Fachgruppe

Dr. Annette Urbanietz

Wegweisend: Die Delegiertentagung 2012

„Wer die Leitartikel in unserer Fachzeitschrift liest, weiß, welche Schwerpunkte wir aktuell in der berufsständischen Arbeit bearbeiten“, stellte Jens Stechmann, Vorsitzender der Bundesfachgruppe Obstbau, in seinem Bericht anlässlich der Delegiertentagung fest.

    Fotos

  • Foto 2: „Mit Einführung der Integrierten Produktion haben wir unsere Produktionsbedingungen seinerzeit äußerst erfolgreich selbst gestaltet. Heute hat die Zeit uns eingeholt, ist beinahe dabei, uns zu überholen. Deshalb müssen wir das Zepter des Handelns wieder selbst in die Hand nehmen – meiner Ansicht nach im Bereich Nachhaltigkeit“, appellierte Dr. Palm, ESTEBURG obstbauzentrum Jork, an die Delegierten.
    Foto 2: „Mit Einführung der Integrierten Produktion haben wir unsere Produktionsbedingungen seinerzeit äußerst erfolgreich selbst gestaltet. Heute hat die Zeit uns eingeholt, ist beinahe dabei, uns zu überholen. Deshalb müssen wir das Zepter des Handelns wieder selbst in die Hand nehmen – meiner Ansicht nach im Bereich Nachhaltigkeit“, appellierte Dr. Palm, ESTEBURG obstbauzentrum Jork, an die Delegierten.
  • Foto 3: Mit der PR-Kampagne „Deutschland-Mein Garten“ stellte Dr. Christian Weseloh, neuer Geschäftsführer der Bundes-vereinigung der Erzeugerorganisationen (BVEO), dessen Kommunikationskonzept für deutschen Obst und Gemüse vor und diskutierte mit den Delegierten Ansätze für eine Beteiligung aller deutschen Obstbauern an der Kampagne.
    Foto 3: Mit der PR-Kampagne „Deutschland-Mein Garten“ stellte Dr. Christian Weseloh, neuer Geschäftsführer der Bundes-vereinigung der Erzeugerorganisationen (BVEO), dessen Kommunikationskonzept für deutschen Obst und Gemüse vor und diskutierte mit den Delegierten Ansätze für eine Beteiligung aller deutschen Obstbauern an der Kampagne.
  • Foto 4: Als erster und langjähriger Geschäftsführer des Landesverbandes Erwerbsobstbau Baden-Württemberg, des größten Landesverbandes innerhalb der Bundesfachgruppe Obstbau, kann Manfred Hofmeister (re.) auf eine lange und äußerst ereignisreiche Zeit der berufsständischen Arbeit zurückblicken. Anlässlich seiner letzten Delegiertentagung vor der Pensionierung zog Jens Stechmann ein kleines Fazit und dankte ihm für seinen engagierten Einsatz.
    Foto 4: Als erster und langjähriger Geschäftsführer des Landesverbandes Erwerbsobstbau Baden-Württemberg, des größten Landesverbandes innerhalb der Bundesfachgruppe Obstbau, kann Manfred Hofmeister (re.) auf eine lange und äußerst ereignisreiche Zeit der berufsständischen Arbeit zurückblicken. Anlässlich seiner letzten Delegiertentagung vor der Pensionierung zog Jens Stechmann ein kleines Fazit und dankte ihm für seinen engagierten Einsatz.
  • Foto 5: „Vergessen Sie nicht: kontrolliert Integriert zu produzieren gehört zum Begriff Nachhaltigkeit dazu“, mahnte Jürgen Mertz, Präsident des Zentralverbandes Gartenbau, in seinen Grußworten und gratulierte zu den weitreichenden Beschlüssen, die auf der Delegiertentagung 2012 gefasst wurden.
    Foto 5: „Vergessen Sie nicht: kontrolliert Integriert zu produzieren gehört zum Begriff Nachhaltigkeit dazu“, mahnte Jürgen Mertz, Präsident des Zentralverbandes Gartenbau, in seinen Grußworten und gratulierte zu den weitreichenden Beschlüssen, die auf der Delegiertentagung 2012 gefasst wurden.

