Fachgruppe

Dr. Annette Urbanietz

Rheinische Obstbauern stehen für regionale Produktion

Große Presseaktion in Richtung Verbraucher in Wachtberg-Kürrighoven

„Seit mittlerweile zwei Wochen werden hier im Rheinland Erdbeeren geerntet.“

    Fotos

  • Foto 1: Mit starker Präsenz zeigten die Obstbauern, wie wichtig ihnen dieses Anliegen ist.
    Foto 1: Mit starker Präsenz zeigten die Obstbauern, wie wichtig ihnen dieses Anliegen ist.
  • Foto 2: Katharina Quast (li.) stellte gemeinsam mit Schwester Friderike Schneider (re.) und Ehemann Johannes Quast den Betrieb vor.
    Foto 2: Katharina Quast (li.) stellte gemeinsam mit Schwester Friderike Schneider (re.) und Ehemann Johannes Quast den Betrieb vor.
  • Foto 3: Christiane Mager und Ferdinand Völzgen stellten dass extra konzipierte Faltblatt vor und luden zur nächsten Presseaktion für Kirschen ein: am 26. Juni um 11:00 auf dem Obsthof Felten in Meckenheim.
    Foto 3: Christiane Mager und Ferdinand Völzgen stellten dass extra konzipierte Faltblatt vor und luden zur nächsten Presseaktion für Kirschen ein: am 26. Juni um 11:00 auf dem Obsthof Felten in Meckenheim.
  • Foto 4: Große Zustimmung zollten die Obstbauern der Rede von Christiane Mager, die eine erfolgreiche Vermarktung als Grundvoraussetzung für den Fortbestand des Anbaus in der Region hervorhob.
    Foto 4: Große Zustimmung zollten die Obstbauern der Rede von Christiane Mager, die eine erfolgreiche Vermarktung als Grundvoraussetzung für den Fortbestand des Anbaus in der Region hervorhob.

„Aber wenn man in die Supermärkte der Region schaut, findet man diese Erdbeeren kaum. Stattdessen liegt dort Importware zu erstaunlich niedrigen Preisen, zu denen hier in Deutschland kein Obstbaubetrieb rentabel produzieren kann“, erklärte Ferdinand Völzgen, Vorsitzender der Fachgruppe Obstbau Bonn/Rhein-Sieg, am 15. Mai 2019 in seiner Begrüßung zur großen Presseaktion für regionales Obst, die die Obstbauern des Provinzialverbandes Rheinischer Obst- und Gemüsebauern – als Start für eine ganze Reihe solcher Aktionen – auf dem Betriebsgeländes von Schneider’s Obsthof in Wachtberg-Kürrighoven durchgeführt haben.

 

Er machte deutlich, dass der Verbraucher zwar Produkte aus regionaler Produktion wünsche und dies vom Lebensmitteleinzelhandel auch so beworben würde. Aber die Realität sehe anders aus: Immer weniger Obst aus regionalem Anbau finde seinen Weg in die Supermarktregale. Ziel der Aktion sei es deshalb, die Verbraucher über die Presse von diesem Umstand in Kenntnis zu setzen und sie aufzufordern, gezielt Obst aus regionaler Produktion im Handel nachzufragen.

 

„Der Konsum von regional erzeugtem Obst ist gelebter Klima- und Landschaftsschutz. Der Verkehr wird entlastet und klimaschädliches CO2 eingespart. Das ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern man schmeckt es auch“, verdeutlichte der Vorsitzende. „Denn heimisches Obst kann aufgrund der kurzen Wege genussreif geerntet werden.“ Allerdings hätten sich in der letzten Zeit Markmechanismen eingeschlichen, die bedenklich seien. Immer öfter würden im Supermarktregal die regionalen Produkte durch Früchte aus Osteuropa, Südeuropa, Peru oder Marokko verdrängt – und dass, obwohl dort häufig unter niedrigeren Sozial- und Umweltstandards produziert würde. Auf diese Weise werde den heimischen Anbauern immer weiter die Lebensgrundlage entzogen. „Wenn auch zukünftige Generationen noch in der Region frisches Obst erzeugen sollen, müssen wir jetzt aktiv werden“, erklärte Ferdinand Völzgen. „Wir möchten die Verbraucher als unsere Verbündeten gewinnen und ihnen unsere Produktion näherbringen.“

 

Mit Importware konkurrieren

Betriebsleiter Stefan Schneider, dessen Töchter Friderike und Katharina sowie Schwiegersohn Johannes Quast stellten den gastgebenden Betrieb vor, in dem genau diese Themen von essenzieller Bedeutung sind, denn für die nächste Generation stellt sich die Frage, wie der Betrieb auch in Zukunft wirtschaftlich erfolgreich produzieren kann. „In der Direktvermarktung haben wir die Möglichkeit, unseren Kunden zu erklären, warum wir wie wirtschaften und warum wir welche Preise für unsere Produkte verlangen müssen“, verdeutlichte Friderike Schneider. „Aber der größte Teil des Obstes in Deutschland wird im Supermarkt verkauft. Dort fehlt dieser direkte Zugang zu den Kunden.“ „Unsere größte Herausforderung ist es deshalb, mit den hiesigen Sozial- und Umweltstandards zu produzieren, dann aber im Supermarkt mit den Preisen für importierte Ware zu konkurrieren, die unter ganz anderen Standards angebaut wurde“, ergänzte Katharina Quast. Sie verdeutlichte das am Tagesverdienst eines Erntehelfers in Marokko, der bei gerade einmal 15 Euro liege, während ein Obstbaubetrieb im Mindestlohn-Land Deutschland jedem Erntehelfer rund 100 Euro Gehalt pro Tag zahle.

