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Leitartikel Mai 2010

Gefahr oder Gelegenheit? Preiskrise der europäischen Obstbranche

1,4 Millionen Tonnen deutschen Obst haben den Markt im vergangenen Jahr unter starken Mengendruck gesetzt. Das die Wirtschaftskrise ebenfalls ihre Auswirkungen auf das Geschehen an den Märkten hatte, ist unbestritten. Der deutsche Lebensmitteleinzelhandel befindet sich weiter auf dem Kurs des Preiskampfes und leistet dem Konzentrationsprozess weiter Vorschub. Zahlreiche Obstprodukte wurden unter dem Einstandspreis und damit unter Erzeugerkosten verkauft. Dieser Situation sind wir nahezu wehrlos ausgeliefert. Um eine weitere Vermarktungskrise zu verhindern, müssen schnellstmöglich grenzübergreifende und verlässliche Wettbewerbsregelungen geschaffen werden. Nur so kann eine funktionierende Anbieterkonzentration auf der Vermarktungsseite verwirklicht werden, um der Nachfragemacht des Lebensmitteleinzelhandels entgegen zu treten. Auch alle direktvermarktenden Betriebe werden von dieser möglichen neuen Situation profitieren können. Was muss also passieren?

Weichenstellungen der Europäischen Union

  • " Auf EU- Ebene müssen umgehend Maßnahmen ergriffen werden, die ein schnelles Krisenmanagement ermöglichen. Dazu gehört auch ein Überdenken kartellrechtlicher Bestimmungen. Erzeugerorganisationen innerhalb der EU dürfen bis heute keine marktrelevanten Informationen austauschen. Erzeugerorganisationen müssen zukünftig legale Instrumente zur Verfügung gestellt bekommen, um steuernd in das Mengenangebot einzugreifen. Und zwar bis die Marktstörungen durch Überangebote behoben und die Preise stabilisiert sind.
  • " Das Schulobstprogramm ist eine gute Idee. Dahinter steckt jedoch ein wahres Bürokratiemonster. Auf den Kampf mit diesem Monster wollen sich in Deutschland leider nur wenige Bundesländer einlassen und Millionen Euro bleiben ungenutzt in Brüssel liegen. Hier muss dringend nachgebessert werden. Bürokratische Kontrollmechanismen dürfen nicht im Vordergrund stehen. Es geht um eine gesunde und sichere Ernärhrung!
  • " Die Herkunft eines Produktes hat für den Verbraucher einen hohen Stellenwert. Die Pflicht zur Angabe des Ursprungslandes muss beibehalten und zukünftig auch auf Verarbeitungserzeugnisse ausgedehnt werden.

Konsum auf dem Binnenmarkt ankurbeln

  • " Werbung und Öffentlichkeitsarbeit sind unerlässlich. Dazu sagte Henry Ford: "Enten legen ihre Eier in aller Stille. Hühner gackern dabei wie verrückt. Was ist die Folge? Alle Welt ißt Hühnereier."
  • " Mitte März wurde das Pressebüro Deutsches Obst und Gemüse gegründet. So soll ein Teil des Basismarketings und der Pressearbeit firmenübergreifend organisiert werden. Neben den Erzeugerorganisationen sind alle Firmen der Obst- und Gemüse-Branche zur finanziellen Unterstützung dieser Arbeit eingeladen.

Das Wort Krise setzt sich im Chinesischen aus zwei Schriftzeichen zusammen: Das eine bedeutet Gefahr und das andere Gelegenheit. Die Fachgruppe Obstbau wird gemeinsam mit den Trägerverbänden alle Gelegenheiten nutzen, konstruktive Lösungsansätze aufzuzeigen und in die politischen Diskussionen in Brüssel und Berlin einzubringen.

Gerhard Kneib

Jörg Disselborg

Vergangene Leitartikel aus dem Jahr 2010:

AUSGABE 05/2010
Titelbild OBSTBAU