Fachgruppe

Dr. Annette Urbanietz

Obstbau überwindet alle Grenzen!

Sommertagung der Fachgruppe Obstbau im Raum Trier/Luxemburg

Jede Obstbauregion Deutschlands hat ihre ganz besonderen Gegebenheiten, Chancen und Belange. 

    Fotos

  • Foto 2: Norbert Schäfer, Vorsitzender der Fachgruppe Obstbau im Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau, dankte Gastgeber Stefan Samson (li.), dass er mit Hof und Mitarbeitern maßgeblich zum Gelingen der öffentlichen Vorstandssitzung beigetragen hat (Fotos: Urbanietz)
    Foto 2: Norbert Schäfer, Vorsitzender der Fachgruppe Obstbau im Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau, dankte Gastgeber Stefan Samson (li.), dass er mit Hof und Mitarbeitern maßgeblich zum Gelingen der öffentlichen Vorstandssitzung beigetragen hat (Fotos: Urbanietz)
  • Foto 3: In der Obstanlage des Betriebs Samson: Wolfgang Böser, VSSE (li.), Jens Stechmann, Vorsitzender der Fachgruppe Obstbau (3. v. li.), und seine Stellvertreter Franz Josef Müller (2. v. li.), Norbert Schäfer (4. v. li.) und Gerd Kalbitz (3. v. re.), Betriebsleiter Stefan Samson (2. v. re.), sein Berater Franz Josef Scheuer, DLR Rheinpfalz (4. v. re.), und der ehemalige Vorsitzende der Fachgruppe Obstbau, Gerhard Kneib (re.)
    Foto 3: In der Obstanlage des Betriebs Samson: Wolfgang Böser, VSSE (li.), Jens Stechmann, Vorsitzender der Fachgruppe Obstbau (3. v. li.), und seine Stellvertreter Franz Josef Müller (2. v. li.), Norbert Schäfer (4. v. li.) und Gerd Kalbitz (3. v. re.), Betriebsleiter Stefan Samson (2. v. re.), sein Berater Franz Josef Scheuer, DLR Rheinpfalz (4. v. re.), und der ehemalige Vorsitzende der Fachgruppe Obstbau, Gerhard Kneib (re.)
  • Foto 4: Betriebsbesichtigungen sind ein wichtiger Bestandteil der Sommertagung, damit die Vorstandsmitglieder regionale Unterschiede kennenlernen und gesamtdeutsche Lösungsansätze sachgerecht erarbeiten können
    Foto 4: Betriebsbesichtigungen sind ein wichtiger Bestandteil der Sommertagung, damit die Vorstandsmitglieder regionale Unterschiede kennenlernen und gesamtdeutsche Lösungsansätze sachgerecht erarbeiten können
  • Foto 5: Im Rahmen der Sommertagung bieten sich den Vorstandsmitgliedern vielfältige Möglichkeiten für ausführliche Gespräche
    Foto 5: Im Rahmen der Sommertagung bieten sich den Vorstandsmitgliedern vielfältige Möglichkeiten für ausführliche Gespräche
  • Foto 6: Betriebsleiter Nico Hoffmann-Gangloff berichtete auf einem Betriebsrundgang, wie er zum Obstbau gekommen ist und warum er in der Vermarktungsgemeinschaft R.O.L.T.-EWIV eine wirtschaftliche Perspektive für seinen Betrieb sieht
    Foto 6: Betriebsleiter Nico Hoffmann-Gangloff berichtete auf einem Betriebsrundgang, wie er zum Obstbau gekommen ist und warum er in der Vermarktungsgemeinschaft R.O.L.T.-EWIV eine wirtschaftliche Perspektive für seinen Betrieb sieht
  • Foto 7: R.O.L.T.-EWIV-Geschäftsführer Andreas Löbke berichtete, wie die Idee für die Vermarktungsgemeinschaft entstanden ist, wie sie heute funktioniert und welche wei-teren Schritte geplant sind
    Foto 7: R.O.L.T.-EWIV-Geschäftsführer Andreas Löbke berichtete, wie die Idee für die Vermarktungsgemeinschaft entstanden ist, wie sie heute funktioniert und welche wei-teren Schritte geplant sind
  • Foto 8: Francis Demesse, Direktor der Cactus-Obst- und Gemüsesparte Cafruta (4. v. li.), zeigte, wie es vor und hinter den Kulissen eines Cactus-Supermarktes in Luxemburg aussieht.
    Foto 8: Francis Demesse, Direktor der Cactus-Obst- und Gemüsesparte Cafruta (4. v. li.), zeigte, wie es vor und hinter den Kulissen eines Cactus-Supermarktes in Luxemburg aussieht.
  • Foto 9: Auf eine gute Zusammenarbeit und eine starke Partnerschaft begrüßten Jens Stechmann, Vorsitzender der Fachgruppe Obstbau (2. v. li.), und seine drei Stellvertreter Gerd Kalbitz (li.), Franz-Josef Müller (2. v. re.) und Norbert Schäfer (re.) den 1. Vorsitzender des VSSE, Wolfgang Böser (mi.) als neues Mitglied in der Fachgruppe Obstbau
    Foto 9: Auf eine gute Zusammenarbeit und eine starke Partnerschaft begrüßten Jens Stechmann, Vorsitzender der Fachgruppe Obstbau (2. v. li.), und seine drei Stellvertreter Gerd Kalbitz (li.), Franz-Josef Müller (2. v. re.) und Norbert Schäfer (re.) den 1. Vorsitzender des VSSE, Wolfgang Böser (mi.) als neues Mitglied in der Fachgruppe Obstbau

