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Leitartikel Juli 2010

Gemeinsame Agrarpolitik - Zukunftspolitik der EU für Landwirtschaft und Gesellschaft

Landwirtschaft im Allgemeinen und der Obstbau im Speziellen sind nicht nur Erzeuger, sondern auch Dienstleister für unsere Gesellschaft. Nachhaltige Produktion, Ernährungssicherung, Ressourcenschonung, Biodiversität, Erhalt der Kulturlandschaft - all diese Schlagwörter gesellschaftlicher Diskussionen werden durch uns mit Leben gefüllt. Damit dies auch zukünftig so bleibt, bedarf es einer starken, gemeinsamen EU- Agrarpolitik. EU- Agrarkommissar Dacian Ciolo wird im November diesen Jahres erste Vorschläge zur Fortentwicklung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) nach 2013 vorlegen. Seit dem Jahr 2008 profitiert auch der Obstbau von den EU- Direktzahlungen. Ab dem Jahr 2013 gilt dann auch für den Obstbau eine einheitliche Flächenprämie. Deshalb sind die anstehenden Beratungen auch für uns von besonderem Interesse. Warum benötigen wir eine starke EU-Agrarpolitik?

  • " Seit 20 Jahren betreibt die Europäische Union eine Politik der internationalen Öffnung der Agrarmärkte und des Rückzugs aus der direkten Marktregulierung. Hier entwickeln sich viele Chancen, aber auch Risiken für den Obstbau
  • " Auch dem Obstbau hat man im Laufe der Jahre eine Vielzahl zusätzlicher Auflagen und gesellschaftlich gewollter Aufgaben aufgebürdet, wodurch auch zusätzliche Kosten und betriebliche Belastungen entstanden.
  • " Diese Zusatzleistungen der Landwirtschaft und des Obstbaus müssen ausgeglichen und entlohnt werden. Dafür braucht es zwingend eine starke und verlässliche Agrarpolitik - mit dem Instrument der Flächenprämie - auf Ebene der Europäischen Union!

Der Obstbau ist auf eine intakte Umwelt und biologische Vielfalt angewiesen. Eine nachhaltige Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen Land und Wasser sind unser ureigenstes Interesse. Der Klimawandel stellt den Obstbau vor neue Herausforderungen. Der von außen verursachte Klimawandel wirkt sich bei uns ganz konkret aus, insbesondere bei Hagelereignissen und Starkregen. Obstbauern produzieren gesundes und sicheres Obst zu günstigen Preisen. Das kommt der ganzen Gesellschaft zu Gute. Landwirtschaft und Obstbau spielen eine fundamentale Rolle, wenn es um den Schutz der Umwelt, den Erhalt der Kulturlandschaft und die Herausforderungen des Klimawandels geht.

Unsere Positionen zur Entwicklung der EU- Agrarpolitik lauten deshalb:

  • " Landwirtschaft und Obstbau sind moderne und leistungsfähige Wirtschaftszweige. Davon profitiert jeder einzelne Bürger, nicht nur in Form einer günstigen, gesunden und sicheren Ernährung, sondern auch durch die Pflege und den Erhalt der Kulturlandschaften und die Sicherung natürlicher Lebensgrundlagen.
  • " EU-finanzierte Agrarzahlungen müssen erhalten bleiben, um die vielen öffentlichen Leistungen weiter zu ermöglichen. Aber auch um ein Sicherheitsnetz für Markt- und wetterbegingte Krisensituationen aufzubauen. Ein mögliches Abschmelzen der finanziellen Ausstattung steht in keiner Relation zu den ständig wachsenden Ansprüchen an die gesellschaftlichen Leistungen der Landwirtschaft. Schließlich macht der Gesamthaushalt der Gemeinsamen Agrarpolitik nicht einmal einen Prozent der gesamten öffentlichen Ausgaben der EU-Länder aus.
  • " Keine Kürzung der Direktzahlungen zu Gunsten von Maßnahmen des Umwelt-, Natur-, Tier- und Verbraucherschutzes außerhalb der Landwirtschaft.
  • " Direktzahlungen sind als zentrales Element der EU- Agrarpolitik für die Landwirtschaft fortzuführen.

Es ist unabdingbar, dass auch wir Obstbauern unsere Belange in die politischen Diskussionen hineintragen. Gemeinsam mit unseren Trägerverbänden und unseren verbandspolitischen Vertretern in Brüssel werden wir dies auch "nachhaltig" tun!

Gerhard Kneib

Jörg Disselborg

Vergangene Leitartikel aus dem Jahr 2010:

AUSGABE 07/2010
Titelbild OBSTBAU