Fachgruppe

Martin Balmer

Im Zielkonflikt zwischen moderner Produktionstechnik und Naturschutz

Problemlage im rheinland-pfälzischen Obstbau

Aufgrund der klimatischen Begünstigung, der räumlichen Nähe zu Ballungsgebieten und traditionell kleiner Betriebsstrukturen spielen Sonderkulturen in der rheinland-pfälzischen Agrarwirtschaft eine große Rolle.

    Tabellen

  • Tab. 1: Verteilung des Baumobstes auf die rheinland-pfälzischen Anbauregionen (Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz, Stand 2017, bearbeitet)
    Tab. 1: Verteilung des Baumobstes auf die rheinland-pfälzischen Anbauregionen (Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz, Stand 2017, bearbeitet)
  • Tab. 2: Geschätzter Anteil von Baumobstflächen in Natura-2000-Gebieten und Naturschutzgebieten in den rheinland-pfälzischen Obstanbauregionen
    Tab. 2: Geschätzter Anteil von Baumobstflächen in Natura-2000-Gebieten und Naturschutzgebieten in den rheinland-pfälzischen Obstanbauregionen

    Grafiken

  • Abb. 1: Flächenverteilung der Obstarten in Rheinland-Pfalz (ha) (Quellen: Baumobsterhebung 2017, Stat. Landesamt Rheinland-Pfalz, Stand 2017, und Thünen Working Paper 100)
    Abb. 1: Flächenverteilung der Obstarten in Rheinland-Pfalz (ha) (Quellen: Baumobsterhebung 2017, Stat. Landesamt Rheinland-Pfalz, Stand 2017, und Thünen Working Paper 100)
  • Abb. 2: Ein Teil Rheinhessens, Beispiel für eine Region mit hohem Schutzgebietsanteil für den Obstbau (Maßstab 1:50.000, Quelle: https://geodaten.naturschutz.rlp.de/kartendienste_naturschutz/ vom 13.03.2020)
    Abb. 2: Ein Teil Rheinhessens, Beispiel für eine Region mit hohem Schutzgebietsanteil für den Obstbau (Maßstab 1:50.000, Quelle: https://geodaten.naturschutz.rlp.de/kartendienste_naturschutz/ vom 13.03.2020)
  • Abb. 3: Anbauregion Koblenz, Beispiel für eine Region mit geringem Schutzgebietsanteil für den Obstbau
    Abb. 3: Anbauregion Koblenz, Beispiel für eine Region mit geringem Schutzgebietsanteil für den Obstbau

Der Erwerbsobstbau ist dabei über das gesamte Bundesland auf mehrere Anbau
schwerpunkte verteilt:

• Im Süden die Pfalz (Obstbaubetriebe besonders in der Südpfalz und der Vorderpfalz),

• in der östlichen Mitte Rheinhessen,

• im Norden das Koblenz-Neuwieder Becken und die Grafschaft,

• im Westen breit gestreut die Mittel- und Obermosel.

 

Insgesamt beträgt die Obstfläche 5.023 ha, zusammengesetzt aus 3.990 ha Baumobst, 382 ha Strauchbeeren einschließlich Holunder und 651 ha Erdbeeren (Quelle: Destatis und Thünen Working Paper 100: Entwicklungen des Obstbaus in Deutschland von 2005 bis 2017: Obstarten, Anbauregionen, Betriebsstrukturen und Handel).

 

Der Apfel ist die flächenstärkste Obstart, als Gruppe zusammengefasst macht aber das Steinobst einen Anteil von nahezu 50  % der gesamten Obstfläche aus (s. Abb. 1). Aussagekräftige Zahlen zur regionalen Verteilung sind der Baumobstzählung 2017 des statistischen Landesamtes Rheinland-Pfalz zu entnehmen, auf die sich im Folgenden bezogen wird (s. Tab. 1).

 

Viele kleine Betriebe

Tabelle 1 zeigt, dass die Hälfte des rheinland-pfälzischen Obstanbaus in Rheinhessen angesiedelt ist. Die Pfalz fällt mit einer vergleichsweise hohen Betriebszahl und im Durchschnitt nur 3,93 ha je Betrieb ins Auge. Eine Besonderheit für das Land ist die große Anzahl an Vermarktern:

• Allein in der Pfalz sind zwei Genossenschaften aktiv,

• in Rheinhessen ist die VOG Ingelheim zentraler Vermarkter,

• die Obstvermarktung im Norden des Landes übernehmen Landgard sowie zwei große private Händler und

• im Raum Trier-Luxemburg hat sich mit EWIV R.O.L.T eine kleine, grenzübergreifende Vermarktungsinitiative gebildet.

 

Der Fortschritt in der Produktionstechnik macht auch vor dem rheinland-pfälzischen Obstbau nicht halt. So besteht, neben neuen Sorten und Anbausystemen, ein zunehmendes Interesse an Kulturschutzeinrichtungen wie Hagelnetzen, Folienüberdachung, Tunnelanbau etc. Dazu kommt, dass die meisten Gebiete im Regenschatten von Eifel, Hunsrück und Pfälzer Wald liegen und entsprechend unter Wasserknappheit leiden. Brunnen sind wenig ergiebig oder schlicht unwirtschaftlich. Vielfach wird deshalb Wasser aus dem öffentlichen Netz zugekauft. Das Wasser wird in der Regel wassersparend verteilt. Überkronenberegnungen zum Frostschutz sind nur selten zu finden.

