Bessere Risikoabsicherung im Obstbau

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
580

Deutschlandweit gibt es keine Region ohne Frostschäden, doch die Schadensausmaße sind sehr unterschiedlich.

Je nach Lage, Kultur, Sorte und Schutzmöglichkeiten geht die Spannbreite von Totalausfällen bis hin zu Anlagen ohne Schäden. Es gibt einzelbetriebliche Katastrophensituationen, in denen den Kolleginnen und Kollegen schnell geholfen werden muss. Es ist insgesamt aber immer noch zu früh, seriöse Flächenangaben und entsprechende Schadenshöhen zu nennen. Mehr als verständlich ist natürlich der Ruf, dass Politik und öffentliche Hand nun helfen müssen. Baden-Württemberg hat bisher am schnellsten reagiert und finanzielle Unterstützungen für besonders hart betroffene Betriebe in Aussicht gestellt. Hierzu wurden die Frostereignisse durch das Landeskabinett bereits als Naturkatastrophe eingestuft. 

Auch auf unser Drängen hin prüft das Bundeslandwirtschaftsministerium, ob und inwieweit der Bund den betroffenen Betrieben helfen kann. Doch der Föderalismus gibt hier eine verfassungsrechtliche Verteilung der Kompetenzen vor. Grundsätzlich ist es Sache der Bundesländer, Hilfen bei Naturkatastrophen zu organisieren. Für Schäden in der Landwirtschaft gilt in Deutschland eine nationale Rahmenrichtlinie zur Gewährung staatlicher Hilfen zur Bewältigung von Schäden, die durch Naturkatastrophen verursacht wurden. Frostschäden können nach dieser Richtlinie zu maximal 80 % entschädigt werden, falls mehr als 30 % der durchschnittlichen Jahreserzeugung eines Betriebs zerstört wurden. Voraussetzung für Hilfen des Bundes ist die Einstufung des jeweiligen Frostereignisses als Katastrophe von nationalem Ausmaß. Doch erst nach Auswertung der tatsächlichen Schäden durch Abschätzung der Ernteverluste im Herbst, wird der Bund eine solche Einstufung vornehmen können. Seitens des Landwirtschaftsministeriums gibt es die verbindliche Zusage, dann auch schnell zu handeln.

Bürokratie hin oder her – es gibt Betriebe, wo sofortige Hilfe notwendig ist. Die Landwirtschaftliche Rentenbank hat ihr Liquiditätsprogramm entsprechend geöffnet. Auf Ebene der Bundesländer wird zudem auch über verschiedene Möglichkeiten steuerlicher Erleichterungen beraten. Der Bundesausschuss Obst und Gemüse und die Fachgruppe Obstbau führen laufend Gespräche und nutzen derzeit alle Gelegenheiten, den Weg für eine finanzielle Unterstützung besonders hart betroffener Betriebe schnell möglich zu machen. 

Wir sprechen aber nicht nur mögliche Soforthilfen an. Wichtig für den gesamten Berufsstand ist, dass wir aufgrund der aktuellen Ereignisse den Druck auf die Politik erhöhen müssen, um in den Punkten „bezahlbare Versicherungslösungen für alle Betriebe“ und „steuerfreie Rücklagemöglichkeiten“ zügig zu Ergebnissen zu kommen. Die Diskussionen dürfen wir nicht abflachen lassen! Insbesondere sollten wir den Bundestagswahlkampf nun auch für diese Themen intensiv nutzen:

• Der Bund muss im Herbst rasch zu einer Entscheidung kommen und auf Basis der Rahmenrichtlinie weitere finanzielle Unterstützung gewähren.

• Eine bezahlbare Versicherungslösung für alle Kulturen und alle Betriebe muss her. Bezahlbar wird diese durch eine staatliche Förderung. Hier dürfen wir auch keine Scheu haben, die Mittelverteilung innerhalb der GAP zu diskutieren. Was in anderen Ländern der EU möglich ist, nämlich eine Bezuschussung der Versicherungsprämien bis zu 65 %, muss auch bei uns in Deutschland möglich sein. 

• Unseren Betrieben muss zudem die Möglichkeit gegeben werden, in besseren Jahren steuerfreie Risikorücklagen bilden zu können.  

• Bewässerungsteiche, Tunnelanlagen, verstärkte Anwendung von Flies und Folie, stationäre und mobile Windanlagen sind Varianten eines gut aufgestellten Risikomanagements. Damit diese auch genutzt werden können, müssen die Akzeptanz- und Genehmigungsproblematik unter den neuen Erfahrungswerten diskutiert werden.

Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft und den Gartenbau müssen verstärkt Gegenstand neuer Forschungs- und Entwicklungsvorhaben werden. Es besteht kurzfristiger Handlungsbedarf, zu Beginn des nächsten Jahres muss das Konzept stehen. Ein weiteres Ausfalljahr würde vielen Familienbetriebe die Existenz kosten.

 

Jens Stechmann                            Jörg Disselborg
- Bundesvorsitzender -                 - Geschäftsführer - 

 

Editorials

Editorials

In dieser Ausgabe von OBSTBAU finden Sie einen Sonderdruck, der sich mit der Verfügbarkeit von Insektiziden für den Obstbau in Deutschland auseinandersetzt.

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
550
Editorials

Der Erfolg des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ in Bayern zeigt, dass sich Landwirte und Gärtner und der Rest der Bevölkerung noch fremder geworden sind.

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
638
Editorials

Einmal im Monat nehmen auch deutsche Obstbaubetriebe an der Erfassung des Geschäftsklimaindex Gartenbau teil (siehe OBSTBAU Seite 74, Heft 2/2018).

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
634
Editorials

Ein Jahreswechsel ist auch immer Anlass, das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen und einen Blick nach vorne zu werfen.

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
609
Editorials

„Vielfalt statt Einfalt“, so heißt die neue Reihe, die Sie ab diesem Heft regelmäßig in unserer Fachzeitschrift OBSTBAU lesen können.

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
571
Editorials

„Am Ball bleiben“ bei laufenden Entwicklungen im Bereich der Anbautechnik, der EDV, bei rechtlichen Regelungen und in der Arbeitsorganisation – so muss die Devise lauten.

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
529
Editorials

Die Fachgruppe Obstbau fordert die Behörden und die Industrie auf, dringend Maßnahmen für eine tragfähige Zukunft des Zwetschen- und Pflaumenanbaus in Deutschland zu ergreifen – und zwar gemeinsam mit dem Berufsstand.

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
567
Editorials

Es wird eine gute Apfelernte in Europa und eine ordentliche Ernte für deutsche Erzeuger.

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
534
Editorials

…wird scheinbar derzeit das obstbauliche Versuchswesen in Rheinland-Pfalz.

Georg Boekels
625
Editorials

Ohne anderen zu schaden, könnte Bundesarbeitsminister Heil viel Gutes für uns tun.

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
662
Editorials

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
660
Editorials

Erinnern Sie sich noch an Ihre erste Fahrt mit dem Traktor? Vielleicht mit dem Opa oder dem Vater? Haben Sie noch das Bild vor Augen, wie der Familienbetrieb zu Ihren Kindergartenzeiten aussah?

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
592
Anzeige