Leitartikel Februar 2012
Flächenschutz geht jeden an!
Tag für Tag verlieren wir wertvolle Anbauflächen durch Überbauung und Versiegelung. Diese Flächen gehen für Landwirtschaft und Gartenbau unwiederbringlich verloren. Allein hier in Deutschland beträgt dieser Flächenverlust rund 90 Hektar - pro Tag! Dabei benötigen wir diese Böden dringend, um auch in Zukunft gesundes und sicheres Obst zu erzeugen. Auch die für eine Energiewende benötigte Biomasse muss irgendwo produziert werden. Die Flächenkonkurrenz allein zwischen Obstbau und Biomasse wird durch diese Entwicklung weiter verschärft. Seit 1992 sind schon über 820.000 Hektar fruchtbarer Boden versiegelt worden und für die landwirtschaftliche und gartenbauliche Nutzung für immer verloren gegangen. Um die Versorgungssicherheit bei Nahrungsmitteln und nachwachsenden Rohstoffen nicht zu gefährden, ist ein Umdenken und Umsteuern dringend erforderlich. Es ahnen mittlerweile viele, auch in der Wissenschaft und Politik, dass wir beim Thema Fläche nicht mehr so weiter machen können wie bisher.
Deshalb ist die Zeit gekommen, dass auch der Deutsche Bundestag sich dieses Themas annimmt und einen gesetzlichen Schutz landwirtschaftlicher und gartenbaulicher Flächen beschließt. Zum Ende des Jahres 2011 hat der Deutsche Bauernverband (DBV) zur Drosselung des Flächenverbrauchs für Bau-, Gewerbe- und Infrastruktureinrichtungen eine öffentliche Petition beim Deutschen Bundestag eingereicht. Der Gesetzgeber soll sich gemäß der Petition um eine entsprechende Gesetzesinitiative und wirksame Maßnahmen zur Reduzierung des Flächenverbrauchs kümmern.
Es geht bei dieser Initiative nicht um einen pauschalen Baustopp, sondern um einen intelligenten Schutz unserer Nutzflächen. Und zwar gemeinsam mit den Besitzern. Jeder Hektar wird gebraucht! Es kann doch nicht sein, dass trotz steigender Nachfrage nach Lebensmitteln und Biomasserohstoffen jetzt auch noch aus Brüssel der Vorschlag kommt, 7% der Anbauflächen quasi stillzulegen. Was für ein Irrsinn! Dieses Greening der Gemeinsamen Agrarpolitik kann doch nicht bedeuten, europaweit fünf Millionen Hektar und in Deutschland 600.000 Hektar aus der Produktion zu nehmen. Die Situation ist doch schon ausreichend irrwitzig. Da sorgt auf der einen Seite die Überbauung für eine schnelle Schrumpfung. Und auf der anderen Seite werden teilweise unsinnige Ausgleichsmaßnahmen für Eingriffe in die Natur verlangt. Hier muss zukünftig mehr auf Qualität statt auf Quantität gesetzt werden.
Auch der Natur- und Landschaftsschutz ist betroffen, denn durch den Flächenverbrauch werden Landschaften zerschnitten und Lebensräume für Tiere und Pflanzen bedroht. Das Rückgrat des heutigen Naturschutzes ist die Erhaltung der Lebensräume von Tier- und Pflanzenarten durch die Ausweisung von Schutzgebieten. In den vergangenen Jahren wurden weiter zahlreiche neue großräumige Schutzgebiete ausgewiesen. Im weltweiten Vergleich ist in Deutschland ein vergleichsweise hoher Anteil der Landesfläche unter Schutz gestellt. Eine Entwicklung, die in dieser Form unbedingt ein Ende haben muss!
Die Bundesfachgruppe Obstbau unterstützt die Petition des DBV und wir bitten Sie hiermit auch um Ihre Mithilfe! Ab 50.000 Unterschriften muss sich der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages offiziell mit dem Thema beschäftigen. Jeder kann die Petition Flächenverbrauch senken und landwirtschaftliche und gartenbauliche Nutzflächen schützen' mit seiner Unterschrift unterstützen. Wir haben dieser Ausgabe von OBSTBAU ein entsprechendes Formular beigefügt. Bitte nutzen Sie dieses und lassen auch die Familie, den Freundeskreis und die Nachbarschaft unterschreiben. Gerne kann dieser Aufruf an weitere Kollegen, Freunde, Verwandte und Bekannte weitergeleitet werden. Seit dem 20. Januar 2012 kann die Petition auch online auf der Seite des Deutschen Bundestages (https://epetitionen.bundestag.de/index.php) gezeichnet werden.
Vielen Dank für Ihre Unterstützung!
Jens Stechmann
Jörg Disselborg
AUSGABE 02/2012