Die Delegierten aus den einzelnen Landesverbänden haben sich am 27. und 28. November 2012 zu ihrer jährlichen Tagung in der Bildungsstätte Gartenbau in Grünberg zusammengefunden, um aus erster Hand aktuelle Informationen zur Arbeit der Fachgruppe zu erhalten und in die Landesverbände zu tragen. Als höchstes Gremium der deutschen Obstbauern kommen sie aber vor allem zusammen, um über wegweisende Entscheidungen für die Zukunft des Berufsstandes zu beraten und abzustimmen.

In seinem Bericht lobte der Vorsitzende die hervorragende Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung in Berlin, mit seinen drei Stellvertretern sowie dem gesamten Vorstand. „Wir ziehen alle an einem Strang. Das macht unsere Arbeit angenehm und sehr effektiv.“ Sehr wichtig sind ihm auch die Besuche in den Landesverbänden, um vor Ort zu erfahren, wo der Schuh drückt. Gespräche mit Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung hält Jens Stechmann für unumgänglich, um diesen Personenkreis für die Sorgen und Nöte des Berufsstandes zu sensibilisieren. Deshalb ermunterte er alle Obstbauern, Entscheidungsträger in die Betriebe zu holen. „Wir müssen ihnen zeigen, worauf die deutschen Obstbauern mit Recht sehr stolz sind und was der Obstbau für die Gesellschaft und die Kulturlandschaft bedeutet.“

 

Nationaler Aktionsplan

Eine große Rolle in der berufsständischen Arbeit nimmt traditionell der Pflanzenschutz ein. Großen Dank sprach der Fachgruppenvorsitzende in diesem Zusammenhang den Mitgliedern des Expertengremiums IP aus, die den Entwurf zum Nationalen Aktionsplan Pflanzenschutz der Bundesregierung (NAP) gründlich studiert haben. Ihre fachkompetenten Meinungen und Anregungen haben in den Stellungnahmen des Bundesausschusses für Obst und Gemüse, des ZVG und des Bauernverbandes eine wichtige Rolle gespielt. Jens Stechmann machte deutlich, dass es sich beim Nationalen Aktionsplan keinesfalls um eine Schikane der Bundesregierung handele, sondern um eine nach EU-Recht von jedem Mitgliedsstaat geforderte Maßnahme sei. Die Bundesfachgruppe Obstbau habe den langjährigen Prozess der Aktionsplanerstellung deshalb sehr intensiv begleitet und in Foren und Arbeitskreisen auf die Belange des Berufsstandes hingewiesen. Der vorliegende Entwurf stelle somit auch keine unüberwindbare Hürde für die Obstbauern dar. Die Fachgruppe Obstbau wartet nun darauf, ob Bund und Länder in Sachen Forschung und Beratung entsprechend der Vorgaben des NAP handeln werden.

 

Erfolgreiche Strategiepapiere

Ob Feuerbrandbekämpfung (die 2012 eine besondere Rolle gespielt hat), Bekämpfung der Kirschfruchtfliege und der Kirschessigfliege, oder auch die Regulierung von Blutlaus, Schildläusen und Wanzen: Es ist von großem Vorteil für die Gespräche mit Verantwortlichen in Verwaltung und Politik, wenn der Berufsstand im Vorfeld der Gespräche gemeinsam mit Pflanzenschutzexperten ein Strategiepapier erarbeitet. Das hat der herausragende Erfolg des Strategiepapieres zur Bekämpfung der Kirschfruchtfliege eindrucksvoll gezeigt: Mit der anstehenden Zulassung von Perfekthion stehen den Kirschanbauern zukünftig in Kombination mit dem bereits zugelassenen Mospilan zwei Mittel zur Verfügung, die zusammen eine erfolgreiche Bekämpfung dieses elementaren Schädlings ermöglichen. „Wir wollen nicht jedes Jahr aufs Neue über Notzulassungen und fehlende Behandlungsmöglichkeiten mit Behörden und Umweltverbänden diskutieren. Wichtig für die Betriebe ist eine langfristige Planungssicherheit“, machte Jens Stechmann deutlich. „BVL und BMELV haben immer betont, dass sie die vorgelegten Konzepte sehr zu schätzen wissen.“

 

