Fachgruppe

Dr. Annette Urbanietz

Politik im Dialog mit der Fachgruppe Obstbau

Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, zu Gast bei der Bundesfachgruppe Obstbau

„Der deutsche Obstbau wird sich den Herausforderungen der Zukunft stellen.“

    Fotos

  • Foto 1: Angeregte Diskussionen in der Obstanlage: Jens Stechmann, Vorsitzender der Fachgruppe Obstbau und Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft. (Fotos: Urbanietz)
    Foto 1: Angeregte Diskussionen in der Obstanlage: Jens Stechmann, Vorsitzender der Fachgruppe Obstbau und Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft. (Fotos: Urbanietz)
  • Foto 2: Jens Stechmann appellierte an die Ministerin, für gleiche Produktionsbedingungen innerhalb der EU zu sorgen.
    Foto 2: Jens Stechmann appellierte an die Ministerin, für gleiche Produktionsbedingungen innerhalb der EU zu sorgen.
  • Foto 3: „Nachhaltigkeit ist das Zusammenspiel aus Ökologie, Ökonomie und sozialer Verantwortung“, verdeutlichte Ministerin Klöckner.
    Foto 3: „Nachhaltigkeit ist das Zusammenspiel aus Ökologie, Ökonomie und sozialer Verantwortung“, verdeutlichte Ministerin Klöckner.
  • Foto 4: Helmut Dammann-Tamke (li.) berichtete in seiner Rede, dass Niedersachsen für die nächste Förderperiode der GAP Mittel aus der 2. Säule für die Förderung einer Mehrgefahrenversicherung bereitstellen will.
    Foto 4: Helmut Dammann-Tamke (li.) berichtete in seiner Rede, dass Niedersachsen für die nächste Förderperiode der GAP Mittel aus der 2. Säule für die Förderung einer Mehrgefahrenversicherung bereitstellen will.
  • Foto 5: Auf dem Weg in die Obstanlage gab es Raum für weitere Gespräche: (v. li.) Jens Stechmann, Ministerin Klöckner und Christian Ufen, Vorsitzender Fachgruppe Gemüsebau.
    Foto 5: Auf dem Weg in die Obstanlage gab es Raum für weitere Gespräche: (v. li.) Jens Stechmann, Ministerin Klöckner und Christian Ufen, Vorsitzender Fachgruppe Gemüsebau.
  • Foto 6: Fototermin in  der Obstanlage (v. li.): Dr. Michael von Abercron, MdB, Oliver Grundmann, MdB, Dr. Marco Mohrmann, MdL, Helmut Dammann-Tamke, MdL, Ministerin Julia Klöckner und Fachgruppenvorsitzender Jens Stechmann.
    Foto 6: Fototermin in der Obstanlage (v. li.): Dr. Michael von Abercron, MdB, Oliver Grundmann, MdB, Dr. Marco Mohrmann, MdL, Helmut Dammann-Tamke, MdL, Ministerin Julia Klöckner und Fachgruppenvorsitzender Jens Stechmann.

Das verdeutlichte Jens Stechmann, Vorsitzender der Bundesfachgruppe Obstbau, beim Treffen mit Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft. Ministerin Klöckner war am 11. Mai 2021 im ESTEBURG Obstbauzentrum Jork im Alten Land zu Gast, um sich vor Ort über die Situation im Obstbau zu informieren. Gekommen waren auch weitere Mitglieder des Bundestages und des Niedersächsischen Landtages, so dass ein umfassender Austausch des Berufsstandes mit Vertretern der Politik stattfand.

 

Jens Stechmann betonte gegenüber der Ministerin, dass die deutschen Obstbauern alles daransetzen werden, um in Sachen Biodiversität, Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Klimaschutz und Produktsicherheit noch besser zu werden. Er stellte aber auch unumwunden fest, dass diese fortwährende Optimierung von Produktionsmethoden nur dann möglich sein wird, wenn die vielen Familienbetriebe rentabel wirtschaften können, sodass die Nachfolgegenerationen eine Perspektive haben. Dafür muss noch stärker in Forschung, Beratung und Ausbildung investiert werden.

 

Ohne Pflanzenschutz geht es nicht

Der Vorsitzende der Bundesfachgruppe Obstbau rief die Ministerin dazu auf, für gleiche Produktionsbedingungen innerhalb der EU zu sorgen, damit die Wettbewerbsnachteile deutscher Betriebe nicht zu einer Abwanderung der Produktion ins Ausland führen. Er nannte in diesem Zusammenhang die unterschiedliche Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln ebenso wie die Förderung von Risikomanagementmaßnahmen. Wenn die Betriebe nicht langfristige Perspektiven für einen wirtschaftlich erfolgreichen Anbau sehen, wird sich der demografische Wandel weiter beschleunigen und wertvolle Baumobstfläche würde zu Brachland oder Ackerland – mit fatalen Folgen für die Biodiversität.

 

Julia Klöckner verdeutlichte, dass es unsere Kulturlandschaft ohne den Menschen gar nicht geben würde. Und da jeder Acker, jede Obstanlage immer auch ein Wirtschaftsstandort sei, sei der Erhalt dieser Kulturlandschaft nur dann möglich, wenn die Betriebe wirtschaftlich arbeiten können. Dazu gehöre auch der Pflanzenschutz. Das bedeute aber nicht, dass nicht an der Menge und der Wirkstoffauswahl geschraubt werden müsse. „Auch wenn sich die Maßnahmen ändern – die Kulturpflanzen müssen gesund erhalten werden. Deshalb ist der Verzicht auf Pflanzenschutz keine Option“, betonte sie. In jeder Branche gebe es Vorreiter ebenso wie Solche, die gerne den Status Quo konservieren würden. Aber generell müsse man offen für Veränderungen sein, um zukünftige Herausforderungen erfolgreich zu meistern. Nachhaltigkeit bedeute für sie immer das Zusammenspiel aus Ökologie, Ökonomie und sozialer Verantwortung. Der niedersächsische Landtagsabgeordnete Helmut Dammann-Tamke, der auf Bundesebene Sprecher der Unionsfraktion der Länder ist, ergänzte, dass es auch keine Vorgaben zur Umstellung auf ökologischen Obstbau brauche. Denn wenn die Betriebe in dieser Kulturform eine Zukunft sehen, würden sie diese unternehmerische Entscheidung von ganz alleine treffen.

 

Eine langfristige Perspektive bieten

Jens Stechmann stellte dazu die Sondergebietsverordnung des Alten Landes als Vorbild für ähnliche Regelungen in anderen Anbaugebieten vor. „Hier haben sich alle Beteiligten, von der Politik über den Obstbau bis zum Umweltschutz, zusammengesetzt und Rahmenbedingungen erarbeitet, die allen Interessensgruppen gerecht werden“, verdeutlichte er. „So haben die Obstbauern in der Region eine langfristige und sichere Perspektive erhalten.“

 

Er hob in diesem Zusammenhang auch die beeindruckend hohe Biodiversität in Obstanlagen hervor, die Wissenschaftler in den letzten Jahren dort gefunden haben. „Es gibt in unseren Obstanlagen eine Vielzahl von Vögeln und Insekten, sogar solche, die auf den roten Listen stehen. Gibt es sie dort trotz oder wegen der Bewirtschaftung? Dies muss unbedingt weiter erforscht werden“, forderte er.

Die Ministerin honorierte explizit die bisherigen Leistungen des Obstbaus im Bereich Biodiversität und Umweltschutz und bekräftigte den Bedarf an weiterführender unabhängiger Forschung auf dem Gebiet.

 

Versicherung gegen Wetterextreme

In Bezug auf die von Jens Stechmann angesprochene Förderung einer Mehrgefahrenversicherung stimmte die Ministerin dem Fachgruppenvorsitzenden zu, dass für die zunehmende Gefahr, die Ernte durch Wetterextreme zu verlieren, derzeit in der Fläche keine bezahlbaren Versicherungslösungen bestehen. Ihr Ministerium habe die Problematik bereits intensiv diskutiert. Da es hier aber eine regional sehr unterschiedliche Betroffenheit gebe, seien dafür die Bundesländer zuständig. In der Neuauflage der GAP werde es in der zweiten Säule für die Bundesländer auch entsprechende Möglichkeiten geben. Derzeit wird eine Versicherung von Witterungsrisiken in Baden-Württemberg und Bayern finanziell gefördert. Helmut Dammann-Tamke als Vertreter des Niedersächsischen Landtages konnte berichten, dass sein Bundesland für die nächste Förderperiode der GAP Mittel aus der 2. Säule für die Förderung einer Mehrgefahrenversicherung bereitstellen will.

 

Saisonarbeitskräfte

Julia Klöckner griff außerdem das Thema Saisonarbeitskräfte auf. Sie wehre sich vehement gegen die Vorwürfe von organisierter Arbeitnehmerseite, dass im SAK-Bereich prekäre Arbeitsverhältnisse bestehen. „Wenn es wirklich so schlimm wäre, würden die vielen Helfer doch nicht Jahr für Jahr wiederkommen“, stellte sie fest. Sie warnte davor, ideologische Debatten auf dieser Ebene auszutragen. Es müsse mehr Respekt vor der Arbeit der anderen geben. „Die Verbraucher wünschen sich heimisches Obst zu günstigen Preisen, fordern dafür aber Löhne und Produktionsbedingungen, die das nicht gegenfinanzieren.“ Diesen Zielkonflikt müsse man klar benennen. „Die Betriebe sind keine Ausbeuter. Aber das ist schwere Arbeit, zu der deutsche Arbeitskräfte nur sehr begrenzt bereit sind. Deshalb sind die Betriebe auf Saisonarbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen.“ Allerdings werde es auch zukünftig keine Ausweitung der Dauer für kurzfristige Beschäftigungsverhältnisse geben.

 

Weiterführende Gespräche

„Wir wollen Landwirtschaft in Deutschland, wir brauchen sie. Deshalb müssen wir sie gemeinsam weiterentwickeln“, so das Fazit von Julia Klöckner. Dem konnten Jens Stechmann und alle anwesenden Vertreter von Politik und Berufsstand nur zustimmen und blieben auch nach der Abreise der Ministerin zu weiterführenden Gesprächen zusammen.

Über den Autor

Dr. Annette Urbanietz, Klein-Altendorf, E-Mail: urbanietz-obstbau@g-net.de

Herkunft

Dieser Artikel stammt aus Ausgabe 06/2021

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