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Leitartikel Januar 2010

Prosit Neujahr - 2010 möge dem Obstbau Nutzen bringen

Das Jahresende ist kein Ende und der Jahresanfang auch kein Anfang. Vielmehr ist es ein Weiterleben mit der Weisheit, die uns die Erfahrung gelehrt hat. Im zurückliegenden Jahr 2009 haben wir Obstbauern viele Erfahrungen gemacht. Dazu gehören individuelle Erfahrungen auf Betriebsebene und gemeinsame Erfahrungen, die wir im Gesamtverband teilen. Es waren Gute, aber auch Schlechte. Große Probleme haben wir als Fachverband des deutschen Obstbaus erkannt und in Angriff genommen. Und zwar bestenfalls, solange sie noch klein waren. Viele Fragestellungen, die unsere Betriebe existenziell betreffen, sind noch ungeklärt und müssen weiter thematisiert werden. Das Ringen um sachgerechte Lösungen geht auch im Jahr 2010 weiter. Uns erwarten zahlreiche kleine und auch große Aufgaben und Herausfordungen.

Im Mai 2011 entfällt die Beschränkung der Arbeitnehmerfreizügigkeit für polnische Arbeitnehmer in Deutschland. Wir fordern weiterhin neue bilaterale Verträge zwischen Deutschland und Nicht-EU-Staaten, wie Ukraine und Weißrussland. Im Koalitionsvertrag ist formuliert: "Die Regelungen für die Beschäftigung von Saisonarbeitskräften werden auch im Interesse der Sonderkulturbetriebe vereinfacht." Wir werden genau hinschauen, ob dies auch umgesetzt wird.

Die gesamte Wertschöpfungskette im Obstbau hat berechtigtes Interesse an zumindest kostendeckenden Preisen. Europaweite und nationale Wettbewerbsbeschränkungen erschweren eine solche Preisfindung. Deshalb fordern wir die Abschaffung von solchen Beschränkungen, die eine sachgerechte Preisfindung am Markt verhindern. Auch der Lebensmitteleinzelhandel muss von den sachlich unbegründeten Standards beim Pflanzenschutzmitteleinsatz Abstand nehmen. Nationale und regionale Produktangebote müssen verstärkt präsentiert werden.

In den bisherigen Diskussionen des Nationalen Aktionsplanes Pflanzenschutz haben wir besonders betont, dass alle Zielvorgaben praktisch umsetzbar und vermittelbar sein müssen. Auch die Stärkung und Intensivierung der Beratung unserer Betriebe ist eine entscheidende Grundlage für einen nachhaltigen integrierten Pflanzenschutz. In den anstehenden Gesprächen um die Weiterentwicklung des Nationalen Aktionsplanes werden wir uns maßgeblich für die Belange des deutschen Obstbaus einsetzen. Die Diskussionen werden wir mit unseren Vorstellungen gestalten und damit auch zukünftige Strukturen prägen.

Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und der Verbraucherschutz sind kein Widerspruch. Die Bundesfachgruppe Obstbau wird auch in Zukunft offensiv in die Öffentlichkeit gehen. Es gilt, die Instrumentalisierung des Themenbereiches Pflanzenschutz zur Verunsicherung und Verängstigung der Verbraucher zu verhindern. Wir setzen uns für einen nachhaltigen Pflanzenschutz ein. Mit den Behörden im Zulassungs- und Genehmigungsverfahren stehen wir in einem engen Dialog. Wo es möglich ist, werden wir entstandene Lücken im Pflanzenschutz schließen.

Wir fordern ein vereinfachtes, beschleunigtes Genehmigungs- und Zulassungsverfahren und die Einführung probabilistischer Bewertungsmethoden.

Es ist Aufgabe und Auftrag der Fachgruppe Obstbau, Probleme, Ziele und Forderungen des Berufsstandes an die entscheidenden Stellen zu transportieren. Viele Menschen wenden mehr Zeit und Kraft auf, um Probleme herumzureden, anstatt sie anzupacken. Auch in diesem Jahr werden wir zupacken, um die Rahmenbedingungen für unsere Betriebe mit Verantwortung zu gestalten.

Unseren Familien und Verbandsmitgliedern, allen Funktionsträgern, den Beratern und Behörden, mit denen wir zusammenarbeiten, gilt ein herzliches Dankeschön. Wir freuen uns auf die Fortsetzung der guten Zusammenarbeit.

Für das Jahr 2010 wünschen wir Ihnen und Ihren Familien alles Glück und Gesundheit. Ihren Betrieben wünschen wir besonders viel Erfolg!

Gerhard Kneib

Jörg Disselborg

Vergangene Leitartikel aus dem Jahr 2010:

AUSGABE 01/2010
Titelbild OBSTBAU