Fachgruppe

Dr. Annette Urbanietz

Berufsständische Arbeit ist der Schlüssel zum Erfolg!

Delegiertentagung der Fachgruppe Obstbau in Grünberg

    Fotos

  • Foto 1: „Wir im Obstbau haben ein Netzwerk, um das uns viele andere Berufsstände beneiden. Lassen Sie uns deshalb auch weiterhin geschlossen und mit gemeinsamer Stimme auftreten. Für einen starken und erfolgreichen Obstbau“, appellierte Jens Stechmann, Vorsitzender der Fachgruppe Obstbau, an die Delegierten
    Foto 1: „Wir im Obstbau haben ein Netzwerk, um das uns viele andere Berufsstände beneiden. Lassen Sie uns deshalb auch weiterhin geschlossen und mit gemeinsamer Stimme auftreten. Für einen starken und erfolgreichen Obstbau“, appellierte Jens Stechmann, Vorsitzender der Fachgruppe Obstbau, an die Delegierten
  • Foto 2: Die Delegierten der Landesverbände haben sich in Grünberg getroffen, um aktuelle Informationen zu erhalten und um neue Beschlüsse zudiskutieren und zu fassen
    Foto 2: Die Delegierten der Landesverbände haben sich in Grünberg getroffen, um aktuelle Informationen zu erhalten und um neue Beschlüsse zudiskutieren und zu fassen
  • Foto 3: Wilfried Kamphausen von der QS-Gesellschaft betonte, dass das neue Sozialmodul von QS ein freiwilliges Zusatzmodul ist und als gangbare Alternative für diejenigen Betriebe anzusehen ist, die sonst auf das GRASP-Modul von Global GAP angewiesen sind
    Foto 3: Wilfried Kamphausen von der QS-Gesellschaft betonte, dass das neue Sozialmodul von QS ein freiwilliges Zusatzmodul ist und als gangbare Alternative für diejenigen Betriebe anzusehen ist, die sonst auf das GRASP-Modul von Global GAP angewiesen sind
  • Foto 4: Was sind die Merkmale eines erfolgreichen Unternehmers? Das zeigte den Delegierten äußerst eindrucksvoll Clemens große Macke, Mitglied des niedersächsischen Landtages, Landwirt und Unternehmensberater
    Foto 4: Was sind die Merkmale eines erfolgreichen Unternehmers? Das zeigte den Delegierten äußerst eindrucksvoll Clemens große Macke, Mitglied des niedersächsischen Landtages, Landwirt und Unternehmensberater
  • Foto 5: Seit 2012 besteht die vom Berufsstand bereits lange geforderte Möglichkeit, auch im Sonderkulturbereich Wetterrisiken wie Starkregen- und Sturmschäden versichern. Dr. Langner, Vorstandsvorsitzender der Ver-einigten Hagelversicehrung VVaG, zog eine erste Bilanz
    Foto 5: Seit 2012 besteht die vom Berufsstand bereits lange geforderte Möglichkeit, auch im Sonderkulturbereich Wetterrisiken wie Starkregen- und Sturmschäden versichern. Dr. Langner, Vorstandsvorsitzender der Ver-einigten Hagelversicehrung VVaG, zog eine erste Bilanz
  • Foto 6: Die einstimmige Wiederwahl von Jens Stechmann zum Vorsitzenden der Fachgruppe Obstbau zeigte: Die deutschen Obstbauern sind mit der Arbeit ihres Vorsitzenden sehr zufrieden! Im Bild: Jens Stechmann mit seinen drei Stellvertretern Norbert Schäfer (li.), Gerd Kalbitz (2. v. re.) und Franz Josef Müller (re.)
    Foto 6: Die einstimmige Wiederwahl von Jens Stechmann zum Vorsitzenden der Fachgruppe Obstbau zeigte: Die deutschen Obstbauern sind mit der Arbeit ihres Vorsitzenden sehr zufrieden! Im Bild: Jens Stechmann mit seinen drei Stellvertretern Norbert Schäfer (li.), Gerd Kalbitz (2. v. re.) und Franz Josef Müller (re.)

„Berufsständische Arbeit ist der Schlüssel zum Erfolg unserer Obstbaubetriebe, denn nur, wenn die Rahmenbedingungen stimmen, kann erfolgreich gewirtschaftet werden“, stellte Jens Stechmann, Vorsitzender der Fachgruppe Obstbau, in seiner Begrüßung zur Delegiertentagung der Fachgruppe Obstbau fest.