Jede Obstbauregion Deutschlands hat ihre ganz besonderen Gegebenheiten, Chancen und Belange. Sie alle berufsständisch zu vertreten ist die Aufgabe der Bundesfachgruppe Obstbau.

 

Um diese Unterschiede kennen zu lernen, ein Verständnis füreinander zu entwickeln und gesamtdeutsche Lösungsansätze zu erarbeiten trifft sich der Vorstand der Fachgruppe Obstbau jedes Jahr mit Gästen zur traditionellen Sommertagung in einer anderen Region Deutschlands.

Nachhaltigkeit und Pflanzenschutz, die Bedeutung von Regionalität und die EU-Agrarpolitik waren die dominierenden Themen der diesjährigen Tagung, die auf Einladung der Obstbauern des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau in der Region Trier-Luxemburg stattfand. „Unser Ziel ist es, für alle Obstbaubetriebe Rahmenbedingungen zu schaffen, die es ihnen ermöglichen, Obst langfristig machbar und rentabel zu produzieren“, machte Jens Stechmann, Vorsitzender der Fachgruppe Obstbau, in seiner Begrüßung deutlich. „Wir denken dabei nicht in Legislaturperioden, wir denken in Generationen. Deshalb ist Nachhaltigkeit für uns nicht nur eine leere Worthülse, sondern war schon immer Leitkultur des deutschen Obstbaus.“

Erstmals fand die öffentliche Vorstandssitzung am zweiten Tag mit Gästen aus Politik, Anbau, Verwaltung und Beratung nicht in einem Tagungsraum statt, sondern im Obsthof Samson in Merzkirchen-Rommelfangen. Zu Gast waren u. a. Dr. Thomas Griese, Staatssekretär im Rheinland-Pfälzischen Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten, die EU-Parlamentsabgeordnete Christa Klaß, Leo Blum, Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau und Dr. Günter Hoos, Leiter des DLR Rheinpfalz.

 

EU-Agrarreform und Pflanzenschutz

Dr. Thomas Griese lobte die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Obstbauern in der Region und wies ausdrücklich auf das wachsende Segment der Regionalvermarktung hin – ein Trend, der von der Landesregierung ausdrücklich unterstützt werde. Im Bezug auf die Umsetzung der EU-Agrarreform hätte er sich eine stärkere Ausgestaltung der zweiten Säule gewünscht. Er begrüßte aber, dass Dauerkulturen von der Pflicht, ökologische Vorrangflächen im Rahmen des sog. „Greening“ vorzuhalten, ausgenommen wurden. Staatssekretär Griese hält es für richtig, dass von EU-Seite ein Verbot für einige der Neonicotinoide erlassen wurde, die auch er für das Bienensterben verantwortlich macht. Dr. Hans-Dieter Stallknecht, Geschäftsführer des BOG, stellte im Namen des Berufsstandes fest, dass es keinen wissenschaftlichen Beweis dafür gebe, dass dieser kausale Zusammenhang gegeben sei. Vielmehr zeigten Untersuchungen im Rahmen des Deutschen Bienenmonitorings, dass für das Bienensterben andere Faktoren verantwortlich sind.