 

Zum Aktionsprogramm Insektenschutz

Das im September 2019 auf den Weg gebrachte Aktionsprogramm Insektenschutz der Bundesregierung will die Lebensbedingungen für Insekten in Deutschland durch ein Maßnahmenbündel wieder verbessern, unter anderem durch ein beabsichtigtes Insektenschutzgesetz und „parallele Rechtsverordnungen mit Änderungen im Naturschutzrecht, Pflanzenschutzrecht, Düngerecht und Wasserrecht“. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln (PSM) und Bioziden soll deutlich verringert werden. Pflanzenschutzmittel und Biozide mit besonderer Relevanz sollen ab 2021 in ökologisch besonders schutzbedürftigen Bereichen verboten werden. Hierzu ist auch ein Verbot von Herbiziden sowie biodiversitätsschädigenden Insektiziden in FFH-Gebieten, Naturschutzgebieten, (…) und Vogelschutzgebieten mit Bedeutung für den Insektenschutz beabsichtigt. Dies wurde zum Anlass genommen, den Anteil des Obstbaus, der von diesen Gebieten in Rheinland-Pfalz abgedeckt wird, zu schätzen, damit sich Betriebe und Beratung auf die erwarteten Veränderungen einstellen können.

 

Methodik

Inzwischen bieten sich in Rheinland-Pfalz verschiedene Möglichkeiten, per Internet-Anwendung Flurkarten mit Zusatzinformationen in verschiedenen „Layern“ zu verschneiden. So hat Rheinland-Pfalz im Auftrag der Agrarministerkonferenz ein Informationssystem zur Bereitstellung von landwirtschaftlich relevanten Informationen aus dem öffentlichen Bereich erarbeitet: Die Geobox-Infrastruktur. Über den Geobox-Viewer, ein öffentliches Webangebot, lassen sich für den Obstbau georeferenzierte Informationen, wie zum Beispiel Liegenschaftskarten mit den Lagen und Umrissen der Obstanlagen, Luftbilder und topographische Karten, mit wichtigen Landschaftsstrukturen und Verkehrswegen aus unterschiedlichen Quellen ansehen (https://geoservice.rlp.de/GBV-RLP-Obst/). Bezogen auf Schutzgebiete bietet auch das Landschaftsinformationssystem der Naturschutzverwaltung LANIS diese Möglichkeit (www.naturschutz.rlp.de). In Kenntnis der Obstflächen in den Gemarkungen wurde der von Schutzgebieten nach dem „Aktionsprogramm Insektenschutz“ abgedeckte Anteil geschätzt.

Diese Schutzgebiete sind Naturschutzgebiete und Natura-2000-Gebiete (FFH-Gebiete und Vogelschutzgebiete) (s. Abb. 2 und 3).

 

Ergebnis

Wie Tabelle 2 zeigt, betrifft die Abdeckung durch Schutzgebiete im Sinne des Aktionsprogramms Insektenschutz die rheinland-pfälzischen Obstanbauregionen sehr unterschiedlich. Besonders stark ist die Abdeckung in Rheinhessen und in der Nordpfalz. Auf das ganze Land bezogen ergibt sich ein Abdeckungsgrad von 34 Prozent.

 

Fazit

Abgeschlossene und laufende Untersuchungen belegen für Rheinland-Pfalz den positiven Beitrag des Obstbaus für die Artenvielfalt. In manchem Fall hat die obstbauliche Bewirtschaftung sicher zur ökologischen Aufwertung von Landschaftsteilen und der Ausweisung von Schutzgebieten beigetragen. Der geschätzte Abdeckungsgrad von 34 % von Schutzgebieten in den obstbaulich genutzten Flächen in Rheinland-Pfalz ist sehr hoch.

Da zu den genannten Schutzgebieten noch weitere Bewirtschaftungseinschränkungen hinzukommen (z.  B. durch Pufferzonen, Landschaftsschutzgebiete, die schlechte Verfügbarkeit von Wasser und die Kleinstrukturierung), ist das Bemühen aller Beteiligten (d.  h. Erzeugern, Landwirtschafts- und Naturschutzverwaltung, Politik etc.) erforderlich, den Obstbau hier zu erhalten und ihm eine Zukunftsperspektive zu geben. Dies betrifft ganz speziell den Pflanzenschutz, den Bau von Kulturschutzeinrichtungen und die Möglichkeit der Bewässerung.

Über den Autor

Martin Balmer, DLR Rheinpfalz, Campus Klein-Altendorf 2, 53359 Rheinbach, Tel.: 02225 98087-22, E-Mail: Martin.Balmer@dlr.rlp.de

Herkunft

Dieser Artikel stammt aus Ausgabe 04/2020

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