Der Marktmacht ausgeliefert?
Außerdem berichten wir vom Prognosfruit-Kongress in Meran und der europäischen Kernobstschätzung für die nächste Saison. Auch die Kirschessigfliege, deren Fangzahlen aktuell explodieren, wird thematisiert. Und als ob uns Klimawandel, Kernobstmarkt und Kirschessigfliege nicht ausreichend Kopfschmerzen bereiten würden, besorgt uns eine aktuelle Marktstudie zur Konsolidierungswelle im europäischen Lebensmitteleinzelhandel (LEH). In einer aktuellen Branchenstudie prognostiziert die Unternehmensberatung Oliver Wymann grundlegende Strukturveränderungen im europäischen LEH. Eine Folge dieses Prozesses wird die weiter zunehmende Marktmacht gegenüber Lebensmittelherstellern und Produzenten. Das bereitet uns große Sorgen, denn der wachsende Druck auf die Erzeugerpreise wird durch die drohenden Preiskriege weiter zunehmen. 25 große Handelshäuser machen europaweit jeweils einen jährlichen Umsatz von mehr als zehn Milliarden Euro. Wymann geht davon aus, dass sich die Zahl der Anbieter bis zum Jahr 2025 halbieren wird und als Folge die Überlebenden deutlich wachsen. Zudem seien nur die Unternehmen des LEH zukunftsfähig, die sich einem länderübergreifenden Wachstumsprogramm bei absoluter Kostenführerschaft verschrieben haben. Neue Preissenkungsrunden stehen vor der Tür.
Wir Obstbauern produzieren Obst – gesundes Obst! Ohne einen direkten Ausgleich und auf eigene Rechnung leisten und garantieren wir durch unser Handeln noch sehr viel mehr:
• Wir bekennen uns zur integrierten Produktion.
• Unsere Dauerkulturflächen bieten nicht per se, sondern ausschließlich durch die Art der Bewirtschaftung wichtige Lebens- und Überlebensräume für Flora und Fauna.
• Wir gestalten durch unser Handeln attraktive und vielfältige Kulturlandschaften.
• Wir garantieren gesundes und sicheres Obst und zudem faire Arbeitsbedingungen für unsere Mitarbeiter. Wer deutsches Obst kauft, sichert auch Arbeitsplätze in Deutschland.
• Wir dokumentieren heutzutage nahezu jeden Schritt der Produktion und die Qualitätssicherungssysteme, wie unser QS System, gewährleisten eine schnelle Rückverfolgbarkeit.
Wir bemängeln zu Recht die fehlende Anerkennung für diese Leistungen. Das Image der Land- und Ernährungswirtschaft wird zunehmend schlechter, notwendige Akzeptanz geht verloren. Die genannten Vor- und Nebenleistungen gehören schon lange zu unserem Berufsbild und prägen das Selbstverständnis eines deutschen Obstbaubetriebes. In barer Münze wird uns dieses Engagement wohl nie komplett erstattet, aber wir verlangen eine Anerkennung in Form von Wertschätzung unserer Produkte und ein Bekenntnis zur deutschen Produktion – und auch einen höheren Preis.
Sonderstützungsmaßnahmen der EU können nur im Krisenfall helfen. Die Erlöse für die Erzeuger müssen steigen und dauerhaft auf einem Niveau bleiben, das auch Möglichkeiten für Innovation durch Investition und Wachstumschancen bietet. In anderen Wirtschaftszweigen, z. B. in der Automobilindustrie, sind solche Aspekte selbstverständlich. Insbesondere vor dem Hintergrund steigender Betriebskosten, aktuell vor allem für Beregnung und Löhne, ist die Preissituation existenzgefährdend. Wenn in anderen Ländern Unterstützungszahlungen für Nichternte oder Vernichtung von Obst im Vordergrund stehen, haben wir Verständnis für Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt, der gerade dies nicht will. Es kann aber nicht sein, dass Marktentlastungsmaßnahmen nur in den anderen EU-Ländern umgesetzt werden. Wir fordern deshalb eine vom Bundeslandwirtschaftsministerium finanziell getragene Absatzförderung und auch eine konsequente Öffnung neuer Drittlandmärkte in Asien und Südamerika als wichtiges Marktventil.
All diesen Herausforderungen zu begegnen erfordert viel Kraft, Zeit und geschlossenes Handeln. Auf die Konsolidierung des LEH am einen Ende der Wertschöpfungskette müssen wir uns am anderen Ende auch konsolidieren. Dies gilt für unsere Vermarktungseinrichtungen und für die Verbände. Wir verzichten auf so manchen Euro, weil wir strategisch nicht optimal aufgestellt sind und oft eben nicht gemeinsam agieren.
Nur eine starke Gemeinschaft hat die wirkliche Chance, von der Gesellschaft gehört und ernst genommen zu werden. Wer Einzelinteressen in den Vordergrund stellt, gießt nur Öl in das Feuer der gut organisierten Gegner. Dafür müssen wir auch vor der eigenen Verbandshaustür Veränderungsprozesse auf Landes- und Bundesebene anstoßen.
Jens Stechmann Jörg Disselborg
- Bundesvorsitzender - - Geschäftsführer -
Editorials
Liebe Berufskolleginnen und Berufskollegen
am 11. November findet die diesjährige Delegiertentagung der Bundesfachgruppe Obstbau statt.
Zuversicht ist Pflicht!
Mit einem sehr kritischen Kommentar einer erfahrenen und geschätzten Steuerberaterin aus dem Alten Land sind wir kürzlich darauf hingewiesen worden, dass uns das Zukunftsweisende häufiger fehlt und wir mehr Perspektiven aufzeigen sollten.
Hoffnung auf auskömmliche Preise und eine etwas verbesserte Stimmung
Zum zweiten Mal in Folge gibt es in Europa keine übermäßig große Apfelernte.
Vorerst keine Ausnahme beim Mindestlohn – was können wir tun?
Die von der gesamten grünen Branche geforderte Ausnahmeregelung beim Mindestlohn für die Sonderkulturen widerspricht laut Bundeslandwirtschaftsministerium dem Diskriminierungsverbot im Grundgesetz.
Bienenschutz-Paradox abgewendet: BVL ändert die Zulassung von Captan-Präparaten
Obstanlagen sind echte Hotspots für Wildbienen.
Vielversprechender Start der neuen Bundesregierung
Erst wenige Wochen ist die neue Bundesregierung im Amt.
Bisher wenig Frostschäden
Auch in diesem Frühjahr blühen bzw. fruchten unsere Obstkulturen früher als im Mittel der vergangenen Jahrzehnte.
Koalitionsverhandlungen: Gesetzliche Ausnahmeregelung zum Mindestlohn für den Obstbau notwendig
Am 8. März 2025 wurde das Sondierungspapier der voraussichtlich neuen Koalition von CDU/CSU und SPD veröffentlicht.
Geht’s jetzt richtig los?
Wir schreiben diesen Leitartikel heute, am 24. Februar 2025, dem Tag nach der spannenden Bundestagswahl.
Politikwechsel und Neustart?
Am 23. Februar 2025 wird eine neue Bundesregierung gewählt.
Mit Zuversicht und Unternehmergeist ins neue Jahr!
Mit dem Jahresbeginn jähren sich die Bauernproteste und Treckerdemos, die für die Fachgruppe Obstbau auch zu intensiveren Gesprächen mit der Bundespolitik geführt haben.
Liebe Obstbäuerinnen und Obstbauern, liebe Obstbauinteressierte
zum Ende eines aufregenden und durchwachsenen Obstjahres ziehen wir Bilanz.