenen Marktauftritt am Ende möglicherweise fünf Cent pro Kilo mehr drin gewesen wären, das ist die entscheidende Frage. Allen muss klar sein, dass die Betriebe am Limit sind. Die größte Last liegt auf dem Erzeuger und damit verbunden auch das komplette Risiko. Lagern bis zur neuen Ernte, MCP-Anwendungen, immer höhere Qualitätsansprüche und dass alles ohne entsprechende Wertschätzung der Kette. Wenn die Ware dann vom Erzeuger in andere Hände übergeht, findet der Preiskampf nur noch auf unserem Rücken statt.

 

 

Jens Stechmann                            Jörg Disselborg
- Bundesvorsitzender -                 - Geschäftsführer - 

 

Editorials

Editorials

Für ein starkes Europa

Die Wahl zum EU-Parlament ist auch für den Obstbau von besonderer Bedeutung, nicht nur aufgrund des Brexits und einer noch nicht geklärten Finanzplanung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) nach 2020.

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
3033
Editorials

Zukünftige Verfügbarkeit von Insektiziden im deutschen Obstbau

In dieser Ausgabe von OBSTBAU finden Sie einen Sonderdruck, der sich mit der Verfügbarkeit von Insektiziden für den Obstbau in Deutschland auseinandersetzt.

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
3032
Editorials

Artenvielfalt per Volksbegehren

Der Erfolg des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ in Bayern zeigt, dass sich Landwirte und Gärtner und der Rest der Bevölkerung noch fremder geworden sind.

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
3094
Editorials

Alle Kosten im Griff?

Einmal im Monat nehmen auch deutsche Obstbaubetriebe an der Erfassung des Geschäftsklimaindex Gartenbau teil (siehe OBSTBAU Seite 74, Heft 2/2018).

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
3122
Editorials

Gedanken zum Jahreswechsel

Ein Jahreswechsel ist auch immer Anlass, das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen und einen Blick nach vorne zu werfen.

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
2938
Editorials

Vielfalt schaffen, nutzen und erhalten

„Vielfalt statt Einfalt“, so heißt die neue Reihe, die Sie ab diesem Heft regelmäßig in unserer Fachzeitschrift OBSTBAU lesen können.

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
2909
Editorials

Wer bei Bildung spart, kann sich die Zukunft sparen

„Am Ball bleiben“ bei laufenden Entwicklungen im Bereich der Anbautechnik, der EDV, bei rechtlichen Regelungen und in der Arbeitsorganisation – so muss die Devise lauten.

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
2820
Editorials

5 vor 12 für deutsche Zwetschen und Pflaumen

Die Fachgruppe Obstbau fordert die Behörden und die Industrie auf, dringend Maßnahmen für eine tragfähige Zukunft des Zwetschen- und Pflaumenanbaus in Deutschland zu ergreifen – und zwar gemeinsam mit dem Berufsstand.

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
2919
Editorials

Die Alten sind ausverkauft und die Neuen schon am Start

Es wird eine gute Apfelernte in Europa und eine ordentliche Ernte für deutsche Erzeuger.

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
2831
Editorials

Gegen die Wand gefahren…

…wird scheinbar derzeit das obstbauliche Versuchswesen in Rheinland-Pfalz.

Georg Boekels
3070
Editorials

Minister Heil, kommen Sie zur Sache!

Ohne anderen zu schaden, könnte Bundesarbeitsminister Heil viel Gutes für uns tun.

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
3483
Editorials

Editorial

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
3112
Anzeige