 

Regionalität ist gelebter Naturschutz

Dass viele Obstbaubetriebe sehr engagiert in Sachen Naturschutz aktiv sind, zeigte Monika Hachtel vom NABU. Mit mehr als 700.000 Mitgliedern ist er der größte Naturschutzbund Deutschlands – mit mehr Mitgliedern als so manche Partei im Bundestag. Sie berichtete, dass sie eine stetig steigende Zahl von IP-Betrieben in der Region in Sachen Naturschutz berate. Ob naturnahe Bewässerungsteiche, Blühstreifen, Schwalbennester, Steinhaufen für Mauswiesel oder Nistkästen für Turmfalken: Es gebe eine breite Palette von Maßnahmen, die bereits in vielen Betrieben umgesetzt würden. Über 200 ha Blühstreifen waren es im vergangenen Jahr allein im Rhein-Erft-Kreis – Tendenz weiter steigend. Regionalität ist für sie ein recht enger Radius um einen Verkaufsstandort, weniger ein Raum innerhalb von Landesgrenzen – denn z. B. am Niederrhein seien die Niederlande ja näher als Bayern. „Edeka definiert Produkte aus dem gesamten Norddeutschen Raum als regional. Ich bezweifele, dass dies von den Verbrauchern so gewünscht wird“, verdeutlichte sie.

 

Bienen brauchen Nahrung

Friedel Mirbach, Vorsitzender des Kreisimkerverbandes Bonn und Mitglied der Vereinigung der Bestäubungsimker, betonte, dass die Obstblüte im Frühjahr eine wichtige Nahrungsquelle für Bienen ist. Das Aufstellen von Bienenvölkern in den Obstanlagen sei also eine Win-win-Situation für Obstbauern UND Imker. Allerdings bräuchten die Bienen auch nach der Obstblüte ein Trachtangebot. Hierfür seien die Blühsteifen eine wichtige Maßnahme, damit die Völker nicht während des Sommers verhungern. Wichtig sei auch, dass die Völker regional verfügbar seien und nicht auf langen Strecken durch die Republik gekarrt würden. Dass die Anzahl Bienenvölker in Deutschland nach wie vor rückläufig sei, obwohl es wieder mehr Imker gebe, liege vor allem daran, dass viele junge Hobby-Imker oft nur wenige Völker betreuten. Insgesamt setze er auf eine Verbesserung in der Vernetzung von Obstbauern und Imkern. Denn wenn die Bienen nicht das ganze Jahr hindurch ein ausreichendes Nahrungsangebot bekommen, sterben die Völker – und das wäre für alle Beteiligten katastrophal…

 

Jungen Obstbauern eine Perspektive bieten

Christiane Mager, Vorsitzende des Netzwerks junger Obstbauern, zeigte auf, mit wieviel Enthusiasmus und neuen Ideen junge Obstbauern in den (elterlichen) Betrieb einsteigen – und wie wichtig das für die Obstbaubetriebe sei, denn Stillstand bedeute langfristig das Aus für einen jeden Betrieb. Aber um Freude am Obstbau zu haben und ihn weiter entwickeln zu können, müsse auch Geld verdient werden. Das falle zunehmend schwerer. „Jeder Verbraucher erwartet ganz selbstverständlich, dass wir deutschen Produzenten mit den höchsten Sozial- und Umweltstandards arbeiten. Doch dafür bezahlen wollen die wenigsten“, stellte sie fest und forderte ein klares „Ja“ zur heimischen Produktion. „Wir Obstbauern in Deutschland können nicht mit der günstigen Ware aus anderen Ländern mithalten. Aber hinterfragt denn keiner, was hinter den billigen Preisen steht? Werden Standards unwichtig, wenn die Produktion jenseits unserer Grenzen stattfindet?“ fragte sie. „Gerade im Zeitalter der Globalisierung tragen wir alle eine Verantwortung dafür, was wir konsumieren. Dafür müssen Verbraucher eindeutig erkennen können, wo das im Supermarkt angebotene Obst produziert wurde es und gezielt nachfragen. Denn nur wenn die Erzeugnisse von uns Obstbauern vom Verbraucher wertgeschätzt werden, hat der regionale Anbau eine Zukunft – und damit auch wir jungen Obstbauern.“

Über den Autor

Dr. Annette Urbanietz, Klein-Altendorf, E-Mail: urbanietz-obstbau@g-net.de

Herkunft

Dieser Artikel stammt aus Ausgabe 06/2019

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