Fachgruppe

Joerg Hilbers

Delegiertentagung 2020

Ausbildung, Pflanzenschutz sowie Arbeit und Soziales standen im Mittelpunkt der virtuellen Tagung – weiterer Schwerpunkt Öffentlichkeitsarbeit folgt im Januar

Wie jedes Jahr trafen sich auch 2020 wieder die Delegierten der Landesverbände zur Delegiertentagung der Bundesfachgruppe Obstbau – jedoch Corona-bedingt dieses Jahr nicht in Grünberg, sondern virtuell.

    Fotos

  • Foto 1: Intensive Diskussionen zur Runderneuerung der Ausbildungsverordnung Gärtner, Fachrichtung Obstbau, mit Markus Bretschneider, BIBB (1. v. li, Reihe 2)  und Larisa Chvartsman, ZVG (1. v. li., Reihe 4).
    Foto 1: Intensive Diskussionen zur Runderneuerung der Ausbildungsverordnung Gärtner, Fachrichtung Obstbau, mit Markus Bretschneider, BIBB (1. v. li, Reihe 2) und Larisa Chvartsman, ZVG (1. v. li., Reihe 4).
  • Foto 2: In der Schwerpunktveranstaltung Pflanzenschutz stand Rita Lauterbach-Hemman, Referats leiterin Pflanzenschutz im BMEL (2. v. re., Reihe 5), den Delegierten ausführlich Rede und Antwort, Dr. Adrian Engel (1. v. li., Reihe 1) berichtete über PSM-Rückstände auf Import-Obst, Uwe Harzer (3. v. li., Reihe 1) erläuterte aktuelle und zukünftige Herausforderungen in der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln und Prof. Roland Weber (1. v. re., Reihe 1) diskutierte über Pflanzenschutz und Biodiversität in Erwerbsobst-Anlagen.
    Foto 2: In der Schwerpunktveranstaltung Pflanzenschutz stand Rita Lauterbach-Hemman, Referats leiterin Pflanzenschutz im BMEL (2. v. re., Reihe 5), den Delegierten ausführlich Rede und Antwort, Dr. Adrian Engel (1. v. li., Reihe 1) berichtete über PSM-Rückstände auf Import-Obst, Uwe Harzer (3. v. li., Reihe 1) erläuterte aktuelle und zukünftige Herausforderungen in der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln und Prof. Roland Weber (1. v. re., Reihe 1) diskutierte über Pflanzenschutz und Biodiversität in Erwerbsobst-Anlagen.

Damit fehlte natürlich der persönliche Austausch der berufsständischen Vertreter aus ganz Deutschland, zu dem in Grünberg während der Pausen und am Abend in der Bayernstube reichlich Zeit bleibt. Was aber sehr gut funktionierte, das war der Informationsfluss aus dem Vorstand und der Geschäftsstelle, so dass dieses höchste Entscheidungsgremium der Bundesfachgruppe Obstbau über alle wichtigen Entwicklungen informiert wurde, über Sachstände intensiv diskutierte und alle anstehenden Beschlüsse fassen konnte.

 

Ein besonderes Anbaujahr

„Wir blicken auf ein Jahr zurück, wie es sich im Vorfeld keiner von uns vorstellen konnte“, stellte Jens Stechmann, Vorsitzender der Bundesfachgruppe Obstbau, gleich zu Beginn seiner Begrüßung fest. „Natürlich gab es auch für uns zahlreiche Herausforderungen zu meistern, doch insgesamt können wir heute sagen, dass der Obstbau recht gut durch die Krise gekommen ist.“ Jens Stechmann berichtete, dass insbesondere zu Beginn der Pandemie die Verfügbarkeit von Saisonarbeitskräften kritisch war. Aber gemeinsam mit den Trägerverbänden ZVG, DBV und DRV sei es gelungen, dass der Obstbau als systemrelevant eingestuft wurde. Damit wurde die Einreise von Saisonarbeitskräften möglich – auch wenn die Konditionen dafür sehr schwierig und einem ständigen Wandel ausgesetzt waren.

