Beratung und Versuchswesen sind wichtige Produktionsfaktoren

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
2762

Unsere Arbeit steht weiter im Fokus der gesellschaftlichen und politischen Debatte.

Politik und insbesondere Wirtschaft und Handel stellen im Namen der Verbraucher hohe Anforderungen an Qualität, Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Es ist der Anspruch unserer Gesellschaft, sichere Lebensmittel mit hoher Qualität kaufen zu können, die verantwortungsvoll und im nachhaltigen Umgang mit Umwelt und Ressourcen produziert wurden. Aber um dies gewährleisten zu können, müssen sich unsere Leistungen auch in den Preisen für unsere Produkte widerspiegeln. Was ist das denn für ein Wirtschaftsmodell, wenn Gärtner und Landwirte allein die Kosten für die eingeforderten Weiterentwicklungen tragen sollen? Die notwendigen Investitionen müssen alle Partner bis hin zur Ladentheke mittragen. Gelingt das nicht, wird jede gesellschaftliche oder politische Forderung ins Leere laufen. Ein allgemeines Bekenntnis, wonach Lebensmittel mehr wert seien, reicht bei weitem nicht aus.

 

Wichtige Partner für unsere Betriebe sind unsere Berater, deren Empfehlungen auf den Ergebnissen eines unabhängigen, praxisorientierten Versuchswesens beruhen. Sie zeigen uns, welche Möglichkeiten es gibt, Produktionsstrukturen hinsichtlich der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Anforderungen zu optimieren. Beratung und Versuchswesen sind somit wichtige Produktionsfaktoren und die für die Organisation der Beratung zuständigen Bundesländer ein wesentlicher Teil unserer Produktionskette. Aber die Organisation der landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Beratung ist in Deutschland nicht einheitlich. Die Beratung unterliegt einem ständigen Wandel und muss sich anpassen, weil sich zum Beispiel auf EU-Ebene die Agrarpolitik ändert oder Verwaltungsreformen zur Einsparung von Haushaltsmitteln zwingen. Diesem Sparzwang könnte nun auch das Kompetenzzentrum Gartenbau in Klein-Altendorf zum Opfer fallen (bitte lesen Sie auch hierzu das Interview ab Seite 124). Das darf nicht passieren!

 

Der Strukturwandel in unserer Branche ist durch verschiedene Aspekte gekennzeichnet. Die Betriebszahlen nehmen bei steigender Flächenausstattung ab, die Zahl der Familienarbeitskräfte ist rückläufig und die Anzahl der Arbeitnehmer bzw. deren Bedarf steigt. Und nicht zuletzt hat uns das Jahr 2017 vor Augen geführt, dass eine diverse Aufstellung des Betriebes und eine geschickte Einkommenskombination und deren Absicherung immer wichtiger werden. Die im Nationalen Aktionsplan zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmittel skizzierten Ziele, die Düngeverordnung, die Wasserrahmenrichtlinie und vieles mehr geben weitere Hausaufgaben. Je komplexer die Aufgaben und Erwartungen werden, desto bedeutender wird die Beratung. Aber während angesichts all der gesellschaftspolitischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in unserem Land der tatsächliche Bedarf an Beratung steigt, wird das Angebot in den Ländern erheblich zurückgefahren. Es gibt durchaus einzelbetriebliche Fragestellungen, für die unsere Betriebe eine Unterstützung im privatwirtschaftlichen Raum suchen müssen. Doch wenn es um gesellschaftliche Interessen und politische Forderungen geht, muss dafür ein staatlich finanziertes und gefördertes Beratungsangebot zur Verfügung stehen.

 

Es kann nicht unsere Aufgabe sein, gesellschaftlich und politisch verursachte Probleme alleine zu lösen und diesen Prozess auch noch alleine zu finanzieren. Wir engagieren uns gerne und optimieren unsere Strukturen und Prozesse hinsichtlich Verbraucher-, Umwelt- und Naturschutz. Das kann nur gelingen, wenn diejenigen, die diese Anforderungen an uns stellen, auch ihren Teil dazu beitragen.

 

 

Jens Stechmann                            Jörg Disselborg
- Bundesvorsitzender -                 - Geschäftsführer - 

 

Editorials

Editorials

Wir sind im Gespräch…

Haben Sie am Freitag, dem 7. Februar 2020 die „heute show“ gesehen?

Jens Stechmann, Joerg Hilbers
2874
Editorials

Unsere Apfelverteilaktion am 7. März lebt vom Mitmachen!

All die vielen Diskussionen über die obstbauliche Krise, fehlende Wertschätzung unserer Früchte und gesellschaftliche Kritik an unserer Arbeit hatten ein Ergebnis: Wir müssen mit den Verbrauchern reden!

Jens Stechmann, Joerg Hilbers
2747
Editorials

»Das Leben gehört dem Lebendigen. Und wer lebt, muss auf Wechsel gefasst sein.«

Das sagte Johann Wolfgang von Goethe.

Jens Stechmann, Joerg Hilbers
2553
Editorials

Liebe Obstbäuerinnen und Obstbauern!

Das Jahr geht zu Ende und wie niemals vorher stand der Obstbau im Zeichen der gesellschaftlichen Debatte um Klimawandel und Umweltschutz.

Jens Stechmann, Joerg Hilbers
2705
Editorials

Dialog ist notwendig

Die notwendige gesellschaftliche Debatte zu Klimawandel, Umwelt- und Naturschutz wird leider auf vielen Ebenen unmittelbar und unsachlich mit unserer Obstproduktion verknüpft und stellt die Betriebe vor weitere enorme Herausforderungen.

Jens Stechmann, Joerg Hilbers
2845
Editorials

Zum Seminar nach Grünberg?

„Bildung ist nicht das Befüllen von Fässern, sondern das Entzünden von Flammen.“

Jens Stechmann, Joerg Hilbers
3348
Editorials

Den Widerspruch aufklären

Im erfolgreichsten Volksbegehren der Geschichte Bayerns „Rettet die Bienen“ forderten Anfang des Jahres innerhalb von zwei Wochen fast 1,8 Millionen Menschen ein Gesetz für mehr Umwelt- und Naturschutz.

Jens Stechmann, Joerg Hilbers
2728
Editorials

Drastische Unterschiede

Anfang August ist im Obstbau eine erste Vorabeinschätzung für den Erfolg oder Misserfolg des laufenden Wirtschaftsjahres möglich.

Jens Stechmann, Joerg Hilbers
3144
Editorials

Hallo, liebe Obstbäuerinnen und Obstbauern!

Als neuer Geschäftsführer der Bundesfachgruppe Obst grüße ich Sie erstmals herzlich.

Joerg Hilbers
4005
Editorials

Für ein starkes Europa

Die Wahl zum EU-Parlament ist auch für den Obstbau von besonderer Bedeutung, nicht nur aufgrund des Brexits und einer noch nicht geklärten Finanzplanung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) nach 2020.

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
2793
Editorials

Zukünftige Verfügbarkeit von Insektiziden im deutschen Obstbau

In dieser Ausgabe von OBSTBAU finden Sie einen Sonderdruck, der sich mit der Verfügbarkeit von Insektiziden für den Obstbau in Deutschland auseinandersetzt.

Jens Stechmann, Jörg Disselborg
2789
Anzeige