Editorials

Jens Stechmann und Joerg Hilbers

Liebe Obstbäuerinnen und Obstbauern!

Das Jahr geht zu Ende und wie niemals vorher stand der Obstbau im Zeichen der gesellschaftlichen Debatte um Klimawandel und Umweltschutz.

Volksbegehren und politische Programme sollen unsere obstbauliche Produktion verändern. Die Forderungen und geplanten Auflagen sind jedoch geprägt von politischer Opportunität, wissenschaftliche Fakten werden bisher nicht oder nicht ausreichend berücksichtigt. Viele Betriebe, insbesondere solche, deren Flächen in Schutzgebieten liegen, fragen sich, ob die Produktion von Obst in Deutschland mittelfristig möglich sein wird.

 

Der Berufsstand wehrt sich: Mit Demonstrationen und Sternfahrten, Aufklärungsaktionen in Fußgängerzonen, Bannern, Flyern, Vorträgen, Presseterminen und in Gesprächen mit Politikern und Bürgern versuchen Obstbauern und Verbandsvertreter auf die Widersprüchlichkeit der Forderungen hinzuweisen. Besonders erfolgreich gelingt dieses über die neuen Medien, ein herausragendes Beispiel sind die „Bodenseebauern.de.“ Mit ihrem Youtube-Beitrag zur Erläuterung der Grünen Kreuze erreichten sie knapp 250.000 Menschen. Ihre Aktivitäten auf Facebook und Instagram werden angeklickt, kommentiert und weitergeleitet.

 

Wir können sehr stolz darauf sein, dass die allermeisten Gespräche mit den Verbrauchern in sachlicher und konstruktiver Weise verlaufen. Beispielhaft ist die Philosophie der „Bodenseebauern“, die lautet: „Respektvolle und wertschätzende Aufklärung mit dem Angebot zum friedlichen Dialog“.

 

Doch auch innerhalb unseres Berufsstandes gibt es Gesprächsbedarf. Wie weit gehen wir auf Forderungen der Politik nach zusätzlicher Ökologisierung ein? Diese Frage wurden auf der Delegiertenversammlung, die im November in Grünberg stattfand, durchaus kontrovers diskutiert.

 

Mut machen die Berichte aus Baden-Württemberg. Gestandene und erfahrene Obstbauern zeigen dort, dass durch die vielseitigen Aktivitäten des Berufsstandes zum Thema Volksbegehren der Dialog mit der Bevölkerung, auch und insbesondere zum Thema Pflanzenschutz, dem Obstbau ein ehrliches und gutes Image gibt. Bürger und Politiker nehmen uns wahr, der Pflanzenschutz ist kein Tabuthema mehr. Weiter so!

 

Das Aktionsprogramm Insektenschutz ist bisher Kabinettsbeschluss, ein Insektenschutzgesetz soll erarbeitet werden. Die Änderungen im Naturschutzrecht, Pflanzenschutzrecht, Düngerecht sowie Wasserrecht müssen durch den Bundestag und den Bundesrat. Zum Volksbegehren in Baden-Württemberg liegt inzwischen ein Gegenentwurf der Landesregierung vor. Darin sind die Forderungen zwar etwas praktikabler formuliert, aber dennoch so nicht akzeptabel.

 

Sollten diese Vorhaben 1:1 umgesetzt werden, würde dies ein unvorstellbares Maß an staatlicher Regulierung und Enteignung bedeuten. Dabei sind viele Schutzgebiete doch erst entstanden, weil dort seit Jahrzehnten Obstbau betrieben wird.

 

Was können wir tun?

Wichtig ist, weiter mit Hochdruck unsere Betroffenheit und die Widersprüchlichkeit der Programme und Gesetzesvorgaben darzustellen. Dabei müssen wir in konstruktivem Dialog die bisherigen Leistungen des Obstbaus hervorheben und Lösungsmöglichkeiten aufzeigen. Die zeitnahe Erstellung einer neuen Richtlinie IP wird uns dabei helfen.

 

Viele Aktionen laufen: Der von der Bodenseeregion und dem Imkerverband unterstützte Volksantrag des Badischen Bauernverbandes, Grüne Kreuze, Kundgebungen, Webseiten wie www.bodenseebiene.de und eine Vielzahl von Informationsveranstaltungen. Sie alle führen zu dem dringend notwendigen Dialog mit der Bevölkerung. Wir suchen und finden natürlich auch das Gespräch mit verantwortlichen Politikern auf allen Ebenen.

 

Verhaltene Hoffnung machen die auf der Agrarministerkonferenz in Mainz geäußerte Position einer Reihe der Landwirtschaftsminister der Länder und das durch die vielen Aktionen wachsende Verständnis vieler Mitbürger.

 

Es wurde schon viel getan, vielfältige Herausforderungen stehen uns für das Jahr 2020 noch bevor. Gemeinsam haben wir gute Chancen, dass eine faktenbasierte Entscheidungsfindung doch noch gelingen kann. Packen wir es an!

 

Aber erst einmal wünschen wir Ihnen und Ihrer Familie ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

 

 

 

 

Jens Stechmann                            Joerg Hilbers
- Bundesvorsitzender -                 - Geschäftsführer - 

Über den Autor

Jens Stechmann und Joerg Hilbers

Herkunft

Dieser Artikel stammt aus Ausgabe 12/2019

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