 

Jens Stechmann dankte in diesem Zusammenhang Nicole Spieß vom DBV für die engagierte fachliche Unterstützung, ebenso Romana Hoffmann vom Zentralverband Gartenbau (ZVG). Er betonte, dass die Belastung für alle enorm gewesen sei. Denn auch der Vorstand traf sich in dieser Zeit wöchentlich zum Informationsaustausch per Telefonkonferenz. Doch im Nachhinein könne man sagen, dass sich der Aufwand gelohnt hat. In Politik und Verwaltung vertraue man dem Obstbau. Diese Glaubwürdigkeit sei in der aktuellen Situation äußerst wertvoll. Denn man könne davon ausgehen, dass sich die Produktionsbedingungen 2021 zumindest bis in den Sommer hinein kaum ändern werden.

 

Das politische Geschäft ging 2020 ab dem Sommer wieder los. Insbesondere hinsichtlich des vieldiskutierten Aktionsplans Insektenschutz werde von Seiten des Berufsstandes eine faktenbasierte differenzierte Betrachtung der Sonderkulturen eingefordert. Die durch mehrere Studien belegte hohe Biodiversität in Obstanlagen muss dafür mit Nachdruck in die Öffentlichkeit getragen werden.

 

Wahlen und Benennungen

Am 13. 11. 2020 war Gerd Kalbitz mit sofortiger Wirkung als stellvertretender Vorsitzender der Fachgruppe Obstbau und als deren Vertreter im Bundesausschuss Obst und Gemüse zurückgetreten. Jens Stechmann dankte Gerd Kalbitz herzlich für die langjährige erfolgreiche und engagierte Arbeit für den Berufsstand. Da die Wahlen im sächsischen Landesverband noch nicht abgeschlossen waren, folgte die Delegiertentagung dem Vorschlag des Vorstandes, seinen Stellvertreterposten bis zum kommenden Jahr vakant zu halten. Franz Josef Müller, der sich turnusmäßig der Wahl zum stellvertretenden Vorsitzenden stellte, wurde einstimmig in seinem Amt bestätigt. Ebenso turnusmäßig gab Carina von Jagemann nach drei Jahren das Amt des Rechnungsprüfers an KarlLudwig Rostock weiter. Er wird Andreas Klein und Georg Boekels im kommenden Jahr bei der Rechnungsprüfung unterstützen.

 

Zusätzliche Schwerpunktveranstaltungen

Um alle Themen der Delegiertentagung abhandeln zu können, wurden zusätzlich
zu dieser „formalen“ VideoSitzung am 25. 11. 2020 vier weitere Online-Veranstaltungen mit berufsständischen Schwerpunktthemen angesetzt. Die Landesverbände entsandten dazu Fachleute aus den einzelnen Themengebieten, so dass fachlich sehr intensiv diskutiert werden konnte. Folgende Schwerpunktveranstaltungen fanden statt:

 

– Schwerpunkt Ausbildung

In der Schwerpunktveranstaltung Ausbildung am 1. 12. 2020 waren vor allem Ausbilder und junge Obstbauern gefragt. Denn es ging um die anstehende Novelle der Ausbildungsverordnung für die praktische Ausbildung zum Gärtner. Als Fachreferenten waren Larisa Chvartsman, Referentin für Bildung und Forschung beim ZVG und Markus Bretschneider vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) zugeschaltet. Sie unterstützten die Delegierten bei der Entscheidungsfindung. Grundkonsens war, dass die Qualifikationsanforderungen an Obstbau-Gehilfen in den vergangenen Jahren immer stärker zugenommen haben. Dementsprechend sollte eher eine weitere Differenzierung denn eine Zusammenlegung der Fachrichtungen stattfinden. Die Fachrichtung Obstbau dürfe nicht in einer allgemeinen Gärtner-Ausbildung untergehen. Weitere Termine zur genauen Definition der fachrichtungsspezifischen Inhalte für die neue Ausbildungsverordnung wurden für Januar 2021 vereinbart.

