Fachgruppe

Jörg Disselborg

34. Sommertagung der Fachgruppe Obstbau im Alten Land

Beeindruckende Einblicke in die Obstlandschaft im Norden Niedersachsens

Jedes Anbaugebiet hat ganz eigene spezielle Gegebenheiten, andere Herausforderungen und Lösungsansätze. Diese Unterschiede zu kennen, Hintergründe zu verstehen und ein entsprechendes Verständnis füreinander aufzubringen ist Grundlage der erfolgreichen Vorstandsarbeit in der Bundesfachgruppe Obstbau.

Deshalb findet bereits seit 1978 die traditionelle Sommertagung im jährlichen Wechsel in einer anderen Anbauregion Deutschlands statt. In diesem Jahr riefen die Kolleginnen und Kollegen aus dem Alten Land nach Stade und der Vorstand mit Eheleuten, zahlreiche Seniorinnen und Senioren und viele weitere Gäste folgten.

Apfelanbau im Norden
Das Alte Land stellt sich mit über 9.500 Hektar Baumobstfläche als ein eindrucksvolles Anbaugebiet in Deutschland dar. Seit mehr als 600 Jahren wird in der Region entlang der Elbe Obst geerntet. 90 Prozent davon sind Äpfel. Mit ca. 2.100 Voll-Arbeitskräften erreicht der Obstbau an der Niederelbe einen Wirtschaftswert von 120 Millionen Euro jährlich.  

Öffentliche Vorstandssitzung
Der Vorsitzende der Fachgruppe Obstbau Jens Stechmann freute sich über die vielen Berufskolleginnen und Berufskollegen aus dem Alten Land, die neben dem Bundesvorstand zum öffentlichen Teil der Sommertagung nach Stade kamen. Gerd Beckmann, Vorsitzender der Fachgruppe Obstbau im Niedersächsischen Landvolk, ging in seiner Begrüßung auch auf den Ursprung des Alten Landes als Obstbaugebiet ein. „Wasser steht im Alten Land ausreichend zur Verfügung. Dies ist ein großer Vorteil, weil es für die Frostschutzmaßnahmen und die Bewässerung unverzichtbar ist. Ein Nachteil ist es dann, wenn das Wasser einem integrierten Pflanzenschutz im Wege steht. Elbvertiefer versalzen uns das Wasser und das Umweltbundesamt macht uns das Leben mit einer Fülle an Auflagen schwer.“ Die Vertiefung der Elbe ist für die Kollegen im Alten Land noch mit viel berufsständischer und politischer Arbeit verbunden.
In Vertretung des Stader Landrates überbrachte Kreisbaurat Hans-Hermann Bode die herzlichsten Grüße des Landkreises. Mit dem Blick auf die Elbvertiefung hat der Obstbau nach seinen Worten aktuell eine ganz besondere Bedeutung im Landkreis. Im Kampf gegen negative Folgen der Elbvertiefung sicherte er den anwesenden Obstbauern die Unterstützung des Landkreises zu.
Werner Hilse, Präsident des Niedersächsischen Landvolkes, bedankte sich für die besonders gute Zusammenarbeit und sicherte den Obstbaukollegen zu, sich auch weiterhin für die Belange des Obstbaus einzusetzen.
Ehrengast und Hauptredner der Sitzung war Gert Lindemann, Minister für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung in Niedersachsen. In vielen Punkten seiner Rede sprach Lindemann den Obstbauern aus der Seele. Kritisch ging er mit Teilen des Entwurfes zum neuen Pflanzenschutzgesetz um: „Unsinnige Bürokratie und überzogener Verwaltungsaufwand sind unbedingt zu vermeiden.“ Auch zum Punkt der Behördenbeteiligung im Zulassungsverfahren von Pflanzenschutzmitteln kam der Minister schnell zum Kernpunkt: „Klar spreche ich mich für eine Gleichberechtigung der Behörden aus. Das Vetorecht des Umweltbundesamtes lehne ich strikt ab.“ Von Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner habe er eine entsprechende Umstrukturierung gefordert. Lindemann forderte alle Bundesländer auf, diese Änderung im Bundesrat gemeinsam einzufordern. Gut informiert ging Lindemann auch auf die Elbvertiefung und den Sondergebietsstatus des Alten Landes ein. Auch hier machte er deutlich, dass die Landesregierung auf Seiten des Obstbaus steht.   
Helwig Schwartau von der AMI GmbH aus Hamburg gab in seinen Ausführungen einen kurzen Rückblick auf Saison 2010/11. Zudem stellte er die EU-Ernteaussichten für 2011 vor und leitete daraus Rückschlüsse auf die Entwicklung des Marktes in der kommenden Saison ab. Aktuell lautet sein Fazit, dass der deutsche Apfelmarkt grundsätzlich optimistisch in die folgende Vermarktungskampagne gehen kann. Jedoch ist in der ersten Saisonphase mit einem erhöhten Angebotsdruck aus Italien und den Benelux-Ländern zu rechnen. Die Chancen für Exporte in den Osten Europas und die Erhöhung des Inlandsabsatzes betrachtet er als positiv.
 
