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Leitartikel Juni 2010

Der Obstbau steht für biologische Vielfalt

Die Vereinten Nationen haben 2010 zum internationalen Jahr der biologischen Vielfalt erklärt. "Der Schutz der biologischen Vielfalt hat dieselbe Dimension wie die Frage des Klimaschutzes. Wir brauchen eine Trendwende, jetzt unmittelbar, nicht irgendwann", erklärte dazu Bundeskanzlerin Merkel.

Was ist Biodiversität und was gehört alles dazu? Die kürzeste Definition, die zu finden ist, benötigt ganze sechs Wörter: Biodiversität ist die Vielfalt des Lebens. Die Vielfalt des Lebens lässt sich auf drei Ebenen beschreiben:

  • Vielfalt der Ökosysteme
  • Vielfalt der Arten
  • Vielfalt der Gene

Einige Leser mögen nun denken: Schon wieder so ein schwammiger Begriff, mit dem wir uns herumschlagen müssen! Haben wir nicht schon genug um die Ohren? Schlechte Preise, Wetterkapriolen und Unsicherheit bei der Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln. Irgendwann reicht es!

Aber: Der Erhalt des kulturellen Erbes, des Naturhaushaltes und der Kulturlandschaft ist dem Obstbauern bereits in die Wiege gelegt. Wirtschaftliche Anforderungen und Umweltschutzziele werden im Bereich der kontrolliert Integrierten und der ökologischen Obstproduktion miteinander in Einklang gebracht. Gemäß dem EU- Pflanzenschutzpaket sind die Mitgliedsstaaten verpflichtet, sogenannte nationale Aktionspläne einzuführen oder bestehende anzupassen. Hier müssen quantitative Zielvorgaben, Maßnahmen und Zeitpläne zur Verringerung der Risiken und der Auswirkungen der Anwendung von chemischen Pflanzenschutzmitteln formuliert werden. Eine zentrale Aufgabe für alle Mitgliedsstaaten ist dabei auch die verbindliche Einführung allgemeiner Grundsätze des Integrierten Pflanzenschutzes bis zum 01. Januar 2014. Sowohl im Nationalen Aktionsplan, als auch in den IP- Grundsätzen, müssen auch Bezüge zur Biodiversität hergestellt werden. Wir müssen nicht betonen, dass alle Zielvorgaben praktisch umsetzbar und vermittelbar sein müssen. Dies kann nur gelingen, wenn wissenschaftlich fundierte Fakten und keine ideologischen Beweggründe Grundlage der Diskussionen sind.

Die moderne Landwirtschaft muss hohe Erträge erzielen. Dies ist auch möglich, wenn sich die intensiv bewirtschafteten Flächen mit natürlichen Lebensräumen abwechseln, in denen zahlreiche Tier- und Pflanzenarten ein Zuhause haben.

  • Der Obstbau als Dauerkultur bietet wertvolle Lebensräume für eine ausserordentliche biologische Vielfalt und hat somit erheblichen Anteil an der Biodiversität in unserer Kulturlandschaft
  • Eine ökologische Orientierung kann nur im Einklang mit den ökonomischen Zielen des Obstbaus gelingen.
  • Der integrierte Pflanzenschutz ist ein großer Erfolg! Die erzielten Fortschritte und umgesetzten Maßnahmen der vergangenen Jahre dürfen nicht vergessen und müssen berücksichtigt werden
  • Freiwillige Leistungen zur Erreichung realistischer Naturschutzziele sind ein wichtiger Beitrag zum Erhalt und Ausbau der Biodiversität. Aber: Diese Leistungen müssen auch durch Finanzmittel aus Agrar- Umweltmaßnahmen honoriert werden.

Der ökologische und der kontrolliert Integrierte Obstbau haben die Voraussetzungen, viele umweltpolitische Ziele zu erreichen. Entscheidend für den Erfolg ist eine weitsichtige Formulierung dieser Ziele, im Einklang mit uns! Insbesondere der Obstbau leistet bereits seit vielen Jahren einen entscheidenden Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt.

Gerhard Kneib

Jörg Disselborg

Vergangene Leitartikel aus dem Jahr 2010:

AUSGABE 06/2010
Titelbild OBSTBAU