Fachgruppe

Bernd Eckhoff

Obstbaupolitik und Pflanzenschutz

Präsidentenbesuch im Alten Land

Auf Einladung von Jens Stechmann, Vorsitzender der Bundesfachgruppe Obstbau, besuchten Prof. Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und Dr. Helmut Tschiersky-Schöneburg, Präsident des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), am 9.Mai 2012 das Obstbaugebiet im Alten Land.

    Fotos

  • Bild 2: Jens Stechmann, Vorsitzender der Bundesfachgruppe Obstbau (li.), diskutierte mit BfR-Präsident Prof. Dr. Dr. Andreas Hensel intensiv über die Notwendigkeit praktikabler Anwendungsbestimmungen und zügiger Genehmigung von geeigneten Pflanzenschutzmitteln in Notfallsituationen.
    Bild 2: Jens Stechmann, Vorsitzender der Bundesfachgruppe Obstbau (li.), diskutierte mit BfR-Präsident Prof. Dr. Dr. Andreas Hensel intensiv über die Notwendigkeit praktikabler Anwendungsbestimmungen und zügiger Genehmigung von geeigneten Pflanzenschutzmitteln in Notfallsituationen.
  • Bild 3: „Durch die in der Praxis häufig nicht gegebene Pflanzenschutzmittelvielfalt wird ein nachhaltiger Obst- und Gemüsebau verhindert“ verdeutlichten Jens Stechmann, Vorsitzender der Bundesfachgruppe Obstbau (Mitte rechts), und Gerhard Schulz, Vorsitzender der Bundesfachgruppe Gemüsebau (Mitte links), den Präsidenten Dr. Helmut Tschiersky-Schöneburg (BVL, li.) und Prof. Andreas Hensel (BfR, re.).
    Bild 3: „Durch die in der Praxis häufig nicht gegebene Pflanzenschutzmittelvielfalt wird ein nachhaltiger Obst- und Gemüsebau verhindert“ verdeutlichten Jens Stechmann, Vorsitzender der Bundesfachgruppe Obstbau (Mitte rechts), und Gerhard Schulz, Vorsitzender der Bundesfachgruppe Gemüsebau (Mitte links), den Präsidenten Dr. Helmut Tschiersky-Schöneburg (BVL, li.) und Prof. Andreas Hensel (BfR, re.).
  • Bild 4: „Wegen fehlender bzw. nicht mehr genug wirkender Pflanzenschutzmittel vernichtete die Blutlaus im vergangenen Jahr allein an der Niederelbe bei ‘Elstar’ Früchte im Wert von vier Millionen Euro“, erklärte Dr, Gerd Palm, OVA Jork (re.), dem Präsidenten des BVL, Dr. Helmut Tschiersky-Schöneburg (li.), beim Ortstermin in einer stark befallenen Apfelanlage.
    Bild 4: „Wegen fehlender bzw. nicht mehr genug wirkender Pflanzenschutzmittel vernichtete die Blutlaus im vergangenen Jahr allein an der Niederelbe bei ‘Elstar’ Früchte im Wert von vier Millionen Euro“, erklärte Dr, Gerd Palm, OVA Jork (re.), dem Präsidenten des BVL, Dr. Helmut Tschiersky-Schöneburg (li.), beim Ortstermin in einer stark befallenen Apfelanlage.

Jens Stechmann konnte damit auf der ESTEBURG in Jork gleich zwei an der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln beteiligte Institutionen in einem Praxisumfeld begrüßen: Das BVL ist u. a. für die nationale Zulassung von Pflanzenschutzmitteln in Deutschland zuständig, das BfR ist gemeinsam mit dem Julius Kühn-Institut (JKI) und dem Umweltbundesamt (UBA) Bewertungsbehörde.
Von Seiten der Bundesfachgruppe Obstbau war dieser Kontakt gesucht worden, um die nach wie vor in der Praxis fehlende Pflanzenschutzmittelvielfalt vor Ort darzustellen. „Für einzelne Indikationen fehlen geeignete und zugelassene Präparate sogar ganz“, verdeutlichte Jens Stechmann. „So wird ein nachhaltiger Obstbau verhindert bzw. einer Gefahr der Resistenzbildung bei den Schadorganismen Vorschub geleistet.“
Diskutiert wurde intensiv über die Notwendigkeit praktikabler Anwendungsbestimmungen und die zügige Genehmigung von geeigneten Pflanzenschutzmitteln für Notfallsituationen im Obstbau. In diesem Zusammenhang zu nennen sind u. a. die Bekämpfung der Kirschfruchtfliege oder aber des neuen Schädlings, der Kirschessigfliege, aber auch die Praxis im Umgang mit Blutlaus und Apfelwanze. In einer sehr stark mit Blutlaus befallenen Obstbauanlage in Jork wurden dessen Schadwirkung und die Schwierigkeiten bei der Bekämpfung demonstriert.
„Die Bemühungen von Erzeugern, Wirtschaft und Behörden zur Minimierung von Pflanzenschutzmittel-Rückständen zeigen Wirkung“, erklärte Dr. Tschiersky-Schöneburg mit dem Hinweis auf die Ergebnisse der Rückstandsuntersuchungen. Das BVL aber sehe die Problematik der Obstbauern, zumal der LEH seine eigenen, über den gesetzlichen Werten liegenden Handelstandards durchsetzen wolle und damit dem Obstbau keine Hilfe sei. Die Anträge des Obstbaus auf eine Ausnahmegenehmigung zur Bekämpfung der Blutlaus werden z. Zt. in Berlin geprüft, so der BVL-Präsident.
BfR-Präsident Prof. Dr. Dr. Hensel wiederholte seine bereits vor einem Jahr auf den Norddeutschen Obstbautagen in Jork getätigte Aussagen. „Die Lebensmittel sind geprüft und sicher. Das gilt selbstverständlich auch für das deutsche Obst.“ Dem Handel gehe es bei seinen Handelsstandards ja nicht um den Verbraucherschutz, vielmehr wolle man einfach nicht in einem Greenpeace-Bericht auftauchen. Beim Verbraucher stünden Lebensmittel eben an zentraler Stelle bei den persönlich empfundenen Risiken. „Dabei kennen wir keinen Fall in Deutschland, bei dem ein Verbraucher durch Rückstände von Pflanzenschutzmitteln auf Lebensmitteln wie Obst gesundheitlich beeinträchtigt wurde.“ Das eigentliche Risiko bei Lebensmitteln seien Pilze, Bakterien oder Viren, wodurch jedes Jahr fast eine Million Menschen erkranken, und zum Teil sogar sterben.“ Prof. Dr. Dr. Hensel regte an, dass dieses Thema auf wissenschaftlicher Ebene stärker in den Fokus genommen werden müsse und forderte mehr Verbraucheraufklärung. „Unser Obst können wir wirklich bedenkenlos genießen“ lautete die eindeutige Aussage der beiden Präsidenten.

Über den Autor

Bernd Eckhoff, Landvolk Niedersachsen, Kreisbauernverband Stade e.V., Bleichergang 12, 21680 Stade, Tel.: 04141 5191122, E-Mail: Eckhoff@Landvolk-Stade.de

Herkunft

Dieser Artikel stammt aus Ausgabe 06/2012

Bild 1: Ortstermin Pflanzenschutz im Alten Land

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