Besuch des Obstbauzentrums ESTEBURG
Dr. Karsten Klopp, Leiter des Obstbauzentrums Esteburg, stellte die gelungene Symbiose aus Beratung, Forschung und Bildung an der Esteburg vor. Das Obstbauzentrum in Jork ist das Kompetenzzentrum für den Obstbau in Norddeutschland. Unter einem Dach finden sich hier der Obstbauversuchsring des Alten Landes e.V. (OVR), die Obstbauversuchsanstalt der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und der Öko Obstbau Norddeutschland Versuchs- und Beratungsring. Der OVR ist ein landwirtschaftlicher Beratungsring für den Erwerbsobstbau. Er wurde 1929 gegründet und ist damit der älteste Beratungsring seiner Art in Deutschland und der zweitgrößte in Europa. Der 1. Vorsitzende des OVR ist Jens Stechmann, zugleich Vorsitzender der Fachgruppe Obstbau. Für die vielen Fragen der Kollegen aus den anderen Anbauregionen Deutschlands standen neben Dr. Klopp auch sein Stellvertreter und Betriebswirtschaftsexperte Dr. Matthias Görgens, der Leiter des Beratungsteams Jörg Hilbers und der Betriebsleiter Michael Clever zur Verfügung.

Die ZIN-Züchtung in eigener Hand
Der Wunsch nach einer standortangepassten Apfelsorte für das Alte Land war Motivation zur Gründung der Züchtungsinitiative Niederelbe, kurz ZIN. Die zielgerichtete Züchtung nehmen die rund 190 Mitglieder der ZIN seit ein paar Jahren selbst in die Hand. Erste Ergebnisse stellte ZIN-Prokurist und PR-Mann Ulrich Buchterkirch auf dem Sortenprüffeld in Balje vor. Die ZIN wurde 2002 mit dem Ziel gegründet, langfristig eine privat finanzierte Apfelsortenzüchtung in Norddeutschland zu etablieren. Die Züchtungsarbeit erfolgt in enger Kooperation mit der Baumschule Carolus und den Fachgebieten Obstbau und Baumschule der Fachhochschule Osnabrück.
Die Obstbauern im Alten Land präsentierten sich den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Sommertagung als eine starke und geschlossene Gemeinschaft.

Über den Autor

Jörg Disselborg, Berlin, E-Mail: disselborg-obstbau@g-net.de

Herkunft

Dieser Artikel stammt aus Ausgabe 09/2011

Bild 1: Gastgeber und Ehrengäste freuten sich über eine gelungene Sommertagung 2011 (v. li.): Ulrich Buchterkirch, Gerd Beckmann, Minister Gert Lindemann, Vorsitzender Jens Stechmann, Hans-Hermann Bode und Werner Hilse.

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