Nach intensiver Diskussion über die von Dr. Griese angesprochenen Themen gab Christa Klaß einen Überblick über die Ergebnisse der aktuellen EU-Agrarreform. Als Vizepräsidentin im EU-Ausschuss für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit und Mitglied im EU-Ausschuss für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung weiß sie um die enge Verzahnung von Umweltschutz und Landwirtschaft. Sie dankte dem ehemaligen Vorsitzenden der Fachgruppe Obstbau Gerhard Kneib ausdrücklich dafür, dass er ihr in der Diskussion viele Wege aufgezeigt habe. Sie betonte, wie wichtig es für alle Abgeordneten sei, möglichst viele Stimmen zu einem Thema zu hören. Deshalb sei ihr der Dialog mit den verschiedenen Fachsparten sehr wichtig. Die EU-Vorgaben seien auch keine starren Regelwerke, sondern eröffnen den Ländern eine Vielzahl von nationalen Spielräumen, die es auf Bundes- und Landesebene auszuschöpfen gelte. Bei dieser „Feinjustierung“ müssen auch die Verbände aktiv mitarbeiten, forderte sie.

Christa Klaß machte deutlich, dass kleinere Betriebe durch intensive aber umweltbewusste Bewirtschaftung wirtschaftlich erfolgreich sein könnten. Hierfür seien die Sonderkulturen besonders prädestiniert. Junge Betriebsleiter würden zukünftig besonders gefördert, um Anreize dafür zu schaffen, dass junge Menschen in den grünen Berufen eine Perspektive sähen.

 

Konkurrenzfähigkeit der Betriebe sichern

Norbert Schäfer, Vorsitzender der Fachgruppe Obstbau im Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau, wies ausdrücklich auf die wichtige Rolle von Versuchswesen und Beratung des DLR Rheinpfalz hin, die ein wesentlicher Erfolgsgarant für den Obstbau in der Region Trier-Luxemburg und ganz Rheinland-Pfalz sind. „Es kann nicht sein, dass die Anforderungen an die Betriebe immer weiter steigen, aber zeitgleich in der Beratung immer mehr Stellen eingespart werden. Wir brauchen eine neutrale Beratung. Dieser Bereich darf nicht allein von privaten Firmen abgedeckt werden!“

Leo Blum, Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, appellierte in seinen Grußworten an Staatssekretär Griese, die Konkurrenzfähigkeit der Betriebe auch nicht durch überzogene Regelungen im Bereich Pflanzenschutz zu schwächen, „denn wir sind gerne Vorreiter, aber es muss auch in realistischen Abständen eine Angleichung der Nachbarländer geben, sonst verlieren wir im internationalen Wettbewerb.“

 

Versuchswesen, Beratung und Anbau sind eng miteinander verzahnt

„Jeder Anbauer muss sich frei entscheiden können, ob er auf seiner Betriebsfläche Streuobst- oder Erwerbsobst-Flächen anlegen möchte“, erklärte Dr. Günter Hoos, Leiter des DLR Rheinpfalz, in seiner Gebietsvorstellung. In seinem Hause bestehe der Eindruck, dass sich einzelne Kulturen besser für den ökologischen Anbau eignen als andere. Deshalb sollen die, die eine flächendeckende ökologische Produktion einführen möchten, erst einmal sagen, wie
dies praktisch umsetzbar sei. Hierbei werde das DLR Rheinpfalz mit seinem Versuchswesen einen Beitrag leisten. Dr. Hoos wies darauf hin, dass die stetigen Veränderungen in Sortenspektrum und Anbausystemen zeige, dass sich die Betriebe immer wieder dem Markt anpassen – und das sei wichtig für deren wirtschaftliche Perspektive. Dazu gehöre jetzt und in Zukunft zwingend auch der Einsatz von Kulturschutzeinrichtungen. Um zu erforschen, wie dieselben so umweltgerecht wie möglich gestaltet werden, werden derzeit Versuche in Praxisbetrieben durchgeführt.