 

Jedes Jahr treffen sich die Delegierten der Landesverbände, um aktuelle Informationen zu erhalten und neue Beschlüsse zu diskutieren und zu fassen, um so die Richtung der berufsständischen Arbeit für das kommende Jahr und darüber hinaus vorzugeben. Dieses Jahr fand das Treffen am 27. und 28. November 2013 in der Bildungsstätte Gartenbau in Grünberg statt. Jens Stechmann betonte, dass er sehr gerne in die verschiedenen Regionen fahre, um mit den Obstbauern zu diskutieren und um die Bedingungen vor Ort kennen zu lernen. Dies sei für ihn ein wichtiger Baustein für eine erfolgreiche Interessenvertretung. „Wir im Obstbau haben ein Netzwerk, um das uns viele andere Berufsstände beneiden. Lassen Sie uns deshalb auch weiterhin geschlossen und mit gemeinsamer Stimme auftreten. Für einen starken und erfolgreiche Obstbau“, appellierte er an die Delegierten.

 

Pflanzenschutz

Jens Stechmann zeigte, dass das Thema Pflanzenschutz nach wie vor eines der wichtigsten Arbeitsgebiete der berufsständischen Arbeit ist. Die Bekämpfung von Feuerbrand, Kirschfruchtfliege, Blutlaus und Wanzen wird auch im kommenden Jahr nicht mit regulär zugelassenen Mitteln erfolgreich möglich sein. Deshalb will die Fachgruppe Obstbau gemeinsam mit den Behörden Strategien entwickeln, damit diese Problemschädlinge im Jahr 2014 nicht zu wirtschaftlich bedrohlichen Ertragsverlusten führen. Erste Termine für entsprechende Gespräche stehen demnächst an. Jens Stechmann dankte in diesem Zusammenhang herzlich den Mitgliedern des Expertengremiums IP, die die Fachgruppe Obstbau tatkräftig dabei unterstützen, die Sorgen und Nöte der Obstbauern zu erkennen und die notwendigen Anträge fachlich versiert zu formulieren.

 

Ausbildung

Ein Problem, dass nicht nur im Obstbau, sondern auch in den anderen gartenbaulichen Berufssparten an Bedeutung zunimmt, ist das Thema Ausbildung. Der Vorstand und die Delegierten der Fachgruppe Obstbau zeigten sich darin einig, dass der deutsche Obstbau nicht nur gut ausgebildete junge Betriebsleiter braucht, sondern ebenso qualifizierte Mitarbeiter und Berater. Die Delegierten begrüßten ausdrücklich den länderübergreifenden obstbauspezifischen Berufsschulunterricht, wie er bereits in Bayern und Baden-Württemberg erfolgreich praktiziert wird und wie er in diesem Jahr erstmals auch für Berufsschüler des dritten Lehrjahres aus Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen angeboten wird. Intensiviert werden müsse die Werbung für den Ausbildungsberuf „Gärtner der Fachrichtung Obstbau“, um mehr junge und fachfremde Menschen für diesen Beruf zu begeistern. Gleichzeitig geht ein dringender Appell an alle Obstbauern in Deutschland, wieder verstärkt Ausbildungsplätze anzubieten. Denn, wie die Studie der Fachhochschule Osnabrück zum Fachkräftemangel in Deutschland zweifelsohne ergeben hat, viel zu wenig Obstbaubetriebe in Deutschland bilden neue Gärtner aus, um den steigenden Fachkräftebedarf in dieser Berufssparte decken zu können.

 

QS-Zusatzmodul zu Sozialstandards

„Erst spät wurde an die Fachgruppe Obstbau und den Bundesausschuss Obst und Gemüse herangetragen, dass gewisse Einzelhandelsketten von den Erzeugern fordern, das GRASP-Modul von Global GAP zu Sozialstandards ab 2014 einzuhalten“, berichtete Jens Stechmann. „Darin enthalten sind aber Forderungen, die aus datenschutzrechtlicher und betriebswirtschaftlicher Sicht für die Obst- und Gemüsebaubetriebe nicht tragbar sind. Wir sind daraufhin an diese Einzelhandelsketten herangetreten und haben mit ihnen vereinbart, dass die Umsetzung des GRASP-Moduls zunächst ausgesetzt wird. Voraussetzung war allerdings, dass die QS-Gesellschaft ein entsprechendes Modul zu Sozialstandards entwickelt.“

Wilfried Kamphausen von der QS-Gesellschaft stellte das von QS, Berufsstand und Vermarktungsketten daraufhin gemeinsam entwickelte neue Sozialmodul von QS vor. Er betonte, dass es sich dabei um ein freiwilliges Zusatzmodul handelt. Es ist als gangbare Alternative für diejenigen Betriebe anzusehen, die sonst auf das GRASP-Modul von Global GAP angewiesen wären. Für alle anderen Betriebe habe es keine Relevanz. „Wir starten im Januar 2014 in die Pilotphase und betreten damit völliges Neuland“, erklärte er. „Die Rückmeldungen aus der Praxis sind für uns deshalb außerordentlich wichtig. Sie stellen die Grundlage für eine objektive Prüfung des Leitfadens dar.“ Wilfried Kamphausen betonte, dass die Prüfung nur im Rahmen eines regulären Audits durchgeführt werde und unabhängig von jeder amtlichen Kontrolle sei.

In der anschließenden Diskussion waren sich die Delegierten einig, dass der Berufsstand im Bezug auf Forderungen von Seiten des LEH Geschlossenheit demonstrieren müsse. „Es darf nicht sein, dass einzelne Betriebe bzw. Erzeugergemeinschaften Unterschriften leisten, ohne zuvor den Berufsstand über die Forderungen des LEH informiert zu haben“, machte Jens Stechmann deutlich. Sozialstandards werden in Deutschland bereits durch amtliche Kontrollen geprüft. Daher seien alle zusätzlichen Prüfmechanismen nur als ein weiterer Baustein der zunehmenden Bürokratisierung zu sehen und damit abzulehnen.

 

Nachhaltigkeit

„Unser Projekt zum Nachhaltigen Obstbau ist ein Projekt des gesamten Berufsstandes, das hier in der Delegiertentagung einstimmig verabschiedet worden ist“, erklärte Jens Stechmann. „Die Botschaft, was wir wollen, ist aber bei vielen Betrieben noch nicht angekommen. Deshalb appellierte er an die Delegierten, in ihren Regionen mit den Anbauern darüber zu diskutieren, welche Maßnahmen möglich sind und wie sie umgesetzt werden können. „Voraussetzung muss sein, dass die freiwillig erstellten Biotope, die wir zur Steigerung der Biodiversität anlegen, jederzeit im Rahmen der betrieblichen Weiterentwicklung modifizierbar bzw. rückbaubar sein müssen“, hob er hervor. Als integralen Bestandteil der neuen Strategie bezeichnete er Kommunika-tion und berichtete, dass bereits erste Kontakte zu einer Werbeagentur für Markenkommunikation aufgenommen worden sind.

Ökonomisch tragbar, ökologisch machbar und sozial verträglich – das sollen die Grundsätze der neuen Nachhaltigkeitsstrategie des deutschen Obstbaus sein. Dr. Gerd Palm, der intensiv in die Entwicklung dieses Nachhaltigkeitskonzeptes eingebunden ist, machte deutlich, dass das Projekt nur dann erfolgreich sein kann, wenn Nachhaltigkeit in den Betrieben gelebt wird, denn sie muss für den Verbraucher glaubhaft und nachvollziehbar sein. Er zeigte die weiteren Schritte auf, die sich im Dialog mit den Anbauern in verschiedenen Anbauregionen als realisierbar herausgestellt haben. Gleichzeitig mahnte er aber auch, dass er keine Patentlösungen anbieten könne. Jeder Betrieb müsse für sich selbst herausfinden, was machbar sei. Und: Es besteht noch viel Forschungsbedarf!

 

Unternehmer sein – was heißt das?

Was sind die Merkmale erfolgreicher Unternehmen? Lautete die Eingangsfrage von Clemens große Macke, der Mitglied des niedersächsischen Landtages, Landwirt und Unternehmensberater gleichzeitig ist. Denn bei gleicher Ausstattung gibt es Betriebe, die erfolgreicher sind als andere. Clemens große Macke zog daraus den Schluss, dass es am Unternehmer selbst liegen müsse und zeigte auf, welche Eigenschaften ein Unternehmer mitbringen sollte, um erfolgreich zu sein.

Er machte deutlich, wie wichtig es ist, die Zeichen der Zeit rechtzeitig zu erkennen um schneller zu sein als die anderen. Gleichzeitig brauche ein Unternehmer den Mumm, auch einmal gegen den Strom zu schwimmen. „Wählen Sie Ihre Einstellung zum Beruf – wenn sie das Unternehmertum nicht mögen, werden Sie etwas anderes“, rief er den Delegierten zu, „denn letztendlich sind Sie der Kopf des Unternehmens – und der Fisch fängt vom Kopf her zu stinken an.“ Je größer der Betrieb werde, desto wichtiger werde die Kommunikationskompetenz für den Betriebsleiter. Er forderte alle Obstbauern auf, sich in der berufsständischen Arbeit zu engagieren, denn nur so sei es möglich, die Rahmenbedingungen für den eigenen Betrieb möglichst optimal zu gestalten. „Wähle, wolle und verantworte Dein Tun!“, so der Grundsatz von Clemens große Macke. Er machte deutlich, dass ein jeder Unternehmer sein Handeln stets kritisch hinterfragen müsse, um nicht in Betriebsblindheit zu verfallen. Auch deshalb müsse sich ein Unternehmer ganz bewusst Freiräume schaffen, um vordenken zu können. Verlässliche, qualifizierte und mitdenkende Mitarbeiter sind für ihn aus diesem Grund eine wichtige Voraussetzung für den Betriebserfolg.

Und nicht zuletzt: „Das Familienleben darf ich auch als Unternehmer nie aus den Augen verlieren!“ mahnte Clemens große Macke. „Denn hier tanke ich mein Akku wieder auf.“ Für ihn sind Glück und Zufriedenheit deshalb mindestens ebenso wichtige Bestandteile eines erfolgreichen Unternehmertums wie die vorher Genannten.

 

Absicherung von Elementarschäden

„Die Wirkung der Treibhausgase wird sehr unterschiedlich bewertet“, erklärte Dr. Rainer Langner, Vorstandsvorsitzender der Vereinigten Hagelversicherung VVaG. „Das Wettergeschehen insgesamt ist sehr komplex. Es ist deshalb mutig, absolute Aussagen zu machen. Wir sehen aber schon eine Veränderung im Bereich Wetterrisiken.“ Dr. Langner ging auf die versicherungstechnischen Aspekte des Elbhochwassers 2013 ein und machte deutlich, dass diejenigen, die versichert waren, in der Regel ihr Geld schnell bekommen haben. Diejenigen, die auf Hilfe des Staates hoffen mussten, stünden hier schlechter da. Gleichzeitig musste er aber auch feststellen, dass Überflutungsschäden in Überflutungsgebieten in der Regel gar nicht versicherbar seien.

„Die Hagelversicherung ist ein Versicherungsverein, der den Versicherten gehört. Die eingezahlte Summe fließt also nicht aus dem System ab“, betonte Dr. Langner. Die Schadensquoten seien witterungsabhängig deutlichen Schwankungen unterworfen, der Obstbau habe dabei im Mittel der vergangenen Jahre sogar ein Minus gebracht. Er zeigte, dass die Hagelvereinigung 2013 die höchste jemals gezahlte Schadensleistung zahlen musste und dass aus diesem Grund ein Anheben der Prämien notwendig sei. Hagelnetze sieht er explizit nicht als Konkurrenz zur Hagelversicherung: „Überall dort, wo sich ein Hagelnetz lohnt, bringt doch eine Hagelversicherung nichts, weil die Versicherung für alle Beteiligten viel zu teuer wäre.“

Seit 2012 besteht nun die vom Berufsstand bereits lange geforderte Möglichkeit, auch im Sonderkulturbereich Wetterrisiken wie Starkregen- und Sturmschäden zu versichern. Dr. Langner zog eine erste Bilanz: „Die Versicherung für Hagel ist im Obstbau bereits teuer, deshalb ist die Nachfrage bisher relativ gering.“ Auch wenn eine freiwillige Versicherung ein sinnvolles Instrument des betrieblichen Risikomanagements sei, seien die Grenzen der Versicherbarkeit ohne Förderung hier erreicht. Dr. Langner zeigte deshalb, welche Fördermöglichkeiten Obstbauern in anderen Ländern der EU in Anspruch nehmen können.

 

Wahlen

Da die Ämter bei der Fachgruppe Obstbau im dreijährigen Turnus gewählt werden, stand in diesem Jahr die Wiederwahl vom Vorsitzenden Jens Stechmann an. Das einstimmige Votum der Delegierten zeigte: Die deutschen Obstbauern sind mit der Arbeit ihres Vorsitzenden sehr zufrieden!

Aus dem gleichen Grund stimmten die Delegierten auch einstimmig dafür, dass Norbert Schäfer, Koblenz-Dieblich, weitere drei Jahre zu seinen drei Stellvertretern gehören soll.

Als Nachfolger von Karl Ludwig Rostock, Krombach, als einer von drei Rechnungsprüfern wurde Kathrin Walter, Geschäftsführerin des LVEO, vorgeschlagen. Auch hier fiel die Wahl einstimmig aus. Sie wird im kommenden Jahr gemeinsam mit Gerd Beckmann, Hollern-Twielenfleth, und Johannes Weilandt, Salzkotten, die Rechnungsprüfung übernehmen.

Die Delegierten dankten herzlich Rolf Schuback, Hollern-Twielenfleth, der nach zehn Jahren Interessenvertretung für den deutschen Obstbau aus dem ZVG-Ausbildungsausschuss ausgeschieden ist. Die Delegierten bestimmten Christiane Mager vom Netzwerk Junger Obstbauern zu seiner Nachfolgerin.

Und als Vertreter für den Obstbau im Umweltausschuss des ZVG wählten die Delegierten Dirk Quast, Jork.

Über den Autor

Dr. Annette Urbanietz, Bonn, E-Mail: urbanietz-obstbau@g-net.de

Herkunft

Dieser Artikel stammt aus Ausgabe 01/2014

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