Nachhaltigkeit – wichtiger Grundsatz für die Zukunft

Biodiversität und Nachhaltigkeit sind zwei Begriffe, die in letzter Zeit verstärkt in die Obstproduktion hineingetragen werden. „Oft ist der Handel treibende Kraft bei der Entwicklung der Konzepte. Dabei geht es nicht ohne uns Anbauer“, stellte Jens Stechmann fest. „Nachhaltige Produktion und Artenvielfalt sind Ziele, die wir aus vollem Herzen unterstützen. Jedoch wehren wir uns dagegen, dass uns entsprechende Konzepte einfach übergestülpt werden.“ Die Fachgruppe Obstbau arbeitet gemeinsam mit Partnern in ganz Deutschland an einem Projekt, das den Status Quo der Biodiversität in deutschen Erwerbsobstbauanlagen untersucht und beschreibt.

Dr. Gerd Palm, ESTEBURG Obstbauzentrum Jork, stellte den Delegierten seine
umfassenden Überlegungen zum Thema Nachhaltigkeitsstrategien im Obstbau vor. „30–40 % der Konsumen-ten richten ihren Lebensstil nach Gesundheit und Nachhaltigkeit aus“, erklärte er. „Mit Einführung der Integrierten Produktion haben wir unsere Produktionsbedingungen seinerzeit äußerst erfolgreich selbst gestaltet. Heute hat die Zeit uns eingeholt, ist beinahe dabei, uns zu überholen. Deshalb müssen wir das Zepter des Handelns wieder selbst in die Hand nehmen – meiner Ansicht nach im Bereich Nachhaltigkeit.“ Dr. Palm führte aus, welche Eigenschaften für ihn zu einer nachhaltigen Obstwirtschaft dazugehören und verdeutlichte, wie wichtig es ist, dass der deutsche Obstbau sich in dieser Produktionsfrage eindeutig und geschlossen positioniert. Ziel muss der langfristigen Erhalt und die Förderung der Existenzfähigkeit von obstbaulichen Betriebsstrukturen sein.

„Nachhaltigkeit ist ein Thema, das in der Öffentlichkeit breite Aufmerksamkeit erfährt. Aber wo wir doch eigentlich eigenständig handeln möchten, haben wir das Gefühl, an der Leine geführt zu werden“, fasst Jens Stechmann die augenblickliche Situation zusammen. „Wir dürfen uns aber nicht in verschiedenen Konzepten des Handels auseinanderdividieren lassen. Lasst uns unsere eigene Marschroute festlegen!“

Die Delegierten fassten deshalb den weitreichenden Entschluss, bis zum Sommer 2013 die Leitlinien zur Integrierten Obstproduktion entsprechend zu überarbeiten. Enthalten sein soll auch ein Kommunikationskonzept, wie die zukünftige Produktionsform den Verbrauchern vermittelt werden kann.

 

Wahlen und Ehrungen

Gerd Kalbitz wurde von den Delegierten in seinem Amt als stellvertretender Vorsitzender der Fachgruppe Obstbau einstimmig bestätigt. Damit heißen die drei Stellvertreter von Jens Stechmann auch zukünftig Franz Josef Müller, Norbert Schäfer und Gerd Kalbitz.

Mit der goldenen Ehrennadel des Zentralverbandes Gartenbau ehrte ZVG-Präsident Jürgen Mertz im Rahmen der Delegiertentagung Dieter Linden, langjährigen Delegierten und Vorstandsmitglied aus dem Rheinland, für seine außerordentlichen Verdienste um den gesamten gärtnerischen Berufsstand (s. Seite 60).

Und verabschiedet aus den Reihen der Delegierten hat sich der langjährige Geschäftsführer des Landesverbandes Erwerbsobstbau Baden-Württemberg, Manfred Hofmeister, der in Kürze in den Ruhestand treten wird.

Über den Autor

Dr. Annette Urbanietz, Bonn, E-Mail: urbanietz-obstbau@g-net.de

Herkunft

Dieser Artikel stammt aus Ausgabe 01/2013

Foto 1: Jens Stechmann, Vorsitzender der Bundesfachgruppe Obstbau, blickte auf ein erfolg- reiches Jahr 2012 in der berufsständischen Arbeit zurück. (Fotos: Urbanietz)

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