Dr. Günter Hoos zeigte anhand dieses Beispiels, wie wichtig das intensive Versuchswesen des DLR in Kooperation mit der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen für die Praxisbetriebe ist. Denn es leistet einen wichtigen Beitrag dafür, dass die Betriebe die vielfältigen Anforderungen an einen modernen und umweltgerechten Obstbau zeitnah und erfolgreich umsetzen.

 

Gemeinsam erfolgreich anbauen und vermarkten

Dass Norbert Schäfer seine Vorstandskollegen und Gäste gerade in die Region Trier-Luxemburg eingeladen hat, hat seinen Grund. „Der Obstbau war hier in der Region noch zu Beginn dieses Jahrhunderts im Niedergang begriffen. Dann haben sich die Obstbauern aus der Region Trier und aus Luxemburg zusammengeschlossen und mit Unterstützung von Beratern des DLR Rheinpfalz und der Firma CO CONCEPT die schlagkräftige Vermarktungsgemeinschaft R.O.L.T.-EWIV gegründet“, erläuterte er. R.O.L.T.-EWIV (Abkürzung für: Region Obst Lux/Trier – Europäische Wirtschaftliche Interessenvertretung) vermarktet seit zehn Jahren äußerst erfolgreich Obst aus der Region exklusiv über die familiengeführte Luxemburger Einzelhandelskette Cactus. Die Familienbetriebe dies- und jenseits der Luxemburger Grenze haben damit eine langfristige wirtschaftliche Perspektive erhalten, die es ihnen ermöglicht, von ihrem betrieblichen Einnahmen nicht nur zu leben, sondern auch zu expandieren. „Ein nachahmenswertes Beispiel, dass zeigt, welche Möglichkeiten sich für Betriebe in strukturschwachen Regionen ergeben können, wenn sie sich zusammenschließen und gemeinsam auch einmal um die Ecke denken und Grenzen überwinden“, stellte Norbert Schäfer fest.

Stefan und Korneleia Samson haben im Jahr 2009 aufgrund der positiven Absatzsituation den Schritt vom Neben- in den Vollerwerb gewagt und es nicht bereut!

Ihren Kollegen Nico Hoffmann-Gangloff auf Luxemburger Seite besuchten die Teilnehmer der Sommertagung am Nachmittag. Er hat durch die neue Vermarktungssituation Perspektiven im Obstbau gesehen und ist neu in den Obstbau eingestiegen. Mittlerweile baut er auf 19 Hektar Äpfel und Birnen an. Bei einem Rundgang durch die Obstanlagen konnten sich die Teilnehmer der Sommertagung vom ungebremsten Tatendrang des Neu-Obstbauern überzeugen. Leon Wietor, ASTA Luxemburg und R.O.L.T.-EWIV-Geschäftsführer Andreas Löbke erklärten vor Ort, wie die Idee für die Vermarktungsgemeinschaft und der Kontakt zu Cactus entstanden sind und wie die Zusammenarbeit heute abläuft.

Das Konzept „Obst aus regionaler Produktion“ ist bei der Einzelhandelskette Cactus sehr erfolgreich. Daher ist die Obstmenge, aber auch die Zahl der Obstarten, die die Obstbauern von R.O.L.T.-EWIV liefern, kontinuierlich gestiegen, wie Francis Demesse, Direktor der Cactus-Obst- und Gemüsesparte Cafruta, erläuterte. Nicht zuletzt deshalb, weil bei Cactus erst dann andere Ware in die Auslagen kommt, wenn die Früchte von R.O.L.T.-EWIV abverkauft sind. Ein Konzept, dass auch in deutschen Supermärkten Schule machen könnte!

 

Über den Autor

Dr. Annette Urbanietz, Bonn, E-Mail: urbanietz-obstbau@g-net.de

Herkunft

Dieser Artikel stammt aus Ausgabe 10/2013

Auf eine gute Zusammenarbeit und eine starke Partnerschaft

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