 

– Schwerpunkt Pflanzenschutz

Ein breites Spektrum an Pflanzenschutz-Themen wurde am 2. 12. 2020 in Angriff genommen. Es ging um

• das Aktionsprogramm Insektenschutz inkl. Biodiversität in Obstanlagen

• die aktuelle Zulassungssituation in Deutschland und dem benachbarten Ausland

• Rückstands-Regelungen zum Import von Waren, die nach anderen Produktionsstandards produziert wurden

• anvisierte Notfallzulassungen (nach Art. 53) für 2021

• den Beschluss zur IP-Mittelliste 2021 und

• den aktuellen Stand der neuen IP-Richtlinie.

 

Als Experten waren Dr. Adrian Engel, Pflanzenschutzdienst der LWK NRW und Uwe Harzer, DLR Rheinpfalz, dabei. Jens Stechmann begrüßte außerdem Rita Lauterbach-Hemman, Referatsleiterin Pflanzenschutz im BMEL, die den Delegierten ausführlich Rede und Antwort stand –
und dabei sicherlich auch für das eigene Haus so einige Informationen mitnehmen konnte.

 

– Schwerpunkt Arbeit und Soziales

Um alle Bereiche der Beschäftigung von Saisonarbeitskräften ging es in der Schwerpunktveranstaltung am 16. 12. 2020. Romana Hoffmann, Justiziarin des ZVG, gab einen umfassenden und realistischen Überblick über den aktuellen Stand der Dinge. Sie mahnte, dass eine sozialversicherungsfreie Beschäftigung als kurzfristige Beschäftigung konzipiert wurde und diese Option in allen anderen Ländern der EU gar nicht vorgesehen sei. Insbesondere bei der Angabe „Hausmann/Hausfrau“, bei Arbeitslosen und auch bei eventuellen Wanderarbeitern müssen die Betriebe sehr genau hinschauen, ob die Arbeit im Betrieb nicht doch die wesentliche wirtschaftliche Basis deren Existenz sei.

Außerdem standen die politische Ebene der Kommunikation zum Aktionsprogramm Insektenschutz, der aktuelle Stand zum Thema Umsatzsteuerpauschalierung und die weitere Entwicklung des Mindestlohns auf der Agenda.

 

– Schwerpunkt Öffentlichkeitsarbeit

Die Schwerpunktveranstaltung zum Thema Öffentlichkeitsarbeit steht noch an, sie ist für den 21. 1. 2021 vorgesehen. Gemeinsam mit dem Grünen Medienhaus sollen die Delegierten darüber diskutieren, wie es 2021 mit der Öffentlichkeitsarbeit für Obst aus Deutschland weitergehen soll. Wichtige Fragestellungen werden dabei sein:

• Welche Themen sollten im Vordergrund stehen?

Und:

• Welche Maßnahmen sind am geeignetsten, um das gesetzte Ziel zu erreichen?

 

Dabei wird es letztlich auf eine geschickte Verzahnung aller möglichen Maßnahmen ankommen, um mit dem begrenzten Budget, was der Fachgruppe Obstbau für Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung steht, den maximalen Effekt zu erzielen.

 

Fazit

Alle Delegierten waren sich einig, dass eine digitale Versammlung in der aktuellen Situation das einzig Richtige war. Die Schwerpunktveranstaltungen haben zudem einen deutlichen Mehrwert in Sachen Informationsfluss geboten. Allerdings waren sich alle Delegierten ebenso einig, dass sie sich im kommenden Jahr doch alle wieder im gewohnten Rahmen in der Bildungsstätte Gartenbau in Grünberg treffen wollen…

Über den Autor

Joerg Hilbers, Berlin, E-Mail hilbers-obstbau@g-net.de und Dr. Annette Urbanietz, Klein-Altendorf, E-Mail: urbanietz-obstbau@g-net.de

Herkunft

Dieser Artikel stammt aus Ausgabe 01/2021

Zurück