Fachgruppe

Dr. Annette Urbanietz

Den Verbraucher vom Vorteil regionaler Produktion überzeugen

OBSTBAU sprach mit Ferdinand Völzgen, Bonn

Herr Völzgen, Sie haben als Vorsitzender der Fachgruppe Obstbau Bonn/Rhein-Sieg die Presseaktion für regionale Produkte (OBSTBAU berichtete in der Juni-Ausgabe) organisiert und standen als Redner und Moderator in erster Reihe. Wie war die Resonanz auf die Aktion?

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  • Foto 1: Ferdinand Völzgen
    Foto 1: Ferdinand Völzgen

Es war eine rundum gelungene Sache. Über 100 Berufskollegen waren gekommen und boten den ebenfalls zahlreich erschienenen Pressevertretern genau das Umfeld, dass diese für ihre Berichterstattung brauchten. Vom Bonner Generalanzeiger über die Bonner Rundschau und die Westfälische allgemeine Zeitung bis hin zu den regionalen Anzeigenblättern wurde über unsere Aktion berichtet. Und auch der WDR war mit einem Fernsehteam vor Ort und berichtete – wenn auch arg zusammengeschnitten – in der Lokalzeit und in der Aktuellen Stunde über unsere Anliegen.

 

Was war die genaue Motivation der Rheinischen Obstbauern für diese Presseveranstaltung?

Es wird für uns immer schwieriger, unser Obst zu angemessenen Preisen an den Lebensmitteleinzelhandel zu verkaufen. Angemessene Preise heißt für mich, dass wir für unsere Arbeit auch fair bezahlt werden.

 

Stattdessen wird in den Supermärkten Importware zu Preisen verramscht, bei denen wir nicht mithalten können. Das liegt vor allem daran, dass die Sozialstandards und Produktionsbedingungen in den Herkunftsländern einen so günstigen Anbau ermöglichen, dass die Produkte trotz der anfallenden Transportkosten immer noch günstiger sind als wir sie hier in der Region produzieren können.

 

Wir wollen uns diesem Schicksal nicht einfach so ergeben und unsere Betriebe aufgeben. Wir glauben, dass der Verbraucher ein Recht hat, zu erfahren, wo die qualitativen Unterschiede zwischen regional erzeugtem Obst und der importierten Ware aus Südeuropa oder Übersee liegen. Denn nur wenn den Verbrauchern diese Unterschiede gegenwärtig sind, können wir seine „Geiz-ist-Geil“-Mentalität durchbrechen. Wir Obstbauern wollen sie motivieren, regionale Produkte im Lebensmitteleinzelhandel gezielt nachzufragen – auch wenn diese etwas mehr kosten.

 

Die Veranstaltung war also erst der Auftakt?

Ja, natürlich! Die Veranstaltung auf Schneider’s Obsthof war der Anfang zu einer ganzen Reihe von Aktionen. Wir wollen die Verbraucher auf unsere Probleme aufmerksam machen und ihnen vor Augen führen, wie wir produzieren und warum wir angemessene Preise für unsere Produkte bekommen müssen. Wenn wir das den Kunden in unserem Hofladen erklären, sind sie mit uns schnell d‘accord. Was uns noch fehlt, ist ein Forum, um auch mit allen anderen Verbrauchern in gleicher Weise in Dialog zu treten.

 

Für den 26. Juni ist übrigens schon die nächste Veranstaltung auf dem Obsthof Felten in Meckenheim in Planung, diesmal unter dem Motto: „Deutsche Kirschen – sind Ihr Geld wert!!!“

 

Soll die Kirschenaktion nach dem gleichen Muster ablaufen?

Nein. Der Fokus dieser zweiten Veranstaltung wird viel stärker beim Verbraucher liegen. Wir wollen möglichst viele Menschen über die lokalen Zeitungen dazu einladen und hoffen, dass sie auch zahlreich dieser Einladung folgen werden. In und vor der eingenetzten und überdachten Süßkirschanlage des Betriebs Felten wollen wir den Verbrauchern – und auch der Presse – demonstrieren, welche Anstrengungen wir Obstbauern unternehmen, um gesunde und qualitativ hochwertige Kirschen zu produzieren. Die Verbraucher sollen erfahren, dass bei der Produktion von importierten Kirschen Pflanzenschutzmittel wie Dimethoat eingesetzt werden, die bei uns verboten sind. Und dass eine Produktion, bei der ohne diese Mittel gearbeitet wird, viel aufwändiger und deshalb auch teurer ist. Während der Aktion werden auch die Erntehelfer in der Anlage Kirschen pflücken.

 

Wir hoffen, dass wieder genauso viele Berufskollegen kommen werden wie beim letzten Mal, denn nur dann sind wir wirklich überzeugend. Das gleiche gilt übrigens auch für die Presse – sie ist ja letztlich das Sprachrohr für unsere Botschaften.

 

Als Redner sind Dr. Silke Benz vom Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer NRW und Bernhard Burdick, Gruppenleiter Ernährung der Verbraucherzentrale NRW Düsseldorf geladen. Frau Dr. Benz wird über die Herausforderungen und den Nutzen einer Produktion unter Foliendach mit Einnetzung sprechen. Und Herr Burdick hat bereits in verschiedenen Veröffentlichungen darauf hingewiesen, dass „wer saisonale Lebensmittel aus der Region kauft, nicht nur besondere Frische und Geschmack bekommt, sondern auch die lokalen Produzenten unterstützt und zugleich etwas für den Klima- und Umweltschutz tut.“

 

Ihre Aktion kann Vorbild für ganz ähnliche Veranstaltungen in ganz Deutschland sein. Sind sie schon mit Obstbauern in anderen Regionen im Gespräch?

Wir sind überzeugt, dass ein Umdenken in der Bevölkerung nur dann gelingen kann, wenn diese Initiative auf ganz Deutschland überschwappt und sich die verschiedenen Regionen so gut vernetzen, dass wir zeitgleiche Aktionen planen und auch durchführen. Vielleicht sogar auf zentralen Plätzen in den Großstädten der Republik? Das wäre unser Ziel! Durch die Berichterstattung in der Fachpresse sind bereits Obstbauern aus anderen Regionen an uns herangetreten. Wir hoffen, es werden immer mehr und sie machen in ihren Regionen ganz ähnliche positive Erfahrungen wie wir sie hier im Rheinland momentan machen.

 

Also wäre der Apfel die nächste Kultur, die im Fokus steht?

Im Sommer ist es für uns Anbauer in der Tat schwierig, frühe Sorten wie ‘Delbarestivale‘ im Lebensmitteleinzelhandel zu platzieren. Die Konkurrenz mit vorjähriger Lagerware und Übersee-‘Gala’ bzw. ‘Braeburn‘ ist dann häufig zu stark.

 

Aber noch viel wichtiger wäre derzeit eine Aktion für Himbeeren, denn es gibt im Moment ein Handelsunternehmen, das den deutschen Markt ganzjährig mit Himbeeren aus allen Herren Länder überschwemmt, sodass deutsche Beeren als Saisonware kaum noch konkurrenzfähig sind. Hier besteht dringender Handlungsbedarf!

Über den Autor

Dr. Annette Urbanietz, Klein-Altendorf, E-Mail: urbanietz-obstbau@g-net.de

Herkunft

Dieser Artikel stammt aus Ausgabe